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Der Molkenmarkt (früherer Name: Alter Markt) ist der älteste Platz Berlins.[1] Er liegt im Ortsteil Mitte, östlich des Nikolaiviertels unweit der Spree, und ist seit den 1960er Jahren nur ein stark frequentierter Verkehrsknotenpunkt.

Molkenmarkt
Coat of arms of Berlin.svg
Platz in Berlin
Molkenmarkt
Molkenmarkt mit dem Alten Stadthaus
links im Hintergrund
Basisdaten
Ort Berlin
Ortsteil Mitte
Angelegt 13. Jahrhundert
Einmündende Straßen
Spandauer Straße,
Stralauer Straße,
Mühlendamm,
Grunerstraße
Nutzung
Nutzergruppen Straßenverkehr
Technische Daten
Platzfläche 9200 m² (gerundet)

BeschreibungBearbeiten

Der Platz wird durch das Alte Stadthaus mit seinem hohen Turm und seiner Rundkuppel dominiert und durch die verkehrsreiche Grunerstraße in ost-westlicher Richtung zerschnitten. Die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Randbebauung und in der Nachkriegsgeschichte eingeebnete Fläche lässt ihn nicht mehr als Stadtplatz erleben. Ursprünglich war er Teil des ehemals dicht bebauten Berliner Altstadtkerns. Ab den 2020er Jahren erfolgt nach den Beschlüssen des Berliner Senats eine Wiederherstellung der historischen Struktur, das Molkenmarktviertel soll entstehen. Bis dahin wird das rund 25.000 m² große Terrain von Archäologen genauestens untersucht und dokumentiert.[2]

Die Grabungen haben im Januar 2019 auf dem nördlichen Streifen des Mühlendamms begonnen, das Grabungsende ist mit Juli 2019 festgelegt. In dem genannten Zeitraum führt das Landesdenkmalamt Führungen für Interessierte durch. Für das Jahr 2022 ist der Beginn der Rekonstruktion des historischen Platzes festgelegt.[3]

Lage und ErschließungBearbeiten

Die folgenden Straßen beginnen am Molkenmarkt oder tangieren ihn:

GeschichteBearbeiten

 
Molkenmarkt um 1780

Schon vor der ersten Erwähnung Berlins (1244) und Cöllns (1237) wurde an dieser Stelle gehandelt und gefeilscht. Der Markt befand sich in günstiger Lage am nördlichen Ende des Mühlendamms, dem ersten befestigten Spreeübergang. Der neu eröffnete Neue Markt an der Marienkirche löste ihn Ende des 13. Jahrhunderts vom ersten Platz des meist bevölkerten Hauptmarkts ab. Kurfürst Friedrich III. ließ den Handelsmarkt nach kurzer Zeit schließen und nutzte ihn dann für Militärparaden. Im 18. Jahrhundert entstanden rings um den Platz mehrere Adelspalais', von denen jedoch nur das Palais Schwerin erhalten ist. In den 1930er Jahren mussten viele umliegende Bauten wegen der Verbreiterung des Mühlendamms und der Erweiterung der Schleuse abgerissen werden.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs beschloss die Ost-Berliner Stadtverwaltung eine autogerechte Umgestaltung der Innenstadt und ließ nach dem Neubau der Mühlendammbrücke und der Errichtung der Wohnbauten in der Leipziger Straße die darüber verlaufende Grunerstraße achtspurig ausbauen, die eine schnelle Ost-West-Verbindung zwischen Alexanderplatz und dem Potsdamer Platz ermöglichte.[1] Damit wurden etwa 80 Prozent der früheren Platzfläche zu einer reinen Verkehrsfläche, über die täglich rund 72.000 Fahrzeuge ihren Weg nehmen.[2]

Das Ephraim-Palais wurde 1985 unweit vom alten Standort im Nikolaiviertel wieder aufgebaut, ebenso das Gasthaus Zur Rippe. Ein berlinweit bekannter Ort war der nahegelegene Große Jüdenhof.

NameBearbeiten

 
Molkenmarkt, 1902
 
Abriss der nördlichen Randbebauung, 1936

Der Molkenmarkt trug zahlreiche historische Namen: Olde Markt (Op den Olden Markt) (13. Jahrhundert bis 1685),[4][5] Mulkenmarkt (1685–1728),[6] Königsmarkt (1737 bis um 1750; nachdem ein nach Entwurf von Andreas Schlüter angefertigtes Denkmal des Königs Friedrich I. aufgestellt worden war),[7] Königsplatz (1728–1737).[8] Seit etwa 1750 ist der Name Molkenmarkt amtlich.[9]

Als Namensherkunft gilt einerseits die Mühlenhofmeierei, die hier ihre Milchprodukte verkaufte. Andererseits wird angenommen, dass der Name von Mollen (niederdeutsch für ‚Mühlen‘) am Mühlendamm abgeleitet wurde.[1]

Bauten (Auswahl)Bearbeiten

Am Ende des Zweiten Weltkriegs war die gesamte Berliner Innenstadt und damit auch der Molkenmarkt mit seiner Umgebung stark zerstört. Einige Gebäude wurden wieder aufgebaut oder repariert wie die Nummer 1 und Nummer 2. Im 17. Jahrhundert gehörten die Bauwerke dem damaligen brandenburgischen Kurfürsten. Hier wohnten die Adelsfamilie Blankenfelde (seit dem 13. Jahrhundert), der Kanzler Lampert Distelmeyer und der Baumeister Rochus zu Lynar. Später gab es an dieser Stelle die Stadtvogtei, das Polizeipräsidium und das Stadtgefängnis. 1934 wurde die Vogtei abgebrochen und eine Münzprägestätte neu errichtet.

Der preußische Gesandte Otto von Schwerin erwarb das Haus Molkenmarkt Nummer 3 und ließ es für seine Familie als Wohnsitz herrichten. Das Gebäude ist erhalten und als Palais Schwerin Baudenkmal geschützt. Neben dem Haus Nummer 3 befand sich der Zugang zum Krögel. Das Alte Stadthaus und ein Gebäude der Städtischen Feuersozietät (1932 errichtet) in der Umgebung sind ebenfalls erhalten.[5] Seit dem Jahr 2000 hat das Deutsch-Französische Jugendwerk in der Nummer 1 seinen Sitz.[10]

UmgestaltungBearbeiten

Das Planwerk Innenstadt und der darauf fußende Bebauungsplan Klosterviertel sehen vor, die Grunerstraße zurückzubauen, sie zum Roten Rathaus hin zweifach zu verschwenken und den Platz sowie das ihn umgebende Quartier in einer an die ursprüngliche Platzgeometrie angelehnten Form zu bebauen. Statt der früheren Straßen mit maximal zwei bis drei Fahrstreifen pro Richtung sollen jedoch nun vier- bis sechsspurige Straßenzüge mit einer Straßenbahn auf einem eigenen, begrünten Gleiskörper (Rasengleis) angelegt werden.[11]

Entgegen der ursprünglichen Bebauung sind deutlich höhere Traufhöhen vorgesehen, allerdings in eher lockerer Blockbebauung. Auch der Platz vor dem Alten Stadthaus würde dann wieder bebaut. Das Quartier war von den Nationalsozialisten zur Anlage eines Gauforums niedergelegt und auch zu DDR-Zeiten aus Repräsentationsgründen freigehalten worden. Diese Konzeption ist wegen ihrer verkehrstechnischen Änderungen und wegen des Abtrennens des Stadthauses vom Platz als bisher platzdominierendes Bauwerk umstritten.[12]

Am 19. April 2016 beschloss der Senat von Berlin den Bebauungsplan zur Rekonstruktion des Molkenmarktes.[13] Die Arbeiten begannen am 14. Januar 2019 mit der Anlage einer Grabungsfläche für die Archäologen, mit dem Ziel, durch Archäologische Fenster später die Geschichte sichtbar zu machen.[14] Der Termin für den Abschluss der Untergrunduntersuchungen ist auf das Ende 2021 festgelegt worden. Das Berliner Denkmalamt unter Leitung des Wissenschaftlers Michael Malliaris hofft vor allem auf Funde, die mehr Aufschluss zum früheren jüdischen Leben in der Umgebung des Molkenmarktes geben. Die Verschmälerung und Verschwenkung der Grunerstraße hat parallel dazu ebenfalls begonnen und soll im Jahr 2022 abgeschlossen sein. Die dann frei werdende zukünftige Baufläche soll dann noch einmal rund zwei Jahre lang gründlich untersucht werden. Die Zeitvorgaben scheinen insgesamt von vornherein unrealistisch zu sein, denn auch die Wohnbebauung soll schon 2022 beginnen. Eine nochmalige detaillierte Ablaufplanung aller Beteiligten – Verkehrs-, Bau und Kulturverwaltung des Senats, der Wohnungsbaugesellschaften und der betroffenen privaten Eigentümer – sollte zur Entschärfung der Konflikte stattfinden.[2]

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Molkenmarkt (Berlin-Mitte) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Horst Ulrich, Uwe Prell, Ernst Luuk: Molkenmarkt. In: Berlin Handbuch. Das Lexikon der Bundeshauptstadt. FAB-Verlag, Berlin 1992, ISBN 3-927551-27-9, S. 828.
  2. a b c Archäologisches Großprojekt. Unter dem Molkenmarkt verstecken sich 800 Jahre Stadt; in Berliner Zeitung, 7. Januar 2019 (Online-Ausgabe); abgerufen am 14. Januar 2019.
  3. Mühlendamm – Kraftzentrum von einst und Blick in die Fundgrube. In: Berliner Zeitung, 25. März 2019, S. 12.
  4. Olde Markt. In: Luise.
  5. a b Horst Rathunde: Der Molkenmarkt. Wo man vorbeikommt…. In: BZ am Abend, 1. August 1981.
  6. Mulkenmarkt. In: Luise.
  7. Königsmarkt. In: Luise.
  8. Königsplatz. In: Luise.
  9. Molkenmarkt bei Luise
  10. Homepage des Deutsch-Französischen Jugendwerks (Memento vom 4. Dezember 2011 im Internet Archive)
  11. Planung zum Molkenmarkt, Stand: 2009 der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.
  12. Richtig schöne DDR-Architektur. In: Berliner Zeitung, 7. August 2008; Kritik durch Ex-Senator Thomas Flierl (Die Linke).
  13. Senat beschließt Umgestaltung der historischen Mitte. (Nicht mehr online verfügbar.) In: www.rbb-online.de. Ehemals im Original; abgerufen am 25. August 2016.@1@2Vorlage:Toter Link/www.rbb-online.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven)
  14. Umbau am Molkenmarkt beginnt; in Berliner Zeitung vom 14. Januar 2019; abgerufen am 14. Januar 2019

Koordinaten: 52° 31′ 0″ N, 13° 24′ 36″ O