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Die Klosterkirche Lehnin

Das Amt Lehnin war ein kurfürstlich-brandenburgisches, später königlich-preußisches Domänenamt, das 1542 beziehungsweise 1543 aus dem Kernbesitz des säkularisierten Klosters Lehnin, in der Zauche und im Havelland gelegen, gebildet wurde. Die zugehörigen Orte liegen heute im Landkreis Potsdam-Mittelmark und im Landkreis Havelland (Brandenburg). Das Amt Lehnin wurde 1872 aufgelöst. Bereits 1768 waren die zwei havelländischen Orte Gohlitz und Wachow dem Amt Nauen in Berge zugeordnet worden, 1809 und 1818 kamen weitere Teile des Amtes an das Amt Potsdam. Nach 1817 war der Amtssitz nach Brandenburg an der Havel verlegt worden.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Das Kloster Lehnin erhielt bei seiner Gründung 1180 neben der Klosterstätte selber und den Gewässern der direkten Umgebung fünf Dörfer Göritz, Rädel, Cistecal, Schwina und Kolpin (ohne den Kolpinsee) zur Grundausstattung sowie zwei Drittel von Götz, je eine Wiese bei Deetz und Wida und eine jährliche Abgabe in Höhe von Winscheffel aus dem Salzzoll zu Brandenburg. Schon 1183 ergänzte Otto I. die Grundausstattung mit dem Dorf Wendisch-Tornow und zwei Seen (bei Göritz und bei Rädel), 1191 kam das Dorf Trechwitz hinzu. Das Kloster nahm im 13. und 14. Jahrhundert einen fulminanten Aufstieg und war um 1530 zum größten Grundbesitzer unter allen märkischen Klöstern aufgestiegen.

Bei seiner Aufhebung 1542 gehörte zum Territorium des Klosters das Städtchen Werder, 39 Dörfer und 54 Seen sowie einige Mühlen, Feldmarken wüster Dörfer, Wirtschaftshöfe, Waldungen und einzelne Objekte. Dieser Besitz wurde in den folgenden Jahren umstrukturiert. Der große Besitzkomplex des Klosters um Wandlitz im Barnim kam zum Amt Mühlenbeck. Anderer Streubesitz wurde verkauft, weiterverliehen oder vereignet. Im Januar 1543 überließ Kurfürst Joachim II. das dem Kloster gehörende Haus in der Neustadt Brandenburg seinem Rat Joachim von Bredow. Im April 1547 übereignete Kurfürst Joachim II. die Lehenshoheit des Klosters über den Besitz der v. Barby zu Loburg dem Domkapitel in Magdeburg. 1548 wurde ein Inventar der Kirchengeräte des Klosters Lehnin aufgestellt, die 1553 verkauft wurden.

Aus dem Kernbesitz des Klosters in der Zauche um das Kloster herum und dem kleinen Besitz im Havelland wurde das Amt Lehnin als landesherrlicher Besitz gebildet; erster Amtshauptmann war Michael Happe. Folgende Orte gehörten dazu:

Teile des Amtsbesitzes kamen bereits 1809 zum Amt Potsdam. Weitere Teile des Amt Lehnin (1817 mit immerhin noch acht Dörfern und weiteren acht Etablissements, Forsthäusern und sonstigen Einzelhäusern) wurde 1818 mit dem Amt Potsdam vereinigt. Das Amt Potsdam hatte seinen Sitz in Bornim. Der letzte Rest der Amtsbesitzungen wurde 1872 aufgelöst.

1817 gehörten noch zum Amt Lehnin: Bochow, Damelang (und ein Teerofen bei D.), Damsdorf, Deetz, Derwitz, Emstal (Schwiena), Freienthal, Göhlsdorf, Götz, Kaltenhausen (Teilbesitz), Krielow, Leest, Michelsdorf, Nahmitz, Netzen, Phöben, Rädel und Schmergow[1].

AmtsleuteBearbeiten

Liste der bisher bekannten Amtsleute (nach der Denkmaltopographie, S. 321):

  • 1543 bis 1561: Michael Happe von Happberg, Amtshauptmann
  • 1561 Heinrich von Staupitz (Pfandbesitz)
  • um 1565: Mathias von Saldern
  • 1572, 1586 Heino von Brösigke[2]
  • 1598: Adam von Hacke, Amtshauptmann[3]
  • 1607 Wichard von Rochow
  • bis 1638: Wichmann von Rochow
  • 1638 bis 1638 Hofjägermeister Balzer Ludwig von Stechow
  • 1641 Wolf Dietrich von Rochow
  • vor 1647 Hans XIV. von Rochow, Amtshauptmann
  • 1660 bis 1669: Claus Ernst von Platen[4]
  • 1679: Christoph Caspar Freiherr von Blumenthal
  • 1692 Clari, Amtmann
  • 1742 bis 1744: Friedrich Ludwig Felix von Borcke
  • Friedrich Godward von Syberg
  • 1775 Herr Rust, Beamter[5]
  • 1798 Körner, Oberamtmann[6]

BelegeBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Friedrich Beck, Lieselott Enders, Heinz Braun (unter Mitarbeit von Margot Beck, Barbara Merker): Behörden und Institutionen in den Territorien Kurmark, Neumark, Niederlausitz bis 1808/16. Böhlau, Weimar 1964 (= Übersicht über die Bestände des Brandenburgischen Landeshauptarchivs Potsdam, Teil 1, Schriftenreihe: Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs, Band 4), ISSN 0435-5946;4
  • Berthold Schulze: Besitz- und siedlungsgeschichtliche Statistik der brandenburgischen Ämter und Städte 1540–1800. Beiband zur Brandenburgischen Ämterkarte. Einzelschriften der historischen Kommission für die Provinz Brandenburg und die Reichshauptstadt Berlin, Band 7, Im Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1935.
  • Johann Georg Krünitz, Friedrich Jakob Floerken, Heinrich Gustav Flörke: Oeconomische Encyclopädie oder allgemeines System der Staats-, Stadt-, Haus- u. Landwirthschaft. Band 70: Von Lehm bis Leib-Regiment. Berlin 1804, S. 314, Online bei Google Books
  • Friedrich Wilhelm August Bratring: Statistisch-topographische Beschreibung der gesammten Mark Brandenburg : für Statistiker, Geschäftsmänner, besonders für Kameralisten. Band 2: Die Mittelmark und Uckermark enthaltend. Maurer, Berlin 1805, Online bei Google Books
  • Peter R. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil V: Zauch-Belzig. Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1977.
  • Marie-Luise Buchinger und Marcus Cante: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland Denkmale in Brandenburg Landkreis Potsdam Mittelmark. Band 14.1: Nördliche Zauche. Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 2009, ISBN 978-3-88462-285-8
  • Johannes Schultze: Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375. Brandenburgische Landbücher. Band 2. Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940
  • Adolph Friedrich Johann Riedel: Codex Diplomaticus Brandenburgensis A. Erster Haupttheil oder Urkundensammlung zur Geschichte der geistlichen Stiftungen, der adlichen Familien, so wie der Städte und Burgen der Mark Brandenburg, X. Band, Fortsetzung der mittelmärkische Urkunden. Schloß und Städtchen Plaue. Burg, Stadt und Kloster Ziesar, Kloster Leitzkau. Schloß Golzow und die Familie von Rochow. Kloster Lehnin. Vermischte Urkunden. Reimer, Berlin 1856, Online bei Google Books (im Folgenden abgekürzt CDB A XIII mit entsprechender Urkundennummer und Seitenzahl)
  • Stephan Warnatsch: Geschichte des Klosters Lehnin 1180–1542. Band 1, Lukas-Verlag, Berlin 2000, ISBN 3-931836-45-2

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ortschafts=Verzeichniß des Regierungs=Bezirks Potsdam nach der neuesten Kreiseintheilung vom Jahre 1817, mit Bemerkung des Kreises, zu welchem der Ort früher gehörte, der Qualität, Seelenzahl, Confession, kirchlichen Verhältnisse, Besitzer und Addreß-Oerter nebst alphabethischem Register. (ohne Paginierung) Georg Decker, Berlin, Online bei Google Books
  2. Georg Wilhelm von Raumer: Die Verhältnisse der Lehnschulzen in der Mark Brandenburg. In: Neues Allgemeines Archiv für die Geschichtskunde des Preußischen Staates. Band 2, E. S. Mittler, Berlin, Posen, Bromberg, 1836, S. 3–32, 97–148, 268–282, 387–399, Online bei Google Books, S. 31–32
  3. Carl von Eickstedt: Beiträge zu einem neueren Landbuch der Marken Brandenburg: Prälaten, Ritter, Städte, Lehnschulzen, oder Roßdienst und Lehnwahr. Creutz, Magdeburg 1840, online bei Google Books, S. 148
  4. Friedrich Ludwig Joseph Fischbach: Historische politisch-geographisch-statistisch- und militärische Beyträge, die Königlich-Preußische und benachbarte Staaten betreffend. 2. Teil, 2. Band. Johann Friedrich Unger, Berlin 1783, Online bei Google Books, S. 500
  5. Adres-Calender, der sämtlichen Königl. Preuß. Lande und Provinzien, auser den Residenzien Berlin, dem Königreiche Preussen und dem Souverainen Herzogthume Schlesien; der darinnen befindlichen hohen und niedern Collegien, Instanzien und Expeditionen, ingleichen der Königl. Bediente, Magisträte, Universitäten, Prediger etc. auf das Jahr MDCCLXXV (1775). Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 1775, Online bei Sächsische Landesbibliothek Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, nach S. 72 zusätzlich eingeheftetes Blatt
  6. Handbuch über den königlich preussischen Hof und Staat für das Jahr 1798. George Decker, Berlin 1798, Online bei Google Books, S. 58