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GeographieBearbeiten

Gisikon liegt im luzernischen Teil des Reusstals zu Füssen des Rooterberges. Mit einer Fläche von 107,66 ha ist der Ort die flächenmässig kleinste Gemeinde im Kanton Luzern. Von der Fläche wird knapp die Hälfte (49,5 %) landwirtschaftlich genutzt, 25,2 % sind Siedlungsfläche und weitere 19,8 % Wald und Gehölz. Der höchste Punkt der Gemeinde befindet sich am Rooterberg auf 646 m ü. M., der tiefste an der Reuss auf 406 m ü. M.

Gisikon grenzt an die Gemeinden Honau, Inwil und Root.

BevölkerungBearbeiten

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Die Bevölkerungszahl wuchs von 1798 bis 1850 stark (1798–1850: +37,8 %). Nach einem Rückgang zwischen 1870 und 1888 um 14,7 % folgte eine Wachstumsschub, der bis 1920 anhielt (1888–1920: +51,9 %). Anschliessend stagnierte die Zahl der Bewohner jahrzehntelang. Mit dem Bau der Autobahn Luzern–Zug Ende der Siebziger-Jahre begann dann ein sprunghafter Bevölkerungsanstieg. Dieser Zuwachs verringerte sich prozentual in den letzten Jahren leicht. Dennoch nahm die Zahl der Bewohner von 2010 bis 2016 um 202 Personen (+ 18,6 %) zu. Seit 1990 zählt Gisikon zur Agglomeration Luzern. Mittlerweile leben 1'426 Menschen in Gisikon (Stand: 30. Juni 2019)[3], darunter 721 Männer und 705 Frauen.

 

Quellen: 1798–1837: Helvetische und kantonale Volkszählungen[4]; Bundesamt für Statistik; 1850 bis 2000 Volkszählungsergebnisse, 2010 ESPOP, seit 2011 STATPOP

Religionen – KonfessionenBearbeiten

Traditionell war die Bevölkerung römisch-katholisch (2000: 65,97 %). Religiöse Minderheiten waren die (2000) 16,75 % evangelisch-reformierten Christen, Muslime und orthodoxe Christen. 8,4 % waren im Jahr 2000 konfessionslos. Seither hat wie überall die Zahl der Angehörigen der Landeskirchen abgenommen, die Zahl der Konfessionslosen und Muslime zugenommen haben. Mitte Jahr 2019 waren 49,51 % der Bevölkerung römisch-katholisch, 11,43 % evangelisch-reformiert und 39 % konfessionslos oder nicht der Landeskirchen angehörig.

Herkunft – NationalitätBearbeiten

Mitte 2019 waren von den 1426 Einwohnern 1123 Schweizer und 303 (21,25 %) Ausländer.[5] Mitte 2019 stammten die grössten Migrationsgruppen aus Deutschland (70 Menschen; 4,90 %), Portugal (35 Menschen; 2,45 %), Italien (26 Menschen; 1,82 %), dem Kosovo (25 Menschen; 1,75 %) und Serbien (16 Menschen; 1,12 %). Mitte 2019 waren insgesamt 2,87 % der Zugewanderten aussereuropäischer Herkunft.[6]

PolitikBearbeiten

GemeinderatBearbeiten

Der nebenamtlich arbeitende Gemeinderat setzt sich ab 1. September 2016 wie folgt zusammen:

  • Alois Muri (parteilos): Gemeindepräsident
  • Josef Lötscher (CVP): Ressort Infrastruktur
  • Susanne Spahr-Weber (parteilos): Ressort Soziales
  • Andreas Christen (FDP): Ressort Umwelt
  • Jacqueline Knüsel-Meier (parteilos): Ressort Bildung

KantonsratswahlenBearbeiten

Bei den Kantonsratswahlen 2015 des Kantons Luzern betrugen die Wähleranteile in Gisikon: SVP 43,0 %, CVP 25,0 %, FDP 15,0 %, SP 7,1 %, glp 6,2 %, GPS 1,6 %.[7]

NationalratswahlenBearbeiten

Bei den Schweizer Parlamentswahlen 2015 betrugen die Wähleranteile in Gisikon: SVP 44,8 %, FDP 19,4 %, CVP 17,1 %, SP 8,5 %, glp 4,6 %, GPS 2,9 %, BDP 1,2 %.[8]

WirtschaftBearbeiten

Bis zu Beginn des Zweiten Weltkriegs betätigte sich eine grosse Mehrheit der Erwerbstätigen als Bauern, Müller und Steinhauer. Das letztere Gewerbe existiert heute nicht mehr, da die natürlichen Ressourcen erschöpft sind. Mittlerweile gibt es auch nur noch 5 Landwirtschaftsbetriebe. Dies bedeutet, dass nur noch (Stand 2011) 7,6 % der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft tätig sind. 46,8 % leben von Arbeit in Industrie- und Handwerk, 38,3 % der Beschäftigen arbeiten in Berufen im Dienstleistungsbereich. Von 474 Erwerbstätigen in Gisikon sind 272 Zupendler (v. a. aus der Region). Gleichzeitig gibt es 399 Wegpendler (ein Drittel in den Kanton Zug, daneben v. a. in die Stadt Luzern und nach Root).

In Gisikon befinden sich die zwei traditionellen Restaurants Gasthof Tell und Hotel Garni an der Reuss. Seit September 2012 gibt es ausserdem den Treffpunkt 6038, der unter einem Dach ein Café mit Spielzimmer für Kinder, eine Ludothek und einen kleinen Einkaufsladen mit regionalen Produkten vereint.

VerkehrBearbeiten

Gisikon verfügt über einen Autobahnanschluss, Gisikon-Root, an die A 14 auf der linken Seite der Reuss.

Die Gemeinde ist auf der Schiene (Strecke Luzern–Zug–Zürich) und per Bus (Linie 23 Luzern–Ebikon–Gisikon-Root, Linie 110 Hochdorf–Rotkreuz und Linie 348 Gisikon-Sins) an den Öffentlichen Verkehr angeschlossen.

  • S 1 BaarZugChamRotkreuz – Gisikon-Root – LuzernEmmenbrückeSempach-NeuenkirchSursee.
  • VBL 23 Gisikon Bahnhof – Root – Root D4, Oberfeld – Dierikon – Ebikon Hofmatt – Maihof – Schwanenplatz – Luzern Bahnhof
  • Postauto 110 Rotkreuz – Honau – Gisikon – Eschenbach – Hochdorf. (Teilweise Rotkreuz – Honau – Gisikon Bahnhof)
  • ZVB 348 Gisikon Bahnhof – Körbligen – Dietwil – Sins, Schulstrasse

GeschichteBearbeiten

 
Zeitgenössische Druckgrafik des Gefechts bei Gisikon am 23. November 1847. Im Hintergrund die gedeckte Holzbrücke

Weder archäologische Spuren noch schriftliche Zeugnisse erzählen vom Ursprung Gisikons. Die Endung des Ortsnamens auf -ikon lässt auf alemannische Landnahme vom 6. bis 8. Jahrhundert schliessen. Der Name geht wohl auf Siedler namens Gising zurück. Die älteste noch erhaltene Erwähnung Gisikons datiert auf das Jahr 1270. Bald darauf geriet der Ort unter die Herrschaft der Habsburger. Bis zum Verkauf durch die Familie von Moos an die Stadt Luzern im Jahr 1422 war es Lehen wechselnder Herren. Im Jahr 1653 erhielt der Ort Steuerprivilegien, weil er im Gegensatz zu den meisten Landgemeinden im grossen Bauernkrieg zu den Herren in der Stadt hielt.

Das Gisiker Wappen hat auf Blau eine balkenweise gestellte goldene Brücke mit zwei silbernen Pfeilern. Es stellt also die Brücke dar, die in der Geschichte eine so wichtige Rolle spielte. Seit 1426 beriet der Luzerner Rat über die Frage eines Brückenbaus in Gisikon. Er beschloss 1431 den Bau einer gedeckten Brücke über die Reuss mit einer neuen Zollstation. Daneben entstanden eine Gastwirtschaft zur Versorgung der Händler und Reisenden und im 18. Jahrhundert ein Landjägerposten. Der Brückenzoll wurde auf Personen, Vieh und Handelswaren erhoben. Im 18. Jahrhundert war der Brückenzoll in Gisikon nach Reiden, Emmenbrücke und dem Untertor in Luzern die viertbedeutendste Zolleinnehmerei. Das letzte Zollhaus, der heutige Gasthof Tell, stammt von 1848.

Im Sonderbundskrieg ereignete sich eine der entscheidenden Kampfhandlungen bei Gisikon. Nach dem Gefecht bei Gisikon am 23. November 1847 kapitulierte der Kanton Luzern am folgenden Tag als zweiter Kanton des Sonderbunds. Der eidgenössische Kommandant in diesem Gefecht war der Tägerwilener Brigadekommandant Johann Konrad Egloff, der 1848 Mitglied im Regierungsrat des Kantons Thurgau wurde.[9][10]

Wegen Kriegsschäden aus dem Jahr 1847 am alten Flussübergang baute der Kanton um 1854 eine neue Brücke.[11] 1934 entstand bei Gisikon wiederum eine neue Brücke über die Reuss, die 1974 wegen des Autobahnanschlusses durch eine breitere Brücke mit einer Eisenbahnunterführung ersetzt wurde.

SchulenBearbeiten

In Gisikon wurde 2005 in nur sieben Wochen ein neues Schulhaus erstellt. Darin findet nun der Unterricht der Integrativen Schule inkl. Basisstufe für rund 100 Schülerinnen und Schüler der Gemeinden Gisikon und Honau statt. Ab der 7. Schulklasse findet der Schulbesuch in der Nachbargemeinde Root statt. Seit 2010 bietet die Gemeinde Gisikon schul- und familienergänzende Tagesstrukturen an. Diese Tagesstrukturen werden von Montag bis Freitag und während acht Ferienwochen angeboten. Die Räumlichkeiten des «Leuchtturms» befinden sich im Gemeindehaus direkt neben dem Schulhaus. Der Turnunterricht der Schule Gisikon findet im angrenzenden Zentrum Mühlehof statt.

Lernende mit Schulort GisikonBearbeiten

Schuljahr
(2016/2017)
Kindergarten Primarschule Sekundarstufe,
alle Niveaus
Gesamthaft
Abteilungen 0 6 0 6
Lernende 0 99 0 99

aus der Gemeinde und Nachbargemeinden; Quelle LUSTAT[12]

Lernende mit Wohnort GisikonBearbeiten

Schuljahr
(2015/2016)
Kindergarten Basisstufe Primarschule Sekundarstufe,
Niveau A/B
Sekundarstufe,
Niveau C
Integrierte
Sekundarschule
Gesamthaft
Lernende 1 41 43 14 13 1 113

in der Gemeinde wohnhaft; Quelle LUSTAT[13]

FreizeitangebotBearbeiten

Das Ufer der Reuss, der Gisiker Wald sowie die Naturschutzzone Feldhof bilden Naherholungsgebiete. Im Reusstal sind Wanderungen oder Radtouren und auf dem Fluss Kanufahrten möglich.

In wunderschöner Landschaft gelegen, mit herrlicher Aussicht, ist der neue KneippGarten ein idealer Ausflugstipp alle, die etwas Gutes für ihr persönliches Wohlbefinden tun möchten. Der KneippGarten bietet eine Wassertretanlage, ein Armbad, eine Gussstation und ein Barfusspfad.

BilderBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Barbara Hennig, André Meyer: Die Kunstdenkmäler des Kantons Luzern, Band II: Das Amt Luzern. Die Landgemeinden. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 2009 (Kunstdenkmäler der Schweiz Band 116), ISBN 978-3-906131-90-0, S. 123–128.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Gisikon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach Jahr, Kanton, Bezirk, Gemeinde, Bevölkerungstyp und Geschlecht (Ständige Wohnbevölkerung). In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 31. August 2018, abgerufen am 30. September 2018.
  2. Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeitskategorie, Geschlecht und Gemeinde (Memento des Originals vom 1. Januar 2015 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bfs.admin.ch (Ständige Wohnbevölkerung)
  3. Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeitskategorie, Geschlecht und Gemeinde (Memento des Originals vom 1. Januar 2015 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bfs.admin.ch (Ständige Wohnbevölkerung)
  4. Quelle:Robert Gubler, Bevölkerungsentwicklung und wirtschaftliche Wandlungen im Kanton Luzern.Schluss Tabelle 1
  5. Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung nach demographischen Komponenten, institutionellen Gliederungen und Staatsangehörigkeit (Bundesamt für Statistik, STAT-TAB)
  6. LUSTAT: Gemeindeprofil Gisikon
  7. LUSTAT: Gemeindeprofil Gisikon
  8. Nationalratswahlen 2015: Stärke der Parteien und Wahlbeteiligung nach Gemeinden. In: Ergebnisse Nationalratswahlen 2015. Bundesamt für Statistik, 2016, abgerufen am 1. Juni 2016.
  9. Peter Giger: Abriss zur Geschichte der Kanti Frauenfeld, Kantonsschule Frauenfeld
  10. Nachruf zu Johann Konrad Egloff, gew. Oberst-Divisionär. (PDF; 2,5 MB) In: Allgemeine Schweizerische Militärzeitung. 8. Januar 1887, S. 1–2, abgerufen am 31. Dezember 2015.
  11. Brücke von Gisikon.
  12. Anzahl Klassen und Lernende
  13. LUSTAT, Seite 239