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Guizhou

Provinz im Südwesten Chinas
Dieser Artikel behandelt die chinesische Provinz. Zum nach ihr benannten Asteroiden siehe (2632) Guizhou.
chinesisch 贵州省
Guìzhōu Shěng
Abkürzung: (Pinyin: Qián)
Hauptstadt Guiyang
Fläche

 – Gesamt
 – Anteil an der
VR China

Rang 16 von 33

176.100 km²
1,83 %
 

Bevölkerung

 – Gesamt 2010
 – Dichte

Rang 15 von 33

37.980.000 Einwohner
222 Einwohner/km²

Verwaltungstyp Provinz
Gouverneur Sun Zhigang
BangladeschBhutanNepalMyanmarLaosVietnamThailandPhilippinenJapanNordkoreaSüdkoreaKirgisistanKasachstanMongoleiAfghanistanUsbekistanTadschikistanPakistanIndienRusslandde-facto Pakistan (von Indien beansprucht)de-facto Indien (von Pakistan beansprucht)de-facto Indien (von China als Teil Tibets beansprucht)Republik China (von China beansprucht)de-facto Provinz Xinjiang, China (von Pakistan beansprucht)de-facto Provinz Tibet, China (von Pakistan beansprucht)MacauHongkongHainanGuangdongGuangxiHunanYunnanFujianShanghaiJiangxiZhejiangJiangsuHubeiAnhuiGuizhouChongqingShaanxiHenanShanxiShandongHebeiPekingTianjinNingxiaLiaoningJilinSichuanAutonomes Gebiet TibetHeilongjiangGansuQinghaiXinjiangInnere MongoleiLage von Guìzhōu Shěng in China
Über dieses Bild
ISO-3166-2-Code CN-52
Bezirksebene 6 Städte, 3 Autonome Bezirke
Kreisebene 56 Kreise, 11 Autonome Kreise, 13 Stadtbezirke, 7 Städte, 1 Sondergebiet
Gemeindeebene 729 Großgemeinden, 474 Gemeinden, 236 Nationalitätengemeinden, 79 Straßenviertel
Huangguoshu-Wasserfall
Die Beipanjiang-Eisenbahnbrücke in Liupanshui zählt zu den größten Bogenbrücken der Welt
Innenstadt von Guiyang (2005)
Ein Dorf der Bouyei, eines der Bergvölker von Guizhou

Guizhou (chinesisch 貴州省 / 贵州省 Guìzhōu Shěng, Audio-Datei / Hörbeispiel Aussprache?/i) ist eine Provinz im Südwesten Chinas.

Die Provinz ist ein gebirgiges Becken, in dem es einem alten Spruch zufolge „keine drei Fuß flachen Landes, keine drei Tage ohne Regen und keinen Menschen mit drei Yuan“ gibt. Sie war von der Außenwelt schwer zugänglich und gilt als die ärmste Provinz Chinas.

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

Hier befindet sich mit dem Huangguoshu-Wasserfall der größte Wasserfall Asiens. Die ausgeprägte Karstlandschaft ist zentrales Siedlungsgebiet der Bouyei.

Über 73 % der Fläche sind anstehender Kalkstein. Die Bodenbeckung der Karstformationen ist nur gering. Im Kalkstein finden sich zahlreiche Höhlen und unterirdische Flüsse.

KlimaBearbeiten

Das Klima ist subtropisch-feucht mit unscharfen Jahreszeit-Kontrasten. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 15 °C und der durchschnittliche Jahresniederschlag liegt bei 900 mm–1500 mm. Guizhou ist an 220 Tagen im Jahr bewölkt und damit die Provinz mit den meisten Wolkentagen. Der Name der Provinzhauptstadt Guiyang bedeutet „wertvoller Sonnenschein“.

GeschichteBearbeiten

Guizhou kam vor 2000 Jahren unter chinesische Herrschaft. Die Gründung der Provinz erfolgte 1413. Die Einwanderung von Han-Chinesen begann während der Sui- und Tang-Dynastie, also zwischen dem späten 6. und frühen 10. Jahrhundert, zunächst nur in den Westteil der heutigen Provinz.[1] In wachsender Zahl wanderten Han-Chinesen ab dem späten 14. Jh., während der Ming-[2] und Qing-Dynastie, in die gesamte Provinz ein.[3] Besonders die Tunpu (屯堡人),[4] eine Gruppe von Han-Chinesen, deren Vorfahren vor rund 600 Jahren einwanderten, haben bis heute viele Besonderheiten ming-zeitlicher Kultur bewahrt.[5]

Nach dem Sturz des Kaiserreichs und des damit beginnenden Zusammenbruchs der Zentralgewalt beherrschten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Warlords die Provinz. Um 1920 dominierte Liu Xianshi (刘显世), um 1926 kontrollierte der die Nachbarprovinz Yunnan beherrschende General Tang Jiyao (唐继尧) auch Guizhou. 1935 fand in Zunyi die Zunyi-Konferenz statt. Erst danach konnte sich die Kuomintang-Nationalregierung durchsetzen. Im Zweiten Weltkrieg flüchteten zahlreiche Kaufleute, Beamte und Intellektuelle vor den Japanern hierher; sie spielten für die Entwicklung nach dem Krieg eine bedeutende Rolle. Am 15. November 1949 wurde die Hauptstadt Guiyang von der Volksbefreiungsarmee erobert, am 26. Dezember 1949 die Volksregierung der Provinz Guizhou gegründet.[6]

Ethnische MinderheitenBearbeiten

In Guizhou gibt es 17 verschiedene ethnische Minderheiten, unter denen 14 als autochthon bezeichnet werden können. Letztere sind vor allem die Bouyei, Miao und Dong, aber auch Bai, Gelao, Maonan, Mulam, Qiang, She, Sui, Tujia, Yao, Yi und Zhuang. Im Laufe der chinesischen Geschichte in größerer Zahl zugewandert sind die Hui, Mandschu und Mongolen. Zusammen machen die ethnischen Minderheiten 37 % der Bevölkerung aus und haben auf 55 % der Fläche regionale Autonomie. Hier sind besonders die drei Autonomen Bezirke im Süden der Provinz zu nennen: Qiannan, Qianxi'nan und Qiandongnan. Die meisten autochthonen ethnischen Minderheiten leben in den Bergen, wohin sie sich beim Vordringen der Han-Chinesen zurückgezogen haben.

VerwaltungsgliederungBearbeiten

Die Provinz Guizhou ist in sechs bezirksfreie Städte und drei Autonome Bezirke, 56 Kreise, 11 Autonome Kreise, 13 Stadtbezirke, sieben kreisfreie Städte und ein Sondergebiet unterteilt, denen 1558 Kommunen unterstehen.

Karte # Name Verwaltungssitz Chinesische Schriftzeichen
Hanyu Pinyin
Bevölkerung
(2010/2011)
 
Bezirksfreie Stadt
1 Bijie Qixingguan 毕节市  Bìjíe Shì 6.536.370
2 Zunyi Honghuagang 遵义市  Zūnyì Shì 6.127.009
3 Tongren Bijiang 铜仁市  Tóngrén Shì 3.092.365
4 Liupanshui Zhongshan 六盘水市  Liùpánshuǐ Shì 2.851.180
5 Anshun Xixiu 安顺市  Ānshùn Shì 2.297.339
6 Guiyang Yunyan 贵阳市  Guìyáng Shì 4.324.561
Autonomer Bezirk
7 Qianxinan
(für die Bouyei und Miao)
Xingyi 黔西南布依族苗族自治州
Qiánxīnán Bùyīzú Miáozú Zìzhìzhōu
2.805.857
8 Qiannan
(für die Bouyei und Miao)
Duyun 黔南布依族苗族自治州
Qiánnán Bùyīzú Miáozú Zìzhìzhōu
3.231.161
9 Qiandongnan
(für die Miao und Dong)
Kaili 黔东南苗族侗族自治州
Qiándōngnán Miáozú Dòngzú Zìzhìzhōu
3.480.626

WirtschaftBearbeiten

Mehrere Millionen Menschen leben unterhalb der offiziellen Armutsgrenze, darunter ein großer Anteil der Angehörigen nationaler Minderheiten. Fast alle neuen Arbeitsplätze und Privatgeschäfte wurden von Zuwanderern aus Sichuan eingenommen. Das wirtschaftliche Zentrum der Provinz ist die Hauptstadt Guiyang. Dank des milden Klimas ist die Landwirtschaft in Guizhou gut entwickelt. Die Hauptanbauprodukte sind Reis, Mais, Kartoffeln, Tabak und Zuckerrohr. Die Provinz produziert eine große Anzahl verschiedener Heilkräuter und ist eines von vier großen Heilkräuter-Anbaugebieten in China.

Guizhou weist eine Vielzahl an Bodenschätzen auf. Die Provinz hat die bedeutendsten Quecksilbervorkommen Chinas. Die Vorräte an Bauxit, Phosphor, Mangan, Antimon und Kohle sind mit die bedeutendsten im Land. In der Industrie dominieren deswegen Zweige wie Bergbau, Hüttenindustrie, Buntmetallindustrie, Chemie und Maschinenbau. Die Nahrungsmittel- und Tabakindustrie sind weitere wichtige Branchen. Am bekanntesten ist jedoch der Maotai-Schnaps.

Die Wirtschaft in Guizhou ist insgesamt trotz der reichen Rohstoffvorkommen und der günstigen Lage im Land schwach entwickelt. So betrug das BIP pro Kopf 2002 (laut CHINA aktuell 8/2004) 3153 Yuan (ca. 295 €) und war somit das mit Abstand niedrigste aller Provinzen Chinas. Mit verantwortlich dafür dürften die schwierigen geographischen Verhältnisse sein, die eine wirtschaftliche Erschließung erschweren. Im Zuge der stark gestiegenen Rohstoffnachfrage für die chinesische Industrie wurde der Abbau intensiviert und im Zuge dessen stieg das BIP pro Kopf 2006 (laut einer Broschüre der Provinzregierung vom Herbst 2007) auf 5750 Yuan (ca. 537 €). Die Regierung ist zunehmend bestrebt, Guizhou wirtschaftlich zu entwickeln. So soll die Verkehrsinfrastruktur verstärkt ausgebaut werden.

Ein gutes Entwicklungspotenzial wird im Fremdenverkehr gesehen. Die dafür nötige Verkehrsinfrastruktur ist großenteils bereits vorhanden.

Ungefähr 170 Straßenkilometer südlich der Provinzhauptstadt Guiyang, in der Nähe der Gemeinde Dawodang, wurde im September 2016 das größte und genaueste Radioteleskop der Welt mit der Bezeichnung Five hundred meter Aperture Spherical Telescope (kurz FAST) fertiggestellt.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

Die ethnischen Minderheiten in Guizhou gehören zu den künstlerisch und musikalisch begabtesten in China. Auch die Han haben hier eine lange, abwechslungsreiche kulturelle Vergangenheit. In den Landesteilen sind verschiedene Arten des Volksdramas verbreitet, von denen einige auch mit Volkstänzen kombiniert werden. Einige Han-Volksdramen wie huadeng („Blumenlaterne“) im Norden und dixi im Süden Guizhous sind auch bei den Minderheiten beliebt. Zu den festlichen Aktivitäten über Neujahr gehören Büffelkämpfe, insbesondere bei den Miao, Yao und Zhuang. Die Miao besingen häufig ihre revolutionäre Geschichte und Helden, die Volkslieder der Miao und Dong sind sehr bekannt. Bei allen Minderheitsgruppen sind Scherenschnitt und Stickerei wichtige Formen der Volkskunst. Die Buyi und Gelao sind besonders für ihre Batik bekannt, die Miao und Buyi für ihre komplizierten, gefärbten Kreuzstich-Arbeiten und die Miao für ihre schweren Silberornamente.[7]

Guizhou hat zahlreiche Touristenattraktionen vorzuweisen, auch scheint der Tourismus in der Region immer mehr an Bedeutung zu gewinnen. Zu den beachtenswertesten Sehenswürdigkeiten zählen der Huangguoshu-Wasserfall, der größte Wasserfall in China und Asien; die Zhijin-Höhle, Chinas größter Tropfsteinhöhlen-Komplex; die Schluchten des Wuyanghe und die umgebende Karstlandschaft; die Drachenpalast-Höhle (Longgong), bei der die einzelnen Kammern wie bei einer Perlenkette aneinandergereiht sind; und das Gebäude, in dem 1935 die Zunyi-Konferenz stattfand.[7]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Xu Yiting (徐亦亭): 唐朝汉人的发展壮大 Tangchao Hanren de fazhan zhuangda, Entwicklung der Han-Chinesen während der Tang-Dynastie
  2. Old Han Traditions Alive in Guizhou, Artikel auf der Website von China Radio International über die Han-Migration nach Guizhou während der Ming-Dynastie
  3. Luo Kanglong (罗康隆): 明清两代贵州汉族移民特点的对比研究 Ming Qing liangdai Guizhou Hanzu yimin tedian de duibi yanjiu, Vergleich der Besonderheiten der Han-Migration nach Guizhou während der Ming- und Qing-Dynastie auf der Website der „Bergvölker-Kulturen Chinas“
  4. Main Attractions along West Guizhou Tourist Route, Website der Regierung Guiyangs über die Tunpu (Han-Chinesen)
  5. 屯堡人 Tunpu ren, Artikel über die Tunpu in der chinesischen Online-Enzyklopädie Baidu
  6. 贵州 Guizhou, Artikel über Guizhou in der chinesischen Online-Enzyklopädie Baidu
  7. a b Robert Lee Suettinger, Chi-Keung Leung: Guizhou. In: Encyclopædia Britannica. Abgerufen am 1. August 2017 (englisch).

Koordinaten: 27° N, 107° O