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Kampen (Niederlande)

ehemalige Hansestadt in der niederländischen Provinz Overijssel

OrteBearbeiten

In Klammern die Einwohnerzahl (Januar 2007):

Lage und WirtschaftBearbeiten

Die Stadt liegt an der Mündung der IJssel im Ketelmeer. Dieser 35 km² große See ist mit dem größeren IJsselmeer verbunden. Kampen hat drei Verkehrsbrücken über die IJssel. Die Stadt ist der Endpunkt einer Kleinbahn nach Zwolle; der Bahnhof liegt am anderen Ufer des Flusses, gegenüber der Stadt. Durch die Grabung des Reevediep liegen die Hansestadt Kampen und zwei kleine Ortschaften nicht mehr auf einer Halbinsel, sondern auf einer Flussinsel und sind nur noch über Brücken und einen Tunnel erreichbar.[2]

Kampen hat zwei theologische Fakultäten verschiedener protestantischer Kirchen und eine Kunstakademie. Die Landwirtschaft, vor allem Molkereien (in der Umgebung Polder mit nährstoffreichen Wiesen), und verschiedene kleinere Industriebetriebe und Werften sowie der Tourismus (Wassersport; historische Altstadt) sind die Haupterwerbsquellen.

VerkehrBearbeiten

Kampen liegt an der N50. Die N50 wird in der Zukunft umgebaut zur A50. Kampen ist auch mit der Bahn von Zwolle aus zu erreichen. Die Linie war früher Teil der Strecke Utrecht-Kampen. Bahnhof Kampen (Nord) ist der Bahnhof an dem Kamperlijntje. Die Bahnlinie sollte ab 2012 für Straßenbahnen umgebaut werden; dabei sollte Kampen einen zusätzlichen Bahnhof Kampen Oost erhalten. Diese Pläne sind vorläufig auf Eis gestellt worden, weil sie zu teuer sind. Ende 2012 wurde die Hanzelijn, eine Bahnlinie zwischen Lelystad und Zwolle eröffnet, an der der Bahnhof Kampen Zuid liegt. In Kampen halten auch mehrere Buslinien: Im Jahre 2008: die Linie 74 (Kampen – GenemuidenHasselt – Zwolle), die Linie 140 (Zwolle Campus – Dronten – Melisse), Linie 141 (Zwolle – EmmeloordUrk), Linie 143 (Kampen – Dronten – Lelystad), und die Hanzelijner. Jedes Jahr ändert sich jedoch die Lage; immer mehr Buslinien fallen Sparmaßnahmen zum Opfer. Weiter gibt es die städtischen Linien 11 und 12. Kampen hat seit einigen Jahren auch den sogenannten Zuiderzeehaven, einen neuen, 50 Hektar großen Hafen.

GeschichteBearbeiten

MittelalterBearbeiten

Kampen, auch Campen geschrieben, entstand um das Jahr 1000 aus einem Dorf entlang einem Deich. 1236 erhielt Kampen Stadtrecht, welches es wahrscheinlich gewohnheitsrechtlich schon vorher wahrnahm.

Schon früh war Kampen eine wichtige Hafen- und Handelsstadt wegen seiner Lage an der Flussmündung. Heringe wurde von Kampen aus in die Rheingegenden, nach Westfalen, Flandern, Frankreich, England, Dänemark, Norwegen und zu den Ostseestaaten verschifft. So wurde unter anderem Kampen 1289 von Norwegen, 1294 von England, 1295 von Flandern und 1313 von Schweden die Handelsfreiheit verbrieft. 1323 schloss die Stadt mit der Gemeinde Terschelling einen Vertrag zum Schutz der Einfahrt und sie erhielt die Erlaubnis dafür ein Seezeichen zu errichten. Im wirtschaftlichen Kampf zwischen der Hanse und Flandern von 1358 bis 1360 ergriff Kampen für Flandern Partei und erhielt 1361 das Groot-Privilege van Vlaanderen. Die Stadt trat 1441 dann doch der Hanse bei (der Hansebrief dazu ging beim Rathausbrand 1543 verloren). Kampen war einige Zeit die wichtigste niederländische Stadt in diesem Städteverbund und wirkte eng mit den Partnerstädten Deventer und Zwolle zusammen. Im 15. Jahrhundert hatten die Drei Städte eine gemeinschaftliche Münze.

 
Karten Kampen vom Blaeu's Toonneel der Steden

1416 wurde vermeldet, dass Kampen 120 schepen bi der See hatte und bei 9000 Kommunikanten, somit wahrscheinlich um die 12 bis 14.000 Einwohner, aufwies, also so groß war wie Amsterdam.

Im 14. Jahrhundert gab es am Ort eine Tuchindustrie und dazu 1335 ein wanthues der Tuchhändler und der waardijns (Warenschaumeister). Auch die Glockengießerkunst von Kampen war gegen Ende des 15. Jahrhunderts bekannt. Der berühmte holländische Glockengießer Geert van Wou (1440–1527) wirkte hier. Gegossen wurden aber auch Kanonen.

1448 wurde die erste Brücke über die Ijssel gebaut. Eine neue Stadtgracht war wegen der zunehmenden Bevölkerung notwendig. Die Fahrrinne zum Meer musste ausgebaut werden. Die mittelalterliche Sankt-Nikolaus-Kirche und die Kirche Unsere Liebfrauen wurden erweitert, das alte Rathaus entstand sowie Klöster, Bruderschaftshäuser, Pesthäuser und Spitäler. Die Gilden waren wichtige Institutionen in der Stadt.[3]

Neuere ZeitBearbeiten

Seit dem 15. Jahrhundert verlor Kampen an Bedeutung, da sich Probleme mit dem Wasserstand ergeben hatten. Aber auch die Folgen von Kriegen, der Niedergang der Hanse und die Handelskonkurrenz zu Holland trugen dazu bei, dass sich die Stadt nur in geringerem Maße weiter entwickeln konnte. Noch im 16. Jahrhundert wurden Frachtschiffe aus Kampen in den Ostseestädten sowie in Bremen und Hamburg wie auch in England vermeldet. Im 17. Jahrhundert wurde der Nieuwe Toren (Neuer Turm) erbaut.

Vom 19. Jahrhundert bis etwa 1970 war Kampen ein Zentrum der Zigarrenherstellung.

2017 wurde Kampen der Ehrentitel „Reformationsstadt Europas“ durch die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa verliehen.[4]

Grafhorst und WilsumBearbeiten

Die Orte Grafhorst und Wilsum erhielten ebenfalls im Mittelalter Stadtrechte, wuchsen aber nie zu richtigen Städten aus. Grafhorst wurde 1849 durch eine Brandkatastrophe nahezu völlig zerstört.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

GebäudeBearbeiten

  • Rathaus, mit einer schönen Innenausstattung, zum Teil aus dem 16. Jahrhundert
  • Drei Stadttore, u. a. das Cellebroederspoort und das weiße Koornmarktspoort, die von der IJssel sichtbar sind
  • Neuer Turm (Nieuwe Toren) vom im 17. Jahrhundert, mit vier Glocken aus den 1480er Jahren, die aus einem anderen Gebäude kamen, und einem Glockenspiel vom Glockengießer Hemony.
  • Drei alte Kirchen, von denen vor allem die Nikolaus- oder Obere Kirche (Bovenkerk) sehenswert ist. Bekanntheit hat die Hinsz-Orgel erlangt.

Von den alten Häusern sind nur wenige erhalten:

  • Das bekannteste ist das Gotische Haus, das bis 2006 das Stadtmuseum beherbergte. Es wurde im 19. Jahrhundert durch Pierre Cuypers stark restauriert.
  • Die IJsselfront, die Häuserzeile entlang des Flusses, datiert, aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.

MuseenBearbeiten

  • Das Städtische Museum hat den Charakter eines größeren Heimatmuseums. Es hat 2009 im alten Rathaus und in der ehemaligen Synagoge zwei neue Ausstellungsorte erhalten. Ein großer Teil der Sammlung des ehemaligen Tabaksmuseums ist jetzt hier untergebracht.
  • Im Koornmarktspoort werden Wechselausstellungen gegeben.
  • Ikonenmuseum.
  • Nieuwe Toren mit wechselnden Ausstellungen

Sehenswürdigkeiten außerhalb der StadtBearbeiten

  • Dorfkirche von Wilsum aus dem 11. Jahrhundert
  • Windmühle von Zalk (1860)
  • Dorfkirche von IJsselmuiden (Anfang des 13. Jahrhunderts)
  • Fluss- und Wiesenlandschaft, reich an Vögeln.

BilderBearbeiten

StädtepartnerschaftenBearbeiten

Die Stadt Kampen pflegt Städtepartnerschaften mit folgenden Städten:

PersönlichkeitenBearbeiten

EhrenbürgerBearbeiten

Söhne und Töchter der StadtBearbeiten

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt habenBearbeiten

  • Hendrick Avercamp (1585–1634), Maler, der Stumme von Kampen (de Stomme van Kampen); nach ihm sind die Avercampstraat und ein Café benannt.
  • Gerhard van Wou (1440–1527), Glockengießer. Er schuf die Gloriosa für den Erfurter Dom, die im Allgemeinen als sein Meisterwerk betrachtet wird.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Kampen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bevolkingsontwikkeling; regio per maand. In: StatLine. Centraal Bureau voor de Statistiek (niederländisch)
  2. Reevediep helemaal open voor recreatievaart.
  3. Johann Don: Das niederländische Kampen als althansische Schiffahrts- und Reederstadt – ein Parallelfall zu Bremen. In: Bremisches Jahrbuch. Band 51, 1969, ISSN 0341-9622, S. 67–63, Schünemann, Bremen 1969 (online).
  4. Reformationsstadt Kampen. Den Startschuss gab Philipp. In: reformation-cities.org/cities, abgerufen am 28. Mai 2018.