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Böhme-Zeitung

Tageszeitung für den nördlichen Teil des Landkreises Heidekreis

Die Böhme-Zeitung ist die amtliche Kreis- und unabhängige Tageszeitung für den nördlichen Teil des Landkreises Heidekreis. Sie erscheint in den Städten Soltau, Schneverdingen, Munster, Bispingen, Faßberg und Umgebung im Gebiet des ehemaligen Landkreises Soltau und ist nach dem Fluss Böhme benannt, der durch das Gebiet fließt. Die verkaufte Auflage beträgt 9632 Exemplare, ein Minus von 28,8 Prozent seit 1998.[1]

Böhme-Zeitung

Beschreibung Tageszeitung
Sprache Deutsch
Verlag Mundschenk Druck- und Verlagsgesellschaft mbH (Deutschland)
Erstausgabe 19. Oktober 1864
Erscheinungsweise täglich von Montag bis Samstag
Verkaufte Auflage 9632 Exemplare
(IVW 1/2019, Mo–Sa)
Chefredakteur Jörg Jung
Herausgeber Wolff-Martin Mundschenk, Martin Mundschenk
Weblink www.boehme-zeitung.de

Herausgeber in fünfter Generation ist Martin Mundschenk; für Verlag und Druck ist die Mundschenk Druck- und Verlagsgesellschaft mbh in Soltau verantwortlich. Die Zeitung erscheint im Berliner Format.

Inhaltsverzeichnis

RedaktionBearbeiten

Die Böhme-Zeitung ist eine Regionalzeitung mit einer Lokalredaktion. Für überregionale Themen bedient sie sich der Mantelredaktion der Landeszeitung für die Lüneburger Heide aus Lüneburg. Sie bildet eine Publizistische Einheit mit den Zeitungen Elbe-Jeetzel-Zeitung (Lüchow), Winsener Anzeiger (Winsen (Luhe)), Allgemeine Zeitung (Uelzen) und Isenhagener Kreisblatt.

Neben der Tageszeitung erscheinen zwei Anzeigenblätter für die Region: der Blickpunkt Hermannsburg für Hermannsburg, Unterlüß, Faßberg und Bergen mit 14.178 Exemplaren in wöchentlicher Erscheinungsweise und die Zeitung kreuz&quer für Touristen der Region Lüneburger Heide in Soltau, Schneverdingen, Bispingen, Munster, Wietzendorf und Neuenkirchen mit 2- bis 4-wöchentlicher Erscheinung ab April 2019.

GeschichteBearbeiten

Gründung und erste AusgabeBearbeiten

Leonhard Mundschenk, geboren am 8. Oktober 1834 in Astheim, machte in Mainz eine Lehre als Schweizerdegen (gleichzeitig Buchdrucker und Schriftsetzer). Auf seiner anschließenden Wanderschaft kam er auch nach Lüneburg und Uelzen, wo er für die Von Stern’sche Druckerei arbeitete. 1864 beschloss Mundschenk, nach Soltau zu gehen und dort eine eigene Zeitung zu gründen, da es in der 1900-Einwohner-Stadt bis dato noch keine Lokalzeitung gab.

Am 1. September 1864 zog Mundschenk mit seiner Familie von Uelzen nach Soltau und mietete ein paar Räume an der Ecke Wilhelmstraße/Winsener Straße (Krauls Eck) an. Die erste Ausgabe der Böhme-Zeitung – Wochen-Blatt für die Aemter Soltau und Fallingbostel sollte am 1. Oktober erscheinen, doch die Konzession verzögerte sich aufgrund seiner hessischen Herkunft und erst am 18. Oktober 1864 erhielt Mundschenk schließlich die Genehmigung.

So erschien die erste Ausgabe der Böhme-Zeitung am 19. Oktober 1864. Sie bestand aus vier Druckseiten im Format 22 mal 33 Zentimeter, die mit einer Handpresse hergestellt wurden. Zu Beginn hatte die Zeitung, die zunächst mittwochs und sonnabends erschien, 134 Abonnenten, nach einem Jahr war die Zahl bereits auf 570 angewachsen.

Entwicklung in der AnfangszeitBearbeiten

Mit der am 22. Dezember 1864 ausgestellten Buchhandelskonzession war es Mundschenk auch gestattet, Bücher und Kalender zu drucken und zu verkaufen. Da die Geschäftsräume schnell zu eng wurden, verlegte er die Druckerei in die heutige Bahnhofstraße 1. 1868 kaufte Mundschenk die erste Schnellpresse, die die Arbeit deutlich vereinfachte. Die Ausgaben, die mit dieser Presse gedruckt wurde, hatte ein vergrößertes Format. 1877 und 1886 wurden weitere Schnellpressen angeschafft.

Anfang 1872 kaufte Mundschenk ein Grundstück mit Haus und Stallgebäude an der Kirchstraße 121 (später Kirchstraße 4), das am 30. Juni 1872 bezogen wurde. 1901 erwarb er auch das Nachbargrundstück, um dort ein Betriebsgebäude zu bauen. Eine neue Setzmaschine und eine Doppelschnellpresse wurden eingesetzt, 1904 war Mundschenk der erste Zeitungsverleger im Regierungsbezirk Lüneburg mit einer Rotationsdruckmaschine.

Ab 1877 gründete oder übernahm Leonhard Mundschenk (zeitweise) verschiedene Druckereien in Uelzen, Zeven, Zahna/Wittenberg und Oberlahnstein. Er überließ die Leitung der Druckereien zum Teil seinen Söhnen oder Schwiegersöhnen, die ebenfalls eine Druckerlehre absolviert hatten. Die Druckereien in Zeven und Lutherstadt Wittenberg bestehen bis heute.

Zwischenzeitlich erschien die Zeitung bereits dreimal wöchentlich (dienstags, donnerstags, sonnabends), doch Vertriebsprobleme auf dem Land führten dazu, dass ab 1871 wieder auf zwei Ausgaben pro Woche (dienstags und freitags) umgestellt wurde. Ab dem 1. Oktober 1882 erschien die Böhme-Zeitung dann zunächst täglich. Aufgrund der Kreisreformen 1885 und der damit verbundenen entfallenden amtlichen Bekanntmachungen des Kreises Fallingbostel wurde ab dem 1. Juni 1885 wieder auf die dreimal wöchentliche Erscheinungsweise umgestellt (montags, mittwochs, freitags). Der Name der Zeitung lautet daraufhin "Böhme-Zeitung - Kreis-Blatt für den Kreis Soltau – General-Anzeiger für die Kreise Soltau und Fallingbostel an der Böhme und Aller", auf Anordnung vom Landratsamt muss der letzte Teil des Untertitels kurz darauf jedoch wieder entfallen. Ab 1901 erschien die Zeitung täglich als Abendzeitung.

Kriegs- und KrisenjahreBearbeiten

Den Ersten Weltkrieg überlebte die Böhme-Zeitung trotz Papierknappheit und großem Zeitungssterben. Ab dem 1. Januar 1919 übernahm Emil Mundschenk den Betrieb seines Vaters, welcher am 18. März 1919 verstarb. Nach dem Krieg folgten weitere Krisen wie die Inflation – der Abo-Preis stieg Ende 1923 auf über eine Milliarde Mark pro Monat – und die Zeit des Nationalsozialismus. Nachdem das Konkurrenzblatt Soltauer Nachrichten im April 1936 auf Anordnung der Nazis eingestellt wurde, kaufte Emil Mundschenk die Verlagsrechte und die Druckmaschine auf. Die Böhme-Zeitung trug daraufhin vorübergehend den Titel „Böhme-Zeitung – Soltauer Zeitung/Soltauer Nachrichten – Amtliches Kreisblatt des Kreises Soltau / Gegründet 1864“. Im Mai 1941 musste auch die Schneverdinger Zeitung schließen und ging ebenfalls in der BZ auf. Die letzte Ausgabe vor der Besetzung der Stadt am 17. April 1945 erschien als zweiseitige Ausgabe vom 13./14./15. April.

Nach der Besetzung durch die Briten war das Herausgeben von Zeitungen, die bereits vor 1945 erschienen waren, verboten. Glückliche Umstände ermöglichten eine Zusammenarbeit mit der Versicherungswirtschaft, so dass die Mundschenk Druckerei mit dem Drucken von Formularen anderweitig ausgelastet werden konnte.

Am 7. August 1949 traten Emil Mundschenk und sein Sohn Martin dem Zeitungsring des Niederdeutschen Verlages in Hamburg bei, wodurch beide ab 1. September 1949 zu Lizenträgern der Niederdeutschen Zeitung für den Kreis Soltau wurden und die Zeitung in Soltau drucken konnten. Zum 1. Januar 1953 schloss sich die Böhme-Zeitung mit der Landeszeitung für die Lüneburger Heide (Lüneburg), der Allgemeinen Zeitung der Lüneburger Heide (Uelzen), der Elbe-Jeetzel-Zeitung (Lüchow), dem Winsener Anzeiger (Winsen (Luhe)), dem Isenhagener Kreisblatt (Wittingen) und der Aller-Zeitung (Gifhorn) zusammen. Damit liefen seit diesem Tag das überregionale Anzeigengeschäft und die Produktion der überregionalen Seiten, dem Mantel, gesammelt in Lüneburg.

Neubau und ModernisierungBearbeiten

Bereits ab den 1950er Jahren gab es erneute Überlegungen einer Vergrößerung des Betriebsgeländes. Durch den Tod von Emil Mundschenk im September 1954 wurde diese zunächst zurückgestellt, doch sein Sohn Martin, der den Betrieb übernommen hatte, nahm die Überlegungen schließlich wieder auf. Im März 1963 wurde zunächst noch ein Bauantrag für eine Erweiterung an der Kirchstraße gestellt, doch in den Folgejahren dachte man um. 1969 wurde der Grundstein für das noch heute genutzte neue Betriebsgelände an der Harburger Straße gelegt, im August 1971 fand die Eröffnung statt. Kurz nach der Einweihung der neuen Geschäftsstelle starb Martin Mundschenk. Im Alter von 29 Jahren musste sein Sohn Wolff-Martin Mundschenk den Betrieb frühzeitig übernehmen.

Im März 1977 wurde die alte Rotationsdruckmaschine, die noch in der Kirchstraße stationiert war, durch eine neue Maschine an der Harburger Straße ersetzt. Diese konnte u. a. auch von neuartigen Kunststoffplatten drucken. Dies war wichtig, damit die gesamte Satztechnik im Sommer 1980 auf computergestützten Fotosatz umgestellt werden konnte. Immer wieder wurde der Maschinenpark erweitert und modernisiert, so wurde beispielsweise 1997 eine 32-seitige Vierfarben-Rotationsdruckmaschine angeschafft.

2004 wurde die Mundschenk Druckerei als erste in Deutschland nach dem Qualitätsstandard DIN ISO 12647-2 zertifiziert. Im Jahr 2007 wurde der älteste Sohn Wolff-Martin Mundschenks, Martin Mundschenk, Mitgeschäftsführer des Betriebes und übernahm in den folgenden Jahren nach und nach die Leitung von seinem Vater. Um die ab der Jahrtausendwende einsetzende Zeitungskrise zu überstehen, folgten ab 2008 zahlreiche Umstrukturierungen – wie etwa die organisatorische Trennung von Verlag und Druckerei – und Investitionen z. B. in den Digitaldruck oder eine Endlosdruckmaschine. Seit 2006 ist die Böhme-Zeitung auch als ePaper abrufbar.

Zum 150-jährigen Jubiläum der Zeitung fand 2014 eine zweimonatige Sonderausstellung im Museum Soltau statt, die auf die Lokalgeschichte und die Historie des Druckwesens zurückblickt.[2]

AuflageBearbeiten

Die Böhme-Zeitung hat wie die meisten deutschen Tageszeitungen in den vergangenen Jahren an Auflage eingebüßt. Die verkaufte Auflage ist seit 1998 um 28,8 Prozent gesunken.[3] Sie beträgt gegenwärtig 9632 Exemplare.[4] Das entspricht einem Rückgang von 3894 Stück. Der Anteil der Abonnements an der verkauften Auflage liegt bei 88,8 Prozent.

Entwicklung der verkauften Auflage[5]

 


Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Festschrift 150 Jahre Böhme-Zeitung. Wandel unserer Heimat im Spiegel der Zeit. Mundschenk Verlag, 2014. ISBN 3-933802-31-8
  • Lothar Eichmann: 125 Jahre Druckerei Mundschenk und Verlag der Böhme-Zeitung; 1864 bis 1889; Die Geschichte des Familienunternehmens im Spiegel der Zeit. Mundschenk Verlag, 1989. ISBN 978-3568934789
  • Böhme-Zeitung Jubiläumsausgabe, Sonderausgabe zum 150-jährigen Jubiläum vom 18. Oktober 2014.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. laut IVW (Details auf ivw.eu)
  2. Gedruckte Heimat - 150 Jahre Böhme-Zeitung Informationen auf soltau.de
  3. laut IVW, (Details auf ivw.eu)
  4. laut IVW, erstes Quartal 2019, Mo–Sa (Details und Quartalsvergleich auf ivw.eu)
  5. laut IVW, jeweils viertes Quartal (Details auf ivw.eu)

Koordinaten: 52° 59′ 54,2″ N, 9° 50′ 13,4″ O