International Psychoanalytic University Berlin

private Hochschule in Berlin

Die International Psychoanalytic University Berlin (deutsch: Internationale Psychoanalytische Universität in Berlin, kurz IPU) ist eine 2009 gegründete staatlich anerkannte und vom Wissenschaftsrat 2014 akkreditierte[3] private Hochschule. Im April 2020 erfolgte eine erfolgreiche Reakkreditierung.[4] Träger ist die International Psychoanalytic University Berlin gGmbH, deren alleinige Gesellschafterin derzeit die Stiftung zur Förderung der universitären Psychoanalyse ist. Diese Stiftung wurde von Christa Rohde-Dachser ebenfalls 2009 gegründet.[5] Ehren- und Gründungspräsident der IPU ist Jürgen Körner.[6]

International Psychoanalytic University Berlin
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Gründung 2009
Trägerschaft International Psychoanalytic University Berlin gGmbH
Ort Berlin
Bundesland Berlin
Land Deutschland
Präsident Jan-Hendrik Olbertz
Studenten 632[1]
Mitarbeiter 70 wissenschaftliche Mitarbeiter,
19 Lehrbeauftragte[2]
davon Professoren 36[2]
Website www.ipu-berlin.de

GeschichteBearbeiten

Christa Rohde-Dachser folgte 1987 in Frankfurt am Main auf den Lehrstuhl, der ursprünglich für Alexander Mitscherlich eingerichtet wurde. Die akademische Psychologie favorisierte die naturwissenschaftlich geprägte Verhaltenstherapie, Psychoanalyse wurde vom Prüfungsfach zum Wahlfach zurückgestuft. Nach 13 Jahren akademischem Lehrbetrieb stellte sie die Frage: „Wo soll der Nachwuchs an psychoanalytischen Professoren und Forschern da herkommen?“ Mit 6 Millionen Euro Stiftungskapital gründete sie gemeinsam mit Jürgen Körner 2009 eine eigene Hochschule für Psychoanalyse. Manuela Heim berichtete in der Berliner taz darüber.[7]

Mit dem Erbe des Vaters rief Rohde-Dachser zunächst die Stiftung zur Förderung der universitären Psychoanalyse ins Leben, welche Gesellschafterin des Trägers der IPU, der International Psychoanalytic University Berlin gGmbH wurde.[8] Hintergrund war eine universitäre Entwicklung, die auch dazu geführt hatte, dass psychologische Lehrstühle über viele Jahre hinweg immer seltener mit Psychoanalytikern besetzt wurden.[9] Rohde-Dachser beschreibt das Ziel der Gründung der IPU wie folgt:

„Damit sollte der Psychoanalyse innerhalb der deutschen Universitätslandschaft, in der sie durch die naturwissenschaftliche Orientierung der akademischen Psychologie in den letzten Jahrzehnten immer mehr zurückgedrängt wurde, wieder ein akademischer Standort geschaffen werden, in dem Lehre und Forschung nicht nur auf psychologischer, sondern auch auf psychoanalytischer Grundlage wieder wachsen und gedeihen konnten.“

Rohde-Dachser: IPU[10]

Die IPU hat sich über die Jahre entwickelt, inhaltlich, aber auch quantitativ, was sich am Ausbau der Curricula und an der wachsenden Zahl der Studierenden und der Mitarbeiter zeigt. Im Wintersemester 2017/18 gab es 632 Studierende (gegenüber 583 Studierenden im Wintersemester 2015/16[11]) und 115 wissenschaftliche Mitarbeiter. Um auch weniger begüterten Interessenten die Möglichkeit eines Studiums zu eröffnen, wurde ein Finanzierungsmodell entwickelt, das unter dem Begriff umgekehrter Generationenvertrag angeboten wird. Den Teilnehmern an diesem Programm wird das Studium finanziert und „im Gegenzug“ zahlen sie einen „prozentualen Anteil“ für die „Finanzierung weiterer Studienplätze“ zurück, sobald sie „über ein Mindesteinkommen verfügen“.[12]

AkkreditierungenBearbeiten

Die IPU Berlin ist vom Wissenschaftsrat mit Wirkung vom 27. November 2014 institutionell akkreditiert worden. Die IPU entspricht den wissenschaftlichen Maßstäben einer Hochschule. Aufgrund mangelnder fachlicher Breite entspräche sie nicht den Maßstäben, die der Wissenschaftsrat an eine Universität anlegt. Angesichts erheblicher Defizite in der Leitungsstruktur gelangte der Wissenschaftsrat zwar zu einem positiven Akkreditierungsvotum, erteilte aber Auflagen. Das Recht des Aufsichtsrats der Trägergesellschaft, die spezifische wissenschaftliche Ausrichtung der Hochschule zu kontrollieren, musste aus der Geschäftsordnung des Aufsichtsrates der Trägergesellschaft gestrichen werden. 10 weitere Auflagen waren innerhalb eines Jahres zu erfüllen und bis zum Zeitpunkt der Reakkreditierung sollte eine stärkere Methodenpluralität sowohl in der Lehre als auch in der Forschung sichergestellt werden. Außerdem werden 5 Empfehlungen gegeben.[3]

Im April 2020 erfolgte eine erfolgreiche Reakkreditierung. Die Entscheidung zur Reakkreditierung verbindet der Wissenschaftsrat mit Auflagen zur Governance sowie zur Sicherstellung der hauptberuflichen professoralen Lehre. Es werden verschiedene Empfehlungen insbesondere zur Stärkung der Forschung gegeben.[13]

Die IPU wurde vom Berliner Senat als Hochschule in freier Trägerschaft (private Hochschule) staatlich anerkannt.[14] Laut Eigenangabe erfolgte dies als Hochschule mit Universitätsstatus. Damit sind die zu erwerbenden Abschlüsse aller Studiengänge rechtlich denen jeder anderen deutschen Hochschule gleichgestellt. Die Curricula des Bachelor- und des Masterstudiengangs „Psychologie“ stellen bei konsekutiver Absolvierung die allgemein anerkannten Voraussetzungen für eine anschließende Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten ebenso wie eine einschlägige wissenschaftliche Befähigung sicher.[4]

Der Bachelor- als auch der Masterstudiengang Psychologie an der IPU Berlin wurden durch die vom deutschen Akkreditierungsrat zertifizierte Akkreditierungsagentur ACQUIN zertifiziert.[15]

StudienmöglichkeitenBearbeiten

An der IPU wird das Fach Psychologie mit Ausbildungsinhalten angeboten, die eine geisteswissenschaftliche Orientierung der psychoanalytischen Psychologie mit der naturwissenschaftlichen Ausrichtung der akademischen Psychologie integrierend verknüpft. Aktuell (mit Stand Sommersemester 2018) werden ein Bachelor of Science Studiengang für Psychologie und fünf Master of Arts-Programme angeboten. Wie jede deutsche Hochschule kann die IPU eigenständig darüber entscheiden, welchen akademischen Grad sie vergibt.

Ein Master of Arts-Programm in Psychologie stellt innerhalb der deutschen Hochschullandschaft ein Alleinstellungsmerkmal dar, ansonsten werden im Fach Psychologie die akademischen Grade Bachelor bzw. Master of Science vergeben. Dadurch wird die geisteswissenschaftliche Verortung der psychoanalytischen Psychologie von der IPU besonders betont. Anders stellt sich die Situation in den USA dar, wo Studienprogramme in Psychologie häufig im Rahmen von Bachelor of Arts bzw. Master of Arts-Programmen angeboten werden.[16] Die IPU stellte zum Wintersemester 2017/2018 den Bachelor of Arts Psychologie auf den Bachelor of Science Psychologie um, da sie den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Psychologie folgte, welche neuerdings den Bachelor of Science in Psychologie als Zugangsvoraussetzung für ein konsekutives Master-Programm empfiehlt.

Übersicht:[17]

  • Bachelor of Science (BSc)[18]
  • Master of Arts (MA) Psychologie (Ausrichtung „Klinische Psychologie und Psychoanalyse“)[19]
  • Master of Arts (MA) English track (seit WS 2017/18)[20][21]
  • Master of Arts (MA) Interdisziplinäre Psychosentherapie[22]
  • Master of Arts (MA) Psychoanalytische Kulturwissenschaften[23]
  • Master of Arts (MA) Leadership und Beratung[24]

Die Studienbewerber müssen sich einem zweistufigen Auswahlverfahren durch die Hochschule stellen: Neben der schriftlichen Bewerbung findet ein Auswahlgespräch statt. Die IPU Berlin erhebt keinen Numerus clausus (NC) auf die Studiengänge.[25]

In Kooperation mit der Humboldt-Universität (Institut für Rehabilitationswissenschaften) bietet die IPU das Promotionsbegleitprogramm Postgraduate Study Programme to Accompany Individual Doctoral Dissertations (kurz: PSAID) an, das von Michael B. Buchholz geleitet wird.[26] Der Wissenschaftsrat sieht „aufgrund struktureller Defizite im Personalbereich mit Auswirkungen auf die Forschungsleistungen sowie nicht hinreichend konkretisierter Planungen zur künftigen Nachwuchsförderung derzeit keine hinreichende Grundlage für die eigenständige Ausübung des Promotionsrechts“.[13]

RankingBearbeiten

Der Master of Arts Psychologie belegte bei seiner erstmaligen Teilnahme am CHE-Masterranking (2016) auf Anhieb den ersten Platz vor der Universität Mannheim als bester staatlicher Universität. Die IPU Berlin liegt in 12 der insgesamt 13 untersuchten Kategorien in der Spitzengruppe. Damit ist sie insgesamt die beste Universität für ein Masterstudium im Fach Psychologie.[27][28]

Leitung und Gremien sowie HochschullehrerBearbeiten

Die Universitätsleitung der IPU Berlin besteht aus der Präsidentin Lilli Gast (Interimspräsidentin), der Vize-Präsidentin Birgit Stürmer und dem Kanzler Rainer Kleinholz. Der Akademische Senat (12 stimmberechtigte Personen) und ein Wissenschaftlicher Beirat (8 externe Personen) unterstützen die Leitung. Außerdem existiert ein 25-köpfiges International Advisory Board.[29]

Nach Jürgen Körner (2009 bis 2012) folgten Martin Teising (2012 bis 2018) und Ilka Quindeau (2018 bis 2020) als Präsidenten.

Hochschullehrer (Auswahl)Bearbeiten

Hochschullehrer[2]

  • Bernd Ahrbeck
  • Michael B. Buchholz
  • Tamara Fischmann
  • Benigna Gerisch
  • Dorothea von Haebler
  • Andreas Hamburger
  • Insa Härtel
  • Dorothea Huber
  • Christine Kirchhoff
  • Annette M. Klein
  • Lars Kuchinke
  • Thomas Kühn
  • Phil C. Langer
  • Susanne Lanwerd
  • Elfriede Löchel
  • Christiane Ludwig-Körner
  • Gunther Meinlschmitt
  • Simone Salzer
  • Konrad Schnabel
  • Christiane Steinert
  • Christine Stelzel
  • Annette Streeck-Fischer
  • Birgit Stürmer
  • Gavin B. Sullivan
  • Lutz Wittmann

HochschulambulanzBearbeiten

Die IPU unterhält seit November 2011 eine von Heinrich Deserno gegründete psychotherapeutische Hochschulambulanz, die nach §117 SGB V ermächtigt ist, die dort erbrachten Leistungen mit den gesetzlichen Krankenkassen abzurechnen.[30] Seit 2015 obliegt ihre Leitung dem Hochschullehrer Lutz Wittmann. Die klinische Arbeit ist in die Lehre und Forschung der IPU eingebettet.

Das Leistungsspektrum umfasst Diagnostik, Therapie und Krisenintervention bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Angeboten werden alle anerkannten Richtlinienverfahren, also die analytische Psychotherapie, die tiefenpsychologisch-fundierte Psychotherapie und die Verhaltenstherapie und diese, je nach Indikation, im einzel- oder gruppentherapeutischen Setting. Das Angebot richtet sich an alle Altersgruppen und schließt keine infragekommenden Störungsbilder aus. Darüber hinaus wird eine Eltern-Säuglings-Kleinkind-Psychotherapie (EKSP) auf analytischer Grundlage angeboten. Beratung und Behandlungen in englischer Sprache sind möglich.[31]

Die Hochschulambulanz betreibt eine sogenannte Forschungswerkstatt mit jährlich organisierten Veranstaltungen, die jeweils spezifische Themen aus der Arbeit mit den Patienten vorstellen.[32] Sie nahm ihre Arbeit im Jahr 2012 auf mit der Debatte um die Diagnostik der Struktur. Danach befasste sie sich mit dem Erstgespräch (2013), mit qualitativer Sozialforschung in der Psychoanalyse (2014), mit Psychotherapie im dritten Lebensalter (2015), mit Angst und Persönlichkeit (2016) und mit dem Traumabegriff (2017). Im November 2018 wird es um die Debatte über Nebenwirkungen von Psychotherapie gehen.

IPU FörderkreisBearbeiten

Der Verein Freunde und Förderer der IPU e.V. unterstützt Forschung und Ausbildung an der IPU. Ferner bildet er eine Plattform zur interdisziplinären Vernetzung zwischen der IPU und unterschiedlichen Verbänden, Unternehmen und der Politik.[33] Neben natürlichen Personen können auch Organisationen Mitglied werden. Die erste Vorsitzende ist Christa Marahrens-Schürg.

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistischer Bericht. Studierende an Hochschulen in Berlin Wintersemester 2017/2018. (PDF; 220 KB) Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, 2017, S. 4, abgerufen am 25. August 2018.
  2. a b c Stand: 1. November 2020
  3. a b Wissenschaftsrat: Stellungnahme des Wissenschaftsrats zur Akkreditierung der International Psychoanalytic University (IPU), Berlin. (PDF; 342 KB) 24. Oktober 2014, abgerufen am 25. August 2018.
  4. a b IPU Berlin: Homepage, Abschnitt: Staatliche Anerkennung und Akkreditierungen (unten). Abgerufen am 25. August 2018.
  5. Stiftung zur Förderung der universitären Psychoanalyse auf deutsches-stiftungszentrum.de
  6. Trägerschaft auf ipu-berlin.de
  7. Manuela Heim: Freud hat noch eine Couch in Berlin. In: taz. 12. Februar 2012, abgerufen am 25. August 2018.
  8. Martin Teising: IPU News. Hohe Auszeichnung für Frau Prof. Rohde-Dachser. Abgerufen am 25. Februar 2017: „Ziel der Stiftung ist es, die in der universitären Psychologie in den zurückliegenden Jahren zugunsten verhaltenswissenschaftlicher Ansätze vernachlässigte Psychoanalyse mit ihrer Konzentration auf unbewusste Vorgänge wieder zur Geltung zu bringen.“
  9. Edith Kresta: Dumme Vorurteile über Freud. In: taz. 12. Januar 2016, abgerufen am 23. Februar 2017: „Das Paradox fängt an den Universitäten an: Es wird fast nur Verhaltenstherapie gelehrt, obwohl beide Verfahrensweisen, die Verhaltenstherapie und die Psychoanalyse, in Deutschland von den Krankenkassen anerkannt sind.“
  10. Christa Rohde-Dachser: International Psychoanalytic University Berlin (IPU) – die erste Hochschule für Psychoanalyse in Deutschland. Abgerufen am 25. August 2018.
  11. Studierende an Hochschulen in Berlin Wintersemester 2015/2016. Teil 2: Ausführliche Ergebnisse. (PDF; 518,43 KB) Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, 2016, S. 14, abgerufen am 25. August 2018.
  12. IPU Berlin: Der Umgekehrte Generationenvertrag (UGV). Jetzt studieren – später zahlen. Abgerufen am 25. August 2018.
  13. a b Wissenschaftsrat: Drei Entscheidungen im Verfahren der Institutionellen Akkreditierung Informationsdienst Wissenschaften vom 27. April 2020
  14. Vom Land Berlin staatlich anerkannte Hochschulen in freier Trägerschaft auf berlin.de
  15. IPU Berlin: Studiengänge BA und MA Psychologie akkreditiert. Abgerufen am 25. August 2018.
  16. What is a BA in Psychology? In: Careers in Psychology. Abgerufen am 25. August 2018 (englisch).
  17. IPU Berlin: Studienangebot Bachelor- und Masterstudiengänge. Abgerufen am 25. August 2018.
  18. IPU Berlin: Bachelorstudiengang Psychologie PLUS. Abgerufen am 25. August 2018.
  19. IPU Berlin: Masterstudiengang Psychologie. Abgerufen am 26. August 2018.
  20. IPU Berlin: MA Psychology (English track). Abgerufen am 26. August 2018 (englisch).
  21. International Psychanalytic University Berlin: MA Psychology. In: psychology-berlin.com. Abgerufen am 4. Januar 2017 (englisch).
  22. IPU Berlin: Studiengang MA Interdisziplinäre Psychosentherapie. Abgerufen am 25. August 2018.
  23. IPU Berlin: Masterstudiengang Psychoanalytische Kulturwissenschaften. Abgerufen am 26. August 2018.
  24. IPU Berlin: Studiengang MA Leadership und Beratung. Abgerufen am 25. August 2018.
  25. IPU Berlin: Zulassungsbedingungen und Bewerbungsprozess. Abgerufen am 25. August 2018.
  26. IPU Berlin: Promotionsbegleitprogramm PSAID. Abgerufen am 26. August 2018.
  27. Ranking für Psychologie. Abgerufen am 17. August 2018.
  28. CHE-Masterranking Psychologie: Mannheim ist die beste staatliche Universität für das Studium. Abgerufen am 17. August 2018.
  29. Gremien auf ipu-berlin.de
  30. IPU Berlin: Psychotherapeutische Hochschulambulanz. Abgerufen am 26. August 2018.
  31. IPU Berlin: Leistungsangebot. Abgerufen am 26. August 2018.
  32. IPU Berlin: Forschungswerkstatt. Abgerufen am 26. August 2018.
  33. IPU Berlin: Verein der Freunde und Förderer der IPU e. V. Abgerufen am 26. August 2018.

Koordinaten: 52° 31′ 26,3″ N, 13° 20′ 33,8″ O