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Altendettelsau

Ortsteil der Gemeinde Petersaurach

Altendettelsau (umgangssprachlich: Dedlsa bzw. Aldndedlsa[2]) ist ein Ortsteil der Gemeinde Petersaurach im Landkreis Ansbach in Mittelfranken.

Altendettelsau
Gemeinde Petersaurach
Koordinaten: 49° 18′ 1″ N, 10° 46′ 22″ O
Höhe: 429 (427–438) m ü. NHN
Einwohner: 80 (31. Dez. 2015)[1]
Eingemeindung: 1. Januar 1972
Postleitzahl: 91580
Vorwahl: 09874
Altendettelsau mit Fischweiher
Altendettelsau mit Fischweiher
Feuerwehrhaus
Im Winter
Von Petersaurach kommend

GeografieBearbeiten

Das Dorf liegt im Tal des Heiligenbächels, eines rechten Zuflusses der Aurach. Im Osten liegt Geichsenhof, im Süden Neuendettelsau, im Westen Petersaurach. Ca. 0,5 km südöstlich liegt die Flur Zeileck.[3]

GeschichteBearbeiten

Erstmals namentlich erwähnt wurde der Ort 1141 in der päpstlichen Bulle, in der die Gründung des Klosters Heilsbronn bestätigt wurde. Unter anderem war es zu dieser Zeit in „Tetelesowe“ begütert. Das Bestimmungswort des Ortsnamens ist der Personenname Tettilî(n), eine Verkleinerungsform des Personennamens Tato/Teto, das Grundwort ist Aue. Im Würzburger Lehenbuch, das zwischen 1303 und 1313 entstanden sein muss, wird der Ort erstmals als „Altentetelsaw“ erwähnt zur Unterscheidung des 2 Kilometer südöstlich gelegenen Neuendettelsau.[2] Die Herren von Heideck übten zu dieser Zeit im Ort die Vogtei über ein Lehen aus.[4]

1318 bestand der Ort aus sechs Anwesen, die alle dem Nürnberger Patrizier Berthold Pfinzing als Lehen des Würzburger Hochstifts gehörten. Von Heilsbronnern Gütern ist zu dieser Zeit nicht mehr die Rede.[5] 1364 erwarb das Kloster Heilsbronn von den Pfinzings 2 Anwesen (1 Hof, 1 Lehen).[6] Um 1450 gelangten drei Anwesen an die Herren von Eyb zu Vestenberg. 1518 gelangte nochmals 1 Anwesen, das zwischenzeitlich den Herren von Seckendorff gehörte, an die Eyber.[7]

Im 16-Punkte-Bericht des Oberamts Windsbach aus dem Jahr 1608 werden für Altendettelsau 7 Mannschaften verzeichnet: 2 Höfe und 1 Gut unterstanden dem Klosterverwalteramt Heilsbronn, 2 Höfe und 1 Gut den Herren von Eyb zu Neuendettelsau und 1 Hof den Herren von Vestenberg. Daneben gab es ein kommunales Hirtenhaus. Das Hochgericht übte das brandenburg-ansbachische Kasten- und Stadtvogteiamt Windsbach aus.[8] Laut dem 16-Punkte-Bericht des Klosteramts Heilsbronn ebenfalls aus dem Jahr 1608 werden nur 2 Heilsbronner Anwesen angegeben (1 Hof und 1 Köblergut).[9]

1718 und 1728 wurden zwei Anwesen errichtet, die dem Kastenamt Windsbach unterstanden.[10] In den Oberamtsbeschreibungen des Fürstentums Ansbach von Johann Georg Vetter aus dem Jahr 1732 wird der Ort folgendermaßen beschrieben: „Weiler, 1 Castenamt Windsbachisches Guth und neuerbautes Würthshäußlein, item 2 Halbhöff und ein Guth, so in das Verwalteramt Heilsbronn gehören, dann 3 adelich Crailsheim-Rüglandische Unterthanen samt 1 gemeinen Hirtenhauß.“[11]

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Altendettelsau 8 Haushalte. Das Hochgericht und die Dorf- und Gemeindeherrschaft übte das Kasten- und Stadtvogteiamt Windsbach aus. Die einzelnen Anwesen unterstanden unterschiedlichen Grundherrn: 5 dem Fürstentum Ansbach (Klosterverwalteramt Heilsbronn: 3, Kastenamt Windsbach: 2) und 3 dem Rittergut Rügland der Herren von Crailsheim. Neben den Haushalten gab es das Hirtenhaus, ein kommunales Gebäude.[12] 1799 gab es im Ort weiterhin acht Haushalte, von denen fünf dem ansbachischen Kameralamt Windsbach und drei anderen Grundherren untertan waren.[13]

Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde Altendettelsau dem 1808 gebildeten Steuerdistrikt Aich zugeordnet. Es gehörte auch der 1810 gegründeten Ruralgemeinde Aich an.[14] Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) löste sich Altendettelsau mit der Froschmühle von Aich und bildete mit Ziegendorf eine Ruralgemeinde. Sie unterstand in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Heilsbronn und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Windsbach.[15] Von 1862 bis 1879 wurde Altendettelsau vom Bezirksamt Heilsbronn verwaltet, seit 1880 vom Bezirksamt Ansbach (1938 in Landkreis Ansbach umbenannt) und dem Rentamt Heilsbronn (1920–1929: Finanzamt Heilsbronn, ab 1929: Finanzamt Ansbach). Die Gerichtsbarkeit blieb bis 1879 beim Landgericht Heilsbronn, 1880–1956 Amtsgericht Heilsbronn, seit 1956 Amtsgericht Ansbach.[16] Die Gemeinde hatte eine Gebietsfläche von 4,018 km².[17]

Am 1. Januar 1972 wurde die Gemeinde im Zuge der Gebietsreform aufgelöst: Altendettelsau und Ziegendorf wurden nach Petersaurach umgegliedert, die Froschmühle kam zu Neuendettelsau.[18]

Historische OrtskarteBearbeiten

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Gemeinde Altendettelsau

Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970
Einwohner 115 127 141 145 131 131 138 146 157 165 150 158 152 143 143 147 151 148 128 188 173 155 127 172
Häuser[19] 21 21 24 25 25 27 24 26
Quelle [20] [21] [22] [22] [23] [22] [24] [25] [25] [26] [25] [25] [27] [25] [25] [25] [28] [25] [25] [25] [29] [25] [17] [30]

Ort Altendettelsau

Jahr 001807 001818 001840 001861 001871 001885 001900 001925 001950 001961 001970 001987 002009 002015
Einwohner 54 59 62 67 72 90 83 79 93 68 75 70 72 80
Häuser[19] 10 10 10 13 13 14 13 13 21
Quelle [31] [20] [21] [23] [24] [26] [27] [28] [29] [17] [30] [32] [1]

GemeindevorsteherBearbeiten

Name Herkunft Amtszeit
Johann Michael Pirner Altendettelsau 1833–1840
Johann Leonhard Moll Ziegendorf 1840–1849
Johann Groß Altendettelsau 1849–1860
Johann Endres Ziegendorf 1860–1864
Johann Leonhard Schwab Ziegendorf 1864–1867
Georg Rottler Altendettelsau 1867–1868
Georg Groß Altendettelsau 1868–1876
Michael Sixtus Schülein Ziegendorf 1876–1896
Johann Michael Meier Altendettelsau 1896–1900
Johann Michael Förster Altendettelsau 1900–1912
Georg Arnold Altendettelsau 1912–1935
Johann Heumann Altendettelsau 1935–1945
Johann Meier Altendettelsau 1945–1960
Martin Franke Altendettelsau 1960–1962
Michael Meier Altendettelsau 1962–1968
Hans Limberger Altendettelsau 1968–1972

ReligionBearbeiten

Der Ort ist seit der Reformation überwiegend protestantisch. Die Einwohner evangelisch-lutherischer Konfession sind nach St. Peter (Petersaurach) gepfarrt, die Einwohner römisch-katholischer Konfession nach St. Franziskus (Neuendettelsau).

Zwischen Alten- und Neuendettelsau gab es ursprünglich eine Marienkapelle.

VerkehrBearbeiten

Die Kreisstraße AN 19 führt nach Petersaurach zur Staatsstraße 2412 bzw. nach Neuendettelsau. Gemeindeverbindungsstraßen führen nach Geichsenhof und Ziegendorf.

Von 1900 bis 1922 gab es bei Altendettelsau eine Bedarfshaltestelle der Bahnstrecke Wicklesgreuth–Windsbach. Wegen geringer Inanspruchnahme wurde diese wieder aufgelöst.

LiteraturBearbeiten

  • Johann Kaspar Bundschuh: Altendettelsau. In: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken. Band 1: A–Ei. Verlag der Stettinischen Buchhandlung, Ulm 1799, DNB 790364298, OCLC 833753073, Sp. 69 (Digitalisat).
  • Hermann Dallhammer: Petersaurach: Dokumentation einer Großgemeinde. Petersaurach 1996, DNB 1107020085, S. 102–110.
  • Elisabeth Fechter: Die Ortsnamen des Landkreises Ansbach. Inaugural-Dissertation. Erlangen 1955, DNB 480570132, S. 38.
  • Günther P. Fehring: Stadt und Landkreis Ansbach (= Bayerische Kunstdenkmale. Band 2). Deutscher Kunstverlag, München 1958, DNB 451224701, S. 81.
  • Manfred Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach (= Historischer Atlas von Bayern, Teil Franken. I, 35). Band 2. Michael Laßleben, Kallmünz 2009, ISBN 978-3-7696-6856-8, S. 828, 976.
  • Manfred Keßler: Der Rittersitz zu Dettelsau im hohen und späten Mittelalter. (Dissertation). Erlangen 2009, DNB 998940933, S. 351–359 (PDF; 11,1 MB).
  • Georg Muck: Geschichte von Kloster Heilsbronn von der Urzeit bis zur Neuzeit. Band 2. Verl. für Kunstreprod. Schmidt, Neustadt an der Aisch 1993, ISBN 3-923006-90-X, S. 140–141 (Erstausgabe: Beck, Nördlingen 1879).
  • Konrad Rosenhauer u. a. (Hrsg.): Der Landkreis Ansbach. Vergangenheit und Gegenwart. Verl. f. Behörden u. Wirtschaft Hoeppner, Aßling-Pörsdorf/Obb. 1964, DNB 450093387, S. 108–109.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Altendettelsau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b www.petersaurach.de
  2. a b E. Fechter, S. 38.
  3. Altendettelsau im BayernAtlas
  4. Staatsarchiv Würzburg, Würzburger Lehenbücher 1. Zitiert nach M. Jehle, Bd. 1, S. 187.
  5. M. Keßler, S. 353.
  6. M. Keßler, S. 353f.
  7. M. Keßler, S. 359.
  8. Staatsarchiv Nürnberg, 16-Punkte-Berichte 43/1, 7. Zitiert nach M. Jehle, Bd. 2, S. 729.
  9. Staatsarchiv Nürnberg, 16-Punkte-Berichte 43/2, 4. Zitiert nach M. Jehle, Bd. 2, S. 736.
  10. M. Keßler, S. 358.
  11. Staatsarchiv Nürnberg, Rep. 120/II, 69 III Vetter OA Windsbach S. 69. Zitiert nach M. Keßler, S. 352.
  12. M. Jehle, Bd. 2, S. 828.
  13. J. K. Bundschuh, Bd. 1, Sp. 69.
  14. Staatsarchiv Nürnberg, Regierung von Mittelfranken, Kammer des Inneren, Abgabe 1952, 3850: Formation der Municapial- und Ruralgemeinden im Landgericht Heilsbronn 1810. Zitiert nach M. Jehle, Bd. 2, S. 963.
  15. Adreß- und statistisches Handbuch für den Rezatkreis im Königreich Baiern. Kanzlei Buchdruckerei, Ansbach 1820, S. 43 (Digitalisat).
  16. M. Jehle, Bd. 2, S. 976.
  17. a b c Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, Abschnitt II, Sp. 751 (Digitalisat).
  18. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 421.
  19. a b Es werden nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 wurden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840, 1852 als Häuser, 1871 bis 1987 als Wohngebäude.
  20. a b Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise nach seiner durch die neueste Organisation erfolgten Constituirung enthaltenen Ortschaften: mit Angabe a. der Steuer-Distrikte, b. Gerichts-Bezirke, c. Rentämter, in welchen sie liegen, dann mehrerer anderer statistischen Notizen. Ansbach 1818, S. 4 (Digitalisat). Für die Gemeinde Altendettelsau zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Froschmühle (S. 27) und Ziegendorf (S. 107).
  21. a b Eduard Vetter (Hrsg.): Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Selbstverlag, Ansbach 1846, S. 144 (Digitalisat).
  22. a b c Historisches Gemeindeverzeichnis. Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952. In: Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 192. München 1953, S. 174, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066439-3 (Digitalisat).
  23. a b Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 1041, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  24. a b kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. München 1877, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen von 1871), Sp. 1205, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  25. a b c d e f g h i j k Historisches Gemeindeverzeichnis. Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952. In: Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 192. München 1953, S. 164, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066439-3 (Digitalisat).
  26. a b Karl von Rasp: Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. Hrsg.: K. Bayer. Statistisches Bureau. München 1888, Abschnitt III, Sp. 1093 (Digitalisat).
  27. a b K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 1157 (Digitalisat).
  28. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, Abschnitt II, Sp. 1195 (Digitalisat).
  29. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, Abschnitt II, Sp. 1022 (Digitalisat).
  30. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, S. 171 (Digitalisat).
  31. H. Dallhammer, S. 104.
  32. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, S. 330 (Digitalisat).