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Ferdinand Magellan

portugiesischer Seefahrer
Ferdinand Magellan. Anonymes Porträt aus dem 16. oder 17. Jahrhundert, Marinemuseum, Newport News

Ferdinand Magellan, portugiesisch Fernão de Magalhães, Aussprache: [fɨr'nãu̯ dɨ mɐɣɐ'ʎãi̯ʃ], spanisch Fernando de Magallanes (* vor 1485[1] vermutlich in Vila Nova de Gaia, Portugal; † 27. April 1521 auf Mactan, Philippinen) war ein portugiesischer Ritter und Seefahrer, der im Auftrag der spanischen Krone eine Westroute zu den Gewürzinseln finden sollte und dabei zum Initiator der ersten historisch belegten Weltumsegelung wurde. Diese erbrachte den letztgültigen, praktischen Beweis für die Kugelgestalt der Erde.

Mit Magellan als Generalkapitän stachen am 20. September 1519 fünf Schiffe von Sanlúcar de Barrameda aus in See. Er und seine Crew entdeckten Ende 1520 die Magellanstraße und überquerten anschließend als erste Europäer den Pazifik. Nachdem sie die heutigen Philippinen erreicht hatten, fiel Magellan im Kampf mit Kriegern der Visayas. Unter dem Kommando von Juan Sebastián Elcano kehrte nur ein einziges Schiff von Magellans Flotte, die Victoria, über die Route um das Kap der Guten Hoffnung am 6. September 1522 nach Sanlúcar zurück. Von den mehr als 240 Mann der ursprünglichen Besatzung, schafften nur 35 die Erdumrundung. Insgesamt gelangten nur etwa 90 von ihnen lebend wieder nach Spanien. Die Geschichte der ersten Reise um die Welt wurde vor allem durch den Bericht Antonio Pigafettas, eines der Überlebenden, bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Herkunft und FamilieBearbeiten

Über Magellans Kindheit und Jugend liegen keine quellenmäßig gesicherten Erkenntnisse vor. Bekannt ist, dass er einer weitverzweigten Adelsfamilie entstammte, die zu den Vasallen der Herzöge von Braganza gehörte. Spätestens seit dem 13. Jahrhundert in Nordportugal ansässig, hatte sie ihren Stammsitz in der Terra da Nóbrega. Als Geburtsort Magellans galt lange die Kleinstadt Sabrosa in der früheren Provinz Trás-os-Montes e Alto Douro. Neuere Quellenfunde[2] deuten indes darauf hin, dass er aus Vila Nova de Gaia kam, unweit der Hafenstadt Porto. Seine Eltern, Rui de Magalhães und Alda de la Mesquita, hatten ihm dort ein Landgut mit Weinbergen, Kastanienhainen und Äckern vermacht, das er vor seiner Expedition im März 1519 seiner damals unverheirateten Schwester Isabel überschrieb. Als weitere Geschwister hatte er mindestens zwei – vermutlich jüngere – Brüder, Duarte und Diogo de Sousa.[3][4]

Ende 1517 oder Anfang 1518 heiratete Magellan Beatriz Barbosa, eine Sevillanerin portugiesischer Abstammung. Sie gebar ihm 1519 einen Sohn, der auf den Namen Rodrigo getauft wurde. Bei Magellans Abreise im September 1519 war Beatriz abermals schwanger, erlitt jedoch eine Fehlgeburt. Sie verstarb im März 1522, ohne vom Schicksal ihres Mannes erfahren zu haben. Der erstgeborene Rodrigo folgte ihr im Herbst 1522 ins Grab.[5]

Kriegsdienst in Indien und AfrikaBearbeiten

Das älteste historische Dokument, das sich nachweislich auf Magellan bezieht, datiert aus dem Jahr 1505. Es handelt sich um eine Mannschaftsliste der portugiesischen Indien-Armada jenes Jahres unter dem Kommando des Vizekönigs Francisco de Almeida. In dieser Liste werden ein Fernão de Magalhães und dessen Bruder Diogo de Sousa genannt.[6] Beide waren laut dieser Liste "Moradores da Casa del Rey", das heißt Dienstmänner des Königs Manuel I., die für ihren Dienst am Hofe eine geringfügige monatliche Pension bezogen.

Hinweise zu Magellans Aufenthalt in Indien ab 1505 finden sich vor allem bei portugiesischen Historikern des 16. Jahrhunderts wie João de Barros, in der Korrespondenz des zweiten Gouverneurs von Portugiesisch-Indien, Afonso de Albuquerque sowie im portugiesischen Nationalarchiv Torre do Tombo. Magellan nahm an der gewaltsamen Einnahme Mombasas im heutigen Kenia und möglicherweise an der Schlacht von Kannur (1506) teil. 1507 hielt er sich wieder an der ostafrikanischen Küste auf (in Kilwa und auf der Ilha de Moçambique). 1509 kämpfte er in der historisch folgenreichen Seeschlacht von Diu und beteiligte sich am ersten portugiesischen Vorstoß nach Malakka, damals die Drehscheibe des Handels in Südostasien. Dieser Vorstoß scheiterte jedoch. Spätestens auf dieser Fahrt schloss Magellan Freundschaft mit Francisco Serrão, dem er zweimal das Leben rettete. Serrão sollte sich später als erster Europäer auf den Molukken niederlassen und von dort seinen Freund Magellan brieflich über die Lage dieser Inseln und ihren Reichtum an Gewürznelken informieren. Im Winter 1509/10 machte sich Magellan auf dem Heimweg nach Portugal, erlitt aber bei den Bassas de Pedro vor der Westküste Indiens Schiffbruch und musste nach Kannur zurückkehren. Laut Barros fuhr er daraufhin unter dem Kommando Albuquerques abermals nach Malakka und war im Sommer 1511 an der gewaltsamen Eroberung dieser Stadt beteiligt. Danach verläuft sich Magellans Spur in Indien, was Anlass zu einigen Spekulationen gegeben hat, er sei etwa nach China oder mit der Expedition des António de Abreu nach Banda gereist. Für diese Spekulationen gibt es jedoch keine belastbaren Belege.[7]

Magellan muss spätestens mit der Gewürzflotte des Jahres 1513 nach Portugal zurückgekehrt sein, denn bereits Ende August dieses Jahres nahm er unter dem Kommando des Herzogs Jaime de Braganza an einer Strafexpedition gegen die marokkanische Stadt Azemmour teil. Dabei verlor er sein Pferd und wurde am Knie verwundet, sodass er von da an leicht hinkte. In den folgenden drei Jahren scheint er sich abwechselnd in Portugal und Marokko aufgehalten haben, wo er in königlichen Diensten stand und militärische Aufgaben übernahm. Magellan bezog in diesen Jahren weiterhin ein Gehalt am Hof König Manuels I., investierte aber wohl auch in den äußerst lukrativen Gewürzhandel. Das belegen die Akten eines Prozesses, den Magellan mit Erfolg gegen den Kaufmann Pedro Anes Abraldez angestrengt hatte. Dieser war ihm über 200 Cruzados schuldig geblieben, den Gewinn aus einem Gewürzgeschäft, das beide noch in Indien abgeschlossen hatten.[8]

Die Umsegelung der ErdeBearbeiten

Idee und HintergründeBearbeiten

Soweit sich aus den erhaltenen Dokumenten erkennen lässt, hatte Magellan nie die Absicht, die Erde zu umrunden. Der Vertrag, den er am 22. März 1518 mit dem kastilischen König Karl I. schloss, enthielt sogar das implizite Verbot einer Erdumrundung, hätte diese doch die Interessen und Rechte von Karls Onkel und Schwager, des portugiesischen Königs Manuel I. verletzt.[9]

Im Vertrag von Tordesillas hatten die kastilische und die portugiesische Krone den Globus 1494 in zwei Hälften aufgeteilt. Als Demarkationslinie wurde schließlich ein Meridian 370 Leguas westlich der Kapverdischen Inseln festgelegt. Alle Meere, Inseln und Festlande östlich dieses Meridians sollten Portugal, alle westlich davon Kastilien gehören. 1498 erreichte eine portugiesische Flotte unter Vasco da Gama erstmals die Westküste Indiens, und die Portugiesen begannen umgehend, im Indischen Ozean ein Handelsimperium aufzubauen. 1511 eroberten sie das Handelszentrum Malakka auf der Malaiischen Halbinsel und schickten sich an, weiter nach Osten zu expandieren, indem sie eine Expedition zu den Molukken entsandten, damals die einzigen Produzenten von Gewürznelken auf der ganzen Erde[10]

Während die Portugiesen immer weiter nach Osten expandierten, sah Kastilien "seinen", das heißt den westlichen Weg zu den Schätzen Asiens durch eine Landmasse blockiert, deren immense, von der Arktis zur Antarktis reichende Erstreckung sich erst allmählich abzeichnete: Amerika. Seit etwa 1505 entwickelten daher Bischof Juan Rodríguez de Fonseca, im Königlichen Rat von Kastilien für die Kolonialpolitik zuständig, der Seefahrer Vicente Yáñez Pinzón und der später zum Obersten Steuermann ernannte Amerigo Vespucci den Plan, südlich von Brasilien einen Seeweg nach Asien zu suchen.[11] Daraufhin unternahm der portugiesische Steuermann João de Solis im Auftrag der kastilischen Krone mehrere Anläufe, diesen Seeweg ausfindig machen, die jedoch alle scheiterten und 1516 mit Solis' Tod an den Gestaden des Río de la Plata endeten.[12]

Etwa zur selben Zeit ließ der aus Burgos stammende, von Lissabon aus operierende Kaufmann Cristóbal de Haro zwei Schiffe nach Südamerika segeln, die Brasilholz und Sklaven kaufen und die Küste erforschen sollten.[13] Von dieser Expedition gibt ein Nachrichtenblatt Kunde, das zu den ältesten seiner Art in deutscher Sprache gehört. Die "Newe Zeytung aus Presillg Landt" berichtet, Haros Schiffe hätten an der Küste bei etwa 40° Süd eine Meerenge ähnlich wie jene von Gibraltar entdeckt, die auf die Westseite des amerikanischen Kontinents und weiter nach Asien führe.[14] Diese Meeresstraße findet sich kurz darauf auf einem Erdglobus wieder, den der Gelehrte Johannes Schöner aus Karlstadt am Main 1515 anfertigte.

Magellan muss von dieser Unternehmung und ihren (vermeintlichen) Resultaten in Lissabon erfahren haben. Er und Cristóbal de Haro lernten sich dort vermutlich 1515 oder 1516 kennen.[15] Im Sommer 1516 erhielt Magellan Briefe von Francisco Serrão, der sich auf den Molukken niedergelassen hatte und seinem Freund schrieb, dass diese Inseln sehr weit östlich von Malakka lagen, so dass Magellan die Überzeugung gewann, sie lägen in der kastilischen Erdhälfte.[16] Dieselbe Überzeugung teilte der studierte Kosmograph Rui Faleiro, der zudem behauptete, eine zuverlässige Methode entwickelt zu haben, den Längengrad zu messen. Somit würde es möglich sein, die ost-westliche Position der Molukken genau zu bestimmen. Magellan und Faleiro schlossen daraufhin einen Vertrag: Sie vereinbarten dem kastilischen König eine Expedition vorzuschlagen, die die Molukken auf der westlichen Route erreichen und sie für Kastilien in Besitz nehmen sollte.[17] Unterdessen sah sich Cristóbal de Haro wegen geschäftlicher Querelen mit der portugiesischen Krone veranlasst, Portugal ebenfalls zu verlassen; er kehrte spätestens im Frühjahr 1517 nach Kastilien zurück.[18]

Der Vertrag mit dem spanischen KönigBearbeiten

Magellan traf am 20. Oktober 1517 in Sevilla ein[19]. Er kam im Haus des gebürtigen Portugiesen Diogo Barbosa unter, der als Dienstmann eines portugiesischen Exilanten aus dem Hause Braganza die königlichen Schlösser und Werften in Sevilla verwaltete. In diesen Gebäuden hatte damals die Casa de la Contratación, die kastilische Außenhandelsagentur, ihre Räumlichkeiten. Magellan nahm mit deren Faktor Juan de Aranda Kontakt auf. Aranda erbot sich, für Magellan und Faleiro eine Audienz beim neuen König Karl I. zu arrangieren, der sich damals mit seinem Hof in Valladolid aufhielt. Als Gegenleistung forderte Aranda eine Beteiligung an Magellans und Faleiros Unternehmen, worüber ein Vertrag geschlossen wurde[20]. Aranda, Magellan und Faleiro reisten nach Valladolid, wo sie um den 20. Februar herum vom Königlichen Rat und Bischof Juan Rodríguez de Fonseca und von Großkanzler Jean le Sauvage, nach Magellans Aussage später auch von Karl I. persönlich empfangen wurden. In Jean le Sauvages Vorzimmer lief Magellan dem Missionar Bartolomé de las Casas über den Weg, der den Seefahrer in seiner Historia de las Indias als "kleinwüchsig" und "unscheinbar", aber "wacker in seinen Gedanken und zu großen Taten aufgelegt" beschrieb – die einzige erhaltene zeitgenössische Beschreibung von Magellans Erscheinungsbild[21]. Nachdem Magellan und Faleiro ihr Unternehmen präsentiert hatten, wurden sie von Jean le Sauvage aufgefordert, ein Memorandum mit ihren Geschäftsbedingungen vorzulegen[22]. Auf Grundlage dieses Memorandum schloss König Karl I. am 22. März 1518 mit den beiden Unternehmern eine "Kapitulation", das heißt einen Vertrag[23].

Durch die "Kapitulation" vom 22. März 1518 erhielten Magellan und Rui Faleiro von Karl I. den Auftrag, innerhalb der spanischen Welthälfte "Inseln und Festländer zu entdecken, reiche Gewürzvorkommen und andere Dinge". Auf keinen Fall sollten sie im portugiesischen Teil der Erde tätig werden. Als Lohn für ihre "Mühsal und Gefahr" sicherte der König Magellan und Faleiro ein Fünftel vom Reingewinn aus ihrer Unternehmung zu. Er versprach sie zu Gouverneuren über die Länder zu ernennen, die sie entdecken würden. Zudem sollten sie ein Zwanzigstel aller Steuereinnahmen aus diesen Ländern erhalten und jedes Jahr um 1000 Dukaten steuerbegünstigt Handel treiben dürfen. Alle diese Rechte sollten an ihre Erben übergehen, sofern diese in Kastilien geboren und verheiratet wären.

Ferner bestimmte die Kapitulation, dass die Route durch die vermutete Meerenge nach Westen zehn Jahre lang für Magellan und Faleiro reserviert sei und von niemand anderem genutzt werden dürfe. Zur Durchführung ihres Unternehmens sollten den beiden fünf Schiffe von zweimal 130, zweimal 90 und einmal 60 Tonnen Laderaum zur Verfügung gestellt werden, eine Besatzung von 234 Mann sowie Ausrüstung, Artillerie und Proviant für zwei Jahre. Am selben Tag, in gesonderten Urkunden, ernannte der König die beiden Portugiesen zu "Kapitänen sowohl zur See wie an Land" mit einem Jahresgehalt von jeweils 50.000 Maravedis und er bestimmte, dass sie am 25. August 1518 in See stechen sollten.

Ausrüstung der ArmadaBearbeiten

Am Ende sollte es fast ein Jahr länger dauern, bis Magellans Armada bereit zum Auslaufen war. Als Magellan im Mai 1518 in Sevilla eintraf, fand er die Leiter der Casa de la Contratación, die mit der Ausrüstung der Armada betraut worden waren, nicht sehr kooperationsbereit. Sie verlangten genauere Instruktionen, die jedoch wegen einer Epidemie am Königshof monatelang auf sich warten ließen[24]. So konnte erst im Spätsommer 1518 zum Ankauf der Schiffe geschritten werden. Zu diesem Zweck reiste Juan de Aranda nach Cádiz. Unter den dort vor Anker liegenden Handelsschiffen wählte er fünf passende aus und ließ sie – gegen eine Entschädigung – beschlagnahmen.

 
Magellans Schiff Victoria, Detail aus einer Weltkarte des Abraham Ortelius
 
Rekonstruktion der Victoria im Hafen von Nagoya

Dass nicht alle Eigentümer ihre Schiffe freiwillig herausgaben, geht aus einem notariellen Dokument hervor, mit dem zwei baskische Reeder aus Ondarroa am 23. September 1518 gegen die Enteignung ihres Schiffes "Santa María" durch den König protestierten[25][26]. Magellan benannte dieses Schiff später in "Santa María de la Vitoria" um – zu Ehren eines gleichnamigen Klosters des Paulaner-Ordens in Triana, dem er sich besonders verbunden fühlte. Unter der latinisierten Kurzform ihres Namens – Victoria – sollte die Santa María de la Vitoria bald darauf Weltruhm erlangen. Insgesamt schaffte Aranda auftragsgemäß fünf Schiffe an, bei denen es sich allesamt um hochseetüchtige, dreimastige Naos handelte:

Die Generalüberholung der fünf Schiffe, die Magellan persönlich leitete, dauerte bis ins Frühjahr 1519[27]. Alle wurden rundum instand gesetzt, kalfatert, neu getakelt, erhielten neue Segel und eine Schiffsartillerie bestehend aus Bombarden, Falkonetts und Versos (kleinere Version des Falkonetts). Zur Verproviantierung der Besatzung während der Reise wurden eingekauft[28]: 2138 Quintal Zwieback, 508 Fässer Wein, 50 Fanegas Bohnen, 90 Fanegas Kichererbsen, 2 Fanegas Linsen, 48 Quintal "Öl zum Verzehr", 200 Fässer Anchovis und getrockneter Fisch, 57 Quintal getrockneter Speck, sieben Kühe, 984 Laibe Käse, Trinkwasser in Fässern, 21 Arrobas Zucker, 200 Arrobas Essig, 250 Zöpfe Knoblauch, 18 Quintal Rosinen sowie kleinere Mengen Feigen, Mandeln, Honig, getrocknete Pflaumen, Salz, Reis, Senf, Weizenmehl u. a.

Im Frühjahr 1519 geriet Magellans Unternehmen – vermutlich infolge der Kandidatur Karls I. zum Römischen Kaiser, die den Einsatz horrender Summen erforderte – in einen finanziellen Engpass, aus dem es sich erst befreien konnte, als der Kaufmann Cristóbal de Haro als Investor einstieg. Haro finanzierte die Handelswaren (Stoffe und Kleidung, Glasperlen, Spiegel, Kämme, Messer u. dgl. m.), die auf den Molukken gegen Gewürze eingetauscht werden sollten, und steuerte weitere Mittel zur Ausrüstung der Flotte bei. Insgesamt bezifferte sich sein Engagement auf etwa ein Fünftel der Gesamtinvestition in Höhe von 8.334.335 Maravedis oder knapp 22.225 Dukaten[29]. Wahrscheinlich agierte Haro dabei auch als Strohmann für andere Kaufleute; dass auch das Augsburger Handelshaus der Fugger Geld in Magellans Armada investiert hätte, wie oft behauptet wird, lässt sich jedoch nicht beweisen. In dieser Zeit wurden weitere Leitungsposten besetzt: Juan de Cartagena, Oberaufseher der Armada und Kapitän der San Antonio; Antonio de Coca, Buchhalter der Armada; Luis de Mendoza, Schatzmeister der Armada und Kapitän der Vitoria; Gaspar de Quesada, Kapitän der Concepción[30].

Zu einer weiteren Verzögerung kam es im Sommer 1519, weil zu wenige spanische Seeleute bereit waren, an der risikoreichen Fahrt teilzunehmen, und Magellan die Reihen mit portugiesischen Landsleuten auffüllen ließ – was wiederum bei seinen Auftraggebern für Missbehagen sorgte. Sie setzten eine zahlenmäßige Beschränkung für Matrosen und Schiffsjungen aus Portugal durch, doch letztlich konnte Magellan den Konflikt für sich entscheiden. Allerdings opferte er seinen Kompagnon Rui Faleiro, der als zweiter Kapitän neben Magellan abgesetzt und von der Expedition ausgeschlossen wurde[31].

Beginn der ReiseBearbeiten

So konnte die Molukken-Armada am 10. August 1519 endlich von Sevilla ablegen – zunächst allerdings noch ohne Magellan, der am 24. August in Sevilla sein Testament aufsetzen ließ[32]. Die fünf Schiffe fuhren unterdessen den Guadalquivir hinab, an dessen Mündung bei Sanlúcar de Barrameda es zu einem mehr als fünf Wochen langen Aufenthalt kam, weil die Schiffe wegen ihres Tiefgangs nicht voll beladen den Fluss hinabfahren konnten und die Vorräte und Tauschwaren erst per Boot von Sevilla herbeigeschafft werden mussten. Am 20. September 1519 stach die Flotte von Sanlúcar de Barrameda in See.

An seinem Flaggschiff, der Trinidad, ließ Magellan nachts eine Fackel anbringen, damit die anderen Schiffe Sichtkontakt halten konnten. Die Mannschaft bestand aus insgesamt 237[33] (bzw. 239[34], 250[35] oder 265[36]) Mann: zum größten Teil Spanier, aber auch 37 Portugiesen,[37] 26 Italiener,[37] zehn Franzosen,[37] vier Flamen,[37] zwei Griechen,[37] zwei Deutsche,[37] ein Engländer,[37] ein Norweger und Magellans malaiischer Sklave Enrique Melaka als Dolmetscher. Auf den Kanarischen Inseln sollte sich die Zahl auf insgesamt 242 erhöhen, die sich wie folgt auf die fünf Schiffe verteilten:

  • Trinidad (Flaggschiff): 62 Mann Besatzung; Kapitän: Ferdinand Magellan, Steuermann: Estevão Gomes, Meister: Giovanni Battista de Punzorol
  • San Antonio: 57 Mann Besatzung; Kapitän: Juan de Cartagena, Steuermänner: Andrés de San Martín, Juan Rodríguez de Mafra; Meister: Juan de Elorriaga
  • Concepción: 45 Mann Besatzung; Kapitän: Gaspar de Quesada, Steuermann: João Lopes Carvalho, Meister: Juan Sebastián Elcano
  • Victoria: 45 Mann Besatzung; Kapitän: Luis de Mendoza, Steuermann: Vasco Gallego, Meister: Anton Salamon
  • Santiago: 33 Mann Besatzung; Kapitän und Steuermann: Juan Serrano, Meister: Baltasar "der Genuese"

Die Vorbereitungen zur spanischen Molukkenfahrt waren dem portugiesischen König Manuel I. nicht verborgen geblieben. Um die unliebsame Konkurrenz nicht zum Zuge kommen zu lassen, schickte er portugiesische Geschwader nach Brasilien und ans südliche Afrika, um der spanischen Flotte den Weg zu versperren, was jedoch nicht gelang.

SüdamerikaBearbeiten

Magellan segelte zunächst zu den Kanarischen Inseln, wo er am 26. September auf Teneriffa nochmals Vorräte an Bord nahm, und dann weiter die afrikanische Küste entlang bis etwa 8° Nord[38]. Vor Sierra Leone geriet die Armada in eine mehrere Wochen anhaltende Flaute. Als die spanischen Kapitäne daraufhin den Generalkapitän zur Rede stellten, betrachtete Magellan dies als Affront und ließ den Oberaufseher der Armada und Kapitän der San Antonio, Juan de Cartagena, der sich als conjunta persona, als dem Generalkapitän beigeordnet, ihm also ebenbürtig betrachtete und dies in der Auseinandersetzung deutlich machte, festsetzen. An Cartagenas Stelle ernannte Magellan den Buchhalter der Armada, Antonio de Coca, zum Kapitän der San Antonio.

Schließlich gelang doch noch die Überquerung des Atlantik, und am 6. Dezember sichtete die Flotte die südamerikanische Küste, wo sie am 13. Dezember in der Guanabara-Bucht vor Anker ging, die Magellan Bahia de Santa Lucía – nach der Tagesheiligen Santa Lucia – benannte. Dieselbe Bucht hatten die Portugiesen bereits am 1. Januar 1502 erstmals angelaufen und zunächst für einen Fluss gehalten, dem sie den Namen des Heiligen Januarius gaben – das heutige Rio de Janeiro. Die einheimischen Tupis hielten Magellan und seine Begleiter – nach Pigafettas Interpretation – für Götter, denn mit ihrer Ankunft fiel der erste Regen seit langer Zeit. Sie empfingen die Fremden freundlich und trieben Handel mit ihnen. Magellans Flotte blieb zwei Wochen in der Guanabara-Bucht. Am 27. Dezember stach sie wieder in See und steuerte zunächst den Río de la Plata an, damals als Río de Solís (nach João de Solis) bekannt, dessen Mündung sie am 10. Januar 1520 erreichte. Die dort erhoffte Meerenge blieb jedoch unauffindbar. Durch die Erkundung des riesigen Ästuars verlor Magellan etwa einen Monat. Danach setzte er die Suche fort, indem er seine Schiffe die südamerikanische Küste entlang nach Süden segeln und unterwegs alle Buchten und Flussmündungen erforschen ließ.

Am 30. März steuerte die Flotte südlich des 49. Breitengrades eine Bucht an, die bald darauf Puerto San Julián genannt wurde. Da die Saison mittlerweile weit fortgeschritten war, beschloss Magellan zu überwintern. Wegen der zur Neige gehenden Vorräte ließ er die Essensrationen kürzen. Schon am 1. April kam es wegen der schlechten Versorgungslage zur Meuterei. Wegen Hunger, Krankheiten und Erschöpfung verlangten einige Besatzungsmitglieder die Rückkehr nach Spanien. Angeführt wurde die Meuterei von Gaspar de Quesada, Juan de Cartagena und Luis de Mendoza. Die Meuterer übernahmen die San Antonio. Während des Gefechtes gelang es Magellan, die Victoria zu entern. Dabei wurde Luis de Mendoza getötet. Nun standen drei gegen zwei Schiffe, und Magellan konnte den Aufstand niederschlagen. Der Kapitän der Concepción, Gaspar de Quesada, wurde hingerichtet, der Kapitän der San Antonio, Juan de Cartagena, und der Priester Sanchez de la Reina (nach anderen Quellen war sein Name Bernard Calmette) wurden später an der Küste ausgesetzt, als sich das Geschwader wieder auf den Weg machte.

Bald nachdem die Meuterei niedergeschlagen war, wurde die Santiago zum Kundschaften südlich die Küste entlang geschickt, wo sie am 22. Mai in der Mündung des Río Santa Cruz Schiffbruch erlitt. Zwei Matrosen kehrten über Land zurück und brachten die Hiobsbotschaft, den anderen gelang der beschwerliche Rückmarsch erst Wochen später. Während des Aufenthalts in Puerto San Julián kam es erstmalig zu Kontakten mit den Patagoniern, die damals ihren Namen erhielten – vermutlich inspiriert durch den 1512 publizierten Ritterroman Primaleón des kastilischen Autors Francisco Vázquez, in dem eine Figur namens Patagón vorkommt[39].

Am 24. August 1520 verließen die vier verbleibenden Schiffe nach fünfmonatigem Winterquartier Puerto San Julián. Wieder wurden alle Buchten und Flussmündungen aufs Genaueste nach dem paso abgesucht.

Am 21. Oktober 1520 erreichte Magellan ein Kap, das er Cabo Vírgenes (Kap der Jungfrauen) nannte.[40] Die Concepción und die San Antonio wurden auf eine Erkundungsfahrt südlich des Kaps geschickt und entdeckten die Einfahrt zur lang gesuchten Passage. Vor der Durchfahrt stellte Magellan den Kapitänen der anderen Schiffe die Frage, ob sie eine Fortsetzung der Fahrt befürworteten oder eine Rückkehr bevorzugten. Niemand außer dem Piloten der San Antonio (Estevão Gomes) wagte, eine Umkehr zu empfehlen. Da sich die Passage mehrfach aufteilt, wurden ein Boot und zwei Schiffe zur Erkundung ausgeschickt. Von der Besatzung des Bootes kam die Nachricht, dass die Straße einen Ausgang nach Nordwesten habe: Das Südmeer war erreicht. Doch von den beiden ausgesandten Schiffen kehrte nur die Concepción unter Serrano zurück. Erneut hatte sich auf der San Antonio eine Meuterei abgespielt; der neue Kapitän Álvaro de la Mesquita wurde gefangengesetzt, das größte Schiff mit den reichsten Vorräten desertierte und kehrte nach Spanien zurück. Initiator war Gomes (der Pilot) gewesen. So verblieben nur drei Schiffe, die die mühsame Fahrt durch die Meerenge, welche heute als Magellanstraße bekannt ist, bewältigten und den Pazifischen Ozean am 28. November erreichten. Magellan nannte ihn Pazifik oder Stillen Ozean, weil die sie bis dahin begleitenden Stürme sich legten. Da die Mannschaft während der Durchfahrt Allerheiligen feierte, nannte Magellan die Meerenge Estreito de Todos los Santos – Allerheiligenstraße.

Der Pazifik und OstasienBearbeiten

 
Magellan-Denkmal auf Mactan
 
Inschrift am Magellan-Kreuz

Für die Überquerung des Pazifik brauchte die Armada drei Monate und 20 Tage, während derer bis auf zwei winzige, unbewohnte Inseln kein Land zu sehen war. Ein Großteil der Mannschaft erkrankte an Skorbut; es gab an Bord der Schiffe nichts mehr zu essen außer mit Würmern und Rattenkot durchsetztem Zwieback. Die Seeleute begannen daher, in Salzwasser gedünstetes und geröstetes Leder oder Suppe aus Sägespänen zu essen. Besonders begehrt waren Ratten, die die Seeleute für eine halbe Dukate verkauften. Mindestens 19 Menschen starben.

Am 6. März 1521 erreichten sie die Marianen. Als die Flotte vor einer der Inseln (möglicherweise Guam) ankerte, versuchten die Einheimischen, eines der Beiboote an sich zu nehmen. Magellan ließ daraufhin einige Ureinwohner töten und ihre Häuser niederbrennen. Die Inseln nannte er Islas de los Ladrones (Inseln der Diebe).

Magellans TodBearbeiten

 
Magellans Tod.
Holzschnitt, 16. Jahrhundert

Nachdem sie die dringend benötigten Vorräte aufgenommen hatte, segelte Magellans Flotte weiter zu den Philippinen und erreichte am 16. März die Insel Homonhon. Zu dieser Zeit waren noch 150 Seeleute am Leben. Mit Hilfe seines Dolmetschers Enrique Melaka konnte Magellan mit dem Fürsten von Limasawa, Raja Kolambu, Geschenke austauschen. Kolambu geleitete die Spanier auf die Insel Cebu, wo es ihnen gelang, den Fürsten von Cebu, Radscha Humabon, und viele seiner Untertanen zum Christentum zu bekehren. Auch Cebu unterwarf sich dem König von Spanien. Der Häuptling Lapu-Lapu auf der Nachbarinsel Mactan lehnte jedoch eine Oberherrschaft und Missionierung ab. Daraufhin versuchte Magellan, die Insel gewaltsam für seinen Verbündeten und damit für Spanien und das Christentum in Besitz zu nehmen.

Die militärische Aktion am 27. April 1521 auf Mactan scheiterte: Die Spanier wurden trotz ihrer Feuerwaffen von den Einheimischen noch am Ufer zurückgedrängt und hatten mehrere Gefallene zu beklagen. Magellan kam in dieser Schlacht ums Leben. Den Berichten seines Chronisten Pigafetta zufolge kämpfte er noch im Wasser stehend als einer der letzten, um den Rückzug seiner Leute zu decken. Ein vergifteter Pfeil habe seinen Oberschenkel durchbohrt; kurz darauf sei er von zwei Lanzenstößen niedergestreckt worden, wobei einer ihn im Gesicht, der andere unter dem rechten Arm verwundete.

Bald nach dem misslungenen Angriff auf Mactan sagte der Fürst von Cebu sich vom Christentum los und lockte die Europäer in eine Falle. 35 von ihnen kamen ums Leben. Die übrigen konnten knapp entkommen, doch waren sie nun so wenige, dass sie die Concepción selbst versenkten und die Überlebenden auf die Trinidad und Victoria verteilten. Der Steuermann João Lopes Carvalho wurde zum neuen Generalkapitän und Kapitän der Trinidad gewählt, der "Alguacil" (Profoss) der Armada, Gonzalo Gómez de Espinosa, übernahm zunächst das Kommando über die Vitoria.

Weiterer Verlauf der ExpeditionBearbeiten

Mit ihren beiden verbliebenen Schiffen segelten sie daraufhin weiter nach Borneo, wo sie 35 Tage in Brunei verbrachten. Nach einer überhasteten Flucht wurde João Lopes Carvalho als Generalkapitän ab- und an seiner Stelle Gómez de Espinosa eingesetzt, der damit auch das Kommando über die Trinidad übernahm. Zum Kapitän der Vitoria wurde der frühere Meister der Concepción, Juan Sebastián Elcano, gewählt.[41] Am 6. November erreichten sie Tidore, eine der Molukken-Inseln, wo sie mit dem Sultan handeln konnten und endlich an die ersehnten Gewürze kamen. Die dortigen Einwohner kannten Europäer, da Portugiesen bereits über die Afrikaumrundung dorthin gelangt waren. Am 21. Dezember segelte die Victoria mit 47 Europäern und 13 Ostindern als Besatzung los, jedoch ohne die Trinidad, da diese noch repariert wurde.

Am 6. April 1522 segelte die Trinidad mit ca. 55 Mann unter dem Kommando von Gonzalo Gómez de Espinosa von Tidore aus in Richtung Südamerika. Die Überquerung des Pazifik scheiterte jedoch an konträren Winden, Stürmen und schließlich Nahrungsmittelknappheit, so dass Gómez de Espinosa schließlich den Befehl zum Umkehren geben musste. Er und seine Mannschaft schafften es mit letzter Kraft, nach Halmahera zurückzukehren, wo ihnen nichts anderes übrig blieb, als die Portugiesen um Hilfe zu bitten. Die etwa 25 Überlebenden gerieten in portugiesische Gefangenschaft. Nur fünf von ihnen, darunter Gómez de Espinosa selbst, kehrten Jahre später nach Europa zurück.[42]

Am 11. Februar begann die Victoria unter dem Kommando von Elcano von der Insel Timor aus die Durchquerung des Indischen Ozeans. Die Heimreise war von schwierigen Wetterbedingungen gekennzeichnet, so dass sie 12 Wochen benötigte, um das Kap der Guten Hoffnung (19. Mai 1522) zu umsegeln. Danach brauchte sie bis zum 9. Juli, um die Kapverdischen Inseln zu erreichen. Nach 21 Wochen auf See hatte die Victoria ihren Vormast sowie 21 Besatzungsmitglieder verloren. Portugiesen versuchten, die Vollendung der Weltumseglung der Victoria zu verhindern, und nahmen bei Santiago 13 Besatzungsmitglieder gefangen. Angesichts des schlechten Zustandes des Schiffes und da er um seine Ladung Gewürze fürchtete, entschied sich Elcano, auf eine Rettungsoperation zu verzichten, und verließ stattdessen den Hafen vor Eintreffen der portugiesischen Flotte.

Am 6. September des Jahres 1522 erreichte die Victoria Sanlúcar, den spanischen Ausgangshafen. Lediglich 18 Männer der einst aufgebrochenen 242 (abzüglich der in der Magellanstraße meuternden ca. 55 Mann Besatzung der San Antonio) gingen an Land, begleitet von drei ostindischen Besatzungsmitgliedern. Die erste Weltumseglung war vollendet und hatte zwei Jahre, elf Monate und zwei Wochen gedauert.

Die Victoria brachte von den Molukken 520 Quintals (ungefähr 26 Tonnen)[43] Gewürze heim. Der Erlös aus dem Verkauf der Gewürze betrug 8.680.500 Maravedís. Damit waren zwar die Anfangsinvestitionen der Expedition gedeckt, nicht aber die während der Fahrt aufgelaufenen Ansprüche der Mitfahrenden auf Heuer und Anteil am Gewürzverkauf, so dass das Unternehmen mit einem Verlust abschloss, der auch durch die Versteigerung der Victoria nicht ausgeglichen werden konnte[44].

Juan Sebastián Elcano berichtete dem Kaiser Karl V. über die Ereignisse und wurde nun auch offiziell in den Rang eines Kapitäns befördert und in den Ritterstand erhoben. Elcano und Cristobal de Haro wurden jeweils eine jährliche Pension von 500 Dukaten zugesprochen.[45]

Bedeutung und NachlebenBearbeiten

Erste WeltumseglungBearbeiten

Als die Flotte die Philippinen und damit nachweislich asiatische Gewässer erreichte, war der endgültige Beweis für die Kugelgestalt der Erde erbracht, wobei die Vorstellung, dass die Erde flach sei, bereits seit dem Altertum in Europa nur von wenigen und unbedeutenden Gelehrten vertreten wurde. Allgemein gingen Gelehrte von der Kugelgestalt aus. Die der Fahrt zugrunde liegende zu geringe Berechnung des Erdumfangs wurde korrigiert. Die Berechnung des hellenistischen Gelehrten Eratosthenes sollte sich als weitgehend richtig erweisen. Magellans Expedition ist die erste Weltumrundung der Menschheitsgeschichte. Der von Kolumbus gesuchte westliche Seeweg nach Asien war mit der Entdeckung der Magellanstraße und der Überwindung des Pazifischen Ozeans gefunden, erwies sich allerdings aufgrund der langen Wegstrecke als unpraktikabel. Juan Sebastián Elcano, der Kapitän des Schiffes Victoria, das als einziges die Reise zu Ende brachte, und seinen 17 Seeleuten gebührt die Ehre, als erste die Welt auf einer durchgehenden Reise umrundet zu haben. Dies gilt ebenfalls für die 13 auf den Kapverden gefangengenommenen Seeleute, da sich die Kapverden an einem westlicheren Längengrad als Spanien befinden.

Entgegen den Darstellungen früherer Historiker, gelang Magellan auf seinen verschiedenen Reisen keine vollständige Umrundung der Erde. Bei seinem ersten Asienaufenthalt von 1505 bis 1511 nahm er an der Eroberung Malakkas teil. Die Stadt auf der malaiischen Halbinsel war noch mehrere Längengrade von den Visayas (heute zu den Philippinen gehörig) entfernt, wo er 1521 starb.

Zur Mannschaft der ersten Weltumseglung gehörte Enrique Melaka, ein Sklave aus Sumatra, den Magellan 1511 in Malakka erworben auf den christlichen Namen Enrique hatte taufen lassen. Er begleitete die Expedition als Dolmetscher. Nach dem gewaltsamen Tod Magellans, der ihm testamentarisch die Freiheit versprochen hatte, gelang ihm mit Hilfe des Königs von Cebu die Flucht.

Seeweg nach AsienBearbeiten

Weiterhin entdeckte Magellan den Seeweg westwärts nach Asien. Wegen der großen Distanzen und der hohen Verluste während der Reise erwies sich der Weg jedoch nicht als adäquate Alternative zu dem von den Portugiesen kontrollierten Seeweg um das Kap der Guten Hoffnung, der Gewürzroute. Als die Victoria nach rund drei Jahren wieder in Spanien ankam, hatte sie etwa 69.000 Kilometer zurückgelegt.

Bald nach Magellans Entdeckung kam es zwischen Spanien und Portugal zu Konflikten um die Molukken, da beide Nationen die Gewürzinseln gemäß dem Vertrag von Tordesillas für sich beanspruchten. Erst 1529 konnte die Auseinandersetzung im Vertrag von Saragossa beigelegt werden. Darin verzichtete Spanien auf seinen Anspruch auf die Molukken.

Noch während des 16. Jahrhunderts gelang es den Spaniern, sich auf den von Magellan entdeckten Philippinen sowie auf Guam festzusetzen. Diese blieben bis zum Spanisch-Amerikanischen Krieg im Jahr 1898, also mehr als 300 Jahre lang, in spanischer Hand.

Erinnerungen und EhrungenBearbeiten

  • Die Magellanstraße in Südamerika ist nach ihm benannt, ebenso die chilenische Provinz Magallanes.
  • Die beiden unmittelbaren Nachbargalaxien der Milchstraße heißen nach ihm Magellansche Wolken.
  • Die amerikanische Raumsonde Magellan ist nach ihm benannt.
  • Zwei Mond- und ein Marskrater sind nach Magellan benannt, wobei hier die Schreibweise „Magelhaens“ benutzt wird.
  • Des Weiteren gibt es mehrere Schiffe, Vögel sowie einen Baum, die seinen Namen tragen.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Antonio Pigafetta: Mit Magellan um die Erde. Ein Augenzeugenbericht der ersten Weltumsegelung. Edition Erdmann, Wiesbaden 2011. ISBN 978-3-86539-811-6
  • Xavier de Castro: Le voyage de Magellan (1519-1522). La relation d'Antonio Pigafetta & autres témoignages. 2 Bde. Editions Chandeigne, Paris 2010. ISBN 978-2915540574
  • Jean Denucé: Magellan. La question des Moluques et la première circumnavigation du globe. Brüssel 1911
  • José Toribio Medina: El descubrimiento del Océano Pacífico : Vasco Nuñez de Balboa, Fernando de Magallanes y sus compañeros; Fernando de Magallanes. Imprenta Universitaria, Santiago de Chile 1920.
  • João Visconde de Lagoa: Fernão de Magalhães. A sua vida a su viagem. 2 Bde. Lisboa 1938
  • Avelino Teixeira da Mota (Hg.): A viagem de Fernão de Magalhães e a questão das Molucas. Actas do II Colóquio Luso-Espanhol de História Ultramarina. Lisboa 1975.
  • Rüdiger Siebert: Magellan – Entdecker im Zwielicht. Arena, Würzburg 1987. ISBN 3-401-01557-5
  • Tim Joyner: Magellan. International Marine, Camden, ME 1992. ISBN 0-87742-263-X
  • Christian Jostmann: Magellan oder Die erste Umsegelung der Erde München 2019. ISBN 978-3406734434
  • Ralf Berhorst, Olaf Mischer: In 1082 Tagen um die Welt. In: Geo Epoche. Das Zeitalter der Entdecker. Hamburg 2006, 24. ISSN 1861-6097
  • Richard Humble: Die Entdecker. Time-Life Die Seefahrer. Time-Life International, Amsterdam 1979.
  • Siegfried Schmitz: Hermes Handlexikon Große Entdecker und Forschungsreisende. ECON Taschenbuch, Düsseldorf 1983. ISBN 3-612-10008-4
  • Walter Krämer (Hrsg.): Die Entdeckung und Erforschung der Erde. F.A. Brockhaus Verlag, Leipzig 1949, 1979.

Literarische Adaptierungen

  • Stefan Zweig: Magellan. Der Mann und seine Tat. Wien 1938 (E-Text)
  • Napoleón Baccino Ponce de Leon: Die traurige Freiheit der Meere Roman aus dem Zeitalter der Entdeckungen. Aus dem uruguayanischen Spanisch von Fritz Rudolf Fries. Piper, München 1996. ISBN 3-492-22381-8
  • Bernhard Kay: Der Navigator. BL Taschenbuch 14 441. Bastei Lübbe, Bergisch Gladbach 2000. ISBN 3-404-14441-4
  • Christian Clot/Bastien Orenge/Thomas Verguet: Magellan. Jusqu'au bout du monde. Glénat, Paris 2012. ISBN 978-2723481977 (Graphic Novel, französisch)

WeblinksBearbeiten

  Commons: Ferdinand Magellan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Jostmann, Christian: Magellan: oder Die erste Umsegelung der Erde. C.H.Beck, 2019, ISBN 978-3-406-73444-1, S. 37.
  2. Vor allem ein Schenkungsvertrag im Archivo Provincial de Sevilla, Archivo de Protocolos n° 9125 (= Libro del año 1519 – Oficio XV – Libro 1 – Escribanía: Bernal G. Vallesillo – f. 551v – Fecha: 19 marzo). Vgl. Catálogo de los fondos americanos del Archivo de Protocolos de Sevilla. Bd. 7 n°s 1334f, Sevilla 1990.
  3. Irene da Silva Dantas: Entre Memorias. A Questão da naturalidade de Fernão de Magalhães. (PDF, Dissertation, Universidade do Minho 2012, S. 13 portugiesisch), abgerufen am 22. März 2019.
  4. Manuel Abranches de Soveral, Ensaio sobre a origem dos Magalhães, Porto 2007, S. 32f (portugiesisch, pdf, abgerufen am 22. März 2019).
  5. Gil, Juan: El exilio portugués en Sevilla. De los Braganza a Magallanes. Fundación Cajasol, 2009, ISBN 978-84-8455-303-8, S. 182, 251 f.
  6. Anselmo Braacamp Freire, Emmenta da Casa da Índia, in: Boletim da Sociedade de Geographia de Lisboa, 25a serie (1907), n° 7, S. 238 (portugiesisch, abgerufen am 22. März 2019).
  7. Jostmann, Christian: Magellan: oder Die erste Umsegelung der Erde. C. H. Beck, 2019, ISBN 978-3-406-73444-1, S. 31–63.
  8. Garcia, Jose Manuel: A viagem de Fernão de Magalhães e os Portugueses. Editorial Presença, 2007, S. 19 ff.
  9. Compañía General de Tabacos de Filipinas (Hrsg): Colección general de documentos relativos a las Islas Filipinas existentes en el Archivo General de las Indias de Sevilla. Band 1, Barcelona 1918, S. 167 ff. (spanisch, bdh-rd.bne.es, abgerufen am 28. März 2019).
  10. Zur portugiesischen Expansion nach Indien vgl. Reinhard, Wolfgang: Die Unterwerfung der Welt. Globalgeschichte der europäischen Expansion 1415–2015. C. H. Beck, 2016, ISBN 978-3-406-68718-1, S. 113 ff.
  11. Jorge Díaz Ceballos: Las juntas de expertos y la configuración del sistema colonial castellano, 1503–1512. In: Eliseo Serrano (Hrsg.): De la tierra al cielo. Líneas recientes de investigación en Historia Moderna. Institución Fernando el Católico, Zaragoza 2013, ISBN 978-84-9911-234-3, S. 265–278 (spanisch, ifc.dpz.es [PDF]).
  12. Rolando A. Laguarda Trias: Pilotos portugueses en el Río de la Plata durante el siglo XVI. In: Revista da Universidade de Coimbra. 34, 1988, S. 57–84;
    José Toribio Medina: Juan Díaz de Solís. Estudio histórico. Casa del Autor, Santiago de Chile 1897, S. CCXVff. (spanisch, Textarchiv – Internet Archive).
  13. Hermann Kellenbenz: Die Brüder Diego und Cristóbal de Haro. In: Portugiesische Forschungen der Görresgesellschaft. Erste Reihe (= Aufsätze zur portugiesischen Kulturgeschichte. 14), Münster 1976–1977, S. 303–315 (305).
  14. Copia der newen Zeytung aus Presillg Landt, ca. 1514. (abgerufen am 28. März 2019)
  15. Compañía General de Tabacos de Filipinas (Hrsg): Colección general de documentos relativos a las Islas Filipinas existentes en el Archivo General de las Indias de Sevilla. Band 1, Barcelona 1918, S. 237 (spanisch, bdh-rd.bne.es, abgerufen am 8. April 2019).
  16. João de Barros: "Terceira decada da Asia", V, 8, Lisboa 1628, f. 139r (portugiesisch, [1], abgerufen am 8. April 2019).
  17. Compañía General de Tabacos de Filipinas (Hrsg): Colección general de documentos relativos a las Islas Filipinas existentes en el Archivo General de las Indias de Sevilla. Band 1, Barcelona 1918, S. 237 (spanisch, bdh-rd.bne.es, abgerufen am 8. April 2019).
  18. Demetrio Ramos Pérez: El grupo financiero de Burgos en el momento que dominó la empresa ultramarina. In: Burgos y América. Las Jornadas de Historia. Burgos 1992, S. 129–157.
  19. Compañía General de Tabacos de Filipinas (Hrsg): Colección general de documentos relativos a las Islas Filipinas existentes en el Archivo General de las Indias de Sevilla. Band 1, Barcelona 1918, S. 232 (spanisch, bdh-rd.bne.es, abgerufen am 8. April 2019).
  20. Compañía General de Tabacos de Filipinas (Hrsg): Colección general de documentos relativos a las Islas Filipinas existentes en el Archivo General de las Indias de Sevilla. Band 1, Barcelona 1918, S. 234 (spanisch, bdh-rd.bne.es, abgerufen am 12. April 2019). Wegen dieses Vertrages wurde im Oktober 1518 ein Prozess gegen Juan de Aranda eingeleitet, in dessen Akten wesentliche Daten zu Magellans Ankunft und seinen ersten Schritten in Spanien überliefert sind.
  21. Bartolomé de las Casas: Historia de las Indias. Band 4, Madrid 1876, S. 377f (spanisch, archive.org, abgerufen am 12. April 2019).
  22. Compañía General de Tabacos de Filipinas (Hrsg): Colección general de documentos relativos a las Islas Filipinas existentes en el Archivo General de las Indias de Sevilla. Band 1, Barcelona 1918, S. 161ff (spanisch, bdh-rd.bne.es, abgerufen am 12. April 2019).
  23. Compañía General de Tabacos de Filipinas (Hrsg): Colección general de documentos relativos a las Islas Filipinas existentes en el Archivo General de las Indias de Sevilla. Band 1, Barcelona 1918, S. 167ff (spanisch, bdh-rd.bne.es, abgerufen am 12. April 2019).
  24. Compañía General de Tabacos de Filipinas (Hrsg): Colección general de documentos relativos a las Islas Filipinas existentes en el Archivo General de las Indias de Sevilla. Band 1, Barcelona 1918, S. 193f, 197ff, 199ff, 203-208 (spanisch, bdh-rd.bne.es, abgerufen am 3. Mai 2019).
  25. Archivo Provincial de Sevilla, Archivo de Protocolos n° 9124 (= Libro del año 1519 – Oficio XV – Libro II – Escribanía: Bernal G. Vallesillo – f. 316r-317v – Fecha: 23 septiembre). Vgl. Catálogo de los fondos americanos del Archivo de Protocolos de Sevilla. Bd. 7 n° 1170, Sevilla 1990.
  26. Fernando Agirre Aramaio: Nao Victoria, Ondarroa 2014 (spanisch/teilw. baskisch, pdf, abgerufen am 3. Mai 2019).
  27. Vgl. hierzu die Rechnungsbücher der Armada, u. zw. Compañía General de Tabacos de Filipinas (Hrsg): Colección general de documentos relativos a las Islas Filipinas existentes en el Archivo General de las Indias de Sevilla. Band 1, Barcelona 1918, S. 277ff und Bd. 2, Barcelona 1919, S. 3ff (spanisch, bdh-rd.bne.es, abgerufen am 3. Mai 2019).
  28. Compañía General de Tabacos de Filipinas (Hrsg): Colección general de documentos relativos a las Islas Filipinas existentes en el Archivo General de las Indias de Sevilla. Band 3, Barcelona 1920, S. 15ff (spanisch, bdh-rd.bne.es, abgerufen am 12. April 2019).
  29. Jostmann, Christian: Magellan: oder Die erste Umsegelung der Erde. C.H.Beck, 2019, ISBN 978-3-406-73444-1, S. 133.
  30. Jostmann, Christian: Magellan: oder Die erste Umsegelung der Erde. C.H.Beck, 2019, ISBN 978-3-406-73444-1, S. 134.
  31. Compañía General de Tabacos de Filipinas (Hrsg): Colección general de documentos relativos a las Islas Filipinas existentes en el Archivo General de las Indias de Sevilla. Band 2, Barcelona 1919, S. 288ff und 305ff (spanisch, bdh-rd.bne.es, abgerufen am 12. April 2019).
  32. Compañía General de Tabacos de Filipinas (Hrsg): Colección general de documentos relativos a las Islas Filipinas existentes en el Archivo General de las Indias de Sevilla. Band 2, Barcelona 1919, S. 314ff (spanisch, bdh-rd.bne.es, abgerufen am 12. April 2019).
  33. Antonio Pigafetta, S. 55.
  34. Juan Sebastián de Elcano. Auñamendi Eusko Entziklopedia, abgerufen am 27. März 2016 (spanisch).
  35. Fernando Magellan. National Geographic Deutschland, abgerufen am 27. März 2016.
  36. Dr. Ralf Berhorst, Olaf Mischer: In 1082 Tagen um die Welt In: GEO Epoche Das Zeitalter der Entdeckungen Nr. 24, 2006, S. 53
  37. a b c d e f g Antonio Pigafetta, S. 47.
  38. Für die Route der Expedition vgl. die interaktive Karte auf www.rutaelcano.com (spanisch, aufgerufen am 9. Mai 2019).
  39. María Alejandra Flores de la Flor, Los relatos de viaje al Océano Pacífico: el Estrecho de Magallanes y la leyenda de los patagones, in: TIEMPOS MODERNOS n° 28 (2014/1) (spanisch, aufgerufen am 9. Mai 1519)
  40. Fernando Magellan (Memento des Originals vom 22. Juni 2013 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.nationalgeographic.de, nationalgeographic.de, abgerufen am 16. Mai 2016
  41. Jostmann, Christian: Magellan: oder Die erste Umsegelung der Erde. C.H.Beck, 2019, ISBN 978-3-406-73444-1, S. 266 f.
  42. Jostmann, Christian: Magellan: oder Die erste Umsegelung der Erde. C.H.Beck, 2019, ISBN 978-3-406-73444-1, S. 311 f.
  43. GEO Epoche, S. 60.
  44. Jostmann, Christian: Magellan: oder Die erste Umsegelung der Erde. C.H.Beck, 2019, ISBN 978-3-406-73444-1, S. 308 ff.
  45. Antonio Pigafetta, S. 273.