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Die Fokker 50, kurz auch F50, ist ein Turboprop-Flugzeug mittlerer Größe des niederländischen Flugzeugbauers Fokker für Passagier- und Frachttransporte auf Kurzstrecken.

Fokker 50
Ehemalige Fokker F50 der SAS Scandinavian Airlines
Typ: Regionalverkehrsflugzeug
Entwurfsland:

NiederlandeNiederlande Niederlande

Hersteller:

Fokker

Erstflug: 28. Dezember 1985
Indienststellung: 1987
Produktionszeit:

1987–1996

Stückzahl: 213

Sie wurde von 1987 bis 1996 produziert und wird noch heute bei einigen Fluggesellschaften, darunter Palestinian Airlines und CityJet, eingesetzt. Andere Fluggesellschaften, wie beispielsweise KLM, Ethiopian Airlines und Air Baltic, haben sie bereits ausgemustert.

In Deutschland wurde sie von Contact Air und DLT eingesetzt.

Insgesamt sind mit Stand Dezember 2012 noch 129 von 213 gebauten F50 im aktiven Dienst.[1]

Der Prototyp der Fokker 50 mit dem Kennzeichen PH-OSI steht im Luftfahrtmuseum Aviodrome in Lelystad.

VersionenBearbeiten

 
Fokker 50 der KLM
 
Cockpit einer Fokker 50
 
Passagierkabine einer Fokker 50

Fokker 50Bearbeiten

Die Fokker 50 ist der Nachfolger der Fokker F-27, von der jedoch nur wenige Teile übernommen wurden – die Fokker 50 ist größtenteils neu entwickelt worden. Ihren Jungfernflug absolvierte die Fokker 50 im Jahr 1985. Sie wird von zwei Turboprop-Triebwerken Pratt & Whitney-PW-125-B angetrieben. Je nachdem in welcher Konfiguration das Flugzeug ausgestattet wurde, finden bis zu 60 Personen in der Flugzeugkabine Platz. Markantes Merkmal ist u. a. der ständig rußgeschwärzte Bereich am hinteren Teil der Triebwerke, der aufgrund der ungünstigen Lage der Abgasanlage ständig von Abgasen umströmt ist.

Fokker 50 FreighterBearbeiten

Als Fokker 50 Freighter werden zu Frachtmaschinen umgebaute Fokker 50 bezeichnet. Zwei davon wurden im Januar 2008 von der italienischen Frachtfluggesellschaft MiniLiner in Dienst gestellt. Dazu wurden die Maschinen mit zwei großen Ladeluken ausgerüstet. Die Kapazität der Maschinen liegt bei 7,7 t Fracht und einem Ladevolumen von 60 m³. Die Reichweite wird mit 1.750 km bei einer Nutzlast von 6,5 t angegeben.[2]

Fokker 60Bearbeiten

Die Fokker 60 ist eine um 1,62 m gestreckte, in der Struktur verstärkte und mit einer großen Ladeluke auf der rechten Seite (hinter dem Cockpit) ausgestattete militärische Variante der Fokker 50. Sie hatte am 2. November 1995 ihren Erstflug und war zusätzlich mit militärischem Equipment wie Türen für Fallschirmspringer, einer APU und ECM-/IR-Warnanlagen sowie Störkörperwerfern ausgestattet. Das Flugzeug wurde ab 1994 auf Wunsch der Koninklijke Luchtmacht entwickelt. Diese erhielt 1996 vier Maschinen dieses Typs, eine fünfte im Bau befindliche wurde durch die Insolvenz des Unternehmens nicht fertiggestellt. In zwei der Maschinen wurde 2005 ein APS-143-Suchradar für maritime Zwecke eingebaut. Seit 2010 sind alle vier gebauten Fokker 60 bei der Peruanischen Marine in Betrieb.[3]

BetreiberBearbeiten

Von 213 produzierten Fokker 50 sind mit Stand August 2018 noch rund 140 Maschinen zugelassen. Die weltweit größten Betreiber sind Amapola Flyg mit 16, Skyward Express mit 12 sowie die Luftstreitkräfte Singapurs mit 9 Maschinen.[4]

ZwischenfälleBearbeiten

Vom Erstflug 1985 bis Juli 2018 kam es mit Fokker 50/60 zu 14 Totalschäden von Flugzeugen. Bei fünf davon kamen 108 Menschen ums Leben.[5] Auszüge:

  • Am 15. September 1995 stürzte eine Fokker 50 der Malaysia Airlines (Luftfahrzeugkennzeichen 9M-MGH) während eines misslungenen Durchstartmanövers am Flughafen Tawau (Borneo, Malaysia) in bewohntes Gebiet. Das Durchstarten war eingeleitet worden, weil die Maschine zuvor erst 500 Meter vor dem Landebahnende aufgesetzt worden war. Von den 53 Menschen an Bord starben 34.[6]
  • Am 6. November 2002 stürzte eine Fokker 50 der Luxair (LX-LGB) in dichtem Nebel aus Berlin-Tempelhof kommend beim Anflug auf die Landebahn 24 kurz vor dem Flughafen Luxemburg auf ein Feld nahe Niederanven. Dabei kamen 20 Menschen, unter ihnen der luxemburgische Maler Michel Majerus, ums Leben. Lediglich der Kapitän und ein Passagier überlebten den Absturz schwerverletzt (siehe auch Luxair-Flug 9642).[7]
  • Am 10. Februar 2004 verunglückte eine Fokker 50 der Kish Air (EP-LCA) beim Landeanflug auf den Flughafen Schardscha in den Vereinigten Arabischen Emiraten, wobei 43 der 46 Insassen starben.[8]
  • Am 4. März 2013 stürzte eine Fokker 50 der CAA – Compagnie Africaine d’Aviation (9Q-CBD) im Landeanflug bei schlechtem Wetter in Goma ab. Bei der Bruchlandung starben sieben Menschen; drei der zehn Insassen der aus Lodja kommenden Maschine überlebten den Absturz.[9]
  • Am 2. Juli 2014 kollidierte eine Fokker 50 der Skyward International Aviation (5Y-CET) mit vier Personen an Bord unmittelbar nach dem Start in Nairobi mit einem Gebäude. Gemäß dem Flugschreiber halbierte sich die Drehzahl eines Motors und die Flugunfalluntersuchung ergab, dass die Fokker um 500 kg überladen war. Keine der vier Personen an Bord überlebte den Unfall.[10]

Technische DatenBearbeiten

 
Der Prototyp PH-OSI
Kenngröße Daten der Fokker 60UTA-N[11]
Besatzung 3
Nutzlast 60 Passagiere oder 7325 kg Fracht
Länge 28,87 m
Spannweite 29,0 m
Höhe 8,32 m
Flügelfläche 70 m²
Leermasse 13,375 t
max. Startmasse 22,95 t
Reisegeschwindigkeit 471 km/h
Höchstgeschwindigkeit 532 km/h
Gipfelhöhe 7600 m
Reichweite 2400 km
Antrieb zwei Turboprop Pratt & Whitney Canada PW127B mit je 2050 kW

WeblinksBearbeiten

  Commons: Fokker 50 – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. ch-aviation.ch – Aircraft (englisch) abgerufen am 20. Dezember 2012
  2. FlugRevue, 2/2008, S. 14
  3. https://www.planespotters.net/operators/Fokker/F50/F60
  4. https://www.planespotters.net/operators/Fokker/F50
  5. Unfallstatistik Fokker 50, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 2. März 2019.
  6. Unfallbericht Fokker 50 9M-MGH, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 6. Januar 2019.
  7. mt.public.lu – FINAL REPORT (REVISED ISSUE) (englisch; PDF; 17,4 MB), abgerufen am 2. März 2019
  8. Flugunfalldaten und -bericht Fokker 50, EP-LCA im Aviation Safety Network, abgerufen am 2. März 2019
  9. Flugunfalldaten und -bericht Fokker 50, 9Q-CBD im Aviation Safety Network, abgerufen am 2. März 2019
  10. Flugunfalldaten und -bericht Fokker 50 5Y-CET im Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 2. März 2019
  11. FliegerRevue, 2/2008, S. 67, ISSN 0941-889X

Siehe auch: Liste von Flugzeugtypen