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Brieftaube

Haustaube, die für die Taubenpost oder für Flugwettbewerbe gehalten und gezüchtet wird
Brieftaube
Brieftaubenweibchen mit einem Jungtier
Männchen der Brieftaube

Als Brieftauben werden Haustauben bezeichnet, die heute hauptsächlich für Flugwettbewerbe gehalten und gezüchtet werden. Die Brieftaubenzüchter verstehen ihr Hobby im Allgemeinen als Sport, ähnlich dem Pferde- und Hundesport. Früher wurden Brieftauben verwendet, um Nachrichten zu übermitteln; die Taubenpost war der Anfang der Flugpost.

GeschichteBearbeiten

Nachrichtenübermittlung und HeimfindevermögenBearbeiten

 
Brieftauben im Anflug auf den Heimatschlag
 
Taubenpost
 
Brieftaubenfotografie, vermutlich während des Ersten Weltkriegs
 
Brieftauben-Rucksack der Schweizer Armee

Zum Transport einer Botschaft muss eine Brieftaube von ihrem Heimatschlag an den Abflugort gebracht werden, wo sie bis zu ihrem Einsatz festgesetzt wird. Die Nachricht wird auf einem zusammengerollten Zettel in einem Behältnis am Fuß oder Rücken der Taube befestigt. Nach dem Auflass fliegt sie zu ihrem Heimatschlag zurück, wo die von ihr mitgebrachte Botschaft in Empfang genommen werden kann.

Eine vollständige Erklärung des Heimfindeverhaltens der Brieftauben ist bis heute noch nicht gefunden. Wissenschaftler gehen davon aus, dass Brieftauben wie auch Zugvögel den Stand der Sonne und Sterne sowie das Magnetfeld der Erde als „Kompass“ verwenden können und zusätzlich visuelle Anhaltspunkte nutzen.[1] Bereits Mitte der 1960er-Jahre war von Wolfgang Wiltschko bei Rotkehlchen und Haustauben ein Magnetsinn nachgewiesen und im Auge lokalisiert worden,[2] der die Inklination, also den Neigungswinkel der magnetischen Feldlinien relativ zur Erdoberfläche, zur Richtungsfindung nutzt. In den Jahren 2000 und 2001 publizierte Studien wiesen – zunächst bei Tauben – zusätzlich in der Haut des Oberschnabels entdeckte Anhäufungen von sehr kleinen Kristallen nach, die sich mit Hilfe kristallographischer Methoden als superparamagnetisch erwiesen und vom Trigeminus innerviert werden.[3][4] In Kooperation mit dem Experimentalphysiker Gerald Falkenberg vom Hamburger Synchrotronstrahlungslabor (HASYLAB) am Deutschen Elektronen-Synchrotron wurde das „Schnabelorgan“ 2010 im Sinne eines biologischen Magnetometers interpretiert: Die Strukturen im Oberschnabel der Vögel vermögen demnach die örtlich unterschiedliche Feldstärke des Erdmagnetfelds zu messen und so zum Erzeugen einer „geomagnetischen Landkarte“ beizutragen, während die lichtabhängigen Zellen im Auge die Ausrichtung des Erdmagnetfelds detektieren.[5]

Brieftauben waren vor der Erfindung von Telegrafie und Telefonie die einzige Möglichkeit, Informationen schneller zu übermitteln als durch einen Boten. Zudem konnten Tauben Nachrichten auch ohne Aufsehen über feindliche Stellungen hinweg transportieren. Dazu mussten sie allerdings zuvor vom gewünschten Zielort herbeigeschafft sein, was naturgemäß schwierig war.

 
Patrouillenkorb mit Brieftauben für Radfahrer und Gebirgstruppen (Schweiz, Erster Weltkrieg)

Historische Beispiele für einen Langstreckeneinsatz von Brieftauben sind die Taubentürme der Republik von Genua im Mittelmeer oder die Übermittlung der Nachricht vom Sieg in der Schlacht von Waterloo am 18. Juni 1815 an die britische Regierung. Reuters begann seinen Pressedienst mit Brieftauben. Vor dem Ersten Weltkrieg versuchten die russische und die britische Regierung eine Brieftaubenverbindung zwischen Libau und Dünkirchen aufzubauen, Dabei sollte Esbjerg in Dänemark als Zwischenstation dienen. Dieser Versuch schlug ebenso fehl wie der einer Linie zwischen Odessa und dem französischen Protektorat Tunis. Auf Kurzstrecken wurden Brieftauben im Grabenkrieg des Ersten Weltkriegs auf deutscher wie auf französischer Seite eingesetzt, wenn Telefon- und Telegrafenleitungen zerstört und optische oder drahtlose Telegrafie ebenso wenig möglich waren wie eine Übermittlung durch Melder.

Die Schweizer Armee etablierte 1917 einen Brieftaubendienst, der 1951 den Fernmeldetruppen angegliedert wurde und seine Basis auf der Armeebrieftaubenstation Sand-Schönbühl (Kanton Bern) hatte. Der Dienstzweig wurde zwar formell schon im Zuge der Armeereform 1995 abgeschafft, doch die Auflösung des Brieftaubendienstes der Schweizer Armee wurde erst 1996 abgeschlossen, nachdem die 30'000 Tauben der neu gegründeten Schweizerischen Brieftaubenstiftung (SBS) als gemeinnützige Organisation übergeben und die Tauben „in die zivilen Lüfte entlassen“ worden waren.[6]

BrieftaubensportBearbeiten

OrganisationBearbeiten

Heute werden Brieftauben fast ausschließlich für sportliche Wettbewerbe gehalten und gezüchtet. Die Züchter schließen sich in Brieftaubenzuchtvereinen zusammen, welche wiederum Reisevereinigungen bilden, die den eigentlichen Wettbewerb durchführen. Dachorganisation des Brieftaubensports in Deutschland ist der Verband Deutscher Brieftaubenzüchter e. V. mit Sitz in Essen.

Mutterland des Brieftaubensportes ist Belgien. Hochburgen sind neben Belgien auch die Niederlande und Deutschland, besonders das Ruhrgebiet. Dort heißen die Brieftauben auch Rennpferde des kleinen Mannes, der Taubenzüchter nennt sich Taubenvatta. Dabei können wertvolle Zuchttiere durchaus mehrere tausend Euro kosten.

WettbewerbeBearbeiten

 
Brieftaubentransporter

Bei den Wettbewerben werden die Tauben mit einem Speziallastwagen (Kabinenexpress, kurz Kabi) zu einem etwa 100 bis 1000 Kilometer vom Heimatort entfernten Auflassplatz transportiert, von wo sie ihren Heimflug antreten, wenn die Witterungsverhältnisse dies erlauben. Die Auflassentscheidung liegt in der Verantwortung eines vom Verband Deutscher Brieftaubenzüchter zertifizierten Flugleiters, der dazu detaillierte Informationen über die Wetterverhältnisse auf der gesamten Flugstrecke einholt. Bei ungünstigen Wetterverhältnissen, insbesondere bei Regen, Gewitter oder Nebel, wird der Auflass verschoben oder der Flug ganz abgesagt. Die Ankunftszeiten der einzelnen Tiere im heimatlichen Taubenschlag wurden früher mit einer Konstatieruhr registriert. Heute übernimmt diese Aufgabe ein elektronisches Konstatiersystem. Nach dem Wettflug werden die Daten zur Auswertung und Erstellung der Ergebnisliste (Preisliste), in der sich 33 Prozent der eingesetzten Tiere platzieren, an ein Rechenzentrum übergeben.

 
Ringkennzeichen einer Brieftaube (Beispiel)

Den Zeitraum zwischen der Ankunft der ersten und der letzten Taube, bzw. die einzelnen Platzierungen in der Preisliste, bezeichnen die Taubensportler als Konkurs.

Die Identifikation der einzelnen Taube geschieht mittels eines geschlossenen Nummernringes, der ihr für gewöhnlich in der 2. Lebenswoche am rechten Fuß aufgezogen wird und dort ein Leben lang verbleibt. Die Farben der Ringe wechseln jedes Jahr.

 
Verirrte Brieftaube im Schrebergarten

Verirrte Brieftauben können mit Hilfe dieser Fußringnummer im Internet gemeldet werden.[7] In der Regel tragen Brieftauben zusätzlich einen Ring mit der Telefonnummer des Eigentümers.

Wettflüge werden sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene organisiert. Die Flugsaison reicht für die mehrjährigen, erfahrenen Brieftauben (Alttauben) etwa von April bis Juli und für die Jungtauben von August bis September. In dieser Zeit nehmen die Alttauben an bis zu 14 Preisflügen teil. Die Jungtauben absolvieren bis zu fünf Preisflüge. Die Alttauben legen pro Flug Entfernungen von 150 bis 1000 km zurück, Jungtauben nur bis zu 200 km. Dabei erreichen sie durchschnittliche Fluggeschwindigkeiten von bis zu 100 km/h.

 
Jungtier der Brieftaube

Zur besonders schnellen Rückkehr werden die Tauben motiviert, wenn im Heimatschlag ein Gelege zu bebrüten bzw. Jungtauben zu füttern sind (Nestmethode) oder wenn die nach Geschlechtern getrennt gehaltenen Brieftauben bei der Rückkehr ihren Partner vorfinden (Witwerschaftsmethode).

LeistungsfähigkeitBearbeiten

Zur Absolvierung von bis zu 14 Preisflügen mit zum Teil bis zu 1400 km Entfernung benötigen die Tauben enorme Energiereserven. Diese gewinnen sie größtenteils aus ihren Fettreserven. Viele Züchter behaupten, jedes Gramm Fett zu viel sei eine Belastung. Auf kurzen Flügen mag dies richtig sein. Da aber bei den meisten Reisevereinigungen wöchentlich Preisflüge anberaumt sind, wobei die Distanz grundsätzlich steigend ist, wird den Tauben permanent eine stetig wachsende Leistung abverlangt.

Für die Tauben wird es von Preisflug zu Preisflug schwerer, die verbrauchten Energiereserven zu erneuern.

Durch Überwachung der Energiereserven mittels Kontrolle der Gewichtszunahme und -abnahme während einer kompletten Flugsaison wurde festgestellt, dass die Tauben im Laufe einer Woche zwischen 25 und 50 Gramm an Gewicht zunehmen können und das gleiche Gewicht während eines Preisfluges verlieren.

Die größte Herausforderung ist es also, das während eines Preisfluges verlorene Gewicht innerhalb einer Woche wieder anzufüttern. Nur wenn dies gelingt, ist die Taube in der Lage, die volle Leistungsfähigkeit während der kompletten Flugsaison beizubehalten.

Tauben, bei denen die Gewichtszunahme nur unzureichend gelang, versagen in der Regel spätestens beim übernächsten Preisflug. Um das optimale Gewicht wieder zu erreichen, bedurfte es dann einer längeren Schonung, was bedeutet, dass die Taube für die nächsten drei bis vier Preisflüge ausfällt, wenn nicht sogar für den Rest der Flugsaison. Für eine optimale Gewichtszunahme in dieser kurzen Frist ist also eine fettreiche Nahrung unerlässlich. Diese besteht zusätzlich aus Sämereien, Hanf und Erdnüssen.

 
Taubenauflass als Programmpunkt eines großen Gartenfestes anlässlich des 750-jährigen Stadtjubiläums Berlins, 1987

KritikBearbeiten

Diverse Tierschutzorganisationen kritisieren die Praxis des Brieftaubensportes. Hunderttausende von Tauben würden jedes Jahr bei Wettflügen verenden oder in den Städten stranden und sich den Stadttauben anschließen.[8] Den Züchtern gehe es nur um Leistungsfähigkeit, weshalb sie schwächere Tauben ausselektieren und sie bei vollem Bewusstsein durch „Halsumdrehen“ töten. Außerdem gebe es nicht genügend Freiflug, keine genauen Regelungen zum Transport und auch die Gabe von Aufputschmitteln (verbotenes[9] „Doping“).[10]

Problematisch kann trotz Einsatz eines Kabinenexpresses ein weiter, langer Transport der Sporttauben in engen Kassetten zum Auflassort werden. Wobei der auch durch Hitze und Versorgungsdefizite mit Luft und Trinkwasser entstehende Stress die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen und anschließend zur – auch für den Halter – unerwünschten Erhöhung der Verlustrate führen kann.[11]

AuflasstaubenBearbeiten

Einige Brieftaubenzüchter halten auch sogenannte Auflasstauben und zahme Handtauben, die zu verschiedensten Anlässen, wie Hochzeitsfeiern, Taufen, Beerdigungen oder Jubiläen, gebucht werden können. Besonders weiße Tauben sind beliebt, da die Farbe Weiß vielfach positiv assoziiert wird. Die Taube ist Symbol für Frieden und wurde während der Eröffnungsfeiern Olympischer Spiele von 1920 bis 1988 aufgelassen. In Fernsehsendungen, wie „Traumhochzeit“, wurden Taubenauflässe im Rahmen von Hochzeitsshows für ein Massenpublikum inszeniert.

Die Zucht blütenweißer Tauben mit einem ausreichend guten Heimfindevermögen ist nicht einfach. Durch Kreuzung verlieren die Tauben oft an Orientierungsfähigkeit, insbesondere bei großen Entfernungen oder schlechten Wetterbedingungen. Sie werden daher nicht als Reisetauben in Wettbewerben eingesetzt, sondern ausschließlich als Auflasstauben und/oder Handtauben von Anbietern für Hochzeitstauben vermarktet.

Tierschützer kritisieren, dass Hochzeitstauben erheblichem Stress ausgesetzt werden und dadurch Tierleid gefördert werde. Sie unterstellen, dass viele Hochzeitstauben aufgrund ihres schlechteren Orientierungssinnes nicht zu ihrem Heimatschlag zurückfinden. Es gebe jedes Jahr zahlreiche Funde von ausgehungerten und orientierungslosen weißen Tauben, die in der Natur nicht allein zurechtkommen. Besonders makaber sei das Vorgehen mancher Züchter, die Paare von Tauben trennen damit diese einen stärkeren Heimkehrwillen zeigen.[12]

Anfänge des Brieftaubensports im RuhrgebietBearbeiten

Die Anfänge des Taubensports im Ruhrgebiet fallen in die 1860er Jahre. Die Zuwanderer aus der Zeit der Industrialisierung, die aus den landwirtschaftlich geprägten Ostprovinzen Preußens kamen, hielten neben anderem Kleinvieh auch Tauben. Die sogenannten Kolonien bestanden aus ein-, anderthalb oder zweistöckigen Häusern mit Ställen, die stellenweise noch heute das Bild der unter Denkmalschutz gestellten Zechensiedlungen prägen. Durch die Konzeption der Siedlungen wurde versucht, an ländliche Elemente anzuknüpfen. So verfügten im Jahre 1900 etwa 86 % der Wohnungen über einen Garten und 96 % über einen Stall. Von etwa 12 % im Jahre 1893 stieg der Anteil der Zechenwohnungen bis zum Jahre 1914 auf 35 %.

Die Taubenhaltung und -zucht erfreute sich großer Beliebtheit, so dass die Brieftaube als „Rennpferd des Bergmanns“ bezeichnet wurde. 1869 gab es in Bochum bereits ein Reisetauben-Sporthaus. Sportliche und patriotische Gründe führten in Bochum im Jahre 1881 zur Gründung der ersten Brieftaubenreisevereinigung für die dortigen vier Vereine. Durch sie wird der Transport der Tauben zu den Auflassorten, besonders bei Weitstreckenflügen, z. B. auch von Königsberg/Preußen, organisiert.

Seit 1905 hat die Brieftaubenreisevereinigung (RV) ihren Sitz in Hattingen. 1891 hatte die RV bereits 24, im Jahre 1895 36, im Jahre 1897 48 und für 1899 meldete das Protokoll, dass 72 über das Ruhrgebiet verteilte Vereine der RV angehören. 1894 geht die Mitgliederzone der RV bereits bis Bottrop, Duisburg-Meiderich, Dortmund, Gladbeck, Moers, Mülheim (Ruhr), Neviges, Velbert, Volmarstein, Vorhalle bei Hagen und Witten. In dieser Zeit gründeten sich weitere Reisevereinigungen. Die drei ältesten Vereinigungen an Rhein und Ruhr sind:

  • RV des Rheinisch- Westfälischen- Industriegebiets, gegr. 1881;
  • RV Gelsenkirchen 1894;
  • RV Essen 1898.

Bereits vor Gründung der RV Gelsenkirchen gab es im Umland drei Brieftaubenvereine:

  • Gelsenkirchen-Horst, den Verein 0191
  • „Vorwärts“ Rotthausen, in der damals noch selbständigen Gemeinde Rotthausen 1889
  • 0208 „Heimkehr“ Gelsenkirchen wurde 1890 gegründet. Er gilt als erster Mitgliedsverein der RV Gelsenkirchen 1894.

Vom deutschen Brieftaubenverband wurde der Verein, zu dem im Jahre 1890 15 Züchter angehörten unter der Registriernummer 0208 geführt. 1899 kam es zur Vereinigung der RV Gelsenkirchen 1894 mit einer zweiten Gelsenkirchener Reisevereinigung. Die Vereinigung führte den Namen Reisevereinigung für Gelsenkirchen und Umgegend gegr. 1894.

Bereits seit 1875 wurde in Herne, das damals noch ein bescheidenes Kirchspiel war, in dem die ersten Zechenabteufungen begannen, (Shamrock - Mont-Cenis) der Brieftaubensport gepflegt. In Herne schlossen sich die Taubenliebhaber zum ältesten Ortsverein, der Heimkehr 011, zusammen. Die Dachorganisation der deutschen Brieftaubenliebhaber, der Verband Deutscher Brieftaubenliebhabervereine, wird im Jahre 1884 gegründet. 1885 hat der Verband schon 68 Mitgliedervereine in Deutschland.

 
Briefmarke der Deutschen Bundespost (1957) zur Internationalen Briefwoche

Der erste Taubenverein im Vest Recklinghausen wird 1890 gegründet. Der Name des Vereins lautet zunächst Kriegspost. Die Züchter des Vereins orientieren sich anfangs an der 1894 gegründeten Brieftaubenreisevereinigung Gelsenkirchen und Umgebung 1894 e. V., da es in Recklinghausen und Umgebung keine Reisevereinigung gab. Bereits im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts ist das Ruhrgebiet das Zentrum der deutschen Taubenzucht mit der größten Vereinskonzentration. 1908 besitzt das Ruhrgebiet die meisten Brieftaubenvereine in Deutschland. Der erste Taubenverein im Vest Recklinghausen wird 1890 gegründet. Er trägt später den Namen BZV Vest Recklinghausen 0467 und ist der älteste Brieftaubenverein in einem Bezirk, dem im Jahre 1994 immer noch zwölf Reisevereinigungen angehören. 1896 hat der Verein bereits 24 Mitglieder mit 447 Tauben.

Die Verleihung von Medaillen setzt seinerzeit eine Flugstrecke von über 300 km voraus. Die Angaben stammen aus alten Vereinsprotokollen, das älteste erhaltene stammt vom Dezember 1918, und aus Unterlagen die das Archiv des Verbandes Deutscher Brieftaubenliebhaber. Im Jahre 1897 wird der erste Brieftaubenverein im Recklinghäuser Ortsteil Süd mit Namen Blitz gegründet. Die Preisflüge dieser Zeit gehen angepasst an die damalige Bahnverbindung, von Haltern, Appelhülsen, Lengerich oder Lehmförde aus.

Nach wechselvoller Geschichte und unterbrochen von den beiden Weltkriegen, erlebt der Taubensport im Ruhrgebiet mit Beginn der 1950er Jahre und im folgenden Jahrzehnt seine Blütezeit.

FeindeBearbeiten

In weiten Teilen Europas ist die Brieftaube zur Zeit der Wettflüge eine Hauptbeute des Wanderfalken.[13]

Auch Habichte können große Schäden in Brieftaubenbeständen anrichten. Während der Wanderfalke seine Beute bevorzugt im freien Luftraum schlägt, greift der Habicht die Tauben häufig direkt in Schlagnähe an und verfolgt sie manchmal sogar bis in den Taubenschlag. Auch das ähnlich jagende aber kleinere Sperberweibchen kann den Brieftauben gefährlich werden.

Gelingt es einem Steinmarder in einen Taubenschlag einzudringen, kann dies schwere Folgen haben und nicht selten zum Tod sämtlicher Tauben im Schlag führen.

SonstigesBearbeiten

 
Feldweibel des Brieftaubendienstes der Schweizer Armee, Uniform von 1986 (links)

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Werner Grundel: Brieftauben. 4. überarb. und erg. Auflage. Ulmer, Stuttgart 1993, ISBN 3-8001-7236-4
  • Heidrun Jahn & Jürgen W. Schmidt: Zum militärischen und zivilen Brieftaubenwesen in der Provinz Westpreußen in den Jahren von 1889–1918. In: Westpreußen-Jahrbuch. Bd. 56/57 (2006/2007), S. 55–66
Belletristik
  • Jon Day: Homing: On Pigeons, Dwellings and Why We Return. John Murray, 2019

WeblinksBearbeiten

 Wiktionary: Brieftaube – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  Commons: Brieftaube – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

FußnotenBearbeiten

  1. Klaus Schmidt-Koenig: Das Rätsel des Vogelzugs. Faszinierende Erkenntnisse über das Orientierungsvermögen der Vögel. Hoffmann und Campe, Hamburg 1980, ISBN 3-455-08840-6
  2. Wolfgang Wiltschko und Roswitha Wiltschko: Magnetic compass of European robins. In: Science. Band 176, 1972, S. 62–64, doi:10.1126/science.176.4030.62.
  3. Matthew N. Williams und J. Martin Wild: Trigeminally innervated iron-containing structures in the beak of homing pigeons, and other birds. In: Brain Research. Band 889, Nr. 1–2, 2001, S. 243–246, doi:10.1016/S0006-8993(00)03114-0.
  4. Marianne Hanzlik, Christoph Heunemann, Elke Holtkamp-Rötzler, Michael Winklhofer, Nikolai Petersen und Gerta Fleissner: Superparamagnetic Magnetite in the Upper Beak Tissue of Homing Pigeons. In: Biometals. Band 13, Nr. 4, 2000, S. 325–331, doi:10.1023/A:1009214526685.
  5. Gerald Falkenberg, Gerta Fleissner et al.: Avian Magnetoreception: Elaborate Iron Mineral Containing Dendrites in the Upper Beak Seem to Be a Common Feature of Birds. In: PLoS ONE. Band 5, Nr. 2, e9231, doi:10.1371/journal.pone.0009231.
    Ein Magnetometer im Oberschnabel aller Vögel? Auf: idw-online.de vom 22. Februar 2010.
  6. Die Bundesbehörden der Schweizerischen Eidgenossenschaft: Auflösung des Brieftaubendienstes abgeschlossen. Pressemitteilung vom 2. Juli 1996
  7. Verband Deutscher Brieftaubenzüchter e. V.: Taube gefunden!?
  8. Brieftaubensport – Ein mörderisches Hobby. ETN e. V., abgerufen am 11. Juli 2017. Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e. V. geht von Verlustraten unter anderem durch Erschöpfung, Witterung oder etwa Greifvögel von bis zu 10 % je Distanzflug aus, siehe Merkblatt Nr. 121 (Stand 2009).
  9. § 3 Ziff. 1b Tierschutzgesetz.
  10. Brieftauben. Bund gegen Missbrauch der Tiere e. V., abgerufen am 10. August 2014.
  11. s. Ziff. 3.3 des Merkblatts Nr. 121 des TVT.
  12. Weiße Tauben – Tierquälerei für die „perfekte“ Hochzeit? PETA, Februar 2014, abgerufen am 28. September 2017.
  13. Derek Ratcliffe: The Peregrine Falcon. 2. Auflage. Poyser, London, 1993. ISBN 0-85661-060-7, S. 116ff
  14. China in Zahlen | Statista. Website statista.com Abgerufen am 23. November 2014.