Air Baltic

Lettische Fluggesellschaft

Air Baltic (Eigenschreibweise airBaltic) ist die staatliche Fluggesellschaft Lettlands mit Sitz in Riga und Basis auf dem Flughafen Riga. Im Jahre 2017 hatte die Air Baltic mit gut 90 % Pünktlichkeit (definiert als „weniger als 15 Minuten Verspätung“) die beste Pünktlichkeitsquote aller Fluggesellschaften weltweit.[4]

Air Baltic Corporation AS
Logo der Air Baltic
AirBaltic CS300 Bombardier YL-CSA (30966048910).jpg Airbus A220-300 der Air Baltic
IATA-Code: BT
ICAO-Code: BTI
Rufzeichen: AIRBALTIC
Gründung: 1995
Sitz: Riga, LettlandLettland Lettland
Drehkreuz:

Flughafen Riga

Heimatflughafen: Flughafen Riga
Unternehmensform: AS
IATA-Prefixcode: 657
Leitung: Martin Gauss
Mitarbeiterzahl: > 1500[1]
Umsatz: 286 Mio. Euro (2016)[2]
Fluggastaufkommen: 3,5 Millionen (2017)[3]
Vielfliegerprogramm: BalticMiles
Flottenstärke: 39 (+ 28 Bestellungen)
Ziele: national und international
Website: www.airbaltic.com

GeschichteBearbeiten

Gründung und erste JahreBearbeiten

 
Avro RJ70 der Air Baltic im Jahr 2002

Air Baltic entstand als neue nationale lettische Fluggesellschaft durch den Zusammenschluss der privaten Baltic International und der staatlichen Latavio – Latvian Airlines im September 1995. An dem neuen Unternehmen war der lettische Staat mit einer Kapitalmehrheit von 51 % beteiligt. Weitere Teilhaber waren Baltic International, SAS Scandinavian Airlines und zwei Investmentfirmen. Erstes Flugzeug der neuen Gesellschaft war eine Saab 340, der im Frühjahr 1996 drei Avro RJ70 folgten. Die Übernahme der früheren Latavio-Routen konnte erst nach der langwierigen Abwicklung dieser Fluggesellschaft im Jahr 1998 durchgeführt werden, weswegen Air Baltic bis dahin in ihren strategischen Entwicklungsmöglichkeiten eingeschränkt war.

Nach dem Ausstieg der Baltic International zum Jahresende 1998 übernahm SAS im Januar 1999 deren Anteile und transferierte einige Fokker 50 für den Einsatz auf den Routen von Riga nach Kopenhagen und Stockholm. Nach der Umstrukturierung hielt der lettische Staat 52,6 % und Baltic Aviation Systems (BAS) 47,2 % der Anteile.

Von der European Regions Airline Association (ERA) wurde Air Baltic zur Fluggesellschaft des Jahres 2009/10 gewählt. Air Transport World, das bedeutendste Magazin der Branche, verlieh Air Baltic 2010 den Phoenix Award als Anerkennung für die erfolgreiche Umstrukturierung.

2008 gelangten zwei Boeing 757-200, die vorher bei Audeli Air für Iberia im Einsatz standen, zur Flotte. Die beiden Flugzeuge wurden mit Winglets ausgerüstet und einzeln in den Jahren 2011 und 2012 an TonleSap Airlines abgegeben.

Im Juni 2010 wurde eine neue Basis in Tallinn eröffnet, Air Baltic war damit erstmals in allen baltischen Staaten – Estland, Lettland und Litauen – vertreten. Allerdings wurden seitdem sowohl in Tallinn als auch in Vilnius, wo bereits zuvor eine Basis bestand, die Basen wenigstens zeitweilig wieder aufgegeben.

Finanzaffäre und VerstaatlichungBearbeiten

 
Ehemalige Boeing 737-300 der Air Baltic

Im Jahr 2011 geriet Air Baltic zunehmend in Liquiditätsprobleme. Die lettische Regierung (Kabinett Dombrovskis II) machte die Gewährung eines Kredits zur Erhöhung des Grundkapitals jedoch vom Rücktritt des Geschäftsführers Bertolt Flick abhängig, dem intransparente Methoden vorgeworfen wurden. Im Juni 2011 bezichtigte Flick auf einer Pressekonferenz seinerseits die Regierung, den Wert des Unternehmens durch eine Schmutzkampagne zu reduzieren, um so die Staatsanteile noch vor den Parlamentswahlen zur 11. Saeima verkaufen zu können.[5] Im September kam es zu einem Affront, als kurzfristig mehrere Flüge der Air Baltic abgesagt wurden. Unter den Betroffenen befand sich der lettische Staatspräsident Andris Bērziņš, der nach seinem Antrittsbesuch bei der Europäischen Union in Brüssel einen Tag unfreiwilligen Aufenthalt hatte. Am 16. September, dem Tag vor der Parlamentswahl 2011, kam es laut einem Sprecher des Haupteigentümers BAS zu einer Einigung über die Geldzuschüsse.[6]

Am 21. September 2011 meldete Air Baltic wegen eines Defizits von etwa 84 Mio. Euro unter Aufrechterhaltung des Flugbetriebs Insolvenz an.[7] Am 27. November gab die lettische Regierung (Kabinett Dombrovskis III) eine Erhöhung des Grundkapitals bekannt.[8] Der Staat sollte hierbei 57,6 Millionen Lats, die BAS 50 Millionen Lats investieren. Zu den Voraussetzungen der Einigung gehörte unter anderem der Rücktritt Flicks aus der Geschäftsführung. Anfang Dezember 2011 übte die lettische Regierung ihr Vorkaufsrecht aus und übernahm 99,8 % der Anteile an Air Baltic von BAS. Diese wurde somit verstaatlicht.[9]

Im Februar 2012 wurde Air Baltic von FlightStats als pünktlichste regionale Fluggesellschaft Europas ausgezeichnet.[10]

Für Herbst 2013 kündigte die Gesellschaft die Ausmusterung ihrer letzten Fokker 50 an. Mittelfristig solle die Flotte ausschließlich aus den beiden Flugzeugtypen De Havilland DHC-8-400 und Airbus A220-300 bestehen.[11] Air Baltic erhielt ihre erste A220-300 am 1. Dezember 2016 und ist damit Erstkunde dieser Version.[12]

Im November 2015 verkaufte die lettische Regierung ein Fünftel der Aktien an den deutschen Investor Ralf-Dieter Montag-Girmes. Dieser verkaufte die Aktien im April 2017 an die dänische Charterfluggesellschaft Jet Time, die gelegentlich Flüge für Air Baltic durchführt.[13]

Im April 2020 beschloss Air Baltic im Zuge der COVID-19-Pandemie und den erwarteten Auswirkungen einen neuen Geschäftsplan.[14][15]

Im Mai 2020 beschloss die Regierung Lettlands eine Investition von 250 Millionen Euro in das Eigenkapital. Es dient zur Überwindung der COVID-19-Pandemie bedingten Finanzlage und der Umsetzung des neuen Geschäftsplans.[16] Die Wettbewerbshüter der EU-Kommission genehmigten diese staatliche Finanzspritze Anfang Juli.[17]

FlugzieleBearbeiten

 
Flugziele der Air Baltic (2012)

Air Baltic bedient von Riga aus Städte- und Urlaubsziele in ganz Europa sowie in Vorderasien und dem Nahen Osten.[18]

Im deutschsprachigen Raum werden von Riga aus Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Genf, Hamburg, München, Stuttgart, Wien und Zürich angeflogen. Ab dem 21. Dezember 2019 soll auch die Landeshauptstadt Salzburg mit Riga verbunden werden.[19]

Von Tallinn aus gab es mit Stand April 2019 Direktflüge nach Amsterdam, Berlin, Brüssel, Kopenhagen, London, Malaga, Oslo, Paris, Riga, Stockholm, Vilnius und Wien.[20]

Von Vilnius aus gab es mit Stand April 2019 Direktflüge nach Amsterdam, Berlin, München, Paris, Riga und Tallinn.[21]

FlotteBearbeiten

 
De Havilland Canada DHC-8-400 der Air Baltic
 
Airbus A220-300 der Air Baltic

Aktuelle FlotteBearbeiten

Mit Stand September 2020 besteht die Flotte der Air Baltic aus 22 Flugzeugen mit einem Durchschnittsalter von 6,4 Jahren:[22]

Flugzeugtyp Anzahl bestellt Anmerkungen Sitz­plätze[23] Durchschnittsalter

(Juni 2020)[22]

Airbus A220-300 23 28 + 30 Optionen, derzeit 8 abgestellt[22] 145 02,0 Jahre
Boeing 737-300 04 149 21,3 Jahre
De Havilland DHC-8 12 076 09,5 Jahre
Gesamt 39 28 06,4 Jahre

Air Baltic plant, nach der COVID-19-Pandemie bedingten Pause für zwei Jahre nur noch eine Flotte über 22 Airbus A220-300 zu betreiben.[14] Ab 2023 sollen dann die verbleibenden weitere 28 Airbus A220-300 eingeflottet werden.[15]

 
Ehemalige Boeing 757-200 der AirBaltic

Historische FlotteBearbeiten

In der Vergangenheit setzte Air Baltic bereits folgende Flugzeuge ein:[22]

Flugzeugtyp Anzahl Dauer
Boeing 737-500 11 2003–2019
Boeing 757-200 2 2013–2014
British Aerospace 146-200 1 1995–1996
British Aerospace Avro RJ70 3 1996–2005
Fokker F50 10 1998–2014
Saab 340 1 1996–1999

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: AirBaltic – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Grundlegende Informationen airbaltic.com, abgerufen am 3. Juni 2019
  2. airbaltic.com: airBaltic – Growth and Profit in 2016
  3. Air Baltic kauft bis zu 60 weitere C-Series, abgerufen am 31. Mai 2018
  4. Timo Kotowski: Die Air Baltic fliegt am pünktlichsten. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 9. Januar 2018, S. 18.
  5. airline-bewertungen.eu – Air Baltic / Bertolt Flick: Allein gegen die Mafia?, 18. Juni 2011, abgerufen am 17. September 2011
  6. apollo.lv – BAS piekrīt valdības izvirzītajiem nosacījumiem (Memento vom 2. Dezember 2011 im Internet Archive) (lettisch; apollo.lv, 16. September 2011: BAS stimmt den von der Regierung festgelegten Bedingungen zu), abgerufen am 3. Juni 2019
  7. airliners.de – Air Baltic flüchtet in Gläubigerschutz, abgerufen am 23. September 2011
  8. bizness.delfi.lv – airBaltic sāga: valdība gatava ieguldīt lidsabiedrībā 57,6 miljonus latu, BAS – 50 miljonus latu (lettisch), 27. September 2011
  9. airliners.de – Lettland übernimmt Air Baltic, 1. Dezember 2011
  10. business-traveler.eu – Air Baltic: Europas pünktlichste Airline, 24. Februar 2012, abgerufen am 29. Mai 2015
  11. austrianaviation.net – Air Baltic stockt DHC-8-400-Flotte auf, abgerufen am 4. September 2013
  12. aerotelegraph.com – Große C-Series bald in München, Frankfurt und Wien, abgerufen am 24. November 2016
  13. aerotelegraph.com – Air Baltic hat neuen Aktionär, abgerufen am 14. April 2017
  14. a b Air Baltic beschließt neuen Business Plan und zweijährige Flottenreduzierung. In: airliners.de. 24. April 2020, abgerufen am 25. April 2020.
  15. a b Air Baltics Post-Krisen-Strategie steht. 24. April 2020, abgerufen am 26. April 2020.
  16. Air Baltic bekommt 250 Millionen Euro vom Staat. In: aeroTELEGRAPH. 8. Mai 2020, abgerufen am 10. Mai 2020.
  17. Mitteilung der EU-Kommission vom 3. Juli 2020.
  18. airbaltic.com – Reiseziele
  19. Reiseziele, abgerufen am 25. April 2019.
  20. Direct routes from Tallinn, abgerufen am 25. April 2019.
  21. Direct routes from Vilnius, abgerufen am 25. April 2019
  22. a b c d Air Baltic Fleet Details and History. In: planespotters.net. 24. September 2020, abgerufen am 27. September 2020 (englisch).
  23. airbaltic.com – Flotte, abgerufen am 29. Mai 2017