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Signatur (Kunst)

vom Künstler selbst auf seinem Werk angebrachter Name

Als Signatur wird der vom Künstler selbst auf seinem Werk angebrachte Name bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

GrundlagenBearbeiten

Es kann sich dabei um den voll ausgeschriebenen oder abgekürzten Vor- oder Nachnamen, häufig auch nur um dessen Anfangsbuchstaben (Monogramm) handeln, seltener um ein figürliches oder symbolisches Zeichen.

Signaturen sind seit der Antike bekannt, durch sie wurden die Namen von Vasenmalern überliefert. Das Mittelalter kennt Künstlernamen aus der Spätzeit. Doch großteils blieben die Maler damals unbekannt, und eine Zuschreibung einzelner Werke erfolgt allenfalls nach Maßgabe gewisser Übereinstimmungen zu einem ebenso anonymen Urheber anderer Werke (mit Notnamen, z. B. „Meister der Ursula-Legende“), seiner Werkstatt oder seinem Umfeld. Die Person des Künstlers tritt so hinter dem Werk zurück, und dessen künstlerischer oder kunsthistorischer Wert spricht für sich. Dasselbe gilt traditionell für die byzantinische Kunst. Die Verbreitung von Künstlersignaturen seit der Renaissance hängt eng mit der sich wandelnden Vorstellung von der Rolle des Künstlers und seiner Bedeutung für den Wert des Kunstwerks zusammen. Gemäß dem Menschenbild der Neuzeit wurde der Künstler zum selbstbewußten Schöpfer und mit der Entwicklung eines modernen, wettbewerbsorientierten Kunstmarkts seine Identität zum maßgeblichen Bewertungsfaktor.

Name und Monogramm in der bildenden KunstBearbeiten

Aus den vorgenannten Gründen dient der Namenszug des Künstlers auf dem Werk dazu, am besten als eigenhändige Unterschrift, die Urheberschaft zu beglaubigen und das Werk in einen konkreten künstlerischen Lebenslauf einzuordnen (wozu eine Datierung hilfreich sein kann). Die Frage des „ob“ einer Signatur verlagert sich auf das „wie“, nämlich wie ein Schriftzug in die Bildgestaltung eingefügt oder allenfalls als störend auf die Rückseite verbannt wird. Bei grafischen Vervielfältigungen erlaubt bereits die Signatur in der Vorlage oder Druckform die Zuordnung („im Stein signiert“). Dennoch ist bei moderner Grafik mit limitierter Auflage die handschriftliche Bleistiftsignatur jedes einzelnen Blattes durch den Künstler, meist in Verbindung mit einer Durchnummerierung der Exemplare (z. B. 36/100), schon fast die Regel. Sie soll die Qualität als Originalgrafik und die zahlenmäßige Begrenzung gewährleisten – wenngleich auch das nicht immer außer Zweifel steht, so bei Salvador Dali. Bei anderen großen Namen der klassischen Moderne (Pablo Picasso, Georges Braque, später Andy Warhol) gibt es auch nicht individuell signierte Druckgrafik in großer Zahl, zuweilen aus derselben Edition oder nach derselben Vorlage wie signierte Exemplare, und dann erweist sich am Markt ceteris paribus neben der Höhe der Auflage die eigenhändige Signatur als wertbildender Faktor. Hierfür mag der daraus abgeleitete Nimbus einer höchstpersönlichen Approbation eine Rolle spielen.

Die Monogrammierung, typischerweise als Verbindung von zwei oder drei Anfangsbuchstaben, mag als eine Alternative zur Namensnennung verstanden werden, die den Urheber in weniger aufdringlicher Weise identifiziert, also als Ausdruck von bescheidenem Zurücktreten hinter dem Werk, gleichzeitig aber auch als Kokettieren mit der eigenen Bekanntheit, die sich im Kürzel zu erkennen gibt. Tatsächlich steht das Monogramm von Anbeginn, nämlich schon bei Albrecht Dürer, im Dienste einer modern anmutenden Marketingstrategie, die das Monogramm zum logo oder zur Marke macht und damit in den frühen handwerklichen Werkstattproduktionen geradezu eine corporate identity prägt.[1] Typisch dafür ist eine spezielle und einprägsame grafische oder kalligrafische Gestaltung - so schon die Verschränkung der beiden Buchstaben bei Albrecht Dürer - , die unter dem Einfluss des Jugendstils ihren Höhepunkt erlebt, etwa bei Henri de Toulouse-Lautrec oder (mit ausgeschriebenem Namen) bei Egon Schiele. Erwartet wird freilich für die Zwecke der Monogrammierung ein gewisser Bekanntheitsgrad des Künstlers - das logo strebt nach Bekanntheit und setzt sie zugleich voraus - , und insoweit zeigt die schiere Zahl der in Goldsteins Monogrammlexikon nachgewiesenen Monogramme, dass gar mancher Künstler diesen oder sein Potential dafür überschätzt haben dürfte.[2] Der Zeitgenosse aber rätselt, welche reale Person sich hinter dem Künstlermonogramm seines Lieblingsbildes verbirgt.

Zusätzliche AbbreviaturenBearbeiten

Auf Werken der bildenden Kunst der Neuzeit ist der Name bis ins 19. Jahrhundert oft durch den Zusatz „f.“ oder „fec.“ (lat. fecit mit der Bedeutung „[...] hat es angefertigt“ ergänzt, auf Gemälden oft durch ein „p.“, „pinx.“ oder „pinxit“ ,hat es gemalt‘).[3] Bei Reproduktionen zum Beispiel als Kupferstich eines Gemäldes kann damit die Vorlage bezeichnet werden.

Bei Druckgrafik kann eine handschriftliche Signatur des Künstlers auf jedem Einzelblatt erfolgen oder er hat „in der Platte“ signiert, also eine mitdruckende Signatur seitenverkehrt in den Druckstock geschnitten, graviert oder radiert. Diese gedruckten Signaturen haben seit der frühen Neuzeit bis ins 19. Jahrhundert alternativ zu dem genannten „fecit“ den Zusatz „sc.“ oder „sculp.“ (lat. sculpsit‚ „[...] hat es gestochen“) oder „gr. p.“ (fr. gravé par, ‚gestochen von‘). Davon zu unterscheiden ist die Nennung des Entwerfers oder Künstlers, der die Vorzeichnung schuf („inv.“ für lat. invenit ‚hat es erfunden‘, auch „del.“ oder „delin.“ für delineavit ‚hat es gezeichnet‘[4] oder „pinx.“ für pinxit ‚hat das in der Grafik reproduzierte Gemälde geschaffen‘).

Der Steindrucker oder die Lithographenanstalt ist mit „lith.“ („[…] hat es lithographiert“) benannt und der Holzstecher, der den Holzstock gestochen hat mit „xyl.“ (für xylographiert, also ‚den Holzstich angefertigt‘). Das auf den Namen folgende „exc.“ (excudit ‚hat herausgebracht‘) bezeichnet den als Verleger tätigen Drucker des Blattes. Diese Nennung der am Produktionsprozess Beteiligten auf grafischen Blättern des 16. bis 19. Jahrhunderts heißt zusammenfassend Adresse. Wenn in einer Zeile unter dem Bildrand angeordnet, steht meist links der Künstler, rechts der Verlag.

An Bronzegüssen erscheint häufig auch (oder nur) der Name des Gießers oder der Gusswerkstatt, auf Medaillen der Name des Medailleurs (Stempelschneiders) und gegebenenfalls der Prägeanstalt. Wenn als Vorlage für die Gravur der Medaille eine Büste verwendet wurde, kann auf der Medaille die Signatur des Bildhauers ebenfalls angegeben sein.

X.A. oder XA („Xylographische Anstalt“) wurde vor allem im 19. Jahrhundert als Ergänzung von Signaturen auf Holzstichdrucken verwendet, zum Beispiel von Johann Gottfried Flegel, Richard Brend’amour und Eduard Hallberger.

Lateinische BegriffeBearbeiten

Gebräuchliche lateinische Begriffe und Abkürzungen auf Drucken:[5]

beim Namen des Malers oder Zeichners, dessen Werk zum Beispiel in einem Kupferstich reproduziert wurde
p., pinx., pinxit hat [es] gemalt
del., delin., delineavit hat gezeichnet
inv., inven., invenit hat entworfen
comp., composuit hat gemacht
fig., figuravit, effigiavit hat dargestellt
beim Namen des Graveurs
cael., caelavit hat graviert
inc., incidit hat geschnitten
beim Namen des Graveurs oder Radierers
sc., sculp., (aere) sculpsit, exculpsit hat (in Kupfer) gestochen
(aere) exarat grub (in Kupfer)
f., fec., fecit hat [es] gemacht
beim Namen des Radieres
f(ecit) aqua (fortis) hat mit (starkem) Wasser gemacht
beim Namen des Druckers
imp., impressit hat abgedruckt
beim Namen des Herausgebers (im Sinne eines Druckers oder Verlegers)
exc., excudit hat herausgegeben
div., divulgavit hat verbreitet
formis mit Druckformen von
sumptibus auf Kosten von
bei fotografischen Techniken
ph., ph.sc., photosculpsit[6] wer eine Vorlage (z. B. eine Heliogravüre) weiter bearbeitet hat


BeispieleBearbeiten

Verwandte BegriffeBearbeiten

RechtlichesBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Georg Kaspar Nagler: Die Monogrammisten und diejenigen bekannten und unbekannten Künstler aller Schulen, welche sich zur Bezeichnung ihrer Werke eines figürlichen Zeichens, der Initialen des Namens, der Abbreviatur desselben &c. bedient haben. Mit Berücksichtigung von Buchdruckerzeichen, der Stempel von Kunstsammlern, der Stempel der alten Gold- und Silberschmiede, der Majolicafabriken, Porcellan-Manufacturen u.s.w. Nachrichten über Maler, Zeichner, Bildhauer, Architekten, Kupferstecher, Formschneider, Briefmaler, Lithographen, Stempelschneider, Emailleure, Goldschmiede, Niello-, Metall- und Elfenbein-Arbeiter, Graveure, Waffenschmiede u.s.w. Mit den rasonirenden Verzeichnissen der Werke anonymer Meister, deren Zeichen gegeben sind, und der Hinweisung auf die mit Monogrammen oder Initialen bezeichneten Produkte bekannter Künstler ... auch Ergänzung ... des Neuen allgemeinen Künstler-Lexicons, und Supplement zu den bekannten Werken von A. Bartsch, Robert-Dumesnil, C. le Blanc, F. Brulliot, J. Heller u.s.w.
    • Erster Band, München: Georg Franz, 1858
      • auch als Nachdruck ab 1991 erhältlich[8]
  • Joseph Heller: Monogrammen-Lexikon, enthaltend die bekannten, zweifelhaften und unbekannten ZEICHEN, so wie die Abkürzungen der Namen der Zeichner, Maler, Formschneider, Kupferstecher, Lithographen u.s.w. mit kurzen Nachrichten über dieselben…
    • Zweiter Band, Bamberg bei J. S. Sickmüller, 1831
      • Unveränderter Neudruck der Ausgabe: Niederwalluf bei Wiesbaden: M. Sändig, 1971, ISBN 3-500-23590-5.
  • Der Brockhaus Kunst. Künstler, Epochen, Sachbegriffe. 3., aktualis. u. überarb. Auflage. Verlag F. A. Brockhaus, Mannheim 2006, ISBN 3-7653-2773-5, S. 844–845.
  • Felix Philipp Ingold: Zur Signatur des Werks. In: ders.: Im Namen des Autors. Wilhelm Fink Verlag, München 2004, ISBN 3-7705-3984-2, S. 299–374.
  • Ernst Rebel: Druckgrafik. Geschichte, Fachbegriffe. Reclam-Verlag, Stuttgart 2003, ISBN 3-15-018237-9, S. 247–249.
  • Fritz Goldstein, Ruth Kähler: Monogrammlexikon. Internationales Verzeichnis der Monogramme bildender Künstler seit 1850. Band 1, Verlag de Gruyter, Berlin 1999, ISBN 3-11-014453-0.
  • Paul Pfisterer: Monogrammlexikon. Internationales Verzeichnis der Monogramme bildender Künstler des 19. und 20. Jahrhunderts. Band 2, Verlag de Gruyter, Berlin 1995, ISBN 3-11-014300-3.
  • Joachim Heusinger von Waldegg: Signaturen der Moderne. Ernest Rathenau-Verlag, Karlsruhe 2015, ISBN 978-3-946476-00-9.

Spezielles:

  • Franz Bornschlegel: Stilpluralismus oder Einheitszwang? Die Schriften in den süddeutschen Bildhauerwerkstätten der frühen Renaissance. In: Epigraphik 2000. Neunte Fachtagung für mittelalterliche und neuzeitliche Epigraphik. Klosterneuburg, 2000, hrsg. Gertrud Mras, Renate Kohn: Forschungen zur Geschichte des Mittelalters 10, Wien 2006, S. 39–63.
  • M. J. Libmann: Die Künstlersignatur im 15. und 16. Jahrhundert als Gegenstand soziologischer Untersuchung. In: Peter H. Feist (Hrsg.): Lucas Cranach, Künstler und Gesellschaft. Cranach-Komitee der Deutschen Demokratischen Republik, Wittenberg 1973.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Signaturen (Kunst) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Joachim Heusinger von Waldegg: Signaturen der Moderne. 2015, S. 31, 321.
  2. Franz Goldstein, Ruth Kähler: Monogrammlexikon. Internationales Verzeichnis der Monogramme bildender Künstler seit 1850. Band 1, 1999.
  3. z. B. Eintrag Pinxit. In: Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage. Band 15.. Leipzig 1908, S. 894 (zeno.org).
  4. z. B. Eintrag Del. [2]. In: Herders Conversations-Lexikon. Band 4.. Freiburg im Breisgau 1854, S. 808 (zeno.org).
  5. Fons van der Linden: DuMont's Handbuch der grafischen Techniken: manuelle und maschinelle Druckverfahren; Hochdruck, Tiefdruck, Flachdruck, Durchdruck; Reproduktionstechniken, Mehrfarbendruck. DuMont, Köln 1983, ISBN 3-7701-1237-7, S. 103 f.
  6. Antony Griffiths: Prints and printmaking ; An introd. to the history and techniques. British Museum Publ., London 1980, ISBN 0-7141-0770-0, S. 124.
  7. Deliniantur in hac tabula …, Bild auf Wikimedia Commons, Ausschnitt
  8. Angaben der Deutschen Nationalbibliothek