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Gerbersdorf (Merkendorf)

Ortsteil der Stadt Merkendorf

Gerbersdorf (mundartlich: „gęrwəschdǫrf“[2]) ist ein Ortsteil der Stadt Merkendorf im Landkreis Ansbach in Mittelfranken.

Gerbersdorf
Wappen von Gerbersdorf
Koordinaten: 49° 12′ 51″ N, 10° 43′ 1″ O
Höhe: 440 m ü. NHN
Einwohner: 38 (2015)[1]
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Postleitzahl: 91732
Vorwahl: 09875
Gerbersdorf
Gerbersdorf
Biogasanlage Gerbersdorf

GeografieBearbeiten

LageBearbeiten

Das Dorf liegt am Moosgraben, der im Unterlauf Moosach bezeichnet wird und ein rechter Zufluss des Nesselbachs ist, der wiederum ein linker Zufluss der Altmühl ist.[3]

NachbarorteBearbeiten

In der Umgebung von Gerbersdorf liegen folgende Orte:

Waizendorf
Merkendorf   Wolframs-Eschenbach
Biederbach

GeschichteBearbeiten

Der Ort wurde 1275 als „Gerwigesdorf“ erstmals urkundlich erwähnt. Das Bestimmungswort des Ortsnamens ist der Personenname „Gērwīg“. Eine Person dieses Namens ist als Gründer der Siedlung anzunehmen. Aus dieser Urkunde geht hervor, dass Konrad IV. von Oettingen seine dortigen Güter an den Abt Rudolf vom Kloster Heilsbronn verkaufte.[2]

Laut dem Salbuch der Deutschordenskommende Nürnberg aus dem Jahr 1343 gehörten dem Stadtvogteiamt Eschenbach in Gerbersdorf 1 Lehen.[4]

Im 16-Punkte-Bericht des Oberamts Windsbach aus dem Jahr 1608 werden für Gerbersdorf 7 Mannschaften verzeichnet: 5 Höfe und 1 Gut unterstanden dem Verwalteramt Merkendorf und 1 Hof dem Stadtvogteiamt Eschenbach. Daneben gab es ein kommunales Hirtenhaus. Das Hochgericht übte das brandenburg-ansbachische Kasten- und Stadtvogteiamt Windsbach aus.[5] Laut dem 16-Punkte-Bericht des heilsbronnischen Vogtamts Merkendorf aus dem Jahr 1616 werden die sechs Heilsbronner Anwesen als 3 Höfe, 2 Halbhöfe und 1 Gut qualifiziert.[6] Das Gemeinderecht und den Hirtenstab hatte das Verwalteramt Merkendorf inne.[7]

Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Dorf ganz zerstört und die vier Heilsbronner Güter waren 1635 verödet. Nur ein Mann namens Stephan Hörauf überlebte. Er war nach Merkendorf geflohen.[8]

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Gerbersdorf 10 Haushalte. Das Hochgericht übte das Kasten- und Stadtvogteiamt Windsbach aus, die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das Verwalteramt Merkendorf inne. Die einzelnen Anwesen unterstanden unterschiedlichen Grundherren: 8 Anwesen dem Verwalteramt Merkendorf und 2 Anwesen dem Stadtvogteiamt Eschenbach. Neben den Haushalten gab es noch das Hirtenhaus, das ein kommunales Gebäude war.[9]

1806 kam Gerbersdorf zum Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde im Jahr 1808 der Steuerdistrikt Gerbersdorf gebildet, zu dem Adelmannsdorf, Biederbach, Gerbersdorf, Waizendorf und Weißbachmühle gehörten. Die Ruralgemeinde Gerbersdorf wurde im Jahr 1810 gegründet[10] und war deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt Gerbersdorf. Sie unterstand in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Heilsbronn und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Windsbach. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) erfolgte die Aufspaltung der Ruralgemeinde Gerbersdorf in

  • Ruralgemeinde Biederbach;
  • Ruralgemeinde Gerbersdorf mit Waizendorf und Weißbachmühle[11];
  • Ruralgemeinde Selgenstadt mit Adelmannsdorf.

Ab 1857 bis 1862 wurde Gerbersdorf vom Landgericht Gunzenhausen verwaltet, seit 1862 vom Bezirksamt Gunzenhausen (1938 in Landkreis Gunzenhausen umbenannt) und seit 1865 vom Rentamt Gunzenhausen (1920 in Finanzamt Gunzenhausen umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb von 1862 bis 1879 beim Landgericht Gunzenhausen, seit 1880 beim Amtsgericht Gunzenhausen.[12] Die Gemeinde hatte eine Gebietsfläche von 4,048 km².[13]

Gerbersdorf blieb im Zweiten Weltkrieg verschont, obwohl im nahen Merkendorf heftige Kämpfe tobten.

Im Zuge der Gemeindegebietsreform wurde mit Beschlüssen vom 17. Januar 1972 des Gerbersdorfer Gemeinderates und der Regierung von Mittelfranken die Gemeinde geteilt: Gerbersdorf kam zum 1. Juli 1972 nach Merkendorf, der Ortsteil Waizendorf zur Nachbarstadt Wolframs-Eschenbach.[14]

An der Gemeindeverbindungsstraße nach Waizendorf steht eine 1995 in Betrieb genommene Biogasanlage eines Privatmannes, die neben der Stromerzeugung mehrere Anwesen mit Heizenergie versorgt.[15] 2009 führte die Stadt Merkendorf in Gerbersdorf die Dorferneuerung durch.

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Gemeinde Gerbersdorf

Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970
Einwohner 159 127 139 136 134 148 135 139 141 139 130 125 133 135 150 151 131 132 122 219 198 158 118 119
Häuser[16] 27 26 24 27 26 24 22 22
Quelle [17] [18] [19] [19] [20] [19] [21] [19] [19] [22] [19] [19] [23] [19] [19] [19] [24] [19] [19] [19] [25] [19] [13] [26]

Ortsteil Gerbersdorf

Jahr 001818 001840 001861 001871 001885 001900 001925 001950 001961 001970 001987 001991 002010 002015
Einwohner 68 66 60 65 66 61 60 110 48 51 40 41 33 38
Häuser[16] 11 12 11 13 12 11 10 10
Quelle [17] [18] [20] [21] [22] [23] [24] [25] [13] [26] [27] [28] [29] [1]

BaudenkmälerBearbeiten

  • Haus–Nr. 1: Wohnhaus
  • Haus–Nr. 1a: Fachwerkscheune

Baubeschreibungen: → Liste der Baudenkmäler in Merkendorf (Mittelfranken)#Gerbersdorf

ReligionBearbeiten

Der Ort ist seit der Reformation überwiegend protestantisch. Die Einwohner evangelisch-lutherischer Konfession sind nach Unserer Lieben Frau (Merkendorf) gepfarrt, die Einwohner römisch-katholischer Konfession nach Liebfrauenmünster (Wolframs-Eschenbach).

BürgermeisterBearbeiten

Bürgermeister Amtszeit Anmerkung
Johann Matthias Zippel[18] um 1846 Gerbersdorf
Johann Hausmann[30] um 1856 Waizendorf
Heinrich Uhlmann 1905–1937 Gerbersdorf
Josef Hausmann 1946–1958 Waizendorf
Johann Rühl 1958–1972 Gerbersdorf

Freiwillige Feuerwehr GerbersdorfBearbeiten

Die Freiwillige Feuerwehr Gerbersdorf wurde 1972 aufgelöst und in die Freiwillige Feuerwehr Merkendorf eingegliedert. Sie führt dort eine eigene Löschgruppe.

VerkehrBearbeiten

Gerbersdorf liegt an der Staatsstraße 2220, die nach Merkendorf bzw. nach Wolframs-Eschenbach führt. Gemeindeverbindungsstraßen führen nach Waizendorf zur Kreisstraße AN 58 und zur AN 12 nördlich von Biederbach.

LiteraturBearbeiten

  • Johann Kaspar Bundschuh: Gerbersdorf. In: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken. Band 2: El–H. Verlag der Stettinischen Buchhandlung, Ulm 1800, DNB 790364298, OCLC 833753081, Sp. 300 (Digitalisat).
  • Manfred Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach (= Historischer Atlas von Bayern, Teil Franken. I, 35). Band 2. Michael Laßleben, Kallmünz 2009, ISBN 978-3-7696-6856-8, S. 858, 989–990.
  • Hansgeorg Klauss u. a. (Hrsg.): Der Landkreis Gunzenhausen. Verl. f. Behörden u. Wirtschaft Hoeppner, Aßling-Pörsdorf/Obb. 1966, DNB 456843604, S. 205–206.
  • Wilhelm Koch, Heinrich Helmreich: Der Stadtteil Gerbersdorf. In: Merkendorf – Historische Kleinstadt im Fränkischen Seenland. Merkendorf 1988, S. 335.
  • Georg Muck: Geschichte von Kloster Heilsbronn von der Urzeit bis zur Neuzeit. Band 2. Verl. für Kunstreprod. Schmidt, Neustadt an der Aisch 1993, ISBN 3-923006-90-X, S. 444 (Erstausgabe: Beck, Nördlingen 1879).
  • Robert Schuh: Gunzenhausen (= Historisches Ortsnamenbuch von Bayern. Band 5). Michael Laßleben, Kallmünz 1979, ISBN 978-3-7696-9922-7, S. 105.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Gerbersdorf (Merkendorf) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Altmühl-Bote von Freitag, 13. Februar 2015: Erich Neidhardt: „,Vernünftige Innenentwicklung'“
  2. a b R. Schuh, S. 105.
  3. Gerbersdorf im BayernAtlas
  4. Staatsarchiv Nürnberg, Reichsstadt Nürnberg, Salbuch 134 (= Gerhard Pfeifer (Bearb.): Die ältesten Urbare der Deutschordenskommende Nürnberg, Neustadt/Aisch 1981, S. 55–78). Zitiert nach M. Jehle, Bd. 1, S. 531.
  5. Staatsarchiv Nürnberg, 16-Punkte-Berichte 43/1, 16. Zitiert nach M. Jehle, Bd. 2, S. 730.
  6. Staatsarchiv Nürnberg, 16-Punkte-Berichte 25, 19. Zitiert nach M. Jehle, Bd. 2, S. 741.
  7. M. Jehle, Bd. 2, S. 743.
  8. G. Muck, Bd. 2, S. 444.
  9. M. Jehle, Bd. 2, S. 858.
  10. Staatsarchiv Nürnberg, Regierung von Mittelfranken, Kammer des Inneren, Abgabe 1952, 3850: Formation der Municapial- und Ruralgemeinden im Landgericht Heilsbronn 1810. Zitiert nach M. Jehle, Bd. 2, S. 963 (dort jedoch fehlerhaft wiedergegeben).
  11. Wird in dem Adreß- und statistisches Handbuch für den Rezatkreis im Königreich Baiern. Kanzlei Buchdruckerei, Ansbach 1820, S. 43 (Digitalisat). noch der Gemeinde Gerbersdorf zugerechnet. 1824 zur Munizipalgemeinde Merkendorf gehörig (M. Jehle, Bd. 2, S. 1000).
  12. M. Jehle, Bd. 2, S. 989.
  13. a b c Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, Abschnitt II, Sp. 784 (Digitalisat).
  14. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 477.
  15. Infotafel an der Biogasanlage.
  16. a b Es werden nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840, 1852 als Häuser, 1871 bis 1987 als Wohngebäude.
  17. a b Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise nach seiner durch die neueste Organisation erfolgten Constituirung enthaltenen Ortschaften: mit Angabe a. der Steuer-Distrikte, b. Gerichts-Bezirke, c. Rentämter, in welchen sie liegen, dann mehrerer anderer statistischen Notizen. Ansbach 1818, S. 29 (Digitalisat). Für die Gemeinde Gerbersdorf zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Wa(i)zendorf (S. 100).
  18. a b c Eduard Vetter (Hrsg.): Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Selbstverlag, Ansbach 1846, S. 147 (Digitalisat).
  19. a b c d e f g h i j k l m n Historisches Gemeindeverzeichnis. Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952. In: Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 192. München 1953, S. 173, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066439-3 (Digitalisat).
  20. a b Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 1034, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  21. a b kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. München 1877, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen von 1871), Sp. 1199, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  22. a b Karl von Rasp: Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. Hrsg.: K. Bayer. Statistisches Bureau. München 1888, Abschnitt III, Sp. 1130 (Digitalisat).
  23. a b K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 1198 (Digitalisat).
  24. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, Abschnitt II, Sp. 1236 (Digitalisat).
  25. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, Abschnitt II, Sp. 1067 (Digitalisat).
  26. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, S. 170 (Digitalisat).
  27. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, S. 329 (Digitalisat).
  28. Karl Huber: Gemeindedaten zum 1. Januar 1991. In: Festschrift zur Einweihung des Rathauses und des Krautbrunnens - Stadt Merkendorf - 25. Oktober 1991. Merkendorf 1991, S. 22.
  29. Fränkische Landeszeitung von Mittwoch, 4. August 2010: Karl Huber: „Heimattreffen in Gerbersdorf“
  30. Eduard Vetter (Hrsg.): Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Brügel’sche Officin, Ansbach 1856, S. 180 (Digitalisat).