Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin

Hochschule in Berlin

Die Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW Berlin) ist mit fast 14.000 Studierenden und über 500 Beschäftigten die größte staatliche Fachhochschule Berlins und Ostdeutschlands. Es existieren etwa 70 Studienangebote in den Bereichen Technik, Informatik, Wirtschaft, Kultur und Gestaltung.[4]

Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin
Logo
Gründung 1994[1]
Trägerschaft staatlich
Ort Berlin
Bundesland BerlinBerlin Berlin
Land DeutschlandDeutschland Deutschland
Präsident Carsten Busch
Studierende 13.922 SoSe 2018[2]
Mitarbeiter etwa 1155 (2020)
davon Professoren etwa 295 (2020)[2]
Jahresetat 89,6 Mio. € (2018)[3]
Netzwerke EUA, HAWtech
Website www.htw-berlin.de

Die HTW Berlin verteilt sich auf zwei Standorte: den Campus Treskowallee in Berlin-Karlshorst und den Campus Wilhelminenhof in Berlin-Oberschöneweide.[5]

GeschichteBearbeiten

Fachschule für Dekomponieren, Komponieren und MusterzeichnenBearbeiten

 
Der 1919 eingeweihte Neubau der Höheren Fachschule für Textil- und Bekleidungsindustrie am Warschauer Platz Berlin

Die Fachschule für Dekomponieren, Komponieren und Musterzeichnen wurde 1874 gegründet, aus ihr entwickelte sich die Höhere Webeschule Berlin. Als diese nicht mehr den gestiegenen Anforderungen der Textil-Industrie genügte, wurde sie 1912 zur Höheren Fachschule für Textil- und Bekleidungsindustrie erweitert. Für diese ist von 1909 bis 1914 unter Leitung von Ludwig Hoffmann am Warschauer Platz in Berlin-Friedrichshain ein Neubau errichtet worden,[6] der wegen des Ersten Weltkrieges erst 1919 bezogen werden konnte.[7] Am 1. Juli 1918 wurde Ernst Flemming zum Direktor berufen, der vorher als Hochschullehrer an der Höheren Webeschule und der Höheren Fachschule für Textil- und Bekleidungsindustrie lehrte.

Die Fachschule wurde später zur Textil- und Modeschule der Stadt Berlin, dann Ingenieurschule für Bekleidungstechnik und ab 1990 ein Teil der Ingenieurhochschule Berlin. 1994 wurde der gesamte Bereich Bekleidungstechnik in die FHTW übernommen. Heute umfasst der Fachbereich Gestaltung der HTW Berlin neben Modedesign mehrere Gestaltungs- und Kulturstudiengänge, beispielsweise Kommunikations-, Industrie- oder Gamedesign. Seit Sommer 2006 befindet sich der Fachbereich im Stadtteil Oberschöneweide auf dem Campus Wilhelminenhof, in sanierten und umgebauten Hallen des ehemaligen Kabelwerks Oberspree der AEG.

Ingenieurhochschule BerlinBearbeiten

 
Ingenieurhochschule Berlin-Wartenberg 1984

Die 1948 ins Leben gerufene Ingenieurschule für Maschinenbau, Elektrotechnik und Bauwesen, später Ingenieurschule für Maschinenbau und Elektrotechnik wurde in einer früheren Gemeindeschule in der Victoriastadt in Berlin-Lichtenberg eingerichtet. Die HTW nutzte später (bis 2009) deren Gebäude in der Marktstraße 9–12, s. u.: Standorte. 1988 erfolgte ein Zusammenschluss mit der Ingenieurhochschule Berlin. Heute umfasst der Fachbereich Energie und Information der HTW Berlin neben Elektrotechnik mehrere Informations- und Technikstudiengänge, beispielsweise Computer Engineering (Technische Informatik), Nachrichtentechnik oder Angewandte Automation. Seit Sommer 2009 befindet sich der Fachbereich im Stadtteil Oberschöneweide auf dem Campus Wilhelminenhof, in sanierten und umgebauten Gebäuden und Neubauten an der Stelle des ehemaligen Kabelwerks Oberspree der AEG.

Hochschule für Ökonomie (HfÖ)Bearbeiten

Am 4. Oktober 1950 wurde im Gebäude des früheren Kant-Gymnasiums an der Treskowallee in Berlin-Karlshorst die Hochschule für Planökonomie eröffnet, die 1954 in Hochschule für Ökonomie (HfÖ) umbenannt wurde und 1972 den Zusatznamen Bruno Leuschner erhielt.

Die 1913–1914 errichteten Gebäude wurden 1919–1920 erweitert und 1950 umgebaut. Sie stehen zusammen mit dem 1955 im hinteren Areal errichteten Auditorium maximum unter Denkmalschutz. Zum 1. Oktober 1991 wurde die HfÖ aufgelöst und der größte Teil der Mitarbeiter und Professoren entlassen. An ihrer Stelle wurde die Fachhochschule für Technik und Wirtschaft gegründet. Heute sind keine Professoren der ehemaligen HfÖ mehr im Dienst der HTW Berlin.

Fachhochschule für Technik und Wirtschaft (FHTW) seit 1990Bearbeiten

 
Altes Logo vor der Umbenennung

Am 1. Oktober 1991 gingen die Ingenieurhochschule Berlin und die HfÖ in der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft in Gründung (FHTW Berlin) samt allen Liegenschaften in Berlin auf. Hierin liegt der Grund für die in der Stadt verteilt liegenden Campus der Hochschule. Das Gründungsteam waren Gründungsrektor Jürgen Tippe, Prorektor Rainer Knigge und Dieter Markusch. 1993 entschied sich Jürgen Tippe, die FHTW zu verlassen, und der vorherige Prorektor Rainer Knigge wurde 1994 zum Präsidenten der FHTW Berlin gewählt. Am 1. April 1994 wurde die Fachhochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (FHTW) rechtlich selbstständig. Die Fachhochschule der Deutschen Telekom Berlin wurde 1996 in die FHTW Berlin integriert. Im gleichen Jahr warf der AStA dem damaligen Präsidenten der FHTW Berlin, Rainer Knigge, illegale Geschäfte vor, mit denen sich letztlich auch das Abgeordnetenhaus von Berlin auseinandersetzte.[8]

Am 3. Juli 1998 wurde Helmut Schmidt zum Präsidenten der FHTW Berlin gewählt. Zur Wahl trat auch der bereits zuvor amtierende Präsident Rainer Knigge an, der jedoch nicht wiedergewählt wurde, was wahrscheinlich an der wenige Tage vor der Wahl veröffentlichten Dokumentation zum Fall Knigge lag. Diese beschäftigte sich mit den schon 1996 geäußerten Vorwürfen im Detail und war von ehemaligen und aktiven Mitgliedern des AStA der FHTW Berlin im Auftrag des StuPa der FHTW Berlin erstellt worden.[9]

Am 1. Oktober 2002 folgte als Präsident Herbert Grüner, weil Helmut Schmidt als Oberbürgermeister nach Brandenburg an der Havel gewechselt war.[10] 2004 feierte die FHTW Berlin ihr zehnjähriges Bestehen mit einem Zehnsprung, bei dem an zehn Tagen jeweils um 10 Uhr unterschiedliche Veranstaltungen innerhalb der Hochschule stattfanden.

Im Jahre 2006 wurde Michael Heine Präsident der FHTW Berlin. Während seiner Präsidentschaft wurde zum 1. April 2009 die Fachhochschule für Technik und Wirtschaft Berlin in Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW Berlin) umbenannt.[11] Sie hat weiterhin den Status einer Fachhochschule.[12]

Von 2014 bis 2019 war der Volkswirt Klaus Semlinger Präsident (zuvor seit 2002 Vizepräsident für Lehre). Am 1. April 2019 trat der Informatiker Carsten Busch das Amt an.[13]

StandorteBearbeiten

Die Hochschule für Technik und Wirtschaft unterhält seit 2010 nur noch zwei Standorte:

Bis Sommer 2009 verteilte sich die HTW Berlin (damals noch FHTW) auf fünf Standorte in Berlin. Seit Oktober 2009 sind die Standorte in Berlin-Lichtenberg (Allee der Kosmonauten 20–22), in Blankenburg (Blankenburger Pflasterweg 102) und Rummelsburg (Marktstraße 9) geschlossen. Im Rahmen des Umzuges wurde schon zuvor der Campus der Gestalter am Warschauer Platz (Rummelsburg) geschlossen und auf den Campus Wilhelminenhof in Oberschöneweide verlegt. Das Baudenkmalsensemble in der Marktstraße ging in das Eigentum des Deutschen Jugendherbergswerks über, das bis zum Jahr 2016 aus dem Komplex „die größte Jugendherberge Berlins“ entwickelt.

Fachbereiche und StudiengängeBearbeiten

Die Hochschule für Technik und Wirtschaft besitzt fünf Fachbereiche:

  • Wirtschafts- und Rechtswissenschaften (Fachbereich 3)[16]
    • Arbeits- und Personalmanagement
    • Betriebswirtschaftslehre
    • Finance — Accounting — Corporate Law — Taxation
    • Immobilienwirtschaft
    • Industrial Sales and Innovation Management
    • International and Development Economics
    • International Business
    • Nonprofit-Management und Public Governance
    • Public und Nonprofit-Management
    • Wirtschaft und Politik
    • Wirtschaftsrecht

Fernstudium und WeiterbildungBearbeiten

  • Berufsbegleitende Bachelor-Studiengänge
  • Berufsbegleitende Master-Studiengänge
    • Entwicklungs- und Simulationsmethoden im Maschinenbau
    • General Management
    • Professional IT-Business
    • Real Estate Management
  • Postgraduale Vollzeit-Studiengänge
    • Business Administration and Engineering
    • Life Science Management
    • Project Management and Data Science

LiteraturBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. https://www.htw-berlin.de/hochschule/hochschulprofil/geschichte/
  2. a b HTW Berlin: Hochschulprofi, abgerufen am 14. April 2018.
  3. Leistungsbericht über das Jahr 2018 zur Umsetzung des Hochschulvertrags. (PDF) Land Berlin, S. 24, abgerufen am 3. August 2020.
  4. htw-berlin.de Liste der Studiengänge an der HTW Berlin
  5. Standorte und Lagepläne (Memento vom 15. September 2015 im Internet Archive)
  6. Denkmal-Liste Berlin
  7. Die historischen Wurzeln der HTW Berlin. Hrsg. HTW Berlin. BWV Berliner Wissenschafts-Verlag 2014. Seite 10 Online-Ressource
  8. Hochschulpräsident weiter unter Druck. In: Berliner Zeitung, 9. Mai 1996
  9. Der Streit um den Präsidenten Knigge. In: Berliner Zeitung, 2. Juli 1998
  10. Der künftige Kurs der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft (FHTW) in Berlin.@1@2Vorlage:Toter Link/www.berlinews.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  11. Geschichte. Website der HTW Berlin, abgerufen am 14. September 2016
  12. § 1 Abs. 2 des Berliner Hochschulgesetzes.
  13. Carsten Busch wird neuer Präsident der HTW. In: Der Tagesspiegel, 26. November 2018
  14. https://www.f1.htw-berlin.de/
  15. https://www.f2.htw-berlin.de/
  16. https://www.f3.htw-berlin.de/
  17. https://www.f4.htw-berlin.de/
  18. https://www.f5.htw-berlin.de/
  19. Industrial Design - Bachelor. Abgerufen am 17. Juni 2020.
  20. SYSTEM DESIGN. Abgerufen am 17. Juni 2020.

Koordinaten: 52° 29′ 32″ N, 13° 31′ 35,4″ O