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Heinz Strunk

deutscher Entertainer und Autor
Heinz Strunk auf der Berlinale 2019, bei der Pressekonferenz für den Film Der Goldene Handschuh

Heinz Strunk (* 17. Mai 1962 in Hamburg; eigentlich Mathias Halfpape) ist ein deutscher Entertainer und Autor. Zusammen mit Jacques Palminger und Rocko Schamoni bildet er das humoristische Trio Studio Braun.

LebenBearbeiten

Halfpape wuchs als unehelicher Sohn einer Musiklehrerin im Hamburger Stadtteil Langenbek auf, der zum Bezirk Harburg gehört. In seiner Jugend litt er an starker Acne conglobata und erhielt klassischen Musikunterricht (Querflöte, Saxophon). Nach dem Abitur (1983) begann er im heimischen Studio einige Aufnahmen, aus denen jedoch nichts wurde. Im Alter von 18 Jahren erkrankte er an einer Psychose aufgrund von Cannabis-Missbrauch. Bis zum Alter von 24 litt er an starken Depressionen.[1] Noch unter seinem bürgerlichen Namen Mathias Halfpape gehörte er Michy Reinckes Band an, die mit Liedern wie Valerie Valerie und einer A-cappella-Version von Taxi nach Paris Erfolge feierte. Zusammen mit Sängerin Anja Krenz produzierte er als Dis Noir das Album Paradise is Far Away (1989).[2] Von 1985 bis 1997 war er Mitglied der Tanzband Tiffany’s, mit der er durch den norddeutschen Raum tourte.[3] Seit der Produktion Spaß mit Heinz (1992) veröffentlicht er unter dem Pseudonym Heinz Strunk, das später als Alter Ego in seinen Romanen figuriert.[4] Parallel entwickelt er die Figur Jürgen Dose, die er als seine „Lebensfigur“[5] bezeichnet und u. a. in Trittschall im Kriechkeller (1996) und dem daraus hervorgegangenen Roman Jürgen (2017) verwendet.

1993 produzierte er in Eigenregie das Gag-Album Spaß mit Heinz, das durch Zufall an Bela B., den Schlagzeuger der Band Die Ärzte, gelangte. Durch ihn wurde das Album an Rocko Schamoni weitergeleitet, der später zusammen mit Jacques Palminger das Trio Studio Braun gründete. Auf dem im selben Jahr erschienenen Album Die Bestie in Menschengestalt von den Ärzten ist am Anfang des Liedes Gehirn-Stürm folgender Satz zu hören: „Ja, hallöchen, hier spricht Heinz Strunk und die Geräusche hinter mir, das sind Die Ärzte. Ich drück’ beide Stunken ganz fest zusammen und sag: eins, zwo, drei und Bühne frei.“

Ab 1998 hatte Strunk Gastauftritte in der Sat1-Wochenshow mit dem Programm Offener Kanal Hamburg-Harburg.[6] Von 2003 bis 2004 moderierte Strunk die VIVA-Sendung Fleischmann TV sowie die Jürgen-Dose-Show auf Radio Fritz. Nach einigen im Eigenvertrieb erschienenen CDs veröffentlichte er 2003 sein erstes regulär verlegtes Album mit dem Titel Einz, dem im Juni 2005 das zweite Album mit dem Titel Trittschall im Kriechkeller folgte.

2004 erschien sein stark autobiografisch gefärbtes Buch Fleisch ist mein Gemüse, in dem er über seine Erlebnisse mit Tiffany’s reflektiert und das Schicksal eines ambitionierten Musikers in einer mittelmäßigen Tanzkapelle mit skurrilen Milieu-Beschreibungen der norddeutschen Provinz schildert. Als Erstauflage wurden 4000 Exemplare gedruckt.[7] Das Buch verkaufte sich bis Februar 2012 über 400.000 Mal.[8] Gelobt wurden – beispielsweise von der F.A.Z. – Beobachtungsgabe und Sprachwitz des Autors und seine bisweilen nachdenklich-traurigen Zwischentöne. Kritisiert wird von ehemaligen musikalischen Begleitern jedoch unter anderem, dass Halfpape mit seinem musikalischen Können sich durchaus gegen die „Tanzmucke“ und für „seine“ Musik hätte entscheiden können, statt über das Dorfpublikum herzuziehen, von dessen Eintrittsgeldern er schließlich gelebt habe.[Anm. 1] 2008 erschien im Rowohlt Verlag der Roman Die Zunge Europas, in dem der Protagonist Markus Erdmann, ein Comedy-Autor, sieben Tage seines skurrilen und bisweilen trostlosen Lebens beschreibt. 2005 wurde im Deutschen Schauspielhaus die Operette Phoenix – Wem gehört das Licht uraufgeführt, die auf dem Bestseller Fleisch ist mein Gemüse basiert und bei der auch die anderen beiden Mitglieder von Studio Braun mitwirkten. Das Buch wurde 2005 von Annette Berger als Hörspiel bearbeitet. Im gleichen Jahr erschien das Hörbuch zum Roman. Auch alle weiteren Bücher hat Strunk als Hörbücher beim Label Roof Music eingelesen. Neben seinen Lesungen aus Fleisch ist mein Gemüse trat Strunk mit Charlotte Roche auf, mit der aus einer Doktorarbeit aus dem Jahre 1978 mit dem Titel Penisverletzungen bei Masturbation mit Staubsaugern las.

Bei der Bundestagswahl 2005 kandidierte Strunk nach Rocko Schamoni auf Platz zwei der Hamburger Wahlliste der PARTEI, ohne der Partei beizutreten. Bei der Hamburger Bürgerschaftswahl am 24. Februar 2008 kandidierte er als Spitzenkandidat auf Platz 1 der Landesliste. Bei der Bürgerschaftswahl 2011 war er erneut Spitzenkandidat und ging darüber hinaus ausdrücklich als Kandidat für das Amt des Ersten Bürgermeisters ins Rennen. Er erzielte 0,75 Prozent der Wählerstimmen.

In dem 2007 erschienenen Film Immer nie am Meer des österreichischen Regisseurs Antonin Svoboda spielte er an der Seite des Satiriker-Duos Stermann & Grissemann die Figur des Berni Schwanenmeister, die eindeutig autobiografische Züge trägt. Im Frühjahr 2007 wurde Fleisch ist mein Gemüse unter der Regie von Christian Görlitz verfilmt. Strunk selbst ist als Kommentator in den Film eingebunden. Die Uraufführung der Theaterfassung von Fleisch ist mein Gemüse – Eine Landjugend mit Musik fand am 19. Januar 2010 im Kleinen Schauspielhaus der Wuppertaler Bühnen unter der Leitung von Iwona Jera statt.

Seit März 2012 veröffentlicht Strunk Kolumnen im Satiremagazin Titanic. Diese hießen zunächst Das Strunk-Prinzip (2014 als Buch erschienen), seit 2015 tragen sie den Namen Heinz Strunks Intimschatulle (2019 als Buch erschienen). Seit 2013 tritt Heinz Strunk im TV-Satiremagazin extra 3 auf. Strunk hatte verschiedene Gastauftritte mit Bands, etwa am Saxophon bei Blumfeld oder 2011 mit Scooter im Volksparkstadion, wo er ein Solo auf der Querflöte zu How Much Is the Fish spielte.[9] Zudem ist er in Scooters Video Can’t Stop the Hardcore zu sehen.

2014 gab Strunk unter dem Titel Der zurück in sein Haus gestopfte Jäger eine Sammlung mit Erzählungen des Schriftstellers Botho Strauß heraus.

 
Heinz Strunk auf der Leipziger Buchmesse 2016

2016 erschien sein Roman Der goldene Handschuh, dessen Protagonist der Hamburger Serienmörder Fritz Honka ist. Honka wie Strunk verkehrten in der titelgebenden Kneipe in Hamburg-St. Pauli. Der Roman wurde für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. Zudem konnte sich das Werk den Platz 2 in der hr-Hörbuchbestenliste für den April 2016 sichern[10] und wurde mit dem Wilhelm-Raabe-Literaturpreis 2016 ausgezeichnet. Der im Dezember 2016 im NDR ausgestrahlte Jahresrückblick Herr Strunk, Herr Schulz und das Jahr 2016, für den Strunk gemeinsam mit Olli Schulz vor der Kamera stand, wurde für den Grimme-Preis in der Kategorie Unterhaltung nominiert.[11] In der Verfilmung von Jürgen – Heute wird gelebt (2017) spielte Strunk selbst die Titelrolle. Zusammen mit Charly Hübner (als Doses Freund Bernd Würmer) erhielt er 2018 eine Goldene Kamera für den besten deutschen Fernsehfilm.[12]

2017 eröffnete er im Hamburger Schanzenviertel zusammen mit Ex-RAF-Mitglied Karl-Heinz Dellwo das lateinamerikanische Lokal „Cantina Popular“.[13] 2018 schloss es bis auf Weiteres. 2018 produzierte er den 10-teiligen Hörspiel-Podcast „Familienaufstellung“ für Spotify. Im gleichen Jahr erschien sein Erzählungsband Das Teemännchen. 2019 veröffentlichte er seine Titanic-Kolumne Heinz Strunks Intimschatulle als Buch unter dem Titel Nach Notat zu Bett.

Heinz Strunk lebt in Hamburg-Altona und ist mit Ciara George-Lynch liiert, die für das Reeperbahn Festival arbeitet.[14][15]

Literarische EinflüsseBearbeiten

Heinz Strunk verarbeitet in seinen Werken zahlreiche literarische Einflüsse. Im Roman Fleckenteufel (2009) thematisiert er frühe Leseerfahrungen mit Landser-Heften und Charles Bukowski. In Die Zunge Europas (2008) zitiert er wiederholt den Philosophen Peter Sloterdijk. In der 2014 herausgegebenen Textsammlung Der zurück in sein Haus gestopfte Jäger bezeichnet Strunk Botho Strauß als den "Autor seines Lebens". In Interviews nennt Strunk zahlreiche weitere Einflüsse wie Michel Houellebecq, J. M. Coetzee und Philip Roth. In seiner als literarisches Tagebuch Nach Notat zu Bett (2019) veröffentlichten Kolumne Heinz Strunks Intimschatulle widmet er sich ausführlich der Lektüre von Tagebuchautoren des 20. (Franz Kafka, André Gide, Max Frisch) und des 21. Jahrhunderts (Rainald Goetz, Fritz J. Raddatz). Auch Albert Speers Spandauer Tagebücher werden zitiert.

WerkeBearbeiten

Mit Studio Braun / FraktusBearbeiten

  • Gespräche 1 (CD), 1999
  • Gespräche 2 (CD), 2000
  • Jeans Gags (CD), 2001
  • Fear Of A Gag Planet (CD), 2002
  • Ein Kessel Braunes (CD), 2004
  • Braunes Gold (CD), 2012
  • Millennium Edition (CD), 2012
  • Welcome to the Internet (CD), 2015

SoloBearbeiten

  • Spaß mit Heinz (CD), 1992
  • Der Mettwurstpapst (CD), 1994
  • Trittschall im Kriechkeller (CD), 1996 (2005 neu aufgelegt)
  • Der Schlagoberst kommt (CD), 1999
  • Einz (CD), 2003
  • Mit Hass gekocht (CD), 2006
  • Der Schorfopa (CD), 2007
  • Mutter ist ein Sexmaschien (CD), 2010
  • Sie nannten ihn Dreirad (CD), 2015
  • Die gläserne Milf, 2017
  • Familienaufstellung (Spotify), 2018
  • Aufstand der dünnen Hipsterärmchen (CD), 2019

Zusammenarbeit mit anderen KünstlernBearbeiten

BücherBearbeiten

Die Bücher sind jeweils auch als Hörbuchfassung gelesen von Heinz Strunk bei Roof Music erschienen.

FilmeBearbeiten

(als Schauspieler)

LiteraturBearbeiten

  • Martin Brinkmann: Souvlaki und Spiegelei. Anti-Kulinarik in Heinz Strunks „Fleisch ist mein Gemüse“ (2004) oder: Der Genuss des Selbsthasses. In: Hans Wolf Jäger, Holger Böning, Gert Sauermeister (Hrsg.): Genussmittel und Literatur. edition lumière, Bremen 2011, ISBN 3-934686-12-5, S. 235–239.[16]
  • Friederike Reents: Stimmungsästhetik. Realisierungen in Literatur und Theorie vom 17. bis ins 21. Jahrhundert. Göttingen 2015, ISBN 978-3-8353-1762-8, S. 84–88; 460–466.

AuszeichnungenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Heinz Strunk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wikiquote: Heinz Strunk – Zitate

AnmerkungenBearbeiten

Auf dem Ärzte-Album Planet Punk aus dem Jahr 1995 spielt Heinz Strunk Querflöte bei den Songs Rod loves You und Meine Ex(plodierte Freundin) – bei letzterem Song spricht er auch die Textzeile „… im Raum verteilt“.

  1. So beschreibt beispielsweise der Jazz-Gitarrist Roland T. Prakken die „Harburger Szene“ differenzierter und verschmitzter, kommt allerdings – was die Mühsal des Tourens über die Lande angeht – zu ähnlichen, aber weniger publikumsverachtenden Schlüssen – siehe Roland T. Prakken: Treulose Tomate ist nicht mein Gemüse. Nachttischbuch-Verlag, Berlin 2008.
  1. Tomasz Kurianowicz: Heinz Strunk: "Erfolg ändert nicht viel". In: Die Zeit. 23. März 2017, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 29. September 2019]).
  2. Dis Noir - Paradise Is Far Away. Abgerufen am 6. November 2019.
  3. Damals... | Fifty Fifty. Abgerufen am 6. November 2019.
  4. Heinz Strunk. Munzinger Online, abgerufen am 7. Januar 2019.
  5. Zwischen Sinnfreiheit und musikalischem Konstrukt. In: Interview mit Michael Cyris. Abgerufen am 7. Januar 2019.
  6. Schott+Kreutzer. Abgerufen am 9. Oktober 2019.
  7. Heinz Strunk im Kino: Saxofonist ohne Sex, spiegel.de
  8. Fleisch ist mein Gemüse: Tragödie zum Totlachen, abendblatt.de
  9. focus.de
  10. Heinz Strunk: knapp verloren gegen Gunnar Ekelöf. Abgerufen am 13. Mai 2016
  11. Timo Niemeier: Grimme-Nominierungen: Von Böhmermann bis RocketBeans. In: DWDL.de. DWDL.de GmbH, 18. Januar 2017, abgerufen am 18. Januar 2017.
  12. Popshot: News zu Charly Hübner (2018) > Fortsetzung zu 'Jürgen' folgt bestimmt – Popshot. In: Popshot. (over-blog.de [abgerufen am 26. Februar 2018]).
  13. Heinz Strunk geht unter die Gastronomen. Abgerufen am 25. April 2019.
  14. Matthias Schmidt/David Baum: Nach den ersten Minuten verlassen Zuschauer den Saal: Wie krass ist „Der Goldene Handschuh“? Abgerufen am 8. März 2019.
  15. Kontakt. In: Reeperbahn Festival. Abgerufen am 8. März 2019.
  16. Martin Brinkmann: Souvlaki und Spiegelei. Anti-Kulinarik in Heinz Strunks „Fleisch ist mein Gemüse“ (2004) oder: Der Genuss des Selbsthasses (PDF; 24 kB)
  17. Mark-Christian von Busse: Kasseler Literaturpreis geht an Multitalent Heinz Strunk. In: hna.de. Hessische/Niedersächsische Allgemeine, 21. August 2019, abgerufen am 21. August 2019.