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Herbert Marcuse

deutsch-amerikanischer Philosoph und Soziologe
Herbert Marcuse (1955)

Herbert Marcuse [marˈkuːzə] (* 19. Juli 1898 in Berlin; † 29. Juli 1979 in Starnberg) war ein deutschamerikanischer Philosoph, Politologe und Soziologe.

Während der deutschen Novemberrevolution 1918/19 betätigte er sich früh politisch als Mitglied eines Berliner Arbeiter- und Soldatenrates. Sein in Berlin begonnenes Studium der Germanistik und Philosophie setzte er in Freiburg bei Martin Heidegger fort. Wie viele seiner Generation war er von dem Philosophen und seiner Schrift Sein und Zeit fasziniert. Seine zur gleichen Zeit erfolgte Rezeption der erstmals publizierten „ökonomisch-philosophischen Manuskripte“ von Karl Marx machten ihn zum ersten „Heidegger-Marxisten“ (Jürgen Habermas). In der Emigration wurde er in New York Mitglied des Instituts für Sozialforschung und arbeitete zunächst eng mit Horkheimer zusammen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kehrte er nicht nach Deutschland zurück, sondern lehrte an amerikanischen Universitäten. In den sechziger und siebziger Jahren wurde er zu einem der wichtigsten Theoretiker der studentischen Protestbewegung, die er aktiv mit Sympathie und Engagement begleitete. An der Utopie eines „Reichs der Freiheit“ (Marx) als sozialistischer Gesellschaftsform hielt er Zeit seines Lebens fest.

LebenBearbeiten

Ausbildung und frühe ForschungenBearbeiten

Herbert Marcuse wurde 1898 als erster Sohn des jüdischen Textilfabrikanten Carl Marcuse und dessen Ehefrau Gertrud, geb. Kreslawsky, in Berlin geboren. In der großbürgerlichen Familie wuchs er zuammen mit zwei Geschwistern auf. 1916, nach dem Notabitur, wurde er zum kaiserlichen Heer einberufen. Wegen eines Augenleidens leistete er Heeresdienst bei einer Luftschiffer-Ersatz-Abteilung in Darmstadt und Berlin.[1] 1917 trat er der SPD bei, die von seinen Eltern als Arbeiterpartei verachtet wurde.[2] Nach dem militärischen Zusammenbruch Deutschlands wurde er 1918 in den Soldatenrat in Reinickendorf gewählt, aus dem er nach eigenen Angaben austrat, als frühere Generäle hineingewählt wurden.[3] Nach der Ermordung von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg verließ Marcuse Anfang 1919 die SPD. Zu diesem Zeitpunkt sei ihm klar gewesen, äußerte er 1977 in einem Gespräch mit Jürgen Habermas, dass seine politische Haltung nur kompromisslos gegen die Politik der SPD gerichtet sein konnte und in diesem Sinne revolutionär gewesen sei.[4] Er bewunderte damals die sozialistische Politik Kurt Eisners, des Ministerpräsidenten der provisorischen Regierung des Freistaats Bayern. Mit ihm teilte er einen spezifischen „ethischen Sozialismus“, einen Sozialismus der Aktion.[5]

1918 begann Marcuse mit dem Studium der Germanistik und der neueren deutschen Literaturgeschichte im Hauptfach, der Philosophie und der Nationalökonomie im Nebenfach, zunächst vier Semester an der Humboldt-Universität Berlin, dann vier Semester an der Universität Freiburg. 1922 wurde Marcuse mit einer Arbeit über den deutschen Künstlerroman von Philipp Witkop promoviert.[6]

Nach der Promotion war er im Buchhandel und Verlagswesen in Berlin tätig. 1924 heiratete er die Mathematikerin und Statistikerin Sophie Wertheim, die er an der Universität Freiburg kennengelernt hatte.[7] 1928 setzte er seine Philosophiestudien bei Edmund Husserl und Martin Heidegger fort. Er gehörte zu Heideggers engeren Schülerkreis.[8] Einerseits bewunderte er Heideggers „Konkrete Philosophie“ und dessen Versicherung, dass die Geschichtlichkeit als Grundbestimmtheit des Daseins „auch eine ‚Destruktion‘ der bisherigen Geschichte“ forderte.[9] Andererseits kritisierte er dessen Individualismus und mangelnde materiale Konstitution der Geschichte, die er bei Wilhelm Dilthey stärker ausgeprägt sah. Seine Absicht, sich bei Heidegger in Freiburg über Hegels Ontologie und die Theorie der Geschichtlichkeit zu habilitieren, blieb aufgrund von Heideggers Ablehnung unerfüllt.[10] Habermas bezeichnete Marcuse als den „ersten Heidegger-Marxisten“.[11]

Zu gleichen Zeit beschäftigte sich Marcuse mit den im Rahmen der ersten Marx-Engels-Gesamtausgabe erstmals veröffentlichten Ökonomisch-philosophischen Manuskripten von Karl Marx. Marx’ Jugendschriften von 1844 beeinflussten Marcuses Philosophieren erheblich. Wann immer er in späteren Schriften auf Marx zu sprechen kommt, bildet die Kategorie der „entfremdeten Arbeit“ den Ausgangspunkt.[12] Diese ihn als Marx-Kenner ausweisende Arbeit und die Distanzierung von Heidegger in seiner Hegel-Schrift empfahlen ihn gewissermaßen dem Frankfurter Institut. Gleichwohl unterschied sich sein Marxismus von dem der Frankfurter Philosophen durch seine anthropologische Färbung.[13] Marcuses Kontaktaufnahme zum Frankfurter Institut erfolgte, als dieses bereits die Verlegung seines Sitzes ins Ausland plante.

EmigrationBearbeiten

Nach der Machtübertragung an Adolf Hitler verließ Marcuse 1933 Deutschland und ging in die Schweiz. In Genf stieß er zu dem aus Frankfurt am Main emigrierten Institut für Sozialforschung, das von Max Horkheimer geleitet wurde. Kurzfristig arbeitete Marcuse auch für die Pariser Außenstelle des Instituts, bevor er im Frühsommer 1934 endgültig in die Vereinigten Staaten emigrierte.

Mitarbeiter des InstitutsBearbeiten

In der Zeitschrift des Instituts für Sozialforschung erschien 1934 Marcuses Aufsatz Der Kampf gegen den Liberalismus in der totalitären Staatsauffassung, in dem er sich unter anderem mit Heideggers Stellung zum Nationalsozialismus auseinandersetzt. Er referiert darin insbesondere Heideggers Rektoratsrede, in der ausgeführt wird, die Wissenschaft solle dem Dienst am Volk gewidmet werden. Die geistige Bewegung sei Macht zur Bewahrung der „erd- und bluthaften“ Kräfte des Volkes; darüber hinaus zitiert er einen Satz Heideggers aus der Freiburger Studentenzeitung vom November 1933: „Der Führer selbst und allein ist die heutige und künftige deutsche Wirklichkeit und ihr Gesetz.“[14] Marcuse wandte sich 1947 an Heidegger und forderte ihn auf, sich öffentlich vom Nationalsozialismus zu distanzieren, was dieser jedoch ablehnte.[15]

Im nach New York übergesiedelten Institut für Sozialforschung erhielt Marcuse eine feste Anstellung. Horkheimer wies ihm die Funktion des zweiten Philosophen nach ihm zu.[16] 1937 veröffentlichte er, formal zusammen mit Horkheimer,[17] in der Zeitschrift für Sozialforschung den Aufsatz Philosophie und kritische Theorie,[18] in dem er den von Horkheimer zuvor veröffentlichten programmatischen Aufsatz Traditionelle und kritische Theorie[19] um den normativen philosophischen Grundbegriff der Vernunft, der Freiheit und Autonomie einschließe, korrigierend erweiterte. Horkheimer ging es in seiner produktivsten Phase um die „Aufhebung der Philosophie in Gesellschaftstheorie“;[20] im ersten Teil des gemeinsamen Aufsatzes bekannte er sich nunmehr zum „philosophischen Charakter der kritischen Theorie“.[21] Hauke Brunkhorst und Gertrud Koch werten Marcuses Aufsatz als „wichtigsten Anteil am Programm der frühen Kritischen Theorie“.[22] 1940 wurde Marcuse amerikanischer Staatsbürger.

Als erster folgte Marcuse Horkheimer im Mai 1941 an die Westküste nach Los Angeles, um mit ihm das von Horkheimer geplante Dialektik-Buch in Angriff zu nehmen. Aber offensichtlich war auch Theodor W. Adorno dafür vorgesehen. Hoffte Horkheimer anfangs noch, aus Marcuse, Adorno und sich selbst „ein gutes Gespann zu machen“,[23] sah sich Marcuse doch durch die ökonomische Situation des Instituts und das Drängen Max Horkheimers dazu genötigt, 1942 eine neue Stellung in Washington, D.C. beim Office of Strategic Services (OSS) anzunehmen. Dazu beigetragen haben mag auch Adornos eifersüchtiges Buhlen um Horkheimers Gunst, indem er an Marcuses Beiträgen „fortwährend ätzende Kritik anzumelden hatte“.[24][25]

Arbeit für den amerikanischen GeheimdienstBearbeiten

Im OSS war er in deren Forschungs- und Analyseabteilung („Research and Analysis Branch“) mit einer Gruppe für den Dienst im antifaschistischen Kampf tätig.[26] Die Gruppe erarbeitete Hintergrundinformationen und praktische Ratschläge im Rahmen eines umfassenden Programms für die künftige Militärregierung in Deutschland.[27] Zu der Gruppe zählten unter anderem die Intellektuellen H. Stuart Hughes, Carl Schorske, Franz Neumann und Otto Kirchheimer. Neumann war aufgrund seiner Strukturanalyse des nationalsozialistischen Systems, Behemoth, die als beste und gründlichste Analyse des Nazi-Regimes galt, das intellektuelle Haupt der Gruppe.[28] Zu Marcuses Aufgaben gehörten, die politisch Verantwortlichen und die gesellschaftlichen Stützen des Naziregimes zu identifizieren sowie die Kräfte zu benennen, die für den Aufbau eines demokratischen Deutschlands zur Verfügung stünden.[29] In einem Brief an Horkheimer beschrieb er, dass seine Funktion darin bestünde, „Vorschläge zu machen, wie dem amerikanischen Volk der Feind zu präsentieren ist, in Presse, Film, Propaganda etc“.[30] Für eine OSS-Nachfolgeorganisation, dem Committee on World Communism (CWC), arbeitete er nach dem Krieg bis 1951, zeitweise auch als Europasektions-Leiter. Unter seiner Leitung erarbeitete das CWC wissenschaftliche Ergebnisse im Dienste der psychologischen Kriegsführung.[31] Die Beobachtung und Analysen schlossen auch die kommunistischen Parteien außerhalb der Sowjetunion und die internationalen kommunistischen Organisationen ein.[32] In einer umfangreichen Studie über die Denksysteme im Kalten Krieg resümiert Tim B Müller „Marcuses Jahrzehnt im Geheimdienst“: Er und seine Freunde hatten einen nicht unbedeutenden Beitrag zur deutschlandspolitischen Debatte, zum Verständnis des Kommunismus und zur strategischen Diskussion im amerikanischen Regierungsapparat geleistet, wobei alle ihre Analysen für eine Politik der Entspannung plädierten.[33] Nach dem Ausscheiden aus dem Geheimdienst betrieb er weiterhin Studien über den Sowjet-Marxismus 1952/53 an dem Russian Institute der New Yorker Columbia University, einem Prestigeprojekt der Rockefeller-Stiftung,[34] und an dem Russian Research Center der Harvard University (1954/55).

1954 heiratete Marcuse Inge Neumann. Im selben Jahr erhielt er seine erste Professur für Philosophie und Politikwissenschaft an der Brandeis University in Waltham (Massachusetts). 1964 wurde er Professor für Politikwissenschaft an der University of California, San Diego. Neben seiner dortigen Lehrtätigkeit nahm er 1965 eine außerordentliche Professur an der Freien Universität Berlin an.

Einfluss auf die StudentenbewegungBearbeiten

Die Werke Triebstruktur und Gesellschaft und Der eindimensionale Mensch sowie die Schriften zur Repressiven Toleranz 1965 und zu dem Sammelband Studien über Autorität und Familie von 1936 gehören zu den wichtigsten Arbeiten der Kritischen Theorie und zählten zu den Standardwerken der Studentenbewegung in aller Welt, vorwiegend in den USA und Deutschland. Sein Engagement zugunsten seiner Schülerin Angela Davis, seine Stellungnahmen gegen den Vietnamkrieg und für die Studentenbewegung machten ihn zum Protagonisten der Neuen Linken.[35] 1967 und 1969 verbrachte er mehrere Monate in Europa. Marcuse hielt Vorträge mit Diskussionen vor Studenten in Berlin, Paris, London und Rom. Die rebellierenden Studenten in Berkeley, Berlin, Frankfurt, New York und Paris sahen in ihm ihren wichtigsten Lehrer.[36] In Paris hielten protestierende Studenten ein Schild hoch mit den Worten „Marx, Mao, Marcuse“.[37]

Literarisch schlugen sich Marcuses Aktivitäten in dem Essay Versuch über die Befreiung (1969) nieder. In ihm verarbeitete er nicht nur den französischen Mai 1968 und die studentische Revolte, sondern auch die internationalen Befreiungsbewegungen unter dem Schlagwort „Die große Weigerung“.[38] Für Jürgen Habermas war Marcuse der einzige aus der Frankfurter Schule, „der eine direkte politische Rolle übernahm“.[39] Dass er dabei für die rebellierenden Studenten Partei ergriff, brachte ihn in offenen Konflikt mit den Frankfurter Institutsleitern, denen er im Umgang mit den Studenten falsches Verhalten vorwarf, etwa den von ihnen veranlassten Polizeieinsatz gegen die Institutsbesetzer.[40] In einem Gespräch mit dem amerikanischen Soziologen Philip Slater bezeichnete er Horkheimes letzte Arbeiten als „betrayal of critical theory“.[41]

… und die FrauenbewegungBearbeiten

Auch der zu seiner Zeit erstarkenden Frauenbewegung zollte er seinen Tribut mit dem Vortrag Marxismus und Feminismus, den er im März 1974 an der Stanford University auf Einladung des Center for Research on Women hielt. Darin erklärte er den Feminismus zum historischen Korrektiv des Sozialismus.[42]

Politische AnfeindungenBearbeiten

Durch seine Schlüsselrolle in den Protestbewegungen wurde er zur Zielscheibe der einsetzenden politischen Reaktion. In den USA führte das dazu, dass 1965 sein Vertrag an der Universität Brandeis nicht mehr verlängert wurde. Zeitweise musste er sich sogar versteckt halten. So verließ er im Sommer 1968 nach einer Morddrohung des Ku-Klux-Klan auf Anraten des FBI und einiger Kollegen mit seiner dritten Frau, Erica Sherover, die er 1976 geheiratet hatte,[42] sein Haus in La Jolla, Kalifornien, und hielt sich im Norden des Landes verborgen.[43]

Tod und BestattungBearbeiten

 
Grab auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof, Berlin.

Marcuse starb an den Folgen eines Hirnschlags während eines Deutschlandbesuches bei Jürgen Habermas in Starnberg. Nach seinem Tod wurde der Leichnam in Österreich kremiert und die Urne von seiner Frau in die USA überführt. Die Asche wurde jedoch nicht bestattet, geriet in Vergessenheit und gelangte erst im Jahr 2003 in den Besitz seines Sohnes Peter und seines Enkels Harold. Die Nachkommen entschlossen sich schließlich dazu, Marcuse in seiner Geburtsstadt Berlin bestatten zu lassen. Die Beerdigung fand im Sommer 2003 unter großer Anteilnahme der Medien auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin statt, auf dem zahlreiche prominente Persönlichkeiten ihre letzte Ruhestätte fanden.[44] Der Entwurf des Grabsteins stammt von Bruno Flierl, Architekturkritiker, Städteplaner und Freund Peter Marcuses. Der Stein assoziiert sowohl ein Katheder als auch eine 1, womit an Marcuses Hauptwerk "Der eindimensionale Mensch" erinnert wird.[45] Am Vortag der Bestattung richtete das Philosophische Institut der Freien Universität Berlin eine Veranstaltung zur Aktualität der Philosophie Herbert Marcuses im Auditorium maximum der FU Berlin aus, wo Marcuse 1967 seinen berühmten Vortrag Das Ende der Utopie gehalten hatte.[46]

WerkBearbeiten

Stationen des Denkens MarcusesBearbeiten

Die Explikation der Zusammenhänge von Vernunft und Emanzipation bestimmt Marcuses gesamtes Schrifttum. Der französische Philosoph und Germanist Gérard Raulet benennt zehn Stationen des Denkens Marcuses:[47]

1. Die ästhetische Ontologie der Dissertation;
2. Die Begründung einer konkreten Philosophie im Einfluß der Fundamentalontologie Heideggers;
3. Die Zurückführung der Ontologie auf das gesellschaftliche Leben, also die Kritik der falschen Konkretheit Heideggers;
4. Die Ausarbeitung einer utopischen Dimension der Vernunft als Negativität und Kritik;
5. Die Eindimensionalitätsthese und die Entwicklung einer kritischen Theorie der Einbildungskraft - hier noch, in den dreißiger Jahren, als Kulturphilosophie ausgearbeitet;
6. Ausarbeitung einer Faschismustheorie mit dem Schwerpunkt der Technologiekritik und Theorie des Spätkapitalismus;
7. Die Zusammenführung von Psychoanalyse und Philosophie;
8. Entwurf einer Theorie der Transformation der Bedürfnisse und der neuen Sinnlichkeit;
9. Im Spiegel der Befreiungsbewegungen der sechziger Jahre folgt eine theoretische Reaktion auf die Konterrevolution und die Revolte;
10. In den siebziger Jahren unternimmt M;arcuse eine Rückkehr zum Paradigma der Kunst und schließt damit an die erste Station seines Denkens wieder an.

Frühe SchriftenBearbeiten

In seiner Dissertation Der deutsche Künstlerroman, die sich an Hegels Ästhetik und Georg Lukács' Theorie des Romans orientierte,[48] schlägt er ein für ihn verbindlich bleibendes Thema an: „Kunst als geschichtliche Produktivkraft, die ästhetische Dimension der Befreiung des Individuums von gesellschaftlichen Zwängen“.[49] Vom Sturm und Drang bis zu Thomas Mann verfolgte er in deren Werken die Rolle des Künstlers als „Repräsentant eigener Lebensform“ und sah in Thomas Mann den Höhepunkt des romantischen Künstlertums, das dieser zugleich durch die Aufhebung der Spannung zwischen Kunst und Leben überwunden habe.[50]

Die von Heidegger abgelehnte Habilitationsschrift Hegels Ontologie und die Grundlegung einer Theorie der Geschichtlichkeit wurde 1932 dennoch In Heideggers Verlag Vittorio Klostermann veröffentlicht. Adorno rezensierte sie in der Zeitschrift für Sozialforschung und konstatierte darin eine entscheidende Abweichung von Heideggers „publiker Lehrmeinung“.[51]

Marcuse verfasste 1932 erste Interpretationen der wiederentdeckten Marx-Texte über Nationalökonomie und Philosophie (1844) in der Zeitschrift Die Gesellschaft.[52] Die Manuskripte bezeichnete er als eine philosophische Kritik und Grundlegung der Nationalökonomie im Sinne der Revolution und in Auseinandersetzung mit der Hegelschen Philosophie, vornehmlich dessen Phänomenologie des Geistes. Im Zentrum der Manuskripte steht die ontologische Kategorie der Arbeit als spezifische menschliche Lebenstätigkeit, als das Wesen des Menschen. In der Arbeit entäußere und vergegenständliche sich der Mensch, indem er die Natur sich aneigne und bearbeitend verwandle. Im Gegenstand der Arbeit werde der Mensch sich selbst als Gattungswesen gegenständlich, denn Arbeit ist wesentlich gesellschaftliche Tätigkeit. Marx kritisiere den Kapitalismus als ultimative Krise des menschlichen Wesens. Unter kapitalistischen Verhältnissen träten Wesen und Existenz des Menschen auseinander, der Mensch sei „entfremdet“ und könne sich nicht seinen Möglichkeiten entsprechend entfalten. Obwohl für Marcuse der Prozess der Entfremdung als Vergegenständlichung historisch bereits mit dem Zeitpunkt eintritt, wo der Mensch seine Lebensmittel selbst produziert, wird sie unter kapitalistischen Produktionsverhältnissen total.[53] Den Unterschied zwischen beiden Verhältnissen kennzeichnete Marx mit der „gleichgültigen Fremdheit“ einerseits und der „feindseligen Entfremdung“ andererseits.[54] Während bei Marx die „Wesensphilosophie“ später in den Hintergrund trat oder, nach anderer Lesart, aufgegeben wurde, blieb sie für Marcuse auch in späteren Werken bestimmend.

Für den vom Institut für Sozialforschung 1936 herausgegebenen Sammelband Studien über Autorität und Familie verfasste er – neben Max Horkheimer und Erich Fromm – einen der drei gewichtigen Eröffnungsbeiträge mit dem Titel Ideengeschichtlicher Teil.[55] Seine umfangreiche Studie analysiert auf ideologiekritischer Ebene die bürgerlichen Autoritäts- und Familienkonzepte von Luther, Calvin, Kant, Hegel bis zu Sorel und Pareto. Als zentralen Ausgangspunkt wählte er Luthers dualistische Lehre von den zwei Bereichen: der Freiheit des „innerlichen [Christen]Menschen“ und der Unterwerfung des „äußerlichen Menschen“ unter das System der weltlichen Obrigkeiten.[56]

Vernunft und RevolutionBearbeiten

Marcuses zweites Hegelbuch – Reason and Revolution. Hegel and the Rise of Social Theory[57] – erschien zehn Jahre nach dem ersten, 1941 in den frühen Jahren der Emigration und richtete sich an ein amerikanisches Publikum. Gewidmet war es Max Horkheimer und dem Institut für Sozialforschung. War das erste, die Habilitationsschrift, noch in dem expressionistisch aufgeladenen Stil von Sein und Zeit verfasst, so war das zweite rationalistisch klar und durchsichtig, fast didaktisch formuliert.[58] In ihm sieht er – nach einem Wort von Jean Améry – Hegel durch das Medium Marx.[59]

Das Buch besteht aus zwei Teilen und einem „Abschluss“. In ersten Teil werden die Grundlagen der Hegelschen Philosophie, im zweiten Teil die Entstehung der Gesellschaftstheorie dargestellt. Den Abschluss bilden Erörterungen über das Ende des Hegelianismus.

Ins Zentrum des ersten Teils stellt Marcuse die Begriffe Vernunft und Freiheit – „Werte, die nicht preisgegeben werden durften – auch nicht dem Staat“.[60] Mit der Französischen Revolution gelangte der Mensch in Hegels Augen dazu, die gegebene Realität den Prinzipien der Vernunft zu unterwerfen.[61] Er habe sich „zum Sprecher der wirklichen Macht der Vernunft und der konkreten Verkörperung der Freiheit“ gemacht.[62] Für ihn entsprach aber nur das Denken, das reine Denken, den Erfordernissen vollkommener Freiheit. Er erkannte, dass in der bürgerlichen Gesellschaft völlige Freiheit und völlige Vernunft nicht herbeizuführen seien, allein ein starker Staat könne die „ungebändigte Ökonomie“ und die miteinander konkurrierenden individuellen Interessen in Zaum halten. Darin sah Marcuse einen Zug von Resignation in Hegels politischer Philosophie.[63] In seiner Philosophie des Rechts nähmen Hegels Grundbegriffe die Widersprüche der Gesellschaft auf und folgten ihnen „bis zum bitteren Ende“.[64] Während Marcuse Hegels Philosophie in „Zweifel und Resignation“ enden sieht,[65] besteht der marxistische Linkshegelianer Marcuse auf der Vernunft als einer „umstürzenden Macht, die ‚Macht des Negativen‘, die als theoretische und praktische Vernunft die Wahrheit für die Menschen und Dinge darlegt“.[66]

Im zweiten Teil konstatiert Marcuse, dass nach Hegels Tod der ökonomische Fortschritt den Übergang der Philosophie zur Gesellschaftstheorie erzwungen habe. Die negative Macht des kritischen Denkens sprengte dessen philosophische Form, die letzte metaphysische Gestalt des Denkens.[67] „Die Anstrengungen der Vernunft gehen auf gesellschaftliche Theorie und Praxis über.“[68] Marcuse differenziert zwischen zwei Hauptströmungen der Gesellschaftstheorie: der Marxschen dialektischen Theorie der Gesellschaft und dem Positivismus, dem die Entstehung der Soziologie zu danken sei. Der Übergang von Hegel zu Marx sei ein Übergang zu einer anderen Wahrheit, die in den Begriffen der Philosophie nicht mehr zu begreifen ist. Bei Marx würden alle philosophischen Begriffe zu gesellschaftlichen und ökonomischen Kategorien umgeformt.[69] Am Beispiel von Saint-Simons positivistischer Theorie argumentiert er: Seine „Gesellschaftstheorie ist keine andere als die politische Ökonomie oder ‚die Wissenschaft von der Produktion‘.“[70]

Der Philosoph Michael Theunissen bescheinigt Marcuse, dass in seinem zweiten Buch über Hegel dieser noch nie zuvor „so entschieden auf Zukunft hin ausgelegt worden“ sei, weist ihm aber zugleich gravierende Missverständnisse nach. So treffe die Hegel unterstellte „destruktive Auffassung des Gegebenen“ nur auf dessen Jugendschriften zu.[71]

FaschismustheorieBearbeiten

Bereits in dem 1934 in der Zeitschrift für Sozialforschung veröffentlichten Aufsatz Der Kampf gegen den Liberalismus in der totalitären Staatsauffassung befasste sich Marcuse mit dem Phänomen des Faschismus. Er vertrat darin die These, dass der Liberalismus „den total-autoritären Staat aus sich selbst ‚erzeugt‘: als seine eigene Vollendung auf einer fortgeschrittenen Stufe der Entwicklung“.[72] Im Rahmen seiner Arbeiten für den amerikanischen Geheimdienst während der 1940er Jahre machte er als machtvolles Instrument des Nationalsozialismus die „technologische Rationalität“ verantwortlich. Sie mache die Menschen zu bloßen Anhängseln der Maschinerie und unterwerfe „alle Maßstäbe und Werte, alle Denk- und Verhaltensmuster [...] der Produktions-, Destruktions- und Herrschaftsmaschinerie“.[73]

Kontroverse mit Erich FrommBearbeiten

In einem Gespräch mit Habermas und anderen in Starnberg im Juli 1977 betonte Marcuse rückblickend die bedeutende Rolle, die der frühe Erich Fromm mit seiner Vermittlung von Marx und Freud für die Formationsperiode der Kritischen Theorie gespielt habe. Seine „radikale marxistische Sozialpsychologie“ habe Fromm jedoch später revidiert.[74]

In einer Kontroverse Marcuses mit dem „Revisionisten“ Erich Fromm, die 1955 begann, ging es um zwei grundlegende Fragen: 1. Wie interpretieren wir Freuds Ideen heute? 2. Wie ist das Verhältnis zwischen Theorie und Praxis in der Anwendung der psychoanalytischen Theorie auf Geschichte und Gesellschaft zu bestimmen? Während Marcuse dem späten Fromm vorwarf, die wichtigsten Theorien Freuds preisgegeben zu haben, vornehmlich die des Primats der Sexualität und des Todestriebs, verteidigte der Fromm-Biograph Daniel Burston Fromm darin, dass er Freud in seinem historischen und kulturellen Zusammenhang gestellt habe, um so zu unterscheiden, welche Elemente seines Denkens von dauerhafter Bedeutung, und welche seiner Zeit und Kultur verpflichtet waren.[75] In seiner Schrift Der angebliche Radikalismus von Herbert Marcuse[76] wirft Fromm Marcuse eine „entscheidende Fehlinterpretation der Freudschen Position“ vor. Demnach interpretiere er Freud, der doch ein typischer Vertreter des Bürgertums und ein Gegner des Sozialismus gewesen sei, als einen revolutionären Denker. Da Marcuse zudem ausdrücklich auf klinische Beobachtungen und Erfahrungen verzichtete, sei ein Verstehen der psychoanalytischen Theorie ernstlich behindert.

Auseinandersetzung mit dem Sowjet-MarxismusBearbeiten

Marcuses Tätigkeit im Committee on World Communism hinterließ tiefe Spuren in seinem Werk. In einem von ihm verantworteten Papier von 1951 tauchte erstmals der Topos der bürokratischen Herrschaft auf, in die der Kommunismus umgeschlagen sei.[77] In einer späteren Publikation, Soviet Marxism (dt.Ausgabe: Die Gesellschaftslehre des sowjetischen Marxismus), führte er diesen Gedanken weiter aus.[78] Der kroatische Politologe Žarko Puhovski wertet die Schrift als die wahrscheinlich erste theoretische Beschreibung des „realen Sozialismus“.[79] Marcuse unterzog die Kategorien der sowjetischen Marxismus-Ideologen einer strengen Analyse und stellte die Frage, ob sich der Marxismus im Stalinismus bis zur Unkenntlichkeit verwandelt habe. Originell an Marcuses Analyse ist, dass er bloßlegt, wie im „realen Sozialismus“ das traditionell marxistische Basis–Überbau-Schema „buchstäblich auf den Kopf gestellt wurde“, dass es sich um ein System handelt, das „auf der Ideologie als Basis beruht“.[80]

Noch kurz vor seinem Tod bezeichnete Marcuse das Buch Die Alternative. Zur Kritik des real existierenden Sozialismus von Rudolf Bahro als den „wichtigsten Beitrag zur marxistischen Theorie und Praxis, der in den letzten Jahrzehnten erschienen ist“.[81]

HauptwerkeBearbeiten

In den USA erschienen seine beiden Hauptwerke Eros and Civilization 1955 (eine erste deutsche Ausgabe erschien 1957 unter dem Titel Eros und Kultur, eine Neuauflage 1965 unter dem Titel Triebstruktur und Gesellschaft) und One-Dimensional Man 1964 (die deutsche Übersetzung erschien 1967 mit dem Titel Der eindimensionale Mensch). Beide Werke fanden in der Studentenbewegung eine starke Resonanz.

Mit Eros und Kultur bzw. Triebstruktur und Gesellschaft unternimmt Marcuse den Versuch, die Freudsche Theorie der Kritischen Theorie der Gesellschaft einzugliedern. Die Schrift ist, wie der ursprüngliche deutsche Titel andeutet, als eine direkte Antwort auf Freuds kulturtheoretischen Essay, Das Unbehagen in der Kultur, zu lesen.[82] Sie behandelt im ersten Teil die Herrschaft des Realitätsprinzips und entwirft im zweiten Teil die Möglichkeiten zu ihrer Überwindung, das heißt zu einer die Wünsche und lebendigen Triebe der Menschen erfüllenden, befreiten Gesellschaft.[83] Ein Epilog übt Kritik am „Neo-Freudianischen Revisionismus“. Mit dem Werk dachte Marcuse den Marxismus neu: Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaften war nicht lediglich eine Geschichte von Klassenkämpfe, sondern auch ein Kampf um die Unterdrückung menschlicher Triebe.[84]

Der eindimensionale Mensch ist eine gegenwartsbezogene Gesellschaftanalyse, derzufolge eine immer perfekter werdende Manipulation der Bedürfnisse, der Sprache und des Denkens die Menschen daran hindert, die Irrationalität der gesellschaftlichen Verhältnisse zu durchschauen. Da das sozial integrierte Proletariat als revolutionäres Subjekt ausfalle, könnten allenfalls noch die gesellschaftlichen Randgruppen Utopien einer besseren Welt entwickeln.[85] Ihnen räumt er am Ende des Buches „nichts als eine Chance revolutionären Protestes“ ein. Zum Wesen der kritischen Theorie gehöre es, keine Voraussagen machen zu können.[86]

Kunst und RevolutionBearbeiten

In seinen letzten Lebensjahrzehnten hat sich Marcuse zweimal mit dem Verhältnis von Kunst und Revolution auseinandergesetzt: in den Publikationen Versuch über die Befreiung (1969) und Konterrevolution und Revolte (1973). Den Essay über die Befreiung hatte er noch unter dem Eindruck der weltweiten Revolte der Studenten, dem Aufruhr der schwarzen Ghettobewohner in den USA und den internationalen Befreiungsbewegungen geschrieben. Die spätere Publikation wurde bereits „in der Flaute der Protestbewegung“ verfasst.[87]

Der Versuch über die Befreiung atmet noch den Geist vom Aufbruch unterschiedlicher Kräfte gegen die vorherrschenden gesellschaftlichen Verhältnisse, entnahm aber zahlreiche Belege und Motive für die „neue Sensibilität“ und die veränderte Rolle der Kunst im Befreiungskampf weitgehend der studentischen Protestbewegung im Pariser Mai 1968. Gerhard Schweppenhäuser zufolge habe Marcuse, beeindruckt von den kulturrevolutionären Implikationen der Neuen Linken in den USA und Westeuropa, in den aktionsorientierten Kunstformen die „Aufhebung der Kunst als Kunst“ und die „Vorboten nahender gesellschaftlicher Umwälzungen“ gesehen.[88] Die „neuen Bedürfnisse“, die die wohlstands- und konsumorientierte kapitalistische Gesellschaft hervorbringe, „manifestieren sich in den Werten und Verhaltensweisen subversiver Gegenkulturen, in denen das Potential der Kunst [...] zur politischen Kraft entbunden wird“.[89]

In Konterrevolution und Revolte revidiert Marcuse seine überschwengliche Sicht auf aktionistische Ansätze und surrealistische Aspirationen mit dem Ziel, die Spannung zwischen Kunst und Leben aufzuheben. Mit Habermas Worten „lernen wir einen Marcuse kennen, der vor den Folgen einer Entdifferenzierung von Kunst und Leben erschrickt“.[90] Nach Schweppenhäuser handelt es sich jedoch um eine „Revision der Revision“,[91] da Marcuse zu einer Denkfigur zurückkehrte, die er bereits in seiner Abhandlung von 1937 Über den affirmativen Charakter der Kultur ausformuliert hatte. Darin beschreibt er den ambivalenten Charakter der Kunst in der bürgerlichen Gesellschaft. Ihm zufolge sei die Kunst affirmativ, weil sie „die Glücklosigkeit des Bestehenden“[92] kompensiere. Affirmativ sei die falsche Versöhnung mit dem Elend der gesellschaftlichen Verhältnisse. Mit der Abspaltung eines autonomen Bereichs von der Gesellschaft dürften die Menschen nur im Medium der Schönheit am Glück teilhaben. Doch sei die Kunst nicht auf ihren affirmativen Charakter zu reduzieren; in ihrem Gehalt bleibe sie kritisch und subversiv, weil sie einen glücklichen Zustand vorwegnehme, in den Worten Stendhals: eine „promesse du bonheur“ beinhalte. Insofern war für Marcuse die Kunst Wahrheit und Ideologie zugleich.[93]

Im Gegensatz zu Theodor W. Adorno, der sich in hegelianisch-marxistischer Tradition ein Ende der Kunst in der verwirklichten Utopie einer befreiten Gesellschaft vorstellen konnte,[94] blieben für Marcuse die Künste auch in der klassenlosen Gesellschaft, die das „Reich der Notwendigkeit“ nur auf ein Minimum reduzieren könne, „Ausdruckformen einer Schönheit und Wahrheit, die die Wirklichkeit so nicht kennt“.[95] Daher würde die Kunst ihre Existenzberechtigung niemals verlieren.

RezeptionBearbeiten

Der jugoslawische Marxismus-Historiker und ehemaliges Mitglied der Praxis-Gruppe, Predrag Vranicki, bezeichnete Marcuse als einen „Denker, der von der zentralen Marxschen Konzeption der Geschichtsdialektik zu einer selbständigen Analyse der modernen Zivilisation übergegangen ist“.[96]

Als den „Begründer einer Politischen Psychologie“ klassifizierte ihn Bernard Görlich in seinen Studien zu Herbert Marcuse; er habe seinen Gegenstand „nicht bloß äußerlich mit Freudscher Begrifflichkeit garniert, sondern im Freudschen Erkenntniszentrum selbst“ aufgesucht.[97] Statt der Marcuse häufig unterstellten Tendenz zur Harmonisierung von Eros und Vernunft,[98] weist er auf den Zwiespalt in Marcuses Denken hin: Er habe zwar immer Bilder der Befreiung gesucht, „um den Emanzipationsgedanken zu fundieren“, aber in der Auseinandersetzung mit Freuds Unbehagen in der Kultur suchte er Antworten auf die Frage zu finden, „wo und warum diese Bilder begraben worden sind“.[99]

Wie Gunzelin Schmid Noerr resümierte, habe Marcuse, anders als Horkheimer und Adorno, am utopischen Impuls konkreter alternativer Gesellschaftsentwürfe festgehalten und versucht, ihn unter veränderten gesellschaftlichen Bedingungen zu reformulieren. Raum für eine Alternative bilden demnach die libidinösen Bedürfnisse, die zwar unter den Bedingungen der Eindimensionalität „konterrevolutionär“ geworden seien, gleichwohl blieben sie für ihn historisch transformierbar und könnten das geschichtliche Kontinuum aufsprengen, wie er in seinem Versuch über die Befreiung an den Verweigerungs- und Protestbewegungen dargelegt habe.[100]

Andere Kollegen monierten eklatante Schwächen in seinen Schriften. Der polnische Philosoph Leszek Kołakowski hielt Marcuse für einen überschätzten Intellektuellen. Er nannte ihn einen „Ideologen des Obskurantismus“, sein Denken sei „ein eigentümliches Geflecht aus feudaler Verachtung für die Technik, die exakten Wissenschaften und die demokratischen Werte und einem verschwommenen, positiver Inhalte entbehrenden Revolutionismus“.[101]

Über Marcuses Rolle im „Kalten Krieg“ und seine Arbeit für das Committee on World Communism hat Tim B. Müller eine umfangreiche Studie – Krieger und Gelehrte. Herbert Marcuse und die Denksysteme des Kalten Krieges[102] – vorgelegt.

Während Marcuse mit seinen Schriften in der Studentenbewegung und mit seinem One-Dimensional Man in der scientific community eine weltweite Rezeption erfahren hatte, wurden sie seit der Jahrhundertwende nur noch wenig rezipiert. Der kleine Zu Klampen Verlag hat zwar noch sechs Bände Nachgelassene Schriften herausgegeben, die von einem Kommentator des Deutschlandfunks als „eine Sysiphosarbeit gegen den Zeitgeist“ bezeichnet wurde.[103] Eine sechsbändige Ausgabe mit Marcuses „Collected Papers“, herausgegeben von Douglas Kellner, mit einem Vorwort von Marcuses Sohn, Peter Marcuse, setzte einen vorläufigen bibliographischen Schlusspunkt.[104]

Mögliche Schüler Marcuses gruppieren sich in der International Herbert Marcuse Society,[105] 2005 von Arnold L. Farr, Philosophie-Professor an der University of Kentucky, gegründet.

SchriftenBearbeiten

WerkausgabenBearbeiten

  • Herbert Marcuse: Schriften. 9 Bände. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1978–1989, ISBN 3-518-57997-5 (Nachdruck dieser Ausgabe: Zu Klampen Verlag, Springe 2004, ISBN 3-934920-46-2).
  • Herbert Marcuse: Nachgelassene Schriften. Hrsg. Peter-Erwin Jansen. 6 Bände. Dietrich zu Klampen, Lüneburg 1999–2009.
    • Bd. 1: Das Schicksal der bürgerlichen Demokratie. Aus dem Amerikanischen von Michael Haupt, Einleitung von Oskar Negt. Zu Klampen Verlag Springe 1999, ISBN 3-924245-83-5.
    • Bd. 2: Kunst und Befreiung. Übersetzt von Michael Haupt und Stephan Bundschuh, Einleitung von Gerhard Schweppenhäuser. Zu Klampen Verlag Springe 2000, ISBN 3-924245-84-3.
    • Bd. 3: Philosophie und Psychologie. Aus dem Amerikanischen von Cornelia Lösch, Einleitung von Alfred Schmidt. Zu Klampen Verlag Springe 2002, ISBN 3-924245-85-1.
    • Bd. 4: Die Studentenbewegung und ihre Folgen. Aus dem Amerikanischen von Thomas Laugstien, Einleitung von Wolfgang Kraushaar. Zu Klampen Verlag Springe 2004, ISBN 3-924245-86-X.
    • Bd. 5: Feindanalysen. Über die Deutschen. Aus dem Amerikanischen von Michael Haupt, Einleitung von Detlev Claussen. Zu Klampen Verlag Springe 2007, ISBN 978-3-924245-86-3.
    • Bd. 6: Ökologie und Gesellschaftskritik. Aus dem Amerikanischen und Französischen von Thomas Laugstien, Einleitung von Iring Fetscher. Zu Klampen Verlag Springe 2009, ISBN 978-3-924245-87-0.
  • Herbert Marcuse: Collected Papers. Six volumes. Edited by Douglas Kellner. Routledge, New York
    • Volume One: Technology, War and Fascism
    • Volume Two: Towards a Critical Theory of Society
    • Volume Three: The New Left and the 1960s
    • Volume Four: Art and Liberation
    • Volume Five: Philosophy, Psychoanalysis and Emancipation
    • Volume Six: Marxism, Revolution and Utopia

Aufsätze & Monographien (Auswahl)Bearbeiten

Sortiert nach dem Erscheinungsjahr der deutschen Erstausgabe:

  • Hegels Ontologie und die Grundlegung einer Theorie der Geschichtlichkeit. Vittorio Klostermann, Frankfurt am Main 1932. – (3. Aufl. 1975, ISBN 3-465-00309-8).
  • Der Kampf gegen den Liberalismus in der totalitären Staatsauffassung. In: Zeitschrift für Sozialforschung 3, 1934, Heft 2, S. 161–194.
  • Autorität und Familie in der deutschen Soziologie bis 1933. In: Studien über Autorität und Familie. Forschungsberichte aus dem Institut für Sozialforschung. Paris 1936.
  • Über den affirmativen Charakter in der Kultur. In: Zeitschrift für Sozialforschung, VI. Jahrgang, Heft 1. Paris 1937.
  • Some social implications of modern technology In: Studies in Philosophy and Social Science. 9.3, 1941, S. 414–439.
  • Eros und Kultur. Ein philosophischer Beitrag zu Sigmund Freud. Aus dem Amerikanischen übersetzt von Marianne von Eckardt-Jaffe. Ernst Klett, Stuttgart 1957 (Originalausgabe: Eros and civilisation. A philosophical inquiry into Freud. The Beacon Press, Boston, MA 1955; dt. Neuauflage unter dem Titel: Triebstruktur und Gesellschaft. Ein philosophischer Beitrag zu Sigmund Freud. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1965. – (17. Auflage 1995, ISBN 3-518-01158-8)).
  • Die Gesellschaftslehre des sowjetischen Marxismus. Übers. von Alfred Schmidt, Luchterhand, Neuwied/Berlin 1964. – (Originaltitel: Soviet-Marxism. A critical Analysis. 1958).
  • Zusammen mit Peter Furth: Emanzipation der Frau in der repressiven Gesellschaft. Ein Gespräch. In: Das Argument 1962, Hf. 23, S. 2–11.
  • Kultur und Gesellschaft 1. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1965.
  • Kultur und Gesellschaft 2. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1965.
  • Der eindimensionale Mensch. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1967. – (Engl. 1964, mehrere Neuaufl., zuletzt 2014).
  • Befreiung von der Überflussgesellschaft. in: Dialectics of Liberation, Penguin, London 1968. Übers. von Hans-Werner Saß, in: Dialektik der Befreiung, Rowohlt, Reinbek 1969 (2. Auflage bahoe books, Wien 2017)
  • Psychoanalyse und Politik. Europäische Verlagsanstalt/Europa Verlag, Frankfurt am Main/Wien 1968. – (6. Auflage 1980, ISBN 3-434-30071-6; vier Vorträge: Trieblehre und Freiheit. Die Idee des Fortschritts im Licht der Psychoanalyse. 1956, Das Problem der Gewalt in der Opposition. Das Ende der Utopie. 1967).
  • Aggressivität in der gegenwärtigen Industriegesellschaft. In: Aggression und Anpassung in der Industriegesellschaft. Mit Beiträgen von Herbert Marcuse, Anatol Rapoport, Klaus Horn, Alexander Mitscherlich, Dieter Senghaas und Mihailo Marcović. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1968, S. 7–29.
  • Ideen zu einer kritischen Theorie der Gesellschaft. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1969.
  • Versuch über die Befreiung. Aus dem Amerikanischen übersetzt von Helmut Reinicke und Alfred Schmidt. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1969.
  • Repressive Toleranz. In: Robert Paul Wolff, Barrington Moore, Herbert Marcuse: Kritik der reinen Toleranz. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1970, ISBN 3-518-10181-1.
  • Zusammen mit Alfred Schmidt: Existentialistische Marx-Interpretation. Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 1973, ISBN 3-434-20055-X.
  • Konterrevolution und Revolte. edition suhrkamp, 1973, DNB 881293989 (en: Counterrevolution and Revolt, Beacon Press, Boston 1972).
  • Die Permanenz der Kunst. Wider eine bestimmte marxistische Ästhetik. Hanser, München 1977, ISBN 3-446-12200-1.
  • Gespräche mit Herbert Marcuse. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1978
  • Protosozialismus und Spätkapitalismus – Versuch einer revolutionstheoretischen Synthese von Bahros Ansatz. In: Kritik Nr. 19, Hrsg. von Ulf Wolter, ISSN 0170-4761, Verlag Olle & Wolter, Berlin 1978. – (Auch in: Herbert Marcuse: Spuren der Befreiung, Hrsg. von Detlev Claussen, Luchterhand, Darmstadt/Neuwied 1981; englisch in: Ulf Wolter (Hrsg.): Rudolf Bahro – Critical Responses. M. E. Sharpe, White Plains, NY 1980, ISBN 978-0-87332-159-4 online auf opentheory.org).
  • Im Kampf gegen Nazideutschland. Berichte für den amerikanischen Geheimdienst 1943–1949. Campus, Frankfurt 2016, ISBN 978-3-593-50345-5

LiteraturBearbeiten

Einführungen

Sonstige Literatur

  • Hans Albert: Wissenschaft und Verantwortung. Max Webers Idee rationaler Praxis und die totale Vernunft der politischen Theologie. In: Ders.: Kritischer Rationalismus. Vier Kapitel zur Kritik des illusionären Denkens. Tübingen 2000. (Replik auf Herbert Marcuse: Industrialisierung und Kapitalismus. In: Otto Stammer (Hrsg.): Max Weber und die Soziologie heute. Verhandlungen des 15. deutschen Soziologentages. Mohr, Tübingen 1965)
  • Roger Behrens: Übersetzungen, Studien zu Herbert Marcuse. Konkrete Philosophie, Praxis und kritische Theorie. Ventil Verlag, Mainz 2000, ISBN 3-930559-58-7.
  • Stefan Breuer: Die Krise der Revolutionstheorie. Negative Vergesellschaftung und Arbeitsmetaphysik bei Herbert Marcuse. Syndikat, Frankfurt am Main 1977.
  • Stefan Breuer: Kritische Theorie. Mohr Siebeck, Tübingen 2016 (darin: Kapitel Der Ort Marcuses in der Kritischen Theorie, S. 157–187)
  • Hauke BrunkhorstMarcuse, Herbert. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 16, Duncker & Humblot, Berlin 1990, ISBN 3-428-00197-4, S. 138–140 (Digitalisat).
  • Stephan Bundschuh: „Und weil der Mensch ein Mensch ist“. Anthropologische Aspekte der Sozialphilosophie Herbert Marcuses. zu Klampen. Lüneburg 1998, ISBN 3-924245-71-1
  • Lisa Doppler, Peter–Erwin Jansen, Alexander Neupert-Doppler (Hrsg.): Herbert Marcuse. Kapitalismus und Opposition. Vorlesungen zum eindimensionalen Menschen; Paris, Vincennes 1974. Mit einer Einleitung von Roger Behrens. Springe 2017, ISBN 978-3-86674-559-9
  • Andrew Feenberg: Heidegger and Marcuse. The catastrophe and redemption of history. Routledge, New York 2005, ISBN 0-415-94178-4
  • Bernard Görlich: Die Wette mit Freud. Drei Studien zu Herbert Marcuse. Nexus, Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-923301-39-1
  • Hermann Haarmann: „Ich bin hier geblieben, weil ich mir ein Leben in Deutschland nicht mehr vorstellen konnte.“ Marcuses amerikanische Jahre. In: Zwischenwelt. 35, 3, November 2018 ISSN 1606-4321 S. 20–25
  • Jürgen Habermas (Hrsg.): Antworten auf Herbert Marcuse. Suhrkamp, Frankfurt 1968 (mit einer Auswahlbibliografie).
  • Jürgen Habermas: Herbert Marcuse
    • a) Einleitung zu einer Antfestschrift (1968)
    • b) Über Kunst und Revolution (1973)
    • c) Gespräch mit Herbert Marcuse (1977)
    • d) Psychischer Thermidor und die Wiedergeburt der Rebellischen Subjektivität (1980).
    • In: Ders.: Philosophisch-politische Profile. Erweiterte Ausgabe. 2. Auflage. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1984, S. 253–335.
  • Institut für Sozialforschung (Hrsg.): Kritik und Utopie im Werk von Herbert Marcuse. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1992, ISBN 3-518-28637-4.
  • Douglas Kellner: Herbert Marcuse and the Crisis of Marxism. Macmillan, London 1984, ISBN 978-0-520-05295-6.
  • Gertrud Koch: Herbert Marcuse. In: Marieluise Christadler (Hrsg.): Die geteilte Utopie. Sozialisten in Frankreich und Deutschland. Biografische Vergleiche zur politischen Kultur. Springer Fachmedien, Wiesbaden 1985, S. 287–296.
  • Paul Mattick: Kritik an Herbert Marcuse. Der eindimensionale Mensch in der Klassengesellschaft. Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt 1969.
  • Tim B. Müller: Krieger und Gelehrte. Herbert Marcuse und die Denksysteme im Kalten Krieg. Hamburger Edition, 2010 ISBN 978-3-86854-222-6.
  • Heinz Paetzold: Neomarxistische Ästhetik. Teil 2: Adorno, Marcuse. Schwann, Düsseldorf 1974, ISBN 3-590-15705-4.
  • Gunzelin Schmid Noerr: Das Eingedenken der Natur im Subjekt. Zur Dialektik von Vernunft und Natur in der Kritischen Theorie Horkheimers, Adornos und Marcuses. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1990, ISBN 3-534-10694-6.
  • Emil Walter-Busch: Geschichte der Frankfurter Schule. Kritische Theorie und Politik. Fink, München 2010, ISBN 978-3-7705-4943-6 (Unterkapitel 14: Glut und Asche revolutionärer Theorie: Herbert Marcuse, S. 190–231).
  • Rolf Wiggershaus: Die Frankfurter Schule. Geschichte, theoretische Entwicklung, politische Bedeutung. 6. Aufl. dtv, München 2001, ISBN 3-423-30174-0.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Herbert Marcuse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Emil Walter-Busch: Geschichte der Frankfurter Schule. Kritische Theorie und Politik. Fink, München 2010, S. 191.
  2. Roger Behrens: Übersetzungen - Studien zu Herbert Marcuse. Konkrete Philosophie, Praxis und kritische Theorie. Ventil Verlag, Mainz 2000, S. 54.
  3. Selbstauskunft in: Jürgen Habermas: Gespräch mit Herbert Marcuse (1977). In: Jürgen Habermas: Politisch-philosophische Profile. Erweiterte Ausgabe, Frankfurt am Main 1987, ISBN 3-518-28259-X, S. 269.
  4. Selbstauskunft in: Jürgen Habermas: Gespräch mit Herbert Marcuse (1977). In: Jürgen Habermas: Politisch-philosophische Profile. Erweiterte Ausgabe, Frankfurt am Main 1987, ISBN 3-518-28259-X, S. 268.
  5. Roger Behrens: Übersetzungen - Studien zu Herbert Marcuse. Konkrete Philosophie, Praxis und kritische Theorie. Ventil Verlag, Mainz 2000, S. 54.
  6. Emil Walter-Busch: Geschichte der Frankfurter Schule. Kritische Theorie und Politik. Fink, München 2010, S. 192.
  7. Sophie Wertheim (1901-1951)
  8. Hauke BrunkhorstMarcuse, Herbert. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 16, Duncker & Humblot, Berlin 1990, ISBN 3-428-00197-4, S. 138–140 (Digitalisat).
  9. Herbert Marcuse: Beiträge zu einer Phänomenologie des Historischen Materialismus (1928); zitiert nach Stefan Breuer: Kritische Theorie. Mohr Siebeck, Tübingen 2016, S. 163.
  10. Stefan Breuer: Kritische Theorie. Mohr Siebeck, Tübingen 2016, S. 165.
  11. Jürgen Habermas: Herbert Marcuse. d) Psychischer Thermidor und die Wiedergeburt der Rebellischen Subjektivität (1980). In: Ders.: Philosophisch-politische Profile. Erweiterte Ausgabe. 2. Auflage. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1984, S. 319–335, hier S. 326.
  12. Alfred Schmidt: Herbert Marcuse – Versuch einer Vergegenwärtigung seiner sozialphilosophischen und politischen Ideen. In: Institut für Sozialforschung (Hrsg.): Kritik und Utopie im Werk von Herbert Marcuse. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1992, S. 16.
  13. Alfred Schmidt: Herbert Marcuse – Versuch einer Vergegenwärtigung seiner sozialphilosophischen und politischen Ideen. In: Institut für Sozialforschung (Hrsg.): Kritik und Utopie im Werk von Herbert Marcuse. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1992, S. 15.
  14. Herbert Marcuse: Der Kampf gegen den Liberalismus in der totalitären Staatsauffassung. In: Zeitschrift für Sozialforschung 3, 1934, Heft 2, S. 161–194.
  15. Vgl. Brief Heideggers in: Martin Heidegger: Gesamtausgabe. Band 16: Reden und andere Zeugnisse eines Lebensweges (1910–1976). Klostermann, 2000, S. 430f. Siehe auch marcuse.org.
  16. Emil Walter-Busch: Geschichte der Frankfurter Schule. Kritische Theorie und Politik. Fink, München 2010, S. 193.
  17. Der erste Teil von Horkheimer umfasst nur sechseinhalb Seiten über das Verhältnis von Philosophie und Kritischer Theorie.
  18. Max Horkheimer und Herbert Marcuse: Philosophie und kritische Theorie. In: Zeitschrift für Sozialforschung. 6. Jg. (1937), Heft 3, S. 625–647.
  19. Max Horkheimer: Traditionelle und kritische Theorie. In: Zeitschrift für Sozialforschung. 6. Jg. (1937), Heft 2, S. 245–294.
  20. Jürgen Habermas: Bemerkungen zur Entwicklungsgeschichte des Horkheimerschen Werkes. In: Alfred Schmidt, Norbert Altwicker (Hrsg.): Max Horkheimer heute: Werk und Wirkung. Fischer Taschenbuch, Frankfurt am Main 1986, S. 163–179, hier S. 164.
  21. Max Horkheimer und Herbert Marcuse: Philosophie und kritische Theorie. In: Zeitschrift für Sozialforschung. 6. Jg. (1937), Heft 3, S. 625–647, hier S. 627.
  22. Hauke Brunkhorst und Gertrud Koch: Herbert Marcuse. Eine Einführung. Panorama Verlag, Wiesbaden 2005, S. 38.
  23. Rolf Wiggershaus: Die Frankfurter Schule. Geschichte, theoretische Entwicklung, politische Bedeutung. 2. Aufl. Hanser, München 1986, S. 295.
  24. Stefan Breuer: Kritische Theorie. Mohr Siebeck, Tübingen 2016, S. 174.
  25. Bezeichnend ist der denunziatorische Brief Adornos an Horkheimer vom 13. Mai 1935 (In: Max Horkheimer: Gesammelte Schriften, Band 15: Briefwechsel 1913-1936. Fischer, Frankfurt am Main, S. 345–351), in dem er Marcuse als „einen durch Judentum verhinderten Faszisten“ hielt (S. 347).
  26. Detlev Claussen in der Einleitung zu Herbert Marcuse: Feindanalysen. Über die Deutschen. zu Klampen, Lüneburg 1998, S. 7.
  27. Tim B. Müller: Krieger und Gelehrte. Herbert Marcuse und die Denksysteme im Kalten Krieg. Hamburger Edition, 2010, S. 47.
  28. Tim B. Müller: Krieger und Gelehrte. Herbert Marcuse und die Denksysteme im Kalten Krieg. Hamburger Edition, 2010, S. 46.
  29. Peter-Erwin Jansen im Vorwort zu: Herbert Marcuse: Feindanalysen. Über die Deutschen. zu Klampen, Lüneburg 1998, S. 7.
  30. Zitiert nach: Herbert Marcuse: Feindanalysen. Über die Deutschen. zu Klampen, Lüneburg 1998, S. 73 Fn.
  31. Tim B. Müller: Krieger und Gelehrte. Herbert Marcuse und die Denksysteme im Kalten Krieg. Hamburger Edition, 2010, S. 146.
  32. Tim B. Müller: Krieger und Gelehrte. Herbert Marcuse und die Denksysteme im Kalten Krieg. Hamburger Edition, 2010, S. 154 f.
  33. Tim B. Müller: Krieger und Gelehrte. Herbert Marcuse und die Denksysteme im Kalten Krieg. Hamburger Edition, 2010, S. 184.
  34. Tim B. Müller: Krieger und Gelehrte. Herbert Marcuse und die Denksysteme im Kalten Krieg. Hamburger Edition, 2010, S. 186.
  35. Emil Walter-Busch: Geschichte der Frankfurter Schule. Kritische Theorie und Politik. Fink, München 2010, S. 195.
  36. Hauke Brunkhorst: Marcuse, Herbert. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 16, Duncker & Humblot, Berlin 1990, ISBN 3-428-00197-4, S. 138–140 (Digitalisat).
  37. Stuart Jeffries: Grand Hotel Abgrund. Die Frankfurter Schule und ihre Zeit. Klett-Cotta, Stuttgart 2019, S. 13.
  38. Herbet Marcuse: Versuch über die Befreiung. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1969, S. 9.
  39. Jürgen Habermas: Herbert Marcuse. d) Psychischer Thermidor und die Wiedergeburt der Rebellischen Subjektivität (1980). In: Ders.: Philosophisch-politische Profile. Erweiterte Ausgabe. 2. Auflage. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1984, S. 319–335, hier S. 323. - Ähnlich auch Emil Walter-Busch, der ihn als „politisch aktivsten Exponent der Frankfurter Schule“ in den Jahren 1965–1975 charakterisierte. In: Ders.: Geschichte der Frankfurter Schule. Kritische Theorie und Politik. Fink, München 2010, S. 194.
  40. Wolfgang Kraushaar (Hrsg.): Frankfurter Schule und Studentenbewegung. Von der Flaschenpost zum Molotowcocktail 1946-1995. Band 2: Dokumente. Rogner & Bernhard bei Zweitausendeins, Hamburg 1998, S. 601 f.
  41. Zitiert nach Stefan Breuer: Kritische Theorie. Mohr Siebeck, Tübingen 2016, S. 187.
  42. a b Hauke Brunkhorst, Gertrud Koch: Herbert Marcuse. Eine Einführung. Panorama Verlag, Wiesbaden 2005, S. 100.
  43. PHILOSOPHEN / MARCUSE: In die Irre. In: Der Spiegel. Nr. 31, 1968 (online29. Juli 1968).
  44. Hendrik Werner: Die Asche meines Vaters.24 Jahre nach seinem Tod ist der Philosoph Herbert Marcuse in Berlin beigesetzt worden. In: Die Welt. 19. Juli 2003 (welt.de).
  45. Bruno Flierl: Haus. Stadt. Mensch. Über Architektur und Gesellschaft. Gespräche. Das Neue Berlin. Berlin 2019, ISBN 978-3-360-01343-9, S. 47 ff.
  46. Jan Engelmann: Der Traum von der großen Verweigerung. Aus Anlass des Ehrenbegräbnisses von Herbert Marcuse erinnerte ein FU-Kolloquium unter dem Titel "Die Praxis folgt der Wahrheit" an die Julitage 1967, als der Philosoph erstmals an die FU kam. Leider wurde daraus vor allem ein Nostalgietrip, auf den sich auch die Bürgerrechtsikone Angela Davis begab. 19. Juli 2003, abgerufen am 20. Juli 2015 (Artikelsammlung der taz vom 29. Juli 2003 anlässlich der Beisetzung).
  47. Roger Behrens: Übersetzungen - Studien zu Herbert Marcuse. Konkrete Philosophie, Praxis und kritische Theorie. Ventil Verlag, Mainz 2000, S. 53.
  48. Hauke Brunkhorst: Marcuse, Herbert. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 16, Duncker & Humblot, Berlin 1990, ISBN 3-428-00197-4, S. 138–140 (Digitalisat).
  49. Alfred Schmidt: Herbert Marcuse – Versuch einer Vergegenwärtigung seiner sozialphilosophischen und politischen Ideen. In: Institut für Sozialforschung (Hrsg.): Kritik und Utopie im Werk von Herbert Marcuse. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1992, S. 13.
  50. Stefan Breuer: Kritische Theorie. Mohr Siebeck, Tübingen 2016, S. 160.
  51. Zeitschrift für Sozialforschung. 1. Jg. (1932), Heft 3, S. 409 f.
  52. Herbert Marcuse: Neue Quellen zur Grundlegung des historischen Materialismus. In: Die Gesellschaft. IX. Jg. (1932), Nr. 8, S. 136–174.
  53. Roger Behrens: Übersetzungen, Studien zu Herbert Marcuse. Konkrete Philosophie, Praxis und kritische Theorie. Ventil Verlag, Mainz 2000, S. 190 ff.
  54. Karl Marx: Die Frühschriften, hrsg. von Siegfried Landshut. Kröner, Stuttgart 1955, S. 276.
  55. Studien über Autorität und Familie. Forschungsberichte aus dem Institut für Sozialforschung. Librairie Félix Alcan Paris 1936, S. 136–228.
  56. Studien über Autorität und Familie. Forschungsberichte aus dem Institut für Sozialforschung. Librairie Félix Alcan Paris 1936, S. 140.
  57. Die amerikanische Originalausgabe erschien 1941 bei Humanities Press, New York
  58. Hauke Brunkhorst und Gertrud Koch: Herbert Marcuse. Eine Einführung. Panorama Verlag, Wiesbaden 2005, S. 56.
  59. Jean Améry: Der Neinsager. In: Die Zeit vom 23. Februar 1968 (zeit.de).
  60. Hauke Brunkhorst und Gertrud Koch: Herbert Marcuse. Eine Einführung. Panorama Verlag, Wiesbaden 2005, S. 58.
  61. Herbert Marcuse: Vernunft und Revolution. Luchterhand, Neuwied 1962, S. 17.
  62. Herbert Marcuse: Vernunft und Revolution. Luchterhand, Neuwied 1962, S. 149.
  63. Herbert Marcuse: Vernunft und Revolution. Luchterhand, Neuwied 1962, S. 149 f., 158.
  64. Herbert Marcuse: Vernunft und Revolution. Luchterhand, Neuwied 1962, S. 161.
  65. Herbert Marcuse: Vernunft und Revolution. Luchterhand, Neuwied 1962, S. 220.
  66. Herbert Marcuse: Der eindimensionale Mensch; zitiert nach: Hauke Brunkhorst und Gertrud Koch: Herbert Marcuse. Eine Einführung. Panorama Verlag, Wiesbaden 2005, S. 60.
  67. Hauke Brunkhorst und Gertrud Koch: Herbert Marcuse. Eine Einführung. Panorama Verlag, Wiesbaden 2005, S. 63.
  68. Herbert Marcuse: Vernunft und Revolution. Luchterhand, Neuwied 1962, S. 36.
  69. Herbert Marcuse: Vernunft und Revolution. Luchterhand, Neuwied 1962, S. 229.
  70. Herbert Marcuse: Vernunft und Revolution. Luchterhand, Neuwied 1962, S. 289.
  71. Michael Theunissen: Die Verwirklichung der Vernunft. Zur Theorie-Praxis-Diskussion im Anschluß an Hegel. In: Philosophische Rundschau, Beiheft 6. Mohr (Siebeck), Tübingen 1970, S. 28 ff.
  72. Herbert Marcuse: Der Kampf gegen den Liberalismus in der totalitären Staatsauffassung. Wieder abgedruckt in; Otto Bauer, Herbert Marcuse, Arthur Rosenberg u. a.: Faschismus und Kapitalismus. Theorien über die sozialen Ursprünge und die Funktion des Faschismus. Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 1967, S. 19–74, hier S. 53.
  73. Herbert Marcuse: Die neue deutsche Mentalität. In: Ders.: Feindanalysen. Über die Deutschen. Zu Klampen, Lüneburg 1998, S. 21–72, hier S. 48.
  74. Theorie und Politik. In: Gespräche mit Herbert Marcuse. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1978, S. 14 f.
  75. Daniel Burston: Verdrängung, Realität und die Autonomie der Theorie in der Fromm-Marcuse Kontroverse (Memento vom 28. September 2007 im Internet Archive). Übersetzt von Karl von Zimmermann. In: erich-fromm.de, 2003 (PDF-Datei; 58 kB).
  76. Als E-Book herausgegeben von Rainer Funk. Open Publishing 2015.
  77. Tim B. Müller: Krieger und Gelehrte. Herbert Marcuse und die Denksysteme im Kalten Krieg. Hamburger Edition, Hamburg 2010, S. 150.
  78. Originalausgabe: Soviet-Marxism: A Critical Analysis, Columbia University Press, New York 1958. Deutsche Übersetzung: Die Gesellschaftslehre des sowjetischen Marxismus, Luchterhand Verlag, Neuwied 1964.
  79. Žarko Puhovski: Marcuses Entdeckung des „realen Sozialismus“. In: Institut für Sozialforschung (Hrsg.): Kritik und Utopie im Werk von Herbert Marcuse. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1992, S. 101–109, hier S. 103.
  80. Žarko Puhovski: Marcuses Entdeckung des „realen Sozialismus“. In: Institut für Sozialforschung (Hrsg.): Kritik und Utopie im Werk von Herbert Marcuse. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1992, S. 101–109, hier S. 104 f.
  81. Herbert Marcuse: Über Bahro, den Protosozialismus und den Spätkapitalismus. In: kritik. Zeitschrift für sozialistische Diskussion. 6. Jahrgang (1978) Heft 19, S. 5–27, hier S. 5.
  82. Bernard Görlich: Die Wette mit Freund. Drei Studien zu Herbert Marcuse. Nexus, Frankfurt am Main 1991, S. 7.
  83. Georg W. Oesterdiekhoff (Hrsg.): Lexikon der soziologischen Werke. Westdeutscher Verlag, Wiesbaden 2001, S. 447.
  84. Stuart Jeffries: Grand Hotel Abgrund. Die Frankfurter Schule und ihre Zeit. Klett-Cotta, Stuttgart, S. 347.
  85. Franco Volpi / Julian Nida-Rümelin (Hrsg.): Lexikon der philosophischen Werke. Kröner, Stuttgart 1988, S. 482.
  86. Alasdair MacIntyre: Herbert Marcuse. (Reihe Moderne Theoretiker) dtv, München 1971, S. 115.
  87. Jürgen Habermas: Herbert Marcuse. b) Über Kunst und Revolution (1973). In: Ders.: Philosophisch-politische Profile. Erweiterte Ausgabe. 2. Auflage. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1984, S. 259–265, hier S. 260.
  88. Gerhard Schweppenhäuser: Einleitung. Kunst als Erkenntnis und Erinnerung. In: Herbert Marcuse. Nachgelassene Schriften. Band 2: Kunst und Befreiung. Dietrich zu Klampen, Lüneburg 2000, S. 13–40, hier S. 21 f.
  89. Jürgen Habermas: Herbert Marcuse. b) Über Kunst und Revolution (1973). In: Ders.: Philosophisch-politische Profile. Erweiterte Ausgabe. 2. Auflage. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1984, S. 259–265, hier S. 260.
  90. Jürgen Habermas: Herbert Marcuse. b) Über Kunst und Revolution (1973). In: Ders.: Philosophisch-politische Profile. Erweiterte Ausgabe. 2. Auflage. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1984, S. 259–265, hier S. 261.
  91. Gerhard Schweppenhäuser: Einleitung. Kunst als Erkenntnis und Erinnerung. In: Herbert Marcuse. Nachgelassene Schriften. Band 2: Kunst und Befreiung. Dietrich zu Klampen, Lüneburg 2000, S. 13–40, hier S. 27.
  92. Herbert Marcuse: Über den affirmativen Charakter der Kultur. In: Ders.: Kultur und Gesellschaft 1. Frankfurt am Main [1937] 1965), S. 56–101, hier S. 86.
  93. Gerhard Schweppenhäuser: Einleitung. Kunst als Erkenntnis und Erinnerung. In: Herbert Marcuse. Nachgelassene Schriften. Band 2: Kunst und Befreiung. Dietrich zu Klampen, Lüneburg 2000, S. 13–40, hier S. 28.
  94. Theodor W. Adorno: Kunst und die Künste. In: Ders.: Ohne Leitbild. Parva Aesthetica. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1967, S. 158–182, hier S. 182.
  95. Herbert Marcuse: Kunst als Form der Wirklichkeit. In: Ders.: Nachgelassene Schriften. Band 2: Kunst und Befreiung. zu Klampen, Lüneburg 2000, S.95–107. hier S. 106.
  96. Predrag Vranicki: Geschichte des Marxismus. 2 Bände. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1972 und 1974. hier Band 2, S. 849.
  97. Bernard Görlich: Die Wette mit Freund. Drei Studien zu Herbert Marcuse. Nexus, Frankfurt am Main 1991, S. 15.
  98. Zum Beispiel:Wiebke Walther: Erotik. In: Metzler Lexikon Religion. Gegenwart – Alltag – Medien. J.B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2005, Bd. 1, S. 290.
  99. Bernard Görlich: Die Wette mit Freund. Drei Studien zu Herbert Marcuse. Nexus, Frankfurt am Main 1991, S. 100 und 102.
  100. Gunzelin Schmid-Noerr: Das Eingedenken der Natur im Subjekt. Zur Dialektik von Vernunft und Natur in der Kritischen Theorie Horkheimers, Adornos und Marcuses. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1990, S. 189 f.
  101. Leszek Kołakowski: Die Hauptströmungen des Marxismus. Entstehung, Entwicklung, Zerfall, 2. Auflage, Piper, München-Zürich 1981, Bd. 3, S. 457 und 452, zitiert nach Arno Waschkuhn: Kritische Theorie. Politikbegriffe und Grundprinzipien der Frankfurter Schule. Oldenbourg, München 2000, ISBN 978-3-486-80354-9, S. 144 (abgerufen über De Gruyter Online).
  102. Hamburger Edition, Hamburg 2010
  103. Deutschlandfunk: Nachgelassene Schriften (Archiv) am 11. Dezember 2000.
  104. Marcuse im Routledge Verlag
  105. Homepage der International Herbert Marcuse Society
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