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Cölln

Stadt, die dem alten Berlin an der Spree gegenüberlag
Berlin und Cölln im Anfang des 13. Jahrhunderts. Wiederherstellungsversuch von Karl Friedrich von Klöden. Es fehlen z. B. in Cölln die Breite Straße und die Gegend des späteren Dominikanerklosters, in der die bisher ältesten Dendro-Funde gemacht wurden.
Cölln (gelb gefärbt) auf einem Stadtplan von 1688
Cölln, 1893

Cölln (auch: Kölln; lateinisch: Colonia) war eine Siedlung und Stadt im heutigen Berliner Ortsteil Mitte. Sie war vom 12. Jahrhundert bis 1307 und von 1442 bis 1710 eigenständig, auch wenn es immer enge Beziehungen zum benachbarten (Alt-)Berlin gab.

Für das Jahr 1237 ist die älteste Erwähnung erhalten. 1710 wurde Cölln in die preußische Hauptstadt Berlin eingegliedert. Heute ist die Bezeichnung Cölln für das Gebiet nur noch in historischem Zusammenhang üblich.

Inhaltsverzeichnis

LageBearbeiten

Cölln ist eine Insel, die von zwei Armen der Spree umflossen wird. Die wichtigsten Straßen sind die alte Fernhandelsstraße von Süden nach Norden, heute Leipziger Straße und Mühlendamm, sowie die Breite Straße innerhalb der Insel in Ost-West-Richtung.

Die Petrikirche war der Mittelpunkt der Insel, das Cöllnische Rathaus befand sich in der heutigen Brüderstraße. Seit 1445 befand sich das Schloss der Kurfürsten von Brandenburg im Südwesten. Außerdem gab es ein Dominikanerkloster, ein Gertraudenhospital, die Mühlendammbrücke mit drei Mühlen, Patrizierhäuser und weitere Grundstücke.

Von der mittelalterlichen Bauten existiert heute oberirdisch nichts mehr, einige Renaissancehäuser sind erhalten, das Schloss wird in der Fassade wieder neu errichtet. Der heutige Ortsteil ist geprägt von Neubauten aus DDR-Zeiten im Nordosten (Fischerinsel), und einigen Bauten früherer Jahrzehnte und Brachflächen. Bis 1990 befand sich am Schlossplatz auch das Staatsratsgebäude der DDR.

GeschichteBearbeiten

Gründung im 12. JahrhundertBearbeiten

Über die Gründung von Cölln gibt es keine schriftlichen Überlieferungen. Aus der Zeit ab etwa 1150 gibt es archäologische Funde.

Um die Petrikirche wurden 3102 Gräber mit Überresten von 4105 Personen identifiziert, die in die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts datiert werden können.[1]

Die ältesten dendrochronologischen Befunde lassen sich für um 1170 datieren. Ein Holzbalken im Keller eines Fernhandelskaufmanns in der Breiten Straße hat ein Dendrodatum von „um 1170“. Der älteste Beleg auf dem Gelände des späteren Dominikanerklosters datiert auf „1198 (Waldkante)“, am Petrikirchplatz auf „1212 ±10“. Die ältesten Häuser in der Breiten Straße gehörten reichen Fernhandelskaufleuten und Patriziern.

Cölln war ein Fernhandelsplatz. Der erste urkundlich bekannte Bürgermeister Marsilius kam aus dem Rheinland. Das Patrozinium der Petrikirche lässt einen geistlichen Gründer möglich erscheinen.

Erste urkundliche Erwähnungen im 13. JahrhundertBearbeiten

Die älteste Erwähnung Cöllns ist aus dem Jahr 1237 erhalten.[2][3][4] Die Urkunde stammt vom Februar 1238, enthält aber den Text eines Vertrages, der im Oktober 1237 in Brandenburg, in Anwesenheit des Pfarrers Symeon de Colonia, zur Beilegung des Brandenburger Zehntstreits geschlossen wurde.[5] Symeon wurde vier Jahre später bereits als Propst von Berlin und 1247 als Propst von Cölln bezeichnet, was auf eine größere Bedeutung beider Orte und eine Existenz von mindestens einigen Jahrzehnten hinweist.

Entwicklung im 13. und 14. JahrhundertBearbeiten

Die beiden Orte waren durch den Mühlendamm miteinander verbunden. Der Mühlendamm staute das Wasser, das dann drei Mühlen antrieb. Der Transport von Waren, die von der Elbe und Havel hier ankamen und auf der Verbindung zwischen Frankfurt (Oder) und Magdeburg brachte im Zusammenhang mit dem Niederlagsrecht Handelszölle ein. Vom schnell wachsenden Reichtum der Doppelstadt zeugt auch der Umstand, dass der erste nachweisliche märkische Landtag 1280 in Berlin stattfand; in diesem Jahr wurde auch erstmals eine Münze in Berlin erwähnt.

Im Jahr 1307 schlossen sich beide Orte verwaltungstechnisch in einem Magistrat zusammen, in dem die Berliner allerdings entsprechend ihrem Bevölkerungsanteil durch mehr Stimmen vertreten waren. Der Magistrat baute zusätzlich zum Mühlendamm die Lange Brücke, die heutige Rathausbrücke, auf der 1309 ein gemeinsames Rathaus errichtet wurde. Die gemeinsame Politik der Doppelstadt führte 1308 zu einem ersten Bündnis mit anderen Städten in der Mark Brandenburg, darunter Frankfurt (Oder), Brandenburg an der Havel und Salzwedel, zur Wahrung ihrer Rechte gegenüber dem Landesherrn und zur Abwehr äußerer Gefahren.

Cölln und Berlin schlossen sich 1432 zu einer Stadtgemeinde endgültig zusammen.[2][3][6] Die gemeinsame Stadtverwaltung von Berlin und Cölln wurde 1442 durch Kurfürst Friedrich II. zur Durchsetzung eigener Machtansprüche wieder aufgehoben. Darüber hinaus wurde Cölln gezwungen, dem Kurfürsten einen Platz für die Errichtung einer Burg abzutreten. Aus ihr entstand das Berliner Stadtschloss, das etwa ab Ende des 15. Jahrhunderts den Kurfürsten von Brandenburg als Residenz diente.

In der Karwoche 1615 ereignete sich in Cölln der konfessionell begründete Berliner Tumult, ein Aufruhr gegen die calvinistische Kirchenpolitik des Kurfürsten.

Von 1658 bis 1683 ließ der Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg Cölln und Berlin mit Festungswerken nach Plänen von Johann Gregor Memhardt versehen, die weitgehend entlang der alten Stadtmauer von Berlin angelegt wurden. Nur an einigen Stellen wurden die Stadttore nach außen verlegt. Cölln lag nicht länger an der Außengrenze, weil im Rahmen des Festungsbaus innerhalb der neuen Festungsmauer jenseits des Spreekanals die Neustädte Friedrichswerder im Westen und Neukölln am Wasser (Neu-Cölln) im Süden angelegt wurden. Teile des Festungswerkes, insbesondere die Bastionen, sind noch heute im Straßengrundriss der Stadt zu erkennen, beispielsweise am Hausvogteiplatz.

Die Städte Berlin, Cölln, Friedrichswerder, Dorotheenstadt und Friedrichstadt wurden 1710 zur königlichen Haupt- und Residenzstadt Berlin vereinigt. Zunehmend standen nun die Festungsmauern der städtischen Entwicklung im Wege, sodass diese ab 1734 geschleift wurden, damit Berlin mit seinen Vorstädten zusammenwachsen konnte. Die ganze Stadt wurde durch die Akzisemauer umgeben, von deren Verlauf heute noch Bezeichnungen von Straßen und Plätzen, insbesondere nach ehemaligen Stadttoren, zeugen.

Im Mittelalter hatte Cölln rund 1.400 Einwohner. Als Berliner Stadtteil umfasste Cölln die gesamte Spreeinsel und erreichte 1871 seine höchste Bevölkerungszahl mit 16.554 Einwohnern. 1910 betrug die Einwohnerzahl noch 6.895.[7] 1920 ging Cölln im neugebildeten Berliner Bezirk Mitte auf. Im Zweiten Weltkrieg wurden über 30 Prozent der Gebäude zerstört, 10 Prozent blieben unbeschädigt, während der Rest als wiederaufbaufähig galt.[8] Zur DDR-Zeit folgte dem programmatischen Abriss des Schlosses im Jahr 1950 eine nahezu vollständige Neubebauung mit Plattenbauten auf verändertem Straßengrundriss. Cölln ist heute nicht mehr als historischer Ortsteil erkennbar. Der Name Cölln oder Alt-Cölln wird im allgemeinen Sprachgebrauch nicht mehr als Ortsbezeichnung verwendet.

Historische Orte und GebäudeBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Ernst Fidicin: Die Gründung Berlins. Berlin 1840 (streng quellengenau, kritisiert Klöden als zu spekulativ).
  • Wolfgang H. Fritze: Gründungsstadt Berlin. Die Anfänge von Berlin-Cölln als Forschungsproblem, bearbeitet, herausgegeben und durch einen Nachtrag ergänzt von Winfried Schich. Verlag für Berlin-Brandenburg, Potsdam 2000, ISBN 3-932981-33-2.
  • Hansjürgen Vahldiek: Wie entstand die Cöllner Spreeinsel? In: Kurt Winkler (Hrsg.): Jahrbuch Stiftung Stadtmuseum Berlin. Gewidmet Reiner Güntzer (= Jahrbuch Stiftung Stadtmuseum. Jahr 2003). Band IX. Henschel Verlag, Berlin 2003, ISBN 3-89487-492-9, S. 81–96.
  • Verein für die Geschichte Berlins (Hrsg.): Projekt Alt-Cölln. In: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins, 105. Jahrgang, Heft 2, Berlin 2009 (PDF).

WeblinksBearbeiten

  Commons: Cölln – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Münzen von Cölln im Interaktiven Katalog des Münzkabinetts der Staatlichen Museen zu Berlin

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ausgrabungen zwischen 2007 und 2010 vom Stadtmuseum Berlin. Die durchschnittliche Lebenserwartung der Frauen lag bei 30–40 Jahren, die der Männer bei 40–50 Jahren. Dabei lag die Kindersterblichkeit bei 30 %. Die Männer wurden im Schnitt 1,70 m groß, die Frauen 1,60 m. Dabei war der größte Mann 1,90 m, der kleinste 1,54 m groß. Bei den Frauen lagen die Extremmaße bei 1,84 und 1,44 m. 19 % der Skelette wiesen Anzeichen von Infektionen auf. Vgl. Claudia Maria Melisch: Riesenchance – umfangreiche Skelettserien aus großen Friedhöfen. In: Archäologie in Deutschland 2/2017, S. 32 f.
  2. a b B. Stöver: Geschichte Berlins. Verlag CH Beck, 2010, ISBN 978-3-406-60067-8.
  3. a b Stadtgründung und Frühe Stadtentwicklung. Luisenstädtischer Bildungsverein
  4. Die mittelalterliche Handelsstadt. Berlin.de
  5. Roland Bauer et al.: Berlin – Illustrierte Chronik bis 1870. Dietz, Berlin 1987, ISBN 3-320-00831-5, S. 28 f.
  6. Die kurfürstliche Residenzstadt. Berlin.de
  7. Friedrich Leyden: Entwicklung der Bevölkerungszahl in den historischen Stadtteilen von Alt-Berlin. In: Gross-Berlin. Geographie der Weltstadt. Hirt, Breslau 1933, S. 206.
  8. Angaben zu den Gebäudeschäden auf einer Schadenskarte des Senats („Gebäudeschäden 1945“ unter „Historische Karten“ wählen), zum Denkmalsbestand um 1955 bei Hans Müther: Berlins Bautradition. Kleine Einführung. Das Neue Berlin, Berlin 1956, S. 85–108

Koordinaten: 52° 31′ N, 13° 24′ O