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Der Mühlenhof stand am Mühlendamm/Molkenmarkt. Er wurde etwa 1510 als festes Gebäude errichtet und nachfolgend mehrfach umgebaut und erweitert. Der Gebäudekomplex wurde 1888 bis 1892 abgerissen.

Das Amt Mühlenhof war ein kurfürstlich-brandenburgisches, später königlich-preußisches Domänen- und Justizamt. Seine Ursprünge gehen zurück auf das Jahr 1448, als die Patrizier mehrere Mühlen und Ländereien an Kurfürst Friedrich II. abtreten mussten. Durch Säkularisation und weitere Zukäufe entstand in der Folge ein umfangreiches Amt, das anfangs vor allem der Versorgung des Hofes diente und zahlreiche Dörfer verwaltete, die heute nach Berlin eingemeindet sind.

GeschichteBearbeiten

Der Berliner Unwille, eine Revolte von Bürgern der Doppelstadt Berlin-Cölln gegen den Bau des Berliner Stadtschlosses, endete 1448 mit dem Kompromiss, dass die Patrizier Mühlen und Ländereien an Friedrich II. zurückgeben mussten, die frühere Herrscher freigiebig vergeben hatten. Diese benötigte der Kurfürst auch, da er nach der Übernahme der Mark Brandenburg im Jahre 1415 durch die Hohenzollern mit dem Bau des Schlosses in Berlin sesshaft wurde. Zur Verwaltung der Güter wurde ein Mühlenmeister eingesetzt, der nicht nur die unmittelbar am benachbarten Mühlendamm in der Spree befindlichen Mühlen, sondern auch den Mahlzwang überwachte. Seine und die Hauptaufgabe des späteren Amtmannes bestand jedoch darin, die für die Hofhaltung notwendigen Naturalien zu beschaffen.

Erst mit dem Kauf der Dörfer Schöneberg und Wilmersdorf bildete sich nach 1506 das Amt Mühlenhof heraus. In der Mitte des 16. bis in die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts war Amt Mühlenhof mit Amt Mühlenbeck kombiniert. Durch Säkularisation und Kauf weiterer Ländereien und Objekte im 16., 17. und 18. Jahrhundert wuchs das Gebiet weiter. Das Amt Mühlenhof war bis Mitte des 18. Jahrhunderts mit dem Amt Mühlenbeck kombiniert. Neben dem Amtshauptmann beschäftigte das Amt (1746) einen Oberamtmann, einen Obereinnehmer, einen Obermühleninspektor, einen Korn- und Futterschreiber, einen Mühlen- und Waagenkontrolleur, etliche Mühlenwaagemeister und einen Malz-Waagemeister.[1]

1811 wurde das Amt Mühlenhof mit den Ämtern Köpenick und Niederschönhausen sowie dem östlich der Spree gelegenen Teil des Amtes Spandau vereinigt. Die Ämter wurden zunächst noch getrennt, aber vom selben Amtmann geführt.[2] Amt Mühlenhof weitergeführt. 1816 bis 1822 unterstand das Amt der Regierung in Berlin und nach deren Auflösung der Regierung in Potsdam. Es wurde reines Rentamt.

1853 wurde die Rentamtskasse vom Mühlenhof aufgelöst und mit denen von Teltow und Niederbarnim vereinigt. 1874 wurde im Zuge der Kreisreform auch das Polizeiamt aufgelöst und nur noch vereinzelt Aufgaben wahrgenommen, die nicht auf die Kreisverwaltung übergegangenen waren. 1903 wurden die Ämter Berlin und Mühlenhof wieder zum Königlichen Domänen-Rentamt Berlin-Mühlenhof vereinigt. Dieses bestand bis 1945.

Zugehörige OrteBearbeiten

Zum Amt Mühlenhof gehörten im Jahre 1800:

  • Ahrensfelde – Das Gebiet des heutigen Ortsteils Ahrensfelde wurde zwischen 1486 und 1499 von der Berliner Familie Strohband erworben.
  • Schöneberg wurde in mehreren Käufen zwischen 1489 und 1506 erworben.
  • Wilmersdorf – Dorf und Vorwerk wurden 1506 sowie 1646/1652 erworben.
  • Zehlendorf gehörte ursprünglich zum Kloster Lehnin und seit 1542 zum Amt Mühlenhof.
  • Wedding – Das Erbzinsgut Wedding wurde 1603 erworben.
  • Teltow – Nach der Übernahme vom Bischof von Brandenburg gehörte Teltow erst zum Amt Ziesar und wurde in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts zum Amt Mühlenhof verlegt.
  • Moabit – Die Erbzinsbesitzungen wurden nach 1706 errichtet, um hier Maulbeer-Plantagen für die Seidenraupenzucht anzulegen.
  • Böhmisch-Rixdorf – Die Kolonie wurde 1737 von böhmischen Auswanderern errichtet.
  • Lankwitz – Das Dorf gehörte ursprünglich dem Benediktinerinnenkloster St. Marien zu Spandau, seit 1553 zum Amt Spandau und wurde 1747 zum Amt Mühlenhof verlegt.
  • Lindenberg – Das Dorf gehörte ursprünglich dem Kloster Zehdenick, seit 1541 zum Amt Zehdenick, 1685 zum Amt Biesenthal und wurde 1748 zum Amt Mühlenhof verlegt.
  • Gesundbrunnen – Vorwerk und Kolonie wurden 1759 beim Vorwerk Wedding errichtet.

Darüber hinaus gab es noch weitere Besitzungen, die durch das Amt verwaltet wurden:

1811 kamen die von den Ämtern Köpenick und Niederschönhausen verwalteten Gebiete zum Amt Mühlenhof:

Später kamen noch weitere Orte hinzu:

Amtshauptmänner und AmtmännerBearbeiten

 
Der Diplomat und Dichter Friedrich Rudolph Ludwig von Canitz bekam 1683 den Auftrag, den Mühlendamm neu zu gestalten.

Die ersten Bediensteten wurden Mühlenmeister genannt, unterstanden ihnen doch vor allem die Mühlen und die Überwachung der Mahlpflicht.

Etwa von der Mitte des 16. Jahrhunderts bis zum Ende des 18. Jahrhunderts gab es den Amtshauptmann, der umgangssprachlich auch Mühlenhauptmann genannt wurde. Neben dieser Funktion bekleideten sie oft zahlreiche weitere Ämter bei Hofe. Wichtige Amtshauptmänner waren:

Amtmänner:

  • 1775 Friedrich Wilhelm Bätcke, Kriegsrat und Generalpächter[5]
  • 1798 Sturm, Kriegsrat[6]
  • 1818 Sturm, Kriegs- und Domänenrat[2]
  • 1821–1824 Brandhorst, Kriegsrat und Rentbeamter[7][8]
  • 1832–1846 Eyber[9][10]
  • 1848 Pfeifer[11]
  • 1851 Böhmer, Bürgermeister in Berlin (ad int.)[12]
  • 1852 Feilke (ad int.) (Rent-Amt)[13]
  • 1854 Feilke (ad int.) (Domainen-Polizei-Amt)[14]
  • 1868 Pietzsch (Domainen-Polizei-Amt)[15]

LiteraturBearbeiten

  • Heinrich Berghaus: Der Sprachschatz der Sassen. Zweiter Band: I–N. Eisenschmidt, Berlin 1883, Begriffe Mölenammet und Mölenhof, S. 640–643.
  • Heinrich Herzberg (Autor), Hans Joachim Rieseberg (Mitarbeit): Mühlen und Müller in Berlin. Teilauflage, Werner-Verlag, Düsseldorf 1987, ISBN 3-8041-1977-8, Kapitel 4. Chroniken der Berlin/Cöllner Wassermühlenstandorte. Mühlendamm-Mühlen, S. 50–82.
  • Friedrich Holtze: Das Amt Mühlenhof Berlin. In: Schriften des Vereins für die Geschichte Berlins. Heft 30. Verlag des Vereins für die Geschichte Berlins, Berlin 1893, S. 19–39 (Digitalisat in Zentral- und Landesbibliothek Berlin; [PDF; 750,9 kB; abgerufen am 10. Oktober 2018]).
  • Theodor Odebrecht: Die Amtshauptmänner des Amtes Mühlenhof in Berlin. In: Beiträge zur Geschichte Berlins. Band 3. Gropius, Berlin 1840, S. 88–89 (Digitalisat).
  • Berthold Schulze: Besitz- und siedlungsgeschichtliche Statistik der brandenburgischen Ämter und Städte 1540–1800 (= Einzelschriften der historischen Kommission für die Provinz Brandenburg und die Reichshauptstadt Berlin. Band 7). Gsellius, Berlin 1935.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Christian Friedrich Hempel: Helden-, Staats- und Lebens-Geschichte des Allerdurchlauchtigsten und Grosmächtigsten Fürsten und Herrn Friedrichs des Andern jetzt glorwürdigst regirenden Königs in Preussen, Chur-Fürstens zu Brandenburg, und souverainen Herzogs in Schlesien: Aus ächten Urkunden mit unpartheyischer Feder bis Ostern 1746 pragmatisch und umständlich beschrieben, auch hin und wieder mit nützlichen Anmerckungen erläutert, nichtweniger mit nöthigen Genealogischen Tabellen versehen, und mit saubern Kupfern gezieret, welche alle 5. Haupt-Schlachten in den bisherigen Schlesisch- und Böhmischen Kriegen, wie auch die vielfältigen Läger beyderseitiger Armeen daselbst, möglichster massen richtig vorstellen. 1156 S., Tübingen, bey Johann Ulrich Cotta, 1760 Online bei Google Books@1@2Vorlage:Toter Link/www.books.google.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (S. 308/9)
  2. a b Handbuch über den königlich preussischen Hof und Staat für das Jahr 1818. 459 S., Berlin, Georg Decker, 1818 (S. 188)
  3. Brandenburgisches Landeshauptarchiv: Online Recherche: Kurfürst Joachim II., Markgraf von Brandenburg, belehnt Albrecht Rademann bzw. Hans von Thermo, Amtmann zum Mühlenhof, und die Gebrüder von Bardeleben mit Gütern und Einkünften in Selchow. 1536 Juli 14.
  4. George Adalbert von Mülverstedt, Hrsg.: Sammlung von Ehestiftungen und Leibgedingsbriefen ritterschaftlicher Geschlechter der Provinzen Sachsen, Brandenburg, Pommern und Preußen. 360 S., Magdeburg 1863 (S. 44)
  5. Adres-Calender, der sämtlichen Königl. Preuß. Lande und Provinzien, auser den Residenzien Berlin, dem Königreiche Preussen und dem Souverainen Herzogthume Schlesien; der darinnen befindlichen hohen und niedern Collegien, Instanzien und Expeditionen, ingleichen der Königl. Bediente, Magisträte, Universitäten, Prediger etc. auf das Jahr MDCCLXXV (1775). 582 S., Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften, Berlin, 1775. Online bei Sächsische Landesbibliothek Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (Hinter S. 72 zusätzlich eingeheftetes Blatt)
  6. Handbuch über den königlich preussischen Hof und Staat für das Jahr 1798. 444 S., nebst einen Anhang, 94 S., Berlin, George Decker, 1798 Online bei Google Books (S. 58)
  7. Handbuch über den königlich preussischen Hof und Staat für das Jahr 1821. 518 S., Berlin, Georg Decker, 1821 (S. 214)
  8. Handbuch über den königlich preussischen Hof und Staat für das Jahr 1824. 498 S., Berlin, Georg Decker, 1824 Online bei Google Books (S. 182)
  9. Handbuch über den königlich preussischen Hof und Staat für das Jahr 1832. 538 S., Berlin, Georg Decker, 1832 (S. 242)
  10. Handbuch über den königlich preussischen Hof und Staat für das Jahr 1846. 812 S., Berlin, Georg Decker, 1846 (S. 305)
  11. Handbuch über den königlich preussischen Hof und Staat für das Jahr 1848. 869 S., Berlin, Georg Decker, 1848 (S. 315)
  12. Königlich Preussischer Staats-Kalender für das Jahr 1851. 840 S., Berlin, Georg Decker, 1851 (S. 322)
  13. Königlich Preussischer Staats-Kalender für das Jahr 1852. 868 S., Berlin, Georg Decker, 1852 (S. 331)
  14. Königlich Preussischer Staats-Kalender für das Jahr 1854. 831 S., Berlin, Georg Decker, 1854, (S. 318)
  15. Handbuch über den königlich preussischen Hof und Staat für das Jahr 1868. 963 S., Berlin, Georg Decker, 1868 (S. 406)

WeblinksBearbeiten