Kritische Theorie

von Hegel, Marx und Freud inspirierte Gesellschaftstheorie
Max Horkheimer (vorne links), Theodor Adorno (vorne rechts) und Jürgen Habermas (im Hintergrund rechts), Siegfried Landshut (im Hintergrund links) im Jahr 1964 in Heidelberg

Als Kritische Theorie wird eine von Hegel, Marx und Freud in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts inspirierte Gesellschaftstheorie bezeichnet, deren Vertreter (vornehmlich Max Horkheimer, Theodor W. Adorno und Herbert Marcuse) auch unter dem Begriff Frankfurter Schule zusammengefasst werden. Ihr Gegenstand ist die ideologiekritische Analyse der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft, das heißt: die Aufdeckung ihrer Herrschafts- und Unterdrückungsmechanismen und die Hinterfragung ihrer Ideologien, mit dem Ziel einer vernünftigen Gesellschaft mündiger Menschen. Ihr Anspruch ist, die Totalität der gesellschaftlichen Verhältnisse und die Notwendigkeit ihrer Veränderung theoretisch auf den Begriff zu bringen. Wenn Theorie in diesem Verständnis als eine Form der Praxis begriffen wird, heißt das: Mit der theoretischen Aufklärung werden die gesellschaftlichen Verhältnisse entschleiert, und mit dem neuen Blick auf sie beginnt die verändernde Praxis im Bewusstsein der aufgeklärten Menschen. Stand an ihrem Anfang das Projekt einer sozialwissenschaftlichen Zeitdiagnose mit emanzipatorischem Anspruch, dann veränderte sie sich unter dem Einfluss der zeitgeschichtlichen Ereignisse in eine negative Geschichtsphilosophie ohne Hoffnung auf absehbare Umgestaltung der „totalitär“ (Horkheimer/Adorno) und „eindimensional“ (Marcuse) gewordenen gesellschaftlichen Verhältnisse.

Von dieser „älteren“ oder „klassischen“ Kritischen Theorie, die hier fokussiert wird, ist die auf Jürgen Habermas zurückgehende jüngere Kritische Theorie zu unterscheiden, die an den gesellschaftskritischen Motiven zwar festhält, aber die radikale Vernunftskepsis und die pessimistische Geschichtskonstruktion verwirft und mit dem Begriff der „kommunikativen Vernunft“ emanzipatorische Motive ins Zentrum der Theorie rückt.

Zum BegriffBearbeiten

Der Terminus „Kritische Theorie“ wurde von Max Horkheimer im Exil „für das wissenschaftliche Projekt des Instituts“, ein von ihm „entwickeltes Forschungsprogramm eines interdisziplinären Materialismus“, geprägt.[1] Er findet in Horkheimers Aufsatz Traditionelle und kritische Theorie von 1937 seine Begründung, in dem er sich mit dem Ideal und dem Betrieb der nachkopernikanischen Wissenschaft beschäftigt. Davor firmierte die marxistisch undogmatische Gesellschaftstheorie des Instituts unter dem Namen Materialismus.[2] In einem Gespräch erklärte Herbert Marcuse, dass der Begriff von den Mitgliedern des Instituts zu dem Zweck benutzt wurde, „die traditionelle marxistische Theorie kritisch zu prüfen“.[3]

Die Kritische Theorie wird in Horkheimers Aufsatz als eine praktische Philosophie bestimmt, der es auf die gesellschaftliche Veränderung mit dem Ziel zunehmender Selbstbestimmung der Menschen ankommt. Dieses Ziel trennt Kritische Theorie nachhaltig von der „bürgerlichen Wissenschaft“, zu der sowohl die positivistisch operierenden Fachwissenschaften als auch die idealistische theoretische Philosophie gehören.

Horkheimer kritisiert an der „traditionellen Theorie“ der Fachwissenschaften, dass sie die gesellschaftlichen Fakten als Gegebenheiten hinnehme und vergesse, dass diese Fakten keine naturgegebenen Tatsachen, sondern gesellschaftlich Gemachtes seien, in denen sich das Unrecht gesellschaftlicher Herrschaft verberge. Dieses Unrecht könne nur entschlüsselt werden, wenn man die gesellschaftliche Konstitution der sozialen Tatbestände kritisch, das heißt unter dem Gesichtspunkt der besseren Praxis erschließe. Weil die positivistische Fachwissenschaft sich dieser Reflexion verweigere, mache sie sich der Verfestigung des bestehenden gesellschaftlichen Unrechts dienstbar. Sie verschließe sich der Reflexion über die Verflechtung von Wissenschaft und Herrschaft von Grund auf und könne daher ihren theoretischen Anspruch der Werturteilsfreiheit nicht einlösen.[4]

An der „traditionellen Theorie“ als idealistischer Philosophie oder Ontologie kritisiert Horkheimer, dass sie nur die metaphysische Ergänzung des geistlosen Zustandes in den positivistisch operierenden, affirmativen Fachwissenschaften sei. Sie legitimiere den geistlosen Zustand und kritisiere ihn zugleich. Die Kritik erfolge aber nicht so, dass sie die fachwissenschaftlichen Begriffe etwa der Ökonomie, Soziologie, Psychologie, Erziehungswissenschaft selbst in Frage stelle und auf ihre Realkonstitution untersuche, sondern so, dass diese Begriffe akzeptiert werden, aber zugleich ihre Ergänzung durch die Metaphysik eingeklagt werde, die leisten soll, was den positiven Wissenschaften abgeht: Klärung der Sinnfragen, Ableitung des moralisch richtigen Handelns aus obersten Prämissen, Explikation von Wegen zur Erlösung vom Elend der Welt oder Wegen zum „wahren Selbst“ im unbegriffenen gesellschaftlichen Ganzen. Das geschehe in der idealistischen Metaphysik stets durch die Setzung einer idealen Welt hinter oder über der wirklichen Welt der positivistisch hingenommenen Tatsachen und der Ableitung aus den ersten, höchsten unbezweifelbaren Prinzipien dieser „eigentlichen, idealen Welt“. Die als solche akzeptierte positivistische Rationalität der traditionellen Theorie in den Fachwissenschaften werde so durch die Metaphysik als Ursprungsphilosophie um das, was ihr angeblich fehlt, ergänzt, ohne dass sie selbst und die gesellschaftliche Realität, auf die sie sich bezieht, in Frage gestellt werde.[5][6]

Die Kritische Theorie ist demgegenüber an einem Vernunftbegriff orientiert, der nicht in der Zweck-Mittel-Rationalität aufgeht. Sie zielt nach Vorstellung ihrer Begründer darauf ab, die vorgefundene „gesellschaftliche Totalität“ selbst zu begreifen, deren Unbewusstheit und Unbegriffenheit in den Sozialwissenschaften dazu führt, dass positivistische Wissenschaftler weder im theoretischen Ansatz noch in ihrer Durchführung der Aufbereitung oder dem Verständnis des gewonnenen Datenmaterials objektiv sein können, sondern ihre Begriffe und Kategorien bloße Verdoppelungen und systematisierende Wiederholungen der in der gesellschaftlichen Wirklichkeit selbst wirksamen, unbegriffenen Realabstraktionen sind. Daher richtet die Kritische Theorie ihre Aufmerksamkeit auf die Konstitution der das gesellschaftliche Leben beherrschenden Realabstraktionen, auch darauf, wie sie in den Fakten erscheinen und zugleich auf die Spannung zwischen dem „Bestehenden“ und dem „Möglichen“. Sie möchte die Tür offen halten für eine bessere Praxis.

Vereinfacht formuliert ist ihr Grundgedanke, „dass die Grundform der historisch gegebenen Warenwirtschaft (…) die inneren und die äußeren Gegensätze der Epoche in sich schließt, in verschärfter Form stets aufs Neue zeitigt und nach einer Periode des Aufstiegs, der Entfaltung menschlicher Kräfte, der Emanzipation des Individuums, nach einer ungeheuren Ausbreitung der menschlichen Macht über die Natur schließlich die weitere Entwicklung hemmt und die Menschheit einer neuen Barbarei zutreibt“.[7] Dem kritischen Theoretiker gelten die Kategorien der Arbeit, des Werts, der Produktivität, im Sinne des ökonomisch Besseren, Nützlichen, Zweckmäßigen und Produktiven, wie sie in dieser Ordnung gelten, „genau als das, was sie in dieser Ordnung gelten, und er betrachtet jede andere Ausdeutung als schlechten Idealismus“.[8] Andererseits erscheint es ihm „als die gröbste Unwahrheit, diese Geltung einfach hinzunehmen: die kritische Anerkennung der das gesellschaftliche Leben beherrschenden Kategorien enthält zugleich ihre Verurteilung“.[9] Als das oberste politisch-moralische Ziel der Kritischen Theorie nennt Horkheimer „das Streben nach einem Zustand ohne Ausbeutung und Unterdrückung“.[10]

HauptaussagenBearbeiten

Paradigmatischen Charakter für die Kritische Theorie haben die frühen Schriften Horkheimers aus den 1930er Jahren. Für sie sind zwei Momente von Bedeutung: die Nähe zur marxschen Theorie und das interdisziplinäre Programm.[11]

Die drei Hauptbeobachtungsfelder der Kritischen Theorie sind die Ökonomie, die materialistische Philosophie und in Folge die Kultur. In einer Kombination marxistischer und psychoanalytischer Perspektiven wird insbesondere die „Gesellschaft“ kritischer Betrachtung unterzogen. Sie wird nicht nur als eine Gesamtheit von Menschen in einer bestimmten Zeit aufgefasst, vielmehr werden gesellschaftliche Verhältnisse als menschengemacht verstanden und mithilfe des historischen Materialismus betrachtet. Aufgrund von Erich Fromms Engagement der Untersuchung individualpsychologischer, d. h. sozialpsychologischer Charakterstrukturen (Autoritärer Charakter), wird neben der Gesellschaftsanalyse zugleich das Individuum als gewordenes verstanden und dessen Entwicklung aus den Gesellschaftsverhältnissen betrachtet. Damit wird der philosophischen Anthropologie „als Lehre von der besonderen menschlichen Wesensart im Sinne endgültiger Aussagen über unveränderliche, von der Geschichte nicht betroffene Idee des Menschen“[12] eine klare Absage erteilt. Eine besondere Mittlerrolle bei der „Zurichtung“ der Menschen und zur Stabilisierung von Herrschaft kommt der familiären Sozialisation (Familie als „psychosoziale Agentur“), den Massenmedien und der Massenkultur zu.

In der spätkapitalistischen Gesellschaft trete durch zunehmende Kapitalkonzentration und Bürokratisierung eine Abtötung des Spontanen und Individuellen in der „verwalteten Welt“ ein. Zwar habe aufklärerische Vernunft das Erlangen von wahren Erkenntnissen über die Welt als das Wesen des Menschen angesehen, doch habe sich diese Vernunft zu einer „instrumentellen“ und „zweckbestimmten“ gewandelt. Diese instrumentelle Vernunft betrachte die Welt und die Menschen einzig unter dem Aspekt des Nutzens. Die Beziehungen zwischen den Individuen werden, so die Argumentation, unter Auflösung tradierter Bindungen weitgehend versachlicht und objektiviert. Sie reduzierten sich zusehends auf bloße Tausch­verhältnisse.

Am Ende entsteht demnach eine „total verwaltete Welt“, die gegenüber dem Einzelnen umfassende soziale Kontrolle ausübt und Idealismus, Nonkonformismus, Unkonventionalität oder Kreativität – als ihrem Charakter entgegenlaufend – konsequent unterdrückt.

Die Kritische Theorie will der Philosophie eine praktische und zentrale Bedeutung für die Gesellschaft einräumen und verspricht sich dadurch bessere Verhältnisse in einer zukünftigen Gesellschaft.

EinordnungBearbeiten

Ausgangspunkt der Kritischen Theorie war das Werk von Karl Marx, dessen Rezeption durch Engels’ Ordnungs- und Herausgebertätigkeit nach Marx’ Tod, vor allem aber durch die Arbeiterbewegung und deren verschiedene politische Parteien oder Bewegungen von den meisten Vertretern der Kritischen Theorie als verzerrt oder verkürzt angesehen wurde, weshalb Marx’ Theorie einer Neuinterpretation unterzogen wurde (siehe auch Neomarxismus). Die Vertreter der Kritischen Theorie sehen in Marx’ Theorie vor allem eine (Ideologie-)Kritik der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft und kein wirtschaftswissenschaftliches Lehrgebäude, keine Geschichtsphilosophie oder Weltanschauung. Hier knüpfen sie an andere Ansätze des westlichen Marxismus an.

Das zweite wichtige Fundament der Kritischen Theorie bestand in Kategorien aus der Psychoanalyse Sigmund Freuds, mittels derer die soziopsychologischen Auswirkungen (im Sinne Freuds) sozioökonomischer Bedingungen (im Sinne Marx’) erklärt werden, um so eine Verbindung aus Freudscher Psychoanalyse und marxistischer Gesellschaftskritik zu ermöglichen. Da die Kritische Theorie die bestehenden Gesellschaftsverhältnisse als Hindernisse einer objektiven Wissenschaft, Forschung und Lehre überprüft, dient die psychoanalytische Sichtweise der Erklärung verschiedener soziopsychologischer Verzerrungs- und/oder Vorurteilsmechanismen. Theodor W. Adorno spricht zumeist von „Verblendungszusammenhängen“. Diese seien bei Marx lediglich als„ideologischer Überbau“ vage benannt worden, während die Denker der Kritischen Theorie sie im Sinne der Stabilisierung der herrschenden Verhältnisse interpretieren.

An diesen irrationalen Verzerrungs- und Vorurteilsmechanismen sei, so die Kritische Theorie, auch die Aufklärung gescheitert. Denn für das Funktionieren der objektiv-wertfreien Aufklärung sei die Möglichkeit zu einer objektiven Wissenschaft Voraussetzung. Diese beruhe auf einer analytisch-kritischen Methodik und Einsicht, welche von sozioökonomischen Zwängen wirklich frei sein kann. Diese Wissenschaft überwindet ihre aus diesen Zwängen resultierende „subjektive“ Irrationalität in einer freien Gesellschaft.

Die Kritische Theorie arbeitet also darauf hin, aus dem Scheitern der Aufklärung methodische und analytische Lehren zu ziehen und damit die Grundbedingungen für eine objektive(re), wirklich aufklärerische Wissenschaft in Form der dialektischen wie psychologisch-soziologischen Analyse zu schaffen. Damit soll das näher erklärt werden, was Marx einst als „ideologischen Überbau“ bezeichnet hatte, wobei stets das marxsche Postulat bestehen bleibt, dass die Ideologie aus den sozioökonomischen Bedingungen entsteht. Die Kritische Theorie betont dabei besonders die dialektische Wechselwirkung zwischen Sein und Bewusstsein. Aufgrund des „Verblendungszusammenhangs“ ist nicht mehr das Proletariat das revolutionäre Subjekt, sondern der vereinzelte Theoretiker, der seine Aufgabe in gezielter kritischer Analyse gesellschaftlicher Bedingungen sieht, um die Hoffnung auf eine Revolution aufrechtzuerhalten, wo sie praktisch unmöglich wurde. Die Arbeiterbewegung vertritt demnach nicht das Bestreben nach der allgemeinen Freiheit, sondern lediglich eigene Interessen. Als Illusion wird die marxistische, sich als wissenschaftlich begreifende, Analyse des Proletariats als revolutionäres Subjekt an sich betrachtet. Allein Herbert Marcuse sah noch in den gesellschaftlich isolierten und unterdrückten Randgruppen das „eigentliche“ Proletariat. Diese Gedankengänge konnten viele klassische Marxisten nicht nachvollziehen.

Der marxistische Philosoph Georg Lukács prägte das polemische Schlagwort vom „Grand Hotel Abgrund“, zunächst gemünzt auf Schopenhauer, später (1963, im Vorwort zur Neuausgabe seiner Theorie des Roman) auch auf „einen beträchtlichen Teil der führenden deutschen Intelligenz, darunter auch Adorno“, die im raffinierten Komfort und zwischen „behaglich genossenen Mahlzeiten“ den täglichen Anblick des Abgrund vor Augen hätten,[13] ohne sich je zur Lösung mittels der gewaltsamen Revolution zu bequemen. – Gleichwohl hatte der frühe Lukács mit seinem Werk Geschichte und Klassenbewußtsein (1924), insbesondere mit dem dort explizierten Verdinglichungstheorem großen Einfluss auf die Kritische Theorie ausgeübt. In der Verdinglichungstheorie identifiziert Hauke Brunkhorst gleichsam den Paradigmakern (im Sinne der Kuhnschen Paradigmenlehre) der Kritischen Theorie.[14]

Aufgrund der engen Verbindung von Psychoanalyse und marxscher Gesellschaftskritik wird die Kritische Theorie im angloamerikanischen Sprachraum oft auch als „Freudomarxismus“ bezeichnet bzw. diesem als Unterkategorie zugerechnet. Methodologische sowie analytische Grundlage ist die Verwendung einer an Hegel orientierten Dialektik. Da die konkreten Erscheinungsformen gesellschaftlicher Irrationalität stärker als beim klassischen marxschen Lehrgebäude im Vordergrund stehen, hat die Kritische Theorie als eines der wichtigsten ihrer Teilgebiete den Wissenschaftszweig der soziopsychologischen wie sozioökonomischen Vorurteilsforschung hervorgebracht.

Scharf grenzten sich die Vertreter der Frankfurter Schule gegen den Positivismus ab, wobei sie darunter alle die bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse und Ideologien unkritisch übernehmenden und damit reproduzierenden theoretischen Ansätze verstehen. Unter diesem weiter als sonst in der Ideengeschichte der Philosophie gefassten Begriff, der bei Adorno von Oswald Spengler bis Karl Popper reicht, wurden im Einzelnen etwa „anti-metaphysische“ Strömungen der Philosophie des 20. Jahrhunderts (neben Positivismus, Neopositivismus und Analytischer Philosophie auch der kritische Rationalismus) zusammengefasst. Die Auseinandersetzung fand ab 1961 öffentlich im so genannten Positivismusstreit statt. Allerdings haben sich Karl Popper und Hans Albert expressis verbis dagegen verwehrt, als „Positivisten“ bezeichnet zu werden, da beide diese Denkströmung ablehnen (Sölter 1996). Für die „jüngere Kritische Theorie“ verlor diese Abgrenzung wegen ihrer Hinwendung zur Philosophie der normalen Sprache bei Habermas an Bedeutung.

GeschichteBearbeiten

Die Entwicklung der Kritischen Theorie begann, nachdem 1931 Max Horkheimer die Leitung des Instituts für Sozialforschung in Frankfurt am Main übernommen hatte. Wie Alfred Schmidt, Horkheimers Schüler, hervorhob, ist sie nie „an sich“ dargeboten worden, sondern stets in der Auseinandersetzung mit anderen Theorien, geistigen oder politischen Strömungen. In der Zeitschrift für Sozialforschung entwickelte ein Kreis junger Gelehrter (Adorno, Marcuse, Löwenthal und Benjamin) um Horkheimer „Kategorien einer Gesamtkonzeption der Gesellschaft, die als Kritische Theorie der Frankfurter Schule weltbekannt werden sollte“.[15]

Als Entwicklungsstufen der „älteren“ Kritischen Theorie lassen sich die folgenden identifizieren:

  • 1. In seiner Antrittsrede als Institutsdirektor von 1931 legte Horkheimer den Schwerpunkt der Institutsforschung noch auf eine interdisziplinäre Kooperation von „Philosophen, Soziologen, Nationalökonomen, Historiker, Psychologen in dauernder Arbeitsgemeinschaft“. Die einzelwissenschaftlichen Forschungsergebnisse und ihre jeweiligen methodologischen Perspektiven sollten zu einer sozialphilosophisch fundierten Theoriebildung beitragen.[16] Aus der interdisziplinären Zusammenarbeit gingen die Studien über Autorität und Familie als eine erste Buchpublikation hervor, die 1936 bereits in einem Pariser Verlag erschienen.[17] In dieser Phase war noch nicht von Kritischer Theorie die Rede, sondern von Materialismus.[18]
  • 2. Mit den programmatischen Schriften von Horkheimer (Traditionelle und kritische Theorie) und Herbert Marcuses (Philosophie und kritische Theorie), erschienen 1937 in der Zeitschrift für Sozialforschung, wird nach Helmut Dubiel die Phase der „kritischen Theorie“ eingeleitet.[19] In einem Memorandum aus dem Jahr 1938 hatte Horkheimer noch den Plan zu einem umfangreichen Werk über eine „dialektische Logik“ skizziert, das die Logik in ähnlicher Weise „wie Hegel in seinem großen Werke“ auffassen sollte, nicht als Aufzählung abstrakter Denkformen, sondern als „Bestimmung der wichtigsten inhaltlichen Kategorien des fortgeschrittensten Bewußtseins der Gegenwart“.[20] Dabei hatte er intendiert, wie er in einem Brief an Felix Weil darlegte, dass Weil und Pollock „an der Ausgestaltung der prinzipielleren Partien“ beteiligt werden sollten. „[U]nsere Deutung der gegenwärtigen Phase […] muß mit historischem und ökonomischem Material bis zum Platzen gefüllt sein, sonst wirkt sie als Raisonnement.“[21]
  • 3. Retrospektiv gilt als Hauptwerk der Kritischen Theorie die von Horkheimer und Theodor W. Adorno im amerikanischen Exil gemeinsam verfasste Dialektik der Aufklärung. Zu der ursprünglichen geplanten Mitarbeit von Pollock und Weil kam es indessen nicht. Auch war bis Ende 1941 neben Adorno Herbert Marcuse als möglicher Mitarbeiter Horkheimers im Gespräch.[22] Mit den politischen Erfahrungen des expandierenden Faschismus und der schwindenden Hoffnung auf eine Umwälzung der gesellschaftlichen Verhältnisse wurde für Gunzelin Schmid Noerr die Kritische Theorie jedoch „theoretisch radikaler und praktisch konservativer“.[23] Sie bedeutete eine theoretische Abkehr von Horkheimers Aufsätzen der dreißiger Jahre in der Zeitschrift für Sozialforschung, die noch von der Zuversicht getragen waren, dass die Ideen der philosophischen und politischen Aufklärung materialistisch zu übersetzen und praktisch zu verwirklichen wären, eine Annahme, die mit der nun vertretenen These von der „Universalität des Verblendungszusammenhangs“ radikal in Frage gestellt wurde.[24] In den Fokus gerückt hatten die Autoren eine mit der frühen Menschheitsgeschichte einsetzende Verfallsgeschichte der Vernunft: Mit der Selbstbehauptung des Subjekts gegenüber einer bedrohlichen Natur habe sich eine instrumentelle Vernunft durchgesetzt, die sich als Herrschaft über die äußere und innere Natur und schließlich in der institutionalisierten Herrschaft von Menschen über Menschen manifestiert habe. Aus dieser Konstellation leiteten sie einen historischen Umschlag von Aufklärung in eine neue Mythologie ab und die Erkenntnis, „warum die Menschheit, anstatt in einen wahrhaft menschlichen Zustand einzutreten, in eine neue Art von Barbarei versinkt“.[25] Die zur gleichen Zeit von Friedrich Pollock in zwei Aufsätzen entworfene Theorie des Staatskapitalismus[26] trug Joachim Hirsch zufolge dazu bei, dass die Ökonomie nicht mehr als gesellschaftliches Produktionsverhältnis, sondern als technischen Prozess gesehen wurde, wodurch die Institutsarbeit den charakteristischen Übergang von der Kritik der politischen Ökonomie zur Kritik der Technologie vollzog, die dann zur Grundlage ihrer negativen Geschichtsphilosophie wurde.[27]

Im US-amerikanischen Exil arbeiteten Horkheimer und Adorno zudem an einer Studie zum „autoritären Charakter“ mit und legten damit eine wichtige Arbeit zur Erklärung totalitärer Regimes vor. Zugleich setzten sie sich mit der damals aktuellen Philosophie des Pragmatismus in Amerika auseinander und entwickelten daraus eine Kritik der instrumentellen Vernunft. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Arbeiten des Kreises um Horkheimer und Adorno als Frankfurter Schule bezeichnet. Durch die Erfahrungen des Nationalsozialismus erlebte die Kritische Theorie einen neuen Aufschwung. Viele der Studenten Adornos wollten Erklärungen für die Geschehnisse zwischen 1933 und 1945. Ihre Blütezeit erlebte sie in den weltweiten 68er-Bewegungen. Starken Einfluss übte Herbert Marcuse auf die Studentenbewegung in den USA und in Westdeutschland aus. Sein Buch Der eindimensionale Mensch (1964) zählt neben der Dialektik der Aufklärung zu den Schlüsselwerken der Kritischen Theorie.

Die Kritische Theorie mit den Hauptvertretern Horkheimer und Adorno wird gelegentlich auch als die „ältere Kritische Theorie“ bezeichnet, im Gegensatz zur „jüngeren Kritischen Theorie“, die vorwiegend Jürgen Habermas entwickelt hat. Gleichwohl bestehen bedeutende Differenzen zwischen der älteren Kritischen Theorie, die in der Dialektik der Aufklärung ihre gültigste Manifestation fand, und der jüngeren Kritischen Theorie, die in der Theorie der kommunikativen Vernunft ihren konzeptuellen Kumulationspunkt erreichte.

In der Gegenwart war Axel Honneth als Direktor des Instituts für Sozialforschung einer der wichtigsten Vertreter und Fortführer der Kritischen Theorie. Mit seiner Anerkennungstheorie und dem Kritikprogramm „Paradoxien der kapitalistischen Modernisierung“ setzte er wiederum andere Schwerpunkte als Habermas.[28]

RezeptionBearbeiten

Die Kritische Theorie war, als der Inbegriff der Frankfurter Schule, in den 1930er und 1940er Jahren auf einen begrenzten Personenkreis beschränkt. Ihre Rezeption und Weiterführung umfasst heute einen weltweiten Kreis von Philosophen und Sozialwissenschaftlern. Immensen Einfluss hat die Kritische Theorie seit den 1970er Jahren auf historische, rechtliche, literarhistorische und sozialwissenschaftliche Studien, urteilt die Encyclopaedia Britannica.[29] Ihr breites Spektrum dokumentiert die vierbändige englische Ausgabe Critical Theory.[30] Ein deutsches Pendant stellt das zweibändige Handbuch Kritische Theorie dar.[31]

Jürgen Ritsert, einer der frühen Frankfurter Soziologie-Diplomanden und späterer Professor für Soziologie dortselbst, hat in einen längeren Aufsatz den für die Kritische Theorie grundlegenden Kritik-Begriff in seinen verschiedenen Dimensionen analysiert, wobei der „immanenten Kritik“ und der „Kritik an der gesellschaftlichen Praxis“ besondere Bedeutung zukommt. Als normative Prinzipien der Kritik identifiziert er Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und Vernunft.[32] Er konstatiert sowohl bei Horkheimer und Adorno als auch bei Marcuse und Habermas, dass „Variationen des Autonomieprinzips […] den Dreh- und Angelpunkt sämtlicher Antworten auf das berüchtigte ‚Maßstabsproblem‘ [bilden]“.[33]

Mit seiner erweiterten Dissertation Kritik der Macht[34] unterzog Axel Honneth die Kritische Theorie einer fulminanten kritischen Rezeption. Im ersten Teil seiner Arbeit legt er die soziologischen Defizite der von Horkheimer angestrebten interdisziplinären Sozialwissenschaft bloß. Dessen Modell einer kritischen Gesellschaftstheorie beruhe auf Annahmen der politischen Ökonomie einerseits und der Psychoanalyse andererseits, wobei die Soziologie nur „die marginale Stellung einer Hilfswissenschaft“ einnehme.[35] In der zweiten Entwicklungsstufe der Kritischen Theorie, für die das Buch Dialektik der Aufklärung steht, kritisiert er das von den Autoren behauptete „Entsprechungsverhältnis“ von Naturbeherrschung und sozialer Herrschaft, mit dem sie „schon die pure Denkmöglichkeit eines Typs konsensuell gesicherter Herrschaft leugnen müssen“.[36]

In seiner Kritik an Adornos Negativer Dialektik vergleicht der zur Ritter-Schule zählende Philosoph Günter Rohrmoser Adorno mit Heidegger und wirft ihnen vor, dass beide in ihrem Verhältnis zur Tradition der Vernunftphilosophie „teil an der Destruktion der Vernunft“ hätten.[37] Beide folgten dem Drang, das sich der Vernunft entziehende „Unausdrückbare auszudrücken“;[38] bei Adorno ist es das Nichtidentische, bei Heidegger das Sein. Nicht anders als Adorno sehe auch Heidegger das Prinzip Herrschaft in der modernen Wissenschaft und Technik als universales Prinzip. In ihren Theorien der Geschichte und des gegenwärtigen Zeitalters stimmten beide überein. Und so, wie die Dialektik für die Möglichkeit eines total Anderen stehe, verstehe Heidegger sein Denken als Stätte einer neuen Ankunft des Seins.[39]

Der Soziologe Heinz Gess, der mit seiner Online-Publikation Kritiknetz – Zeitschrift für kritische Theorie der Gesellschaft gleichsam als „Gralshüter“ der älteren Kritischen Theorie auftritt, lehnt den Begriff Kritische Theorie für die Philosophie von Habermas und Honneth ab. Ihnen unterstellte er unter anderem durch zu konforme Interpretation die Philosophie Adornos und Horkheimers in ihr Gegenteil verkehrt zu haben.[40]

Aus marxistischer Sicht warf Stefan Breuer Habermas eine „Depotenzierung der Kritischen Theorie“ vor, weil er auf den Erklärungsgehalt der Marxschen Werttheorie verzichte und damit den Verdinglichungsbegriff von vornherein verfehle; zudem sei es einseitig, „Sprache zum alleinigen Konstituens der Geschichte“ zu erklären.[41]

Positiv sieht hingegen der britische Autor Steve Jeffries Habermas Bedeutung für die Kritische Theorie. Ihm zufolge könne dessen Denken „als eine Umkehrung der Dialektik der Aufklärung gesehen werden“,[42] als einen „Abschied vom Abgrund“.[43] So habe er in seiner Rede zum Adorno-Preis 1980 „den markantesten Grundsatz der Frankfurter Schule“, dass die Vernunft die Menschen versklavt hätte, aufgehoben. Die Aufklärung habe die Menschen von der „monotheistischen jüdisch-christlichen Tradition“ zur einer „säkularen Moral“ entbunden.[44]

Vertreter (nach Generationen)Bearbeiten

1. Generation (Jahrgänge 1892–1905):

Intellektuell war diese Generation bereits in der Weimarer Republik und in der Emigration durch wesentliche Beiträge zur kritischen Theorie hervorgetreten; ihre Angehörigen standen miteinander in persönlichem Kontakt. Alle waren von nationalsozialistischer Verfolgung bedroht und emigrierten.

2. Generation (Jahrgänge 1922–1937):

Bei dieser Generation handelt es sich in der Mehrzahl um Schüler von Horkheimer und Adorno, deren Wirken ausschließlich in die Nachkriegsperiode fällt; Im Gegensatz zur 1. Generation beruht ihr Interaktionsverhältnis eher auf zufälligen persönlichen Kontakten.

3. Generation: Als deren Hauptvertreter werden häufig Axel Honneth und Nancy Fraser genannt. Weitere 37 Kandidaten aus dem deutschsprachigen und 31 aus dem englischsprachigen Raum listet Muharrem Açikgöz anhand der von ihm ausgewerteten Literatur auf.[46]

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Muharrem Açikgöz: Die Permanenz der Kritischen Theorie. Die zweite Generation als zerstrittene Interpretationsgemeinschaft. Westfälisches Dampfboot, Münster 2014, ISBN 978-3-89691-951-9.
  • Roger Behrens: Kritische Theorie. Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 2002, ISBN 3-434-46114-0.
  • Uwe H. Bittlingmayer, Alex Demirović, Tatjana Freytag (Hrsg.): Handbuch Kritische Theorie. 2 Bde. Springer VS, Wiesbaden 2019, ISBN 978-3-658-12694-0.
  • Ulf Bohmann, Paul Sörensen (Hrsg.): Kritische Theorie der Politik. Suhrkamp, Berlin 2019, ISBN 978-3-518-29863-3.
  • Gerhard Bolte: Flaschenpost. Thesen und Essays zur kritischen Theorie der Gesellschaft. Oktober Verlag, Münster 2001, ISBN 3-938568-19-4.
  • Wolfgang Bonß, Axel Honneth (Hrsg.): Sozialforschung als Kritik. Suhrkamp, Frankfurt 1982, ISBN 3-518-28000-7.
  • Stefan Breuer: Kritische Theorie. Schlüsselbegriffe, Kontroversen, Grenzen. Mohr Siebeck, Tübingen 2016, ISBN 978-3-16-154630-3.
  • Alex Demirović: Der nonkonformistische Intellektuelle. Die Entwicklung der Kritischen Theorie zur Frankfurter Schule. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1999, ISBN 3-518-29040-1.
  • Helmut Dubiel: Wissenschaftsorganisation und politische Erfahrung. Studien zur frühen Kritischen Theorie. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1978, ISBN 3-518-07858-5.
  • Helmut Dubiel: Kritische Theorie der Gesellschaft. Eine einführende Rekonstruktion von den Anfängen im Horkheimer-Kreis bis Habermas. 2. Auflage. Juventa, Weinstein/ München 2001, ISBN 3-7799-0386-5.
  • Stefan Gandler: Frankfurter Fragmente. Essays zur kritischen Theorie. Peter Lang, Frankfurt am Main 2013, ISBN 978-3-631-63400-4.
  • Lars Gertenbach u. Hartmut Rosa: Kritische Theorie. In: L. Gertenbach, H. Kahlert, S. Kaufmann, H. Rosa, C. Weinbach (Hrsg.): Soziologische Theorien. Fink, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-8252-3296-2.
  • Heinz Gess (Hrsg.): Kritiknetz. Internetzeitschrift für Kritische Theorie der Gesellschaft. ISSN 1866-4105.
  • Willi Goetschel: Heine and Critical Theory. Bloomsbury Academic, London u. a. 2019, ISBN 978-1-350-08726-2.
  • Ulrich Gmünder: Kritische Theorie. Horkheimer, Adorno, Marcuse, Habermas (= Sammlung Metzler. Band 20). Stuttgart 1985, ISBN 3-476-10220-3.
  • Andreas Gruschka, Ulrich Oevermann (Hrsg.): Die Lebendigkeit der kritischen Gesellschaftstheorie. Dokumentation der Arbeitstagung aus Anlass des 100. Geburtstages von Theodor W. Adorno. Büchse der Pandora, Wetzlar 2004, ISBN 3-88178-324-5.
  • Axel Honneth: Von Adorno zu Habermas. Zum Gestaltwandel kritischer Gesellschaftstheorie. In: Wolfgang Bonß, Axel Honneth (Hrsg.): Sozialforschung als Kritik. Suhrkamp, Frankfurt 1982, ISBN 3-518-28000-7, S. 87–126.
  • Axel Honneth (Hrsg.): Schlüsseltexte der Kritischen Theorie. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2006, ISBN 3-531-14108-2.
  • Axel Honneth, Albrecht Wellmer (Hrsg.): Die Frankfurter Schule und die Folgen. Referate eines Symposiums der Alexander von Humboldt-Stiftung vom 10.–15. Dezember 1984 in Ludwigsburg. Walter de Gruyter, Berlin, New York 1986, ISBN 3-11-010805-4.
  • Dietrich Hoß / Heinz Steinert (Hrsg.): Vernunft und Subversion. Die Erbschaft von Surrealismus und Kritischer Theorie. Westfälisches Dampfboot, Münster 1997, ISBN 3-89691-418-9.
  • Martin Jay: Dialektische Phantasie. Die Geschichte der Frankfurter Schule und des Instituts für Sozialforschung 1923–1950. Frankfurt am Main 1981, ISBN 3-596-26546-0.
  • Stuart Jeffries: Grand Hotel Abgrund. Die Frankfurter Schule und ihre Zeit. Klett-Cotta, Stuttgart 2019
  • Thomas McCarthy: Ideale und Illusionen. Dekonstruktion und Rekonstruktion in der kritischen Theorie. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-518-58159-7.
  • Johannes Platz: Die Praxis der kritischen Theorie. Angewandte Sozialwissenschaft und Demokratie in der frühen Bundesrepublik 1950–1960. Universität Trier, Trier 2012 (online).
  • Dieter Prokop: Das fast unmögliche Kunststück der Kritik. Erkenntnistheoretische Probleme beim kritischen Umgang mit Kulturindustrie. Tectum Verlag, Marburg 2007, ISBN 978-3-8288-9396-2.
  • Willem van Reijen: Philosophie als Kritik. Einführung in die Kritische Theorie. Athenäum, Frankfurt am Main 1984, ISBN 3-7610-1514-3.
  • Günter Rohrmoser: Das Elend der kritischen Theorie. Theodor W. Adorno. Herbert Marcuse. Jürgen Habermas. 3. Auflage. Rombach, Freiburg 1972, ISBN 3-7930-0933-5.
  • Gunzelin Schmid Noerr: Das Eingedenken der Natur im Subjekt. Zur Dialektik von Vernunft und Natur in der Kritischen Theorie Horkheimers, Adornos und Marcuses. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1990, ISBN 3-534-10694-6.
  • Alfred Schmidt: Die ursprüngliche Konzeption der Kritischen Theorie im frühen und mittleren Werk Max Horkheimers. In: Axel Honneth, Albrecht Wellmer (Hrsg.): Die Frankfurter Schule und die Folgen. Referate eines Symposiums der Alexander von Humboldt-Stiftung vom 10.–15. Dezember 1984 in Ludwigsburg. Walter de Gruyter, Berlin, New York 1986, S. 89–112.
  • Rüdiger Schmidt-Grépály, Jan Urbich, Claudia Wirsing (Hrsg.): Der Ausnahmezustand als Regel. Eine Bilanz der Kritischen Theorie. Mit Beiträgen von Christa und Peter Bürger, Rolf Wiggershaus, Wolfgang Kraushaar, Axel Honneth, Christoph Menke, Martin Seel, Oskar Negt, Alfred Schmidt, Albrecht Wellmer, Martin Jay, Sigrid Weigel. Verlag der Bauhaus-Universität Weimar, Weimar 2013, ISBN 978-3-86068-493-1.
  • Gerhard Schweppenhäuser: Kritische Theorie. Reclam, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-15-020330-9.
  • Arpad A. Sölter: Moderne und Kulturkritik. Jürgen Habermas und das Erbe der Kritischen Theorie. Bouvier Verlag Bonn 1996, ISBN 3-416-02545-8. [Diss. Univ. Köln 1993].
  • Michael Theunissen: Gesellschaft und Geschichte. Zur Kritik der kritischen Theorie. de Gruyter, Berlin 1969.
  • Christoph Türcke, Gerhard Bolte: Einführung in die Kritische Theorie. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1994, ISBN 3-534-12014-0.
  • Emil Walter-Busch: Geschichte der Frankfurter Schule. Kritische Theorie und Politik. Wilhelm Fink Verlag, München 2010, ISBN 978-3-7705-4943-6.
  • Rolf Wiggershaus: Die Frankfurter Schule. Geschichte, Theoretische Entwicklung, Politische Bedeutung. DTV, München 1988, ISBN 3-423-30174-0.

WeblinksBearbeiten

AnmerkungenBearbeiten

  1. Gerhard Schweppenhäuser: Am Ende der bürgerlichen Geschichtsphilosophie. Max Horkheimer/Theodor W. Adorno: 'Dialektik der Aufklärung' (1947). In: Walter Erhard, Herbert Jaumann (Hrsg.): Jahrhundertbücher. Große Theorien von Freud bis Luhmann. Beck, München 2000, S. 188.
  2. Kritische Theorie. In: Historisch-kritisches Wörterbuch des Marxismus. Band 8/I: Krisentheorien bis Linie Luxemburg-Gramsci. Argument, Hamburg 2012, Spalte 198.
  3. Radikale Philosophie der Frankfurter Schule. In: Gespräche mit Herbert Marcuse. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1978, S. 124.
  4. Heinz Gess: Max Horkheimer: Traditionelle und kritische Theorie. In: Kritiknetz. Internetzeitschrift für Kritische Theorie der Gesellschaft, ISSN 1866-4105
  5. Heinz Gess: Kritische Theorie – Was ist das? In: Kritiknetz. Internetzeitschrift für Kritische Theorie der Gesellschaft, ISSN 1866-4105
  6. Heinz Gess: Horkheimer: Der Rationalismusstreit in der gegenwärtigen Philosophie In: Kritiknetz. Internetzeitschrift für Kritische Theorie der Gesellschaft, ISSN 1866-4105
  7. Max Horkheimer: Traditionelle und kritische Theorie. In: Ders.: Gesammelte Schriften, Band 4. Frankfurt am Main 1988, S. 201.
  8. Max Horkheimer: Traditionelle und kritische Theorie. In: Ders.: Gesammelte Schriften, Band 4. Frankfurt am Main 1988.
  9. Max Horkheimer: Traditionelle und kritische Theorie. In: Ders.: Gesammelte Schriften, Band 4. Frankfurt am Main 1988.
  10. Zitiert nach: Jürgen Risert: Grundbegriff: Kritik. In: Uwe H. Bittlingmayer, Alex Demirović, Tatjana Freytag (Hrsg.): Handbuch Kritische Theorie. Band 1. Springer VS, Wiesbaden 2019, S. 45–87, hier S. 55.
  11. Muharrem Açikgöz: Die Permanenz der Kritischen Theorie. Die zweite Generation als zerstrittene Interpretationsgemeinschaft. Westfälisches Dampfboot, Münster 2014, S. 103.
  12. Max Horkheimer: Anfange der bürgerlichen Geschichtsphilosophie (1930). In: Ders.: Gesammelte Schriften, Band 2: Philosophische Frühschriften 1922–1932. Fischer, Frankfurt am Main 1987, S. 177–268, hier S. 202.
  13. Georg Lukács: Vorwort zur Neuausgabe Die Theorie des Romans. Luchterhand, Neuwied 1963, S. 17.
  14. Hauke Brunkhorst: Paradigmakern und Theoriendynamik der Kritischen Theorie der Gesellschaft. In: Uwe H. Bittlingmayer, Alex Demirović, Tatjana Freytag (Hrsg.): Handbuch Kritische Theorie. Band 1. Springer VS, Wiesbaden 2019, S. 623–661.
  15. Alfred Schmidt: Die ursprüngliche Konzeption der Kritischen Theorie im frühen und mittleren Werk Max Horkheimers. In: Axel Honneth, Albrecht Wellmer (Hrsg.): Die Frankfurter Schule und die Folgen. Referate eines Symposiums der Alexander von Humboldt-Stiftung vom 10.–15. Dezember 1984 in Ludwigsburg. Walter de Gruyter, Berlin, New York 1986, S. 89–112, hier S. 89 und 99.
  16. Max Horkheimer: Die gegenwärtige Lage der Sozialphilosophie. In: Max Horlheimner: Gesammelte Schriften. Band 3: Schriften 1931–1936. Fischer, Frankfurt am Main 1988, S. 29.
  17. Studien über Autorität und Familie. Forschungsberichte aus dem Institut für Sozialforschung. Felix Alcan, Paris 1936.
  18. Helmut Dubiel: Wissenschaftsorganisation und politische Erfahrung. Studien zur frühen Kritischen Theorie.Suhrkamnp, Frankfurt am Main 1978, S. 24.
  19. Helmut Dubiel: Wissenschaftsorganisation und politische Erfahrung. Studien zur frühen Kritischen Theorie. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1978, S. 66.
  20. Max Horkheimer: Gesammelte Schriften. Band 12: Nachgelassene Schriften 1931–1949. Fischer, Frankfurt am Main 1985, S. 156 f.
  21. Brief Horkheimers an Felix Weil, 10. März 1942. In: Max Horkheimer: Gesammelte Schriften. Band 17: Briefwechsel 1941–1947. Fischer, Frankfurt am Main 1996, S. 275.
  22. Stefan Breuer: Kritische Theorie. Mohr Siebeck, Tübingen 2016, S. 169.
  23. Gunzelin Schmid Noerr: Nachwort des Herausgebers. In: Max Horkheimer: Gesammelte Schriften. Band 5. Fischer, Frankfurt am Main 1987, S. 423–452, hier S. 434.
  24. Gunzelin Schmid Noerr: Nachwort des Herausgebers. In: Max Horkheimer: Gesammelte Schriften. Band 5. Fischer, Frankfurt am Main 1987, S. 423–452, hier S. 430 f.
  25. Max Horkheimer und Theodor W. Adorno: Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente. In: Max Horkheimer: Gesammelte Schriften. Band 5. Fischer, Frankfurt am Main 1987, S. 16.
  26. Helmut Dubiel, Alfred Söllner: Die Nationalsozialismusforschung des Instituts für Sozialforschung – ihre wissenschaftliche Stellung und ihre gegenwärtige Bedeutung: In: Helmut Dubiel, Alfred Söllner (Hrsg.): Wirtschaft, Recht und Staat im Nationalsozialismus. Analysen des Instituts für Sozialforschung 1939–1942.Suhrkamp, Frankfurt am Main 1984, S. 7–31, hier S. 14.
  27. Joachim Hirsch: Kapitalismus? Zur Kontroverse zwischen Friedrich Pollock, Max Horkheimer und Franz Neumann in Bezug auf den Charakter des nationalsozialistischen Systems. In: Ulrich Ruschig, Hans-Ernst Schiller (Hrsg.): Staat und Politik bei Horkheimer und Adorno. Nomos, Baden-Baden 2014, S. 60–72, hier S. 62.
  28. Axel Honneth, Ferdinand Sutterlüty: Normative Paradoxien der Gegenwart – eine Forschungsperspektive. In: WestEnd. Neue Zeitschrift für Sozialforschung. 8. Jg./2011, Heft 1, S. 67–85.
  29. Richard Wolin: Max Horkheimer. In: Encyclopædia Britannica. (britannica.com).
  30. Herausgegeben von David Rasmussen (Boston College, USA) und James Swindal (Duquesne University, USA). Sage Publications 2003.
  31. Uwe H. Bittlingmayer, Alex Demirović, Tatjana Freytag (Hrsg.): (2019). Handbuch Kritische Theorie. 2 Bände. Springer VS, Wiesbaden 2019.
  32. Jürgen Ritsert: Grundbegriff: Kritik. In: Uwe H. Bittlingmayer, Alex Demirović, Tatjana Freytag (Hrsg.): Handbuch Kritische Theorie. Band 1. Springer VS, Wiesbaden 2019, S. 45–87, hier S. 50.
  33. Jürgen Ritsert: Grundbegriff: Kritik. In: Uwe H. Bittlingmayer, Alex Demirović, Tatjana Freytag (Hrsg.): Handbuch Kritische Theorie. Band 1. Springer VS, Wiesbaden 2019, S. 45–87, hier S. 85.
  34. Axel Honneth: Kritik der Macht. Reflexionsstufen einer kritischen Gesellschaftstheorie. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1985.
  35. Axel Honneth: Kritik der Macht. Reflexionsstufen einer kritischen Gesellschaftstheorie. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1985, S. 40.
  36. Axel Honneth: Kritik der Macht. Reflexionsstufen einer kritischen Gesellschaftstheorie. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1985, S. 66 f.
  37. Günter Rohrmoser: Das Elend der kritischen Theorie. 3. Auflage. Rombach, Freiburg 1972, S. 37.
  38. Günter Rohrmoser: Das Elend der kritischen Theorie. 3. Auflage. Rombach, Freiburg 1972, S. 38.
  39. Günter Rohrmoser: Das Elend der kritischen Theorie. 3. Auflage. Rombach, Freiburg 1972, S. 41 ff.
  40. Heinz Gess: Die Läuterung der deutschen Sozialphilosophie durch den kritischen Kritiker Axel Honneth. Honneths Israelkritik im Kontext seiner Theorie. In: Heinz Gess (Hrsg.): Kritiknetz – Zeitschrift für Kritische Theorie der Gesellschaft. 2013, ISSN 1866-4105 (kritiknetz.de).
  41. Stefan Müller-Doohm, Dorothee Zucker: Kommunikatives Handeln als gesellschaftliche Einheit: Thesen und Antithesen. In: Luca Chorchia, Stefan Müller-Doohm, William Outhwaite (Hrsg.): Habermas global. Wirkungsgeschichte eines Werks. Suhrkamp, Berlin 2019, S. 19–109, hier S. 105.
  42. Stuart Jeffries: Grand Hotel Abgrund. Die Frankfurter Schule und ihre Zeit. Klett-Cotta, Stuttgart 2019, S. 428.
  43. Stuart Jeffries: Grand Hotel Abgrund. Die Frankfurter Schule und ihre Zeit. Klett-Cotta, Stuttgart 2019, S. 417.
  44. Stuart Jeffries: Grand Hotel Abgrund. Die Frankfurter Schule und ihre Zeit. Klett-Cotta, Stuttgart 2019, S. 434.
  45. Vergleiche zu dessen unter anderem von Mitscherlich beeinflusster „kritischer Theorie des Subjekts“ und deren Kontextualisierung im Rahmen der Debatten um die kritische Theorie etwa Helmut Dahmer: Libido und Gesellschaft – Studien über Freud und die Freudsche Linke. Frankfurt am Main 1973, ISBN 3-518-07270-6; Bernard Görlich: Freuds Wissenschaft vom Unbewussten – ihre Bedeutung für eine kritische Theorie des Subjekts. In: Bernard Paul Geyer, Monika Schmitz-Emans: Proteus im Spiegel – kritische Theorie des Subjekts im 20. Jahrhundert. Königshausen & Neumann, Göttingen 2003, ISBN 3-8260-2633-0, S. 91 ff. Zu seinem Einfluss auf Habermas etwa Erkenntnis und Interesse, S. 10.
  46. Muharrem Açikgöz: Die Permanenz der Kritischen Theorie. Die zweite Generation als zerstrittene Interpretationsgemeinschaft. Westfälisches Dampfboot, Münster 2014, S. 129f.