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Lispeln

Lautbildungsstörung der Zischlaute
Klassifikation nach ICD-10
F80.0 Artikulationsstörung
F80.8 Sonstige Entwicklungsstörungen des Sprechens oder der Sprache / Lispeln
ICD-10 online (WHO-Version 2019)

Lispeln (von althochdeutsch lispen = lispeln, ursprünglich lautmalend[1]) ist die Bezeichnung für die Lautbildungsstörung der Zischlaute s (​[⁠s⁠]​, ​[⁠z⁠]​), sch (​[⁠ʃ⁠]​) und ch (​[⁠ç⁠]​). Es ist eine Form der Dyslalie. Sie gilt in der deutschen Sprache als Sprechfehler.

Inhaltsverzeichnis

Formen des LispelnsBearbeiten

Am häufigsten betroffen ist der Laut [s], als „Sigmatismus“ bezeichnet (vom griechischen Buchstaben Sigma abgeleitet). Das „s“ wird üblich mit der Zunge hinter den Zähnen an den Alveolen (deutsch: Zahnfach) gebildet. Je nach falschem Bildungsort wird ein Sigmatismus addentalis (Bildung an den Zähnen) und Sigmatismus interdentalis (Bildung zwischen den Zähnen) unterschieden. Ein Sigmatismus addentalis ähnelt dem „harten“ englischen „th“ (stimmloser dentaler Frikativ). Weitere s-Fehlbildungen entstehen z. B. durch das seitliche Vorbeiströmen der Atemluft an den Zungenrändern (Sigmatismus lateralis) oder ein mit übermäßigem Atemdruck artikulierter, stark pfeifender und/oder zischender s-Laut (Sigmatismus stridens). Es kommt auch ein Lispeln am Gaumen vor, wobei die Zunge mitunter den Luftstrom gänzlich stoppt, sodass der Reibelaut abrupt endet. Der Sprecher wird dadurch weniger verständlich.

Die Störung des „sch“ wird als „Schetismus“: bezeichnet, die des „ch“ als „Chitismus“.

UrsachenBearbeiten

Die Zischlaute sind die „schwierigsten“ Laute der deutschen Sprache und werden daher erst zum Ende der primären Sprachentwicklung korrekt erworben. Bis dahin gelten Zischlautsstörungen in der Regel als normal (sogenannte physiologische Dyslalie). Als mögliche Ursachen sollten vor allem Hörstörungen (besonders im Hochtonbereich) ausgeschlossen werden. Kiefer- und Zahnfehlstellungen oder -lücken begünstigen eine fehlerhafte Lautbildung. Im Zusammenhang mit einer myofunktionellen Störung kommt es ebenfalls gehäuft zu einer Dyslalie der Zischlaute. Auch Lähmungen im Zungenbereich oder Zungen-/Kieferveränderungen durch Tumoren können die Zischlautbildung beeinträchtigen.

Temporäre UrsachenBearbeiten

Lispeln kann auch temporäre Ursachen haben, z. B. wenn man mit einer losen Zahnspange die ersten Tage spricht und dabei die Zunge behindert oder wenn sonstige Gegenstände dies tun. Dies ist kein Grund zur Besorgnis und löst sich in der Regel (bei Zahnspangen) von alleine oder durch das Entnehmen des Gegenstandes im Mund.

TherapieBearbeiten

Das Lispeln kann meist erfolgreich behandelt werden. Wegen des Zahnwechsels im Kindesalter ist eine Therapie vorher wegen der dann noch physiologischen Dyslalie überwiegend erst nach dem Zahnwechsel im Frontzahnbereich indiziert.

KomikBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Günter Wirth: Sprachstörungen, Sprechstörungen, kindliche Hörstörungen. 5. Auflage. DÄV, Köln 2000, ISBN 3-7691-1137-0.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. duden.de, abgerufen am 13. April 2012 um 20.30 Uhr
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