Adele Neuhauser

österreichische Schauspielerin

Adele Neuhauser (* 17. Jänner 1959 in Athen, Griechenland) ist eine österreichische Schauspielerin. Ihre Karriere begann sie in Deutschland als Theaterschauspielerin. Seit 1978 steht sie für Film und Fernsehen vor der Kamera. Einem breiten Publikum wurde sie 2004 durch die österreichische Landkrimiserie Vier Frauen und ein Todesfall und in der Rolle der Tatort-Kommissarin Bibi Fellner, die sie seit 2010 verkörpert, bekannt.

Adele Neuhauser, 2010

PrivatlebenBearbeiten

Die in Athen geborene Adele Neuhauser ist die Tochter eines griechischen Architekten. Ihre Waldviertler Großeltern waren akademische Maler. Ihr Bruder Peter Marquant folgte diesem Vorbild. Vom Großvater stammen Sgraffiti auf dem Wiener Künstlerhaus.[1] Die Großmutter verlegte sich, weil es nach Meinung des Großvaters nur einen Maler in der Familie geben könne, auf die Anfertigung von Gobelins und Kasperlfiguren und arbeitete für die Wiener Werkstätte. Ihre Urgroßmutter, obwohl selbst nicht von den NS-Rassegesetzen betroffen, ging freiwillig mit ihrem jüdischen Mann ins Konzentrationslager. Die Urgroßmutter überlebte, ihr Mann wurde ermordet.[2]

Im Alter von vier Jahren übersiedelte sie mit ihrer Familie von Griechenland nach Wien, wo sie aufwuchs. Neuhausers Mutter, die selbst Schauspielerin werden wollte[3], verließ die Familie und nahm dabei Adeles Halbbruder mit. Adele und ihr Bruder blieben bei ihrem österreichisch-griechischen Vater Georg, später wuchs sie allein beim Vater auf.[4] Seit ihrem sechsten Lebensjahr wollte sie Schauspielerin werden.

Mit zehn Jahren schnitt sie sich die Pulsadern auf und unternahm bis zum 21. Lebensjahr mehrere weitere Suizidversuche.[2][5] Mit Anfang zwanzig[6] zog sie von Österreich nach Deutschland.

2008 unterzog sie sich wegen Ablagerungen und eines Reinke-Ödems[5] auf den Stimmbändern einer Stimmbandoperation, wodurch sich ihre Stimme ein wenig erhöht hat. Adele Neuhauser wird seitdem nach eigenen Angaben am Telefon nicht mehr als „Herr Neuhauser“ angesprochen.[5][7]

Neuhauser engagiert sich für das Kinderhilfswerk Plan International Deutschland, in dessen Kuratorium sie außerdem Mitglied ist.[8] Außerdem war sie 2016 gemeinsam mit weiteren Tatort-Schauspielern Teil einer Jubiläumskampagne[9][10] der Opferhilfsorganisation Weißer Ring.

Im April 2017 erschien unter dem Titel Ich war mein größter Feind: Loslassen und weitergehen im Brandstätter Verlag eine Autobiografie Neuhausers.

Adele Neuhauser lebt nach der Trennung von ihrem Mann Zoltan Paul in Wien. Ihr 1987 geborener Sohn Julian Pajzs ist Jazzmusiker und Filmkomponist.[6] Seit 2014 tritt sie mit ihm in der Literatur-&-Musik-Produktion Die letzten ihrer Art auf.

KarriereBearbeiten

 
Adele Neuhauser mit Harald Krassnitzer bei der Grimme-Preisverleihung 2014

Neuhauser absolvierte von 1976 bis 1978 an der Schauspielschule Krauss in Wien ihre Schauspielausbildung. Sie stand u. a. in Münster,[6] Essen, Mainz[11] und zwischendurch auch in Wien auf der Theaterbühne.[6] Überregionales Aufsehen erregte Neuhauser in der Faust-Inszenierung am Stadttheater Regensburg, in der sie als Frau den Mephisto verkörperte.

Neben ihren Arbeiten auf der Bühne steht sie seit 1978 auch für Film und Fernsehen vor der Kamera. Ihr Debüt gab sie als Schülerin in einer Folge der satirischen Krimiserie Kottan ermittelt. Konrad Sabrautzky besetzte sie 1990 an der Seite von Maja Maranow als Maggy in der Travestiekomödie Der neue Mann in ihrem ersten Fernsehfilm. In der Folgezeit spielte sie u. a. in Kinofilmen wie Irren ist männlich (1996), Helden in Tirol (1998), Gone – Eine tödliche Leidenschaft (2004), Wo ist Fred? (2006), 3faltig (2010), Bad Fucking (2013) und Love Machine (2019). Daneben übernahm sie Gastrollen in zahlreichen Fernsehserien, darunter Krimireihen wie Tatort, Polizeiruf 110 und Sinan Toprak ist der Unbestechliche.

Von 2004 bis 2016 verkörperte sie Julie Zirbner in der ORF-Produktion Vier Frauen und ein Todesfall. Seit 2010 spielt Neuhauser die alkoholabhängige und ausgebrannte, von der „Sitte“ kommende Ermittlerin Bibi Fellner an der Seite von Harald Krassnitzer als ihr Kollege Moritz Eisner im Wiener Tatort des ORF.[6]

Adele Neuhauser ist Mitglied der Akademie des Österreichischen Films.

FilmografieBearbeiten

KinoBearbeiten

FernsehenBearbeiten

FernsehfilmeBearbeiten

Fernsehserien und -reihenBearbeiten

Theatrografie (Auswahl)Bearbeiten

AuszeichnungenBearbeiten

 
Adele Neuhauser mit der ROMY 2012 als beliebteste Seriendarstellerin

AutobiografieBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Adele Neuhauser – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bild (Clemens Fabry) von einem der Sgraffiti mit Adele Neuhauser davor. Als Signatur ist ein L. SC oder L. SO zu erkennen.
  2. a b Friederike Leibl: Adele Neuhauser: "Jetzt hänge ich mehr am Leben". (Memento vom 15. September 2018 im Internet Archive) Interview in: Die Presse, Printausgabe vom 1. Jänner 2011.
  3. Neuhauser, Adele 1959-: Ich war mein größter Feind: Autobiografie. 1. Auflage. Wien, ISBN 978-3-7106-0090-6.
  4. 89 Jahre – und ein Weltenbummler!. Kindheit beim griechischen Vater. In: FOCUS Magazin Nr. 34 vom 20. August 2012. Online auf focus.de
  5. a b c Joachim Schmitz: Adele Neuhauser: Dunkle Seiten, helle Seiten. Über Suizidversuche in der Jugend und ihre Rolle als Wiener „Tatort“-Kommissarin. Interview in: Neue Osnabrücker Zeitung, 28. Mai 2011. Abgerufen am 23. Januar 2017.
  6. a b c d e Frank Rauscher, Teleschau-Mediendienst: Adele Neuhauser. – Kommissarin an der Wand. Interview anlässlich Tatort: Ausgelöscht am 29. Mai 2011. In: tatort-fundus.de. Abgerufen am 14. Juni 2011.
  7. Adele Neuhauser: "Seit meiner Stimm-OP sagt niemand mehr Herr Neuhauser zu mir". In: Medizin populär, Ausgabe 09/2010. Abgerufen am 14. Juni 2011.
  8. Plan Deutschland e.V.: Das sagen andere über uns. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 3. April 2017; abgerufen am 2. April 2017.
  9. Adele Neuhauser | WEISSER RING e. V. Abgerufen am 27. Juli 2017.
  10. WEISSER RING: Statement von Fernsehkommissarin Adele Neuhauser. 19. September 2016, abgerufen am 27. Juli 2017.
  11. Adele Neuhauser. In: prisma. Abgerufen am 26. März 2021.
  12. Florian Scheubas „Unschuldsvermutung“ ab 17.11. im Rabenhof Theater. In: Format.at, 8. November 2010. Abgerufen am 13. Juni 2011.
  13. Agentur Scenario: Adele Neuhauser – Facts, abgerufen am 17. Februar 2016.
  14. diepresse.com - Austria 15. Abgerufen am 12. September 2015.
  15. Die Mostdipf-Preisträger 2020. In: Oberösterreichische Nachrichten. 20. Juni 2020, abgerufen am 20. Juni 2020.
  16. Helmut Atteneder: Adele Neuhauser: Horch zua, Adele! In: Oberösterreichische Nachrichten. 20. Juni 2020, abgerufen am 20. Juni 2020.