Westfälische Hochschule Gelsenkirchen Bocholt Recklinghausen

Die Westfälische Hochschule Gelsenkirchen, Bocholt, Recklinghausen (kurz Westfälische Hochschule) ist eine Fachhochschule in Nordrhein-Westfalen, die am 1. August 1992 gegründet wurde. Sie besteht aus dem Hauptsitz in Gelsenkirchen und den Standorten in Bocholt , Recklinghausen sowie einem Studienort in Ahaus .

Westfälische Hochschule
Gelsenkirchen, Bocholt, Recklinghausen
Logo
Motto Wissen. Was praktisch zählt
Gründung 1. August 1992
Trägerschaft MKW NRW (staatlich)
Ort Gelsenkirchen, Bocholt, Recklinghausen, Ahaus
Bundesland Nordrhein-Westfalen
Land Deutschland
Präsident Bernd Kriegesmann
Studierende 8731 WS 2019/20[1]
Mitarbeiter 724
davon Professoren 192
Jahresetat 69,9 Mio. Euro, davon 6,3 Mio. Euro Drittmittel
Website www.w-hs.de
Gebäude B am Standort Gelsenkirchen mit WH-Logo

Vom 1. August 1992 bis zum 29. Februar 2012 trug die Westfälische Hochschule den Namen Fachhochschule Gelsenkirchen.[2] Die Hochschule besteht aus acht Fachbereichen und bedient 25 Bachelor-Studiengänge und 21 Masterstudiengänge.[3]

GeschichteBearbeiten

Die Ursprünge hat die Westfälische Hochschule in der Staatlichen Ingenieurschule für Maschinenwesen Gelsenkirchen-Buer, die am 1. Oktober 1962 den Betrieb aufnahm. Durch die Gründung der Fachhochschulen in Deutschland im Jahre 1971 wurde die Ingenieurschule am 1. August 1971 der neu gegründeten FH Bochum angegliedert. Im Oktober 1991 machte die Emscher-Lippe-Agentur (ELA) den Vorschlag, der durch den Rückgang der Kohleförderung besonders stark betroffenen Region durch die Neugründung einer Fachhochschule beim Lösen der Strukturprobleme zu helfen. Deshalb beschloss die Landesregierung am 15. Januar 1992 den Aufbau einer neuen Fachhochschule mit Hauptsitz in Gelsenkirchen. Somit wurde die Abteilung Gelsenkirchen der FH Bochum zur FH Gelsenkirchen. Durch ein Landesgesetz wurde die damalige FH Gelsenkirchen zum 1. August 1992 als 50. Hochschule des Landes NRW errichtet.[4]

Die Fachhochschule hat ein technisch-naturwissenschaftlich-ökonomisches Profil, ergänzt durch Studiengänge aus dem Bereich Recht und Journalismus/Public Relations.

Von Mai 2005 bis November 2009 war an dieser Hochschule der UNESCO-Lehrstuhl „UNESCO Chair for Entrepreneurship and Intercultural Management“ beheimatet. Es war der erste UNESCO-Lehrstuhl für eine FH in Deutschland und der einzige an allen Hochschulen Nordrhein-Westfalens. Mit dem Lehrstuhl sollte ein noch intensiverer Wissenstransfer mit ausländischen Hochschulen erreicht werden.

Seit September 2007 wurde ein neues Gebäude errichtet, weil das Haus in der Neidenburger Straße 10 mit PCB belastet war. Der Neubau (heute Gebäude B des Standortes Neidenburger Straße 43) wurde zum Start des Wintersemesters 2010/2011 den Fachbereichen Elektrotechnik, Maschinenbau, Versorgung- und Entsorgung sowie dem Institut für Journalismus und Public Relations übergeben.

Die NRW-Landesregierung lobte am 28. Mai 2008 einen Wettbewerb zur Gründung von drei neuen Fachhochschulen aus, bei dem sich die Fachhochschule Gelsenkirchen mit einem Konzept bewarb. Hieraus resultierte die Einrichtung eines weiteren Studienortes in Ahaus in der Nähe des bestehenden Standortes Bocholt. Der Studienbetrieb startete im Wintersemester 2009/2010 mit zwei kooperativen, ausbildungsintegrierenden Studiengängen.[5]

Durch diesen Wettbewerb bekam die Hochschule aber auch Konkurrenz im näheren Umfeld, die in den Städten Mülheim und Bottrop gelegene Hochschule Ruhr West und die in den Städten Kleve und Kamp-Lintfort gelegene Hochschule Rhein-Waal.

Seit dem 18. September 2012 besteht ein Kooperationsvertrag mit der Bergischen Universität Wuppertal, der es den WH-Studierenden ermöglicht, studienbegleitend Qualifikationen zur Lehre an Berufskollegs zu erhalten.[6]

Im September 2015 nahm die Westfälische Hochschule neben Lehre, Forschung und Studium die Talentförderung als Aufgabe in ihre Grundordnung auf. Dabei setzt sie Beratungs- und Betreuungsangebote im Vorfeld der Studiums- beziehungsweise in der Ausbildungsentscheidung, in der Studieneingangsphase und im Studienverlauf um.[7]

Seit 2016 arbeiten die drei Hochschulen für angewandte Wissenschaften aus Bochum, Dortmund und Gelsenkirchen gemeinsam in der Hochschulallianz „ruhrvalley“ in den Leistungsbereichen Lehre, Forschung und Transfer zusammen. 22 ingenieurwissenschaftliche und acht wirtschaftswissenschaftliche Studiengänge wurden in der gemeinsamen, bereits 2013 gegründeten Ruhr Master School in einem interdisziplinären und international orientierten Format zusammengeführt. Die Ruhr Master School soll den Aufbau einer gemeinsamen Masterausbildung der Ruhr-Fachhochschulen, die Schaffung einer Master-School mit einem diversifizierten Angebot an Masterstudiengängen sowie den vereinfachten Übergang aus den Bachelorstudiengängen der beteiligten Hochschulen in die Masterstudiengänge der Ruhr Master School ermöglichen. Die Stiftung Mercator unterstützt sowohl die Ruhr Master School als auch den weiteren Ausbau der Hochschulallianz „ruhrvalley“ insbesondere in den Bereichen Forschungsförderung, Internationalisierung und wissenschaftliche Weiterbildung. Seit 2017 arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von „ruhrvalley“ zudem im hochschulübergreifenden Forschungsprofilbereich „Mobility and Energy for Metropolitan Change“, gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, an neuen Lösungen für digital vernetzte Energie- und Mobilitätssysteme. Inzwischen haben sich rund 75 Unternehmenspartner und 29 Partnerorganisationen im Technologie- und Innovationsnetzwerk „ruhrvalley“ zusammengeschlossen. 26 Spin-offs wurden aus dem Verbund heraus bereits gegründet. Unter dem Dach des Ruhrvalley-Start-up-Campus bündeln die Hochschulen gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie seit 2020 ihre Entrepreneurship-Aktivitäten. Die Partner im Ruhrvalley-Netzwerk engagieren sich für die gemeinsamen Ziele in zahlreichen Projekten und im Ruhrvalley-Cluster e.V. mit Sitz in Herne, wo auch das Headoffice der Hochschulallianz ruhrvalley ist.

SubventionsskandalBearbeiten

Im März 2007 wurden Vorwürfe öffentlich, dass drei Professoren der Hochschule Zuschüsse in Millionenhöhe für ein Inkubatorzentrum hinterzogen hätten. Hier sollten eigentlich Unternehmensgründungen gefördert werden. Infolgedessen wurden die Dozenten (darunter der für Planung und Finanzen zuständige Prorektor sowie zwei Dekane) und ein ehemaliger wissenschaftlicher Mitarbeiter verhaftet. Am 22. März beurlaubte der Innovationsminister Andreas Pinkwart sowohl Rektor Peter Schulte, der sich zuvor selbst angezeigt hatte, als auch Kanzler Hans-Joachim Baier. Interimsmäßig wurde Ministerialdirigent Heiner Kleffner, der schon die Universität Duisburg-Essen in der Gründungsphase geführt hatte, als Leiter der FH eingesetzt.[8][9] Der Landesrechnungshof prüfte zweimal, das Finanzamt machte eine Konzernprüfung, das Rechnungsprüfungsamt Detmold eine Liquiditätsprüfung. Am Ende wurde klar: Nicht die Hochschulverwaltung hatte Geld veruntreut, sondern kriminelle Kräfte in einer ausgegründeten Firmenholding der Hochschule hatten Gelder zweckentfremdet.

PräsidiumBearbeiten

Nach einem Wechsel von einer Rektoratsverfassung zu einer Präsidialverfassung wurde am 5. Mai 2008 Bernd Kriegesmann zum ersten Präsidenten der Fachhochschule Gelsenkirchen einstimmig gewählt. Dieser hatte seit März 2000 eine Professur im Gebiet der Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule Gelsenkirchen. Im Jahre 2005 war er zum Dekan des Fachbereichs Versorgung und Entsorgung gewählt worden. Am 1. August 2008 wurde er vom Hochschulratsvorsitzendem Karl-Heinz Philippi zum Präsidenten ernannt und übernahm die Leitung. Am 1. August 2014 ging er in seine zweite Amtsperiode bis 2020, der sich am 1. August 2020 eine weitere Amtsperiode bis 2026 angeschlossen hat.

Die Vizepräsidenten des aktuellen Präsidiums sind:

  • Studium/Lehre: Tatjana Oberdörster
  • Forschung/Transfer: Michael Brodmann
  • Digitalisierung: Ulrike Griefahn
  • Nachhaltigkeit/Internationales: André Latour
  • Wirtschafts-/Personalverwaltung: Kanzler Heiko Geruschkat

Die Amtszeit der Vizepräsidenten währt bis zum 31. Juli 2026, die des Kanzlers bis 2027.

HochschulratBearbeiten

Aufgrund des durch das Land NRW verabschiedeten Hochschulfreiheitsgesetzes wurde an der Fachhochschule Gelsenkirchen ein Hochschulrat gewählt. Die Fachhochschule Gelsenkirchen hat sich dabei in ihrer verabschiedeten Grundordnung für ein zehnköpfiges Gremium entschieden, das zur Hälfte aus internen Mitgliedern der Hochschule besteht. Die andere Hälfte besteht aus Mitgliedern, die von außerhalb der Hochschule in das Gremium kommen. Der aktuelle Hochschulrat wurde im Januar 2018 durch das nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerium bestätigt, seine Amtszeit beträgt fünf Jahre. Die einzelnen Mitglieder sind:

  • Regine Bönsch, VDI Verlag GmbH
  • Claudia Goldenbeld, Geschäftsführerin Vivawest GmbH, Gelsenkirchen
  • Peter Ohm, Geschäftsführer Johann Borgers GmbH, Bocholt
  • Josef Hülsdünker, DGB Region Emscher-Lippe
  • Birgit Brands
  • Ricarda Kampmann
  • Angelika Loidl-Stahlhofen
  • Martin Schulten
  • Jürgen Znotka
  • Thomas Wessel, Evonik Industries AG: Vorsitzender

FachbereicheBearbeiten

Die aktuelle Liste der Fachbereiche ist:

  • Maschinenbau, Umwelt- und Gebäudetechnik (Gelsenkirchen)
  • Elektrotechnik und angewandte Naturwissenschaften (Gelsenkirchen)
  • Informatik und Kommunikation (Gelsenkirchen)
  • Wirtschaft (Gelsenkirchen)
  • Wirtschaft und Informationstechnik (Bocholt)
  • Maschinenbau (mit Bionik) (Bocholt)
  • Wirtschaftsrecht (Recklinghausen)
  • Ingenieur- und Naturwissenschaften (Recklinghausen)

Angebotene StudiengängeBearbeiten

Bachelor-Studiengang Abkürzung Angeboten in:
Bionik B.Sc. Bocholt
Chemie B.Sc. Recklinghausen
Digitale Systeme B.Sc. Gelsenkirchen
Elektrotechnik B. Eng. Gelsenkirchen, Bocholt
Engineering und Management in Mobilität und Logistik B. Sc. Recklinghausen
Informatik B. Sc. Gelsenkirchen
Informatik.Softwaresysteme B. Sc. Bocholt
International Business Law and Business Management LL. B. Recklinghausen
International Management B. A. Bocholt
Journalismus und Public Relations B. A. Gelsenkirchen
Maschinenbau B. Eng. Gelsenkirchen
Mechatronik B. Eng. Bocholt
Medieninformatik B. Sc. Gelsenkirchen
Medizintechnik B. Sc. Gelsenkirchen
Mobilität und Logistik B. Sc. Recklinghausen
Molekulare Biologie B. Sc. Recklinghausen
Technische Gebäudeausrüstung B. Eng. Gelsenkirchen
Unternehmenslogistik B. Sc. Recklinghausen
Umweltingenieurwissenschaften B. Eng. Gelsenkirchen
Versorgungs- und Entsorgungstechnik B. Eng. Gelsenkirchen
Wirtschaft B. A. Bocholt, Gelsenkirchen
Wirtschaftsinformatik B. Sc. Bocholt, Gelsenkirchen
Wirtschaftsingenieurwesen B. Sc. Bocholt, Gelsenkirchen, Recklinghausen
Wirtschaftsrecht LL. B. Recklinghausen
Master-Studiengang Abkürzung Angeboten in:
Accounting und Controlling M. A. Gelsenkirchen
Business Engineering M. Sc. Bocholt
Dienstleistungsmanagement M. A. Bocholt
Digitale Systeme M. Sc. Gelsenkirchen
Elektrotechnik M. Eng. Gelsenkirchen
Energiesystemtechnik M. Eng. Gelsenkirchen
Informatik M. Sc. Gelsenkirchen, Bocholt
Internet-Sicherheit M. Sc. Gelsenkirchen
Kommunikationsmanagement M. A. Gelsenkirchen
Management M. A. Gelsenkirchen
Maschinenbau M. Eng. Gelsenkirchen, Bocholt
Medieninformatik M. Sc. Gelsenkirchen
Medizintechnik M. Sc. Gelsenkirchen
Mikrosystemtechnik M. Sc. Gelsenkirchen
Mobilität und Logistik M. Sc. Recklinghausen
Molekulare Biologie M. Sc. Recklinghausen
Polymerchemie M. Sc. Recklinghausen
Systems Engineering in der Umwelt- und Gebäudetechnik M. Sc. Gelsenkirchen
Unternehmenslogistik M. Sc. Recklinghausen
Unternehmensrechnung M. A. Bocholt
Wirtschaftsinformatik M. Sc. Gelsenkirchen
Wirtschaftsingenieurwesen M. Sc. Recklinghausen
Wirtschaftsrecht LL. M. Recklinghausen

Es werden diverse Lizenzstudiengänge angeboten.

Institute (Auswahl)Bearbeiten

Zahlen und FaktenBearbeiten

  • Studenten: rund 8.700, davon knapp 5000 in Gelsenkirchen, je ca. 2000 in Bocholt und Recklinghausen (Stand November 2018)
  • Nationalitäten der Studenten: 67 (Stand 2020)

Eine Direktverbindung vom Hauptbahnhof in der Innenstadt zur Fachhochschule Gelsenkirchen besteht kaum: Es verkehrt zu Vorlesungszeiten lediglich der Einsatzwagen E99 in 23 Minuten um 7.39 Uhr vom ZOB. Alternativ und auch in Gegenrichtung fahren die Buslinien 399 in etwa neun Minuten von Buer Rathaus im 10/20-Minuten-Rhythmus oder 342 mit 40-minütiger Fahrzeit ab Wanne-Eickel Hauptbahnhof im Stundentakt.

SemesterticketBearbeiten

Seit dem Wintersemester 2016/2017 verfügen die Studierenden an allen Standorten der Westfälischen Hochschule über ein Semesterticket. An den Standorten Gelsenkirchen und Recklinghausen setzt sich das Ticket aus einem VRR-Ticket und dem NRW-Ticket zusammen. Den Studierenden an Campus Bocholt steht neben dem NRW-Ticket eine Fahrkarte des dort geltenden Westfalentarifs zur Verfügung.[10]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistisches Bundesamt: Studierendenzahlen Studierende und Studienanfänger/-innen nach Hochschularten, Ländern und Hochschulen, WS 2012/13, S. 66–113 (abgerufen am 3. November 2013)
  2. 2. Satzung zur Änderung der Grundordnung der Fachhochschule Gelsenkirchen vom 29.02.2012. In: Amtsblatt der Fachhochschule Gelsenkirchen. 12. Jahrgang, Nr. 7, 29. Februar 2012, S. 30 (w-hs.de [PDF; 33 kB; abgerufen am 1. Mai 2015]).
  3. Westfälische Hochschule. Abgerufen am 14. Juni 2018.
  4. Fachbereichsführer FB Informatik, FH Gelsenkirchen, 1997 Dieter Hannemann (Memento vom 24. Januar 2013 im Internet Archive), abgerufen am 26. Oktober 2010.
  5. Innovationen für das Wohnen in der Zukunft
  6. Geschichte der BUW - Umbau ab 2007 (Memento vom 3. Februar 2013 im Internet Archive) abgerufen am 8. Februar 2013.
  7. 7. Satzung zur Änderung der Grundordnung der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen, Bocholt, Recklinghausen vom 25.09.2015. In: Amtsblatt der Westfälischen Hochschule. 15. Jahrgang, Nr. 18, 29. September 2015 (w-hs.de [PDF]).
  8. Stellungnahme der FH Gelsenkirchen (Memento vom 30. Oktober 2007 im Internet Archive) von Heiner Kleffner, 26. März 2007.
  9. Thomas Becker: Urteil im Subventionsprozess um Inkubatorzentrum. In: dradio.de. 16. Dezember 2008.
  10. Semesterticket: Westfälische Hochschule. Abgerufen am 14. Juni 2018.