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Leonce von Könneritz

deutscher Politiker, MdR, Jurist und Rittergutsbesitzer, sächsischer Finanzminister
Leonce von Könneritz (um 1885)

Leonce Robert Freiherr von Könneritz (* 4. März 1835 in Paris; † 20. Januar 1890 in Dresden) war ein deutscher Rittergutsbesitzer, Jurist und konservativer Politiker. Er war u. a. Mitglied des Sächsischen Landtags, Amtshauptmann in Chemnitz, Kreishauptmann von Zwickau und Leipzig sowie von 1876 bis zu seinem Tode sächsischer Finanzminister.

LebenBearbeiten

Der Sohn des sächsischen Diplomaten Graf Hans Heinrich von Könneritz (1790–1863) und dessen Ehefrau Luise Clara geb. von Werthern-Beichlingen (* 1798) stammt aus einer Familie hoher sächsischer Beamter. Nach dem Besuch des Blochmannschen Instituts in Dresden, studierte er von 1853 bis 1856 an der Universität Leipzig Rechtswissenschaften. Von seinem Vater übernahm er 1857 dessen Rittergut Erdmannsdorf. Am 9. Juni 1863 heiratete Könneritz in Dresden Maria Gräfin von Beust (1845–1926), einzige Tochter des österreichischen Ministerpräsidenten Friedrich Ferdinand von Beust, mit der er vier Kinder hatte. 1862 wurde er zum Kammerherrn ernannt, 1864 bis 1874 übte er das Amt des Amtshauptmanns von Chemnitz aus. In dieser Funktion nahm er an der Eröffnung der Eisenbahnstrecke Chemnitz-Hainichen teil. Während des Deutsch-Französischen Krieges war er von Januar bis März 1871 Präfekt von Orléans und von März bis September 1871 lothringischer Präfekt von Metz.

Der II. Kammer des Sächsischen Landtags gehörte er von 1866 bis 1868 als Vertreter der Rittergutsbesitzer im Erzgebirgischen Kreis, und von 1869 bis 1876 als Abgeordneter des 32. bäuerlichen Wahlkreises an.[1]

1874 wurde er zum Kreishauptmann von Zwickau befördert, übernahm aber bereits im Januar 1876 als Nachfolger von Ludwig von Burgsdorff (1812–1875) das Amt des Kreishauptmanns von Leipzig. Könneritz gehörte 1875 zu den Mitbegründern des Konservativen Landesvereins. Von Januar 1874 bis Januar 1877 war er zudem als Vertreter des 14. sächsischen Wahlkreises Abgeordneter im Deutschen Reichstag und gehörte dort der Fraktion der Deutschen Reichspartei an. Von 1866 bis 1890 war er zudem Vorsitzender der Kreisstände des Erzgebirgischen Kreises.

Im Oktober des 1876 wurde Könneritz als Finanzminister (1875–1890) in die sächsische Regierung nach Dresden berufen. Im Amt des Kreishauptmanns folgte ihm O. Graf zu Münster (1825–1893). In seine Amtszeit als Finanzminister fallen die Ein- und Durchführung der Einkommenssteuergesetzgebung, das Anlegen zahlreicher sächsischer Eisenbahnlinien und die Verstaatlichung des Freiberger Erzbergbaus.[2]

Könneritz starb am 20. Januar 1890 im Alter von 54 Jahren in Dresden. Das Rittergut Erdmannsdorf wurde von seinem ältesten Sohn Hans Heinrich von Könneritz (1864–1924) übernommen.

Seit 1848 war von Könneritz Angehöriger des Corps Misnia Leipzig.[3]

Sein Bruder Richard von Könneritz (1828–1910) war Präsident der I. Kammer des Sächsischen Landtags.

EhrungenBearbeiten

Mit der Eingemeindung der Gemeinde Schleußig in die Stadt Leipzig wurde im Jahr 1891 die ehemalige Hauptstraße nach L. Freiherr von Könneritz benannt (Könneritzstraße; 1965–1991: Maurice-Thorez-Straße),[4] auch die Stahlfachwerkbrücke im Zuge dieser Straße trägt den Namen Könneritzbrücke. Zudem ist die Könneritzstraße in Dresden nach ihm benannt (1947–1990: Paul-Gruner-Straße). Er war Ehrenbürger der Stadt Chemnitz.

LiteraturBearbeiten

  • Elvira Döscher, Wolfgang Schröder: Sächsische Parlamentarier 1869–1918. Die Abgeordneten der II. Kammer des Königreichs Sachsen im Spiegel historischer Photographien. Ein biographisches Handbuch (= Photodokumente zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Band 5). Droste, Düsseldorf 2001, ISBN 3-7700-5236-6, S. 410.
  • Leonce von Könneritz in der Datenbank der Reichstagsabgeordneten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Josef Matzerath: Aspekte sächsischer Landtagsgeschichte – Präsidenten und Abgeordnete von 1833 bis 1952. Dresden 2001, S. 110.
  2. Gemeindeverwaltung Erdmannsdorf (Hrsg.): 1196–1996, 800 Jahre Erdmannsdorf. Erdmannsdorf 1996, S. 22–26.
  3. Kösener Korps-Listen 1910, 151, 89.
  4. Gina Klank; Gernot Griebsch: Lexikon Leipziger Straßennamen. Verlag im Wissenschaftszentrum Leipzig, Leipzig 1995, ISBN 3-930433-09-5, S. 126.