Ivry-sur-Seine

französische Gemeinde

Ivry-sur-Seine (vor 1897 Ivry) ist eine französische Gemeinde im Département Val-de-Marne in der Region Île-de-France. Sie befindet sich etwa sieben Kilometer südöstlich des Pariser Zentrums.

Ivry-sur-Seine
Ivry-sur-Seine (Frankreich)
Staat Frankreich
Region Île-de-France
Département (Nr.) Val-de-Marne (94)
Arrondissement L’Haÿ-les-Roses
Kanton Ivry-sur-Seine (Hauptort)
Gemeindeverband Métropole du Grand Paris und
Grand-Orly Seine Bièvre
Koordinaten 48° 49′ N, 2° 23′ OKoordinaten: 48° 49′ N, 2° 23′ O
Höhe 28–68 m
Fläche 6,13 km²
Einwohner 63.748 (1. Januar 2019)
Bevölkerungsdichte 10.399 Einw./km²
Postleitzahl 94200
INSEE-Code
Website http://www.ivry94.fr/

Rathaus von Ivry-sur-Seine

Die Stadt hat 63.748 Einwohner (Stand 1. Januar 2019); die Fläche beträgt 6,10 km².

GeschichteBearbeiten

Im 13. Jahrhundert gehörten die Pfarrkirche und eine kleinere benachbarte Kapelle dem im Bourg Saint-Marcel vor den Toren von Paris angesiedelten Kollegiatstift St. Marcel, das dort auch Lehensgüter und Manus-mortua-Güter besaß. Im Jahr 1238 wurden in Ivry, Theodosim (Thiais) und Laiacum oder Laï (L’Haÿ-les-Roses) einhundertfünfzig Untertanen oder mani sowie ihre Frauen, Kinder und weiteren Nachkommen aus der Leibeigenschaft entlassen.[1] Im 19. Jahrhundert wurde das Fort d’Ivry errichtet, das der Verteidigung der Hauptstadt Paris dienen sollte.

Mitte des 19. Jahrhunderts begann die Industrialisierung des Ortes. Er wurde wie zahlreiche Vororte von Paris (banlieue rouge) zu einem Zentrum der Arbeiterbewegung, bis heute stellt die kommunistische PCF den Bürgermeister. In den Jahren 1961 bis 1963 entstand eine Großwohnsiedlung mit dem Namen Cité Gagarine, die vom Namensgeber Juri Gagarin persönlich eingeweiht wurde. Diese wurde ab dem Jahr 2019 abgerissen, um eine neue Siedlung zu erbauen.[2][3] Die Stadt ist seit dem Zweiten Weltkrieg Anziehungspunkt für Einwanderer, v. a. aus den Antillen, dem Maghreb, Indochina und Subsahara-Afrika.

Am 11. März 1963 fand im Fort d’Ivry die letzte Hinrichtung durch ein Erschießungskommando in Frankreich statt. Bestraft wurde dadurch Jean Bastien-Thiry, Organisator des Attentats auf Charles de Gaulle. Es war zugleich die letzte Verurteilung zum Tode durch ein Militärgericht in Frankreich.[4]

VerkehrBearbeiten

Durch die Metrolinie 7 (Stationen Pierre et Marie Curie und Mairie d'Ivry) sowie die Schnellbahnlinie RER C ist Ivry gut in das Nahverkehrssystem im Großraum Paris eingebunden.

Im Norden der Stadt verläuft die Europastraße 15, die hier ein Teilstück des Boulevard périphérique, der inneren Ringautobahn der französischen Hauptstadt ist.

Der Flughafen Paris-Orly liegt etwa zehn Kilometer südlich von Ivry.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

Siehe: Liste der Monuments historiques in Ivry-sur-Seine

Lehre und ForschungBearbeiten

StädtepartnerschaftenBearbeiten

PersönlichkeitenBearbeiten

EhrenbürgerBearbeiten

  • Reinhold Kietz (1927–1994), Oberbürgermeister der Stadt Brandenburg an der Havel
  • Elvira Lippitz (* 1927), Oberbürgermeisterin der Stadt Brandenburg an der Havel
  • Franz Dahlem (1892–1981), deutscher KPD- und SED-Politiker
  • Ernst Scholz (1913–1986), Minister für Bauwesen der DDR
  • Marwan Barghuthi (* 1959), palästinensischer Politiker

LiteraturBearbeiten

  • Le Patrimoine des Communes du Val-de-Marne. 2. Auflage. Flohic Editions, Charenton-le-Pont 1994, ISBN 2-908958-94-5.

WeblinksBearbeiten

Commons: Ivry-sur-Seine – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

FußnotenBearbeiten

  1. Felibien, Histoire de Paris: [Nous] «les quittons, absolvons entièremment et émancipons pour toujours du joug de la servitude, auquel ils étoient soumis par nous et par notre Eglise, nos droits sur les hôtes et habitants de ces villages, nos censives, nos dimes et nos autres rentes.», zitiert von Dulaure, S. 85.
  2. K. Berkemann: Cité Gagarine: Experiment beendet. ModerneREGIONAL, 1. September 2019, abgerufen am 1. September 2019.
  3. Maxime François: Ivry-sur-Seine dit adieu à la cité Gagarine. Le Parisien, 30. August 2019, abgerufen am 1. September 2019 (französisch).
  4. Agnès Bastien-Thiry: Mon père le dernier des fusillés. éd. Michalon, Paris 2005, ISBN 2-84186-266-6 (französisch).