Adolf von Arnim-Boitzenburg

schlesisch-deutscher Politiker, MdR

Graf Adolf von Arnim-Boitzenburg (* 12. Dezember 1832 auf Schloss Boitzenburg; † 15. Dezember 1887 ebenda) war ein deutscher Großgrundbesitzer und Politiker im Königreich Preußen. Vor und nach der Deutschen Reichsgründung war er Mitglied des Reichstags.

HerkunftBearbeiten

Sein Eltern waren der Staatsminister Adolf Heinrich von Arnim-Boitzenburg und dessen Ehefrau Anna Caroline von der Schulenburg (1804–1886). Sein Bruder Traugott Hermann (* 20. Juni 1839; † 22. Januar 1919) wurde preußischer Diplomat.

LebenBearbeiten

Er besuchte die Gymnasien in Posen, Berlin und Torgau. Er studierte Rechtswissenschaft an der Georg-August-Universität Göttingen und wurde 1853 im Corps Saxonia Göttingen aktiv.[1] Nach den Examen war er Auskultator in Berlin und Merseburg, Regierungsassessor bei der Regierung in Potsdam und Hilfsarbeiter im preußischen Innenministerium.

Als Ordonnanzoffizier nahm er am Deutsch-Dänischen Krieg und am Deutsch-Französischen Krieg teil. Von 1867 bis 1873 war er Landrat im Kreis Templin. Anschließend wurde er zunächst Mitglied des Reichstages, im Jahre 1873 dann Präsident des Bezirks Lothringen. 1874 bis 1877 folgte die Tätigkeit als Oberpräsident der Provinz Schlesien. Dieses Amt gab er nach der Verurteilung seines Schwagers Harry von Arnim zu einer Haftstrafe auf. 1884 wurde er in den Preußischen Staatsrat berufen.

Als Abgeordneter vertrat er den Wahlkreis Potsdam 3 (Ruppin–Templin) von August 1867 bis zur Reichstagswahl 1871 im ersten ordentlichen Reichstag des Norddeutschen Bundes.[2] Über fünf Wahlperioden saß er von 1871 bis 1884 im Reichstag (Deutsches Kaiserreich).[3] 1880 übernahm er für ein Jahr das Amt des Reichstagspräsidenten. Ab 1868 war er erbliches Mitglied und für einige Zeit Präsident des Preußischen Herrenhauses.

Adolf von Arnim-Boitzenburg war Fideikommissherr der Grafschaft Boitzenburg (15.000 ha). Er war Mitglied des preußischen Staatsrates, von 1879 bis zu seinem Tod Präses der Generalsynode der evangelischen Kirche der älteren Provinten Preußens, 1880/81 auch Präses der brandenburgischen Provinzialsynode, und Kommendator des Johanniterordens.

FamilieBearbeiten

Arnim heiratete am 6. Juli 1865 die Gräfin Mathilde von Schweinitz und Krain, geborene Freiin von Kauder (1841; † 9. September 1874). Das Paar hatte mehrere Kinder:

∞ 1897 (Scheidung 1923) Bertha Gräfin von der Schulenburg (1874–1949)
∞ 1924 Gertrud Hirche
  • Flora Mathilde Karoline Dorothea (* 22. November 1871; † 28. Januar 1945) ∞ Walter Schmidt von Schmidtseck (* 22. September 1865; † 28. Januar 1945)

Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete er am 30. November 1875 in Verahof Euphemie Helene von Schweinitz und Krayn (* 25. April 1846; † 9. Januar 1930), die Schwester seiner ersten Frau. Das Paar hatte mehrere Kinder:

  • Friedrich Abraham Jakob Adolf (* 17. Juli 1878)
  • Helene Mathilde (* 26. Juni 1876)

Siehe auchBearbeiten

EhrungenBearbeiten

Unvollständige Liste

AbstammungBearbeiten

 
Wappen derer von Arnim


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Friedrich Wilhelm von Arnim (1739–1801)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Friedrich Abraham Wilhelm von Arnim (1767–1812)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Friederike Antoinette von Cramm (1747–1817)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Adolf Heinrich von Arnim (1803–1868)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Johann Ludwig von Wallmoden (1736–1811)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Georgine Charlotte Auguste von Wallmoden (1770–1859)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Charlotte Christiane Auguste Wilhelmine von Wangenheim (1740–1783)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Dietlof Friedrich Adolf von Arnim (1832–1887)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Gebhard Werner von der Schulenburg (1722–1788)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Hans Günther Werner von der Schulenburg (1777–1806)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Sophie Charlotte von Veltheim (1735–1793)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Caroline von der Schulenburg (1804–1886)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Caroline Jacobine Sophie von Friesen (1781–1856)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 


LiteraturBearbeiten

  • Wolfgang von der Groeben: Verzeichnis der Mitglieder des Corps Saxonia zu Göttingen 1844 bis 2006. Düsseldorf 2006, S. 16.
  • Sieghart Graf von Arnim: Dietlof Graf von Arnim-Boitzenburg. Limburg an der Lahn, S. 35–39.
  • Bernd Haunfelder, Klaus Erich Pollmann: Reichstag des Norddeutschen Bundes 1867–1870. Historische Photographien und biographisches Handbuch (= Photodokumente zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Band 2). Droste, Düsseldorf 1989, ISBN 3-7700-5151-3.
  • Gothaisches genealogisches Taschenbuch der deutschen gräflichen Häuser, 1894, S. 43.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Kösener Corpslisten 1930, 47, 122.
  2. Bernd Haunfelder, Klaus Erich Pollmann: Reichstag des Norddeutschen Bundes 1867–1870. Historische Photographien und biographisches Handbuch (= Photodokumente zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Band 2). Droste, Düsseldorf 1989, ISBN 3-7700-5151-3, Foto S. 57, Kurzbiographie S. 371–372.
  3. Fritz Specht, Paul Schwabe: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Auflage. Carl Heymanns Verlag, Berlin 1904, S. 31.