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Das geometrische Mittel der Längen l1 und l2 ist die Länge lg.[1][2] In diesem Beispiel steht l2 im Punkt B senkrecht zu l1; Animation siehe hier.

Das geometrische Mittel oder die mittlere Proportionale ist derjenige Mittelwert, den man mithilfe der -ten Wurzel aus dem Produkt der betrachteten positiven Zahlen erhält. Das geometrische Mittel ist stets kleiner oder maximal gleich dem arithmetischen Mittel. Verwendung findet es u. a. in der Statistik, Finanzen und auch in geometrischen Konstruktionen, wie sie z. B. in Anwendungsbeispiele aufgeführt sind.

Die zwei Zahlen 1 und 2 haben zum Beispiel den geometrischen Mittelwert     (arithmetisches Mittel = 1,5;  die größere Zahl, hier: 2, wird beim geometrischen Mittel geringer bewertet).

Inhaltsverzeichnis

DefinitionBearbeiten

Das geometrische Mittel der   Zahlen   (mit   für alle  ) ist gegeben durch die  -te Wurzel des Produkts der   Zahlen:

 

EigenschaftenBearbeiten

Im Gegensatz zum arithmetischen Mittel ist das geometrische Mittel nur für nichtnegative Zahlen   definiert und meistens nur für echt positive reelle Zahlen sinnvoll, denn wenn ein Faktor gleich null ist, ist schon das ganze Produkt gleich null. Für komplexe Zahlen wird es nicht eingesetzt, da die komplexen Wurzeln mehrdeutig sind.

Die Ungleichung vom arithmetischen und geometrischen Mittel besagt, dass

 ,

also dass das geometrische Mittel nie größer als das arithmetische Mittel ist.

Der Logarithmus des geometrischen Mittels ist das arithmetische Mittel der Logarithmen, wobei die Basis   des Logarithmus beliebig gewählt werden darf:

 

woraus sich eine praktikable Rechenmethode für große   ergibt.

Analog zum gewichteten arithmetischen Mittel lässt sich ein mit den Gewichten   gewichtetes geometrisches Mittel definieren:

 

wobei  . Das arithmetisch-geometrische Mittel ist eine Zahl, die zwischen dem arithmetischen und geometrischen Mittel liegt.

Außerdem gilt für   und  

 

mit dem arithmetischen und dem harmonischen Mittel.

AnwendungsbeispieleBearbeiten

Bei der geometrischen Mittelwertbildung aus zwei Werten weichen beide Werte vom Mittelwert um denselben Faktor ab. Dies ist beim arithmetischen Mittel nicht der Fall. So ergibt sich aus 1 und 9 das arithmetische Mittel 5. Dabei ist die 1 vom Mittelwert 5 um Faktor 5 entfernt, während die 9 lediglich um Faktor 1,8 davon entfernt liegt. Das geometrische Mittel aus 1 und 9 hingegen ergibt den Mittelwert 3. Sowohl der niedrige Wert "1" wie auch der hohe Wert "9" sind vom Mittelwert 3 um Faktor 3 entfernt. Der Unterschied zwischen arithmetischem und geometrischem Mittelwert kann beträchtlich sein, was in der Praxis unter Umständen zur Fehlinterpretation von Durchschnittsangaben führt. So ergeben sich beispielsweise aus 0,02 und 10 die Mittelwerte 5,01 (arithmetisch) und 0,45 (geometrisch).

Beispiele:

  • Das geometrische Mittel zweier Werte   ist  , z. B. von   und  :  .
  • Von einer 0,1 molaren Lösung und einer 10 molaren Lösung werden Eigenschaften bestimmt, die sich konzentrationsabhängig einem linearen Zusammenhang folgend verändern. Um eine Lösung zu erhalten, die durchschnittliche Eigenschaften besitzt, muss das geometrische Mittel gebildet werden, das in diesem Fall = 1 ist. Der arithmetische Mittelwert hingegen würde eine 5,05 molare Lösung beschreiben, die vorwiegend die Eigenschaften der 10 molaren Lösung aufweist, sich also gar nicht durchschnittlich verhält.
  • Dem Goldenen Schnitt liegt das geometrische Mittel zugrunde.
  • Sowohl in der Näherungskonstruktion der Quadratur des Kreises nach S. A. Ramanujan (1914) als auch in der Konstruktion des Siebzehnecks aus dem Jahr 1818 (Siebzehneck / Siehe auch) findet das geometrische Mittel Anwendung.
  • Ein Guthaben   wird im ersten Jahr mit zwei Prozent, im zweiten Jahr mit sieben und im dritten Jahr mit fünf Prozent verzinst. Welcher über die drei Jahre konstante Zinssatz   hätte zum Schluss das gleiche Kapital ergeben?

Guthaben   am Ende des dritten Jahres:

 

oder mit Zinsfaktoren geschrieben

 

Mit konstantem Zinssatz   und zugehörigen Zinsfaktor   ergibt sich am Ende ein Guthaben von

 

Mit   ergibt sich

 

und damit berechnet sich der durchschnittliche Zinsfaktor   zu

 

Der durchschnittliche Zinssatz beträgt also ca.  . Allgemein berechnet sich der durchschnittliche Zinsfaktor also aus dem geometrischen Mittel der Zinsfaktoren der einzelnen Jahre. Wegen der Ungleichung vom arithmetischen und geometrischen Mittel ist der durchschnittliche Zinssatz kleiner oder bestenfalls gleich dem arithmetischen Mittel der Zinssätze, welches in diesem Beispiel   beträgt.

Geometrische InterpretationBearbeiten

Das geometrische Mittel zweier Zahlen   und   liefert die Seitenlänge eines Quadrates, das den gleichen Flächeninhalt hat wie das Rechteck mit den Seitenlängen   und  . Diese Tatsache wird durch die geometrische Quadratur des Rechtecks veranschaulicht.

Genauso entspricht das geometrische Mittel bei drei Zahlen der Seitenlänge eines Würfels, der volumengleich ist zu dem Quader mit den drei Seitenlängen, und entsprechend im  -dimensionalen bei   Zahlen den Seitenlängen von Hyperwürfeln.

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten