Christian Thielemann

deutscher Dirigent

Christian Thielemann (* 1. April 1959 in West-Berlin) ist ein deutscher Dirigent. Seit 2012 ist er Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle Dresden und gilt als einer der renommiertesten Dirigenten weltweit. Thielemann ist zudem seit 2013 und bis 2023 künstlerischer Leiter der Osterfestspiele Salzburg. Er gastiert außerdem bei den Wiener Philharmonikern und den Berliner Philharmonikern, dem Concertgebouw-Orchester Amsterdam, dem Israel Philharmonic Orchestra sowie dem Philharmonia Orchestra London.

Christian Thielemann ist Ehrenmitglied der Royal Academy of Music in London sowie Ehrendoktor der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar und der Katholischen Universität Leuven (Belgien). Im Mai 2015 wurde ihm der Richard-Wagner-Preis der Richard-Wagner-Gesellschaft der Stadt Leipzig verliehen, im Oktober 2016 wurde er mit dem Preis der Stiftung zur Förderung der Semperoper ausgezeichnet. Thielemann ist Schirmherr der Richard-Wagner-Stätten zu Graupa und hat die Schirmherrschaft für den 49. Internationalen Jugendwettbewerb jugend creativ der Volksbanken und Raiffeisenbanken übernommen. 2019 wurde ihm die Ehrenmitgliedschaft der Gustav Mahler Vereinigung Hamburg verliehen. Für seine Einspielungen wurde er mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt.

Christian Thielemann bei einer Probe, 2015.

Thielemann lebt in Potsdam-Babelsberg.[1]

BiografieBearbeiten

Christian Thielemann nahm Klavierunterricht und studierte Bratsche.[2] Seine Karriere begann er mit neunzehn Jahren als Korrepetitor an der Deutschen Oper Berlin und gleichzeitig als Assistent von Herbert von Karajan in Berlin. 1985 wurde er Erster Kapellmeister an der Düsseldorfer Rheinoper und wechselte 1988 als Generalmusikdirektor (GMD) ans Staatstheater Nürnberg. Dort gelang dem damals jüngsten GMD Deutschlands mit einer Aufführung des Tristan der künstlerische Durchbruch. 1997 erhielt er einen Ruf an die Deutsche Oper Berlin. Seinen dortigen Vertrag als Generalmusikdirektor kündigte er im Sommer 2004. Im September 2004 wurde er Generalmusikdirektor der Münchner Philharmoniker. Am 22. Juli 2009 beschloss der Münchner Stadtrat, den bis 2011 laufenden Vertrag nicht zu verlängern, da Thielemann den ihm angebotenen Vertragsentwurf nicht akzeptiert habe.

Nach zwanzig Jahren Opernerfahrung konzentriert er sich nun auf ausgewählte Orchester und wenige Opernhäuser. Nicht zuletzt aufgrund seiner Berliner Aufführungen sämtlicher in Bayreuth gespielter Werke Richard Wagners sowie seines Berliner Richard-Strauss-Repertoires mit Salome, Elektra, Die Frau ohne Schatten und Daphne gilt Thielemann als ein gefragter Dirigent. In der Opernliteratur reicht seine Bandbreite bis zu Arnold Schönbergs Moses und Aron und Hans Werner Henzes Der Prinz von Homburg. Tourneen führten ihn unter anderem nach Japan, Italien, Spanien, Portugal und Frankreich.

1987 debütierte er mit Wolfgang Amadeus Mozarts Così fan tutte an der Wiener Staatsoper. Am Londoner Opernhaus Covent Garden dirigierte er Jenůfa, Elektra, Der Rosenkavalier, Die ägyptische Helena sowie Hans Pfitzners Palestrina – eine Produktion, die er anschließend auch im Rahmen des ersten Gastspiels von Covent Garden an der New Yorker Met leitete. An der Met dirigierte er außerdem Der Rosenkavalier, Die Frau ohne Schatten und Arabella, an der Lyric Opera of Chicago eine Neuproduktion von Die Meistersinger von Nürnberg.

Bei den Bayreuther Festspielen debütierte Thielemann im Jahr 2000 mit Wagners Die Meistersinger von Nürnberg. 2001 dirigierte er Parsifal, 2002 eine Neuproduktion des Tannhäuser. Von 2006 bis 2010 leitete er den Bayreuther Ring, (Regie Tankred Dorst), und 2012 dirigierte er Der fliegende Holländer. 2015 übernahm er in Bayreuth die musikalische Leitung für Tristan und Isolde.[3] An der Wiener Staatsoper hatte Thielemann bereits im Frühjahr 2003 eine Neuproduktion von Tristan und Isolde geleitet. Im Juni 2005 dirigierte er eine Wiederaufnahme von Parsifal. Am 29. Juni 2015 wurde bekannt, dass Thielemann bereits am 15. März 2015 und mit Wirkung bis zum Jahre 2020 zum Musikdirektor der Bayreuther Festspiele berufen wurde, eine Position, die es bislang noch nicht gegeben hatte.[4] Bereits zuvor war Thielemann musikalischer Berater der Festspielleitung und möchte in dieser neuen Position seine Erfahrungen weitergeben und soll sich grundsätzlich mit allen musikalischen Belangen des Hauses befassen.[5]

Thielemann hat das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker 2019 dirigiert.

Am 10. Mai 2021 gab die Sächsische Staatsministerin für Kultur und Tourismus bekannt, dass der Vertrag mit Christian Thielemann als Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle zum Ende der Spielzeit 2023/2024 ausläuft und nicht verlängert wird.[6]

AufnahmenBearbeiten

Chartplatzierungen
Erklärung der Daten
Alben[7]
Happy New Year – Die Operettengala aus Dresden (mit Staatskapelle Dresden, Ingeborg Schöpf & Piotr Beczała)
  AT 73 25.01.2013 (1 Wo.)
Wagner: Ring (mit Wiener Staatsoper)
  DE 59 05.07.2013 (1 Wo.)
  AT 44 05.07.2013 (1 Wo.)
Neujahrskonzert 2019 – New Year’s Concert 2019 (mit Wiener Philharmoniker)
  DE 13 11.01.2019 (7 Wo.)
  AT 1Template:Infobox Chartplatzierungen/Wartung/NR1-Link 18.01.2019 (20 Wo.)
  CH 3 13.01.2019 (7 Wo.)

Für die Deutsche Grammophon nahm Thielemann mit dem Philharmonia Orchestra London alle Symphonien von Robert Schumann auf, des Weiteren Beethovens 5. und 7. Symphonie sowie mit dem Philadelphia Orchestra Vorspiele und Ouvertüren Richard Wagners.

Mit dem Orchester der Deutschen Oper Berlin veröffentlichte er Ouvertüren und Vorspielen von Hans Pfitzner und Richard Strauss, Carl Orffs Carmina Burana, Schönbergs Pelleas und Melisande sowie Beethoven-Kantaten gewidmet. 2002 kam eine Arien-CD mit Thomas Quasthoff und dem Orchester der Deutschen Oper Berlin heraus.

2003 erschien mit den Wiener Philharmonikern ein Live-Mitschnitt unter anderem von Strauss’ Ein Heldenleben. Im Mai 2004 veröffentlichte die Deutsche Grammophon den Live-Mitschnitt von Tristan und Isolde aus der Wiener Staatsoper. 2006 folgte der Wiener Parsifal, zudem liegt eine DVD-Aufnahme der Arabella aus der Metropolitan Opera vor. Ende 2009 erschien eine Aufnahme des Bayreuther Ring, im Juni 2013 eine des Wiener Ring.[8]

Für DECCA
Für Deutsche Grammophon
  • Ludwig van Beethoven, 1. Klavierkonzert, Rudolf Buchbinder, Berliner Philharmoniker, 2020.
  • Richard Wagner, Der Ring des Nibelungen, Wiener Philharmoniker, 2013 (16 CDs)
  • Ludwig van Beethoven, Egmont-Ouvertüre und Johannes Brahms, 1. Symphonie; Münchner Philharmoniker, April 2007.
  • Wolfgang Amadeus Mozart, Requiem; Münchner Philharmoniker und Chor des Bayerischen Rundfunks, November 2006.
  • Richard Wagner, Parsifal, mit Plácido Domingo; Chor und Orchester der Wiener Staatsoper, April 2006.
  • Anton Bruckner, 5. Symphonie; Münchner Philharmoniker, März 2005.
  • Marschner, Mendelssohn, Nicolai, Wagner, Weber, Ouvertüren; Wiener Philharmoniker, Oktober 2004.
  • Richard Wagner, Tristan und Isolde; Orchester der Wiener Staatsoper, Mai 2004.
  • Richard Strauss, Ein Heldenleben und Symphonische Fantasie aus Die Frau ohne Schatten; Wiener Philharmoniker, August 2003.
  • Albert Lortzing, Richard Strauss, Carl Maria von Weber, Richard Wagner: Deutsche Opernarien, mit Thomas Quasthoff und Orchester der Deutschen Oper Berlin, April 2002.
  • Robert Schumann, Symphonien 1. und 4., Philharmonia Orchestra, 2001
  • Richard Strauss, Arabella; mit Kiri Te Kanawa, Orchester und Chor der Metropolitan Opera, März 2001.
  • Richard Strauss, Eine Alpensinfonie und Suite aus Der Rosenkavalier; Wiener Philharmoniker, März 2001.
  • Arnold Schönberg, Pelleas und Melisande sowie Richard Wagner, Siegfried-Idyll; Orchester der Deutschen Oper Berlin, Oktober 2000.
  • Carl Orff, Carmina Burana; Chor und Orchester der Deutschen Oper Berlin, Mai 1999.
  • Robert Schumann, Symphonie No. 3 „Rheinische“, „Genoveva“-Ouvertüre, op. 81, Ouvertüre, Scherzo und Finale, op. 52; Philharmonia Orchestra, 1999.
  • Richard Wagner, Orchestermusik (Lohengrin, Parsifal, Tristan und Isolde); Philadelphia Orchestra, Februar 1998.
  • Robert Schumann, 2. Sinfonie, Manfred-Ouvertüre, Konzertstück op. 86 in F für 4 Hörner; Philharmonia Orchestra, September 1997.
  • Ludwig van Beethoven, Funeral Cantata on the Death of Emperor Joseph II, Robert Schumann, Konzertstück op. 86 in F für 4 Hörner, Hans Pfitzner, Palestrina (Preludes to Act I & II), 1997.
  • Hans Pfitzner, Musik aus Palestrina und Das Käthchen von Heilbronn, Richard Strauss, Guntram (Prelude), Capriccio (Prelude), Feuersnot (Liebesszene); Orchester der Deutschen Oper Berlin, 1996.
Für Hänssler Classic, Edition Staatskapelle Dresden
  • Arnold Schönberg, Gurre-Lieder, Staatskapelle Dresden, 2020
  • Richard Wagner, Die Meistersinger von Nürnberg, Staatskapelle Dresden, 2020.
  • Richard Strauss, Konzert für Horn und Orchester Es-Dur, Serenade Es-Dur, Sonatine Nr. 1 F-Dur Aus der Werkstatt eines Invaliden, Metamorphosen; Staatskapelle Dresden, 2018
  • Giuseppe Verdi, Messa da Requiem; Staatskapelle Dresden, 2018
  • Anton Bruckner, 4. Sinfonie, Staatskapelle Dresden, 2017
  • Anton Bruckner, 7. Sinfonie, Richard Wagner, Das Liebesmahl der Apostel, Staatskapelle Dresden, 2017
  • Ferruccio Busoni, Nocturne Symphonique, Hans Pfitzner, Klavierkonzert Es-Dur, Max Reger, Eine romantische Suite; Staatskapelle Dresden, 2013
  • Anton Bruckner, 8. Sinfonie, Staatskapelle Dresden, 2010
Für Opus Arte
Für Sony
  • Anton Bruckner, 3. Sinfonie; Wiener Philharmoniker, März 2021.
  • Anton Bruckner, 8. Sinfonie; Wiener Philharmoniker, März 2020.
  • Robert Schumann, Sinfonien No. 1–4; Staatskapelle Dresden, 2018.
  • Ludwig van Beethoven, Sinfonien 1–9; Wiener Philharmoniker, 2011.

Ehrungen, MitgliedschaftenBearbeiten

2004 erhielt Thielemann den ECHO Klassik als Artist of the Year, gab diesen jedoch 2018 zurück.

LiteraturBearbeiten

TV- und FilmproduktionenBearbeiten

Produktionen über ThielemannBearbeiten

Produktionen mit ThielemannBearbeiten

  • Christian Thielemann – Mein Strauss. Dokumentarfilm, Deutschland, 45 Min., Buch und Regie: Andreas Morell, Produktion: 3B-Produktion, Unitel Classica, ZDF, 3sat, Erstsendung: 8. Juni 2014 bei 3sat.
  • Wagner vs. Verdi. Dokumentarfilm-Reihe in sechs Teilen, Regie Martin Betz, Daniel Gerlach et al., 2013, ZDF.
  • Der Große Friedrich Remix – Musik um den Preußenkönig. Regie: Friederike Schlumbom, 18. Oktober 2012, rbb.
  • Beethoven entdecken. (Alternativtitel: Discovering Beethoven.) Dokumentarfilm-Reihe in neun Teilen à ca. 55 Min., Deutschland, Österreich, 2011, Regie: Christoph Engel und Anca-Monica Pandelea, Produktion: Unitel Classica, ORF, ZDF, 3sat.
    Joachim Kaiser und Christian Thielemann diskutieren die Besonderheiten der neun Sinfonien Beethovens. Als Grundlage werden die Aufführungen Thielemanns mit den Wiener Philharmonikern im Wiener Musikverein genommen und mit den Aufnahmen anderer Dirigenten verglichen (Besprechung).

KonzertaufzeichnungenBearbeiten

  • Die Wiener Philharmoniker in Beijing. National Centre for the Performing Arts in Peking, Aufzeichnung vom 3. November 2013, 3sat.
  • Wagner-Geburtstagskonzert: Thielemann dirigiert die Sächsische Staatskapelle. 21. Mai 2013, Regie: Michael Beyer, ZDF.
  • Thielemann dirigiert Strauß. Christian Thielemann und die Wiener Philharmoniker, Salzburg Festival 2011, Großes Festspielhaus, Salzburg, Regie: Michael Beyer, 3sat
  • Sommernachtsmusik mit Christian Thielemann. Christian Thielemann dirigiert die Münchner Philharmoniker, Schloss Herrenchiemsee, 31. August 2010, Regie: Henning Kasten, ZDF und Arte.[10]

TriviaBearbeiten

Im Jahr 2019 war die Sendung mit der Maus im Richard-Wagner-Festspielhaus zu Gast.[11] Dabei wurde unter der Leitung von Christian Thielemann die Titelmelodie der Sendung gespielt. Dies war eines der wenigen Male, wo seit Bestehen des Hauses im Orchestergraben Musik gespielt wurde, die nicht von Wagner stammte. Auch die neunte Symphonie von Beethoven wurde auf der Bühne gespielt.[12][13] Die Ausgabe der „Sendung mit der Maus“ wurde am 28. Juli 2019 ausgestrahlt.[14]

WeblinksBearbeiten

Commons: Christian Thielemann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Karim Saab: Dirigent Christian Thielemann wünscht sich die alte Potsdamer Stadtmitte zurück. Märkische Allgemeine, 30. November 2016, abgerufen am 31. Dezember 2017.
  2. Who is who in der Bundesrepublik Deutschland. Zug 2001, S. 3930.
  3. Bayreuther Festspiele, Festspiele 2015 (Memento vom 17. April 2015 im Webarchiv archive.today)
  4. Christian Thielemann zum Musikdirektor der Bayreuther Festspiele berufen. Journal der Freunde von Bayreuth, Gesellschaft der Freunde von Bayreuth e.V., 9. Juli 2015.
  5. Christian Thielemann zu Bayreuth und Berlin: „Das etwas größere Tortenstück“ (Memento vom 5. Juli 2015 im Webarchiv archive.today), BR-Klassik, 7. Juli 2015.
  6. Pressemitteilung Zukunftsentscheidungen für die Semperoper und Sächsische Staatskapelle getroffen der Sächsischen Staatsministerin für Kultur und Tourismus vom 10. Mai 2021. Abgerufen am 11. Mai 2021.
  7. Chartquellen: DE AT CH
  8. Der Ring des Nibelungen auf deutschegrammophon.com
  9. Richard-Wagner-Preis 2015
  10. Arte, Programm August 2010. (Memento vom 3. April 2015 im Webarchiv archive.today)
  11. Bayreuth sehen und sterben in: Nordbayerischer Kurier vom 1. Februar 2019, S. 13.
  12. BR-Klassik: Festspielorchester spielt „Maus“-Melodie. BR-Klassik, Online-Portal, 24. Juli 2019. Abgerufen am 28. Juli 2019.
  13. Die Sendung mit der Maus. Twitter-Kanal, 22. Juli 2019, abgerufen am 22. Juli 2019.
  14. https://www.wdrmaus.de/aktuelle-sendung/ – abgerufen am 28. Juli 2019