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Die 67. UCI-Bahn-Weltmeisterschaften fanden vom 22. bis 26. August 1977 im venezolanischen San Cristóbal statt. Damit wurden nach 1968 (Montevideo) zum zweiten Mal Bahn-Weltmeisterschaften in Südamerika ausgetragen. Diese WM hatte nach Ansicht des Radsport einen „Hauch von Abenteuer und Exotik“.[1]

Die Radrennbahn war offen, 333,33 Meter lang und aus Zement; der WM-Ort liegt in rund 1000 Meter Höhe. Dass die Bahn offen war, führte zu massiven Problemen, da im September in Venezuela Regenzeit herrscht, und es deshalb zu zahlreichen Verschiebungen kam. So musste der Bahnvierer schließlich morgens um 8 Uhr zum Finale antreten.

Es herrschte großes Zuschauerinteresse, allein bei der Eröffnungsfeier zu den ersten Weltmeisterschaften auf venezolanischem Boden waren 15.000 Besucher vor Ort. Wenn auch diese Feier nicht auf den Geschmack des Berichterstatters aus Deutschland stieß: „Da war einiges zu bombastisch, zu groß im Zuschnitt für eine Radweltmeisterschaft [...]“, so als sei „Venezuela [...] der Nabel der Welt“. Manche Zuschauer nutzten indes die Weltmeisterschaften zu politischem Protest, der jedoch von Soldaten unterbunden wurde.[2]

Wie rigide dort die Soldaten reagierten, erfuhr der deutsche Schrittmacher Dieter Durst am eigenen Leibe. Als er einmal unwillig auf die ständigen Kontrollen am Stadioneingang reagierte, wurde er für eine Nacht inhaftiert.[3]

Das Punktefahren für Amateure stand bei dieser WM zum ersten Mal auf dem Programm. Die Durchführung des Wettbewerbs stieß noch auf Probleme: Es gab eine Unzahl - 30 - Wertungen, und am Ende gab es in der Jury Uneinigkeit über die Platzierungen.

Der Mannschaft der DDR bescheinigte der Radsport ein „Festival“: Im Sprint belegte sie alle drei Podiumsplätze, im Zeitfahren errang Lothar Thoms und in der Einerverfolgung Norbert Dürpisch die Goldmedaille.[4] Für die Mannschaft des Bundes Deutscher Radfahrer war die schlimmste Niederlage die des Gold-Vierers in der Mannschaftsverfolgung gegen den der DDR nach drei WM- und einer Olympia-Goldmedaille in Folge. Als Konsequenz daraus erklärte Bundestrainer Gustav Kilian zwei Monate später seinen Rücktritt.

Inhaltsverzeichnis

Resultate FrauenBearbeiten

Disziplin Platz Land Athlet
Sprint 1 Sowjetunion 1955  Galina Zarjowa 12,95s (1.), 13,35s (3.)
2 Vereinigte Staaten  Sue Novara 12,76s (2.),
3 Tschechoslowakei  Iva Zajíčková 13,08s (1.), 13,11 (2.)
Einerverfolgung (3000 m) 1 Sowjetunion 1955  Vera Kuznezova 4:01,85 min.
2 Niederlande  Anne Riemersma 4:08,47 min.
3 Kanada  Karen Strong 4:00,74 min.

Resultate MännerBearbeiten

ProfisBearbeiten

Disziplin Platz Land Athlet
Sprint 1 Japan  Kōichi Nakano 11,03 (1.), 11,02s (2.)
2 Japan  Yoshua Sugata
3 Australien  John Nicholson 11,68s (1.), 12,06s (2.)
Einerverfolgung (5000 m) 1 Deutschland Bundesrepublik  Gregor Braun 6:00,93 min.
2 Norwegen  Knut Knudsen 6:06,78 min.
3 Vereinigtes Konigreich  Steve Heffernan 6:07,49 min.
Steherrennen (1 Stunde) 1 Niederlande  Cees Stam (hinter Bruno Walrave) 66,088 km
2 Deutschland Bundesrepublik  Wilfried Peffgen (hinter Dieter Durst) + 75 Meter
3 Italien  Pietro Algeri (hinter Domenico De Lillo) + 1 Runde und 220 Meter

AmateureBearbeiten

Disziplin Platz Land Athlet Zeit
Sprint 1 Deutschland Demokratische Republik 1949  Hans-Jürgen Geschke 11,60s( 1.), 11,31 (2.)
2 Deutschland Demokratische Republik 1949  Emanuel Raasch
3 Deutschland Demokratische Republik 1949  Lutz Heßlich 11,31s (1.), 11,16s (2.)
Zeitfahren (1000 m) 1 Deutschland Demokratische Republik 1949  Lothar Thoms 1.04,859 min.
2 Deutschland Bundesrepublik  Günther Schumacher 1:06,946 min.
3 Schweiz  Hans Ledermann 1:07,079 min.
Tandem 1 Tschechoslowakei  Vladimír Vačkář/Miloslav Vymazal 10,74s (1.), 10,44s (2.)
2 Sowjetunion 1955  Wladimir Semenets/Aleksander Voronine
3 Deutschland Bundesrepublik  Horst Gewiss/Wolfgang Schäffer 13,75s (1.), 10,68s (2.)
Einerverfolgung (4000 m) 1 Deutschland Demokratische Republik 1949  Norbert Dürpisch 4:42,81 min.
2 Deutschland Demokratische Republik 1949  Uwe Unterwalder 4:48,18 min.
3 Schweiz  Daniel Gisiger 4:52,81 min.
Mannschaftsverfolgung (4000 m) 1 Deutschland Demokratische Republik 1949  Norbert Dürpisch/Gerald Mortag/
Matthias Wiegand/Volker Winkler
4:21,34 min.
2 Deutschland Bundesrepublik  Günther Schumacher/Peter Vonhof/
Hans Lutz/Henry Rinklin
4;29,09 min.
3 Schweiz  Robert Dill-Bundi/Daniel Gisiger/
Hans Känel/Walter Baumgartner
4:24,49 min.
Punktefahren (50 km) 1 Belgien  Constant Tourné 29 Pkt.
2 Polen 1944  Jan Faltyn 21 Pkt.
3 Sowjetunion 1955  Nicolaï Makarov 14 Pkt.
Steherrennen (Finale über 50 km) 1 Niederlande  Gaby Minneboo (hinter Bruno Walrave) 44:35,00 min.
2 Spanien 1945  Bartolomé Caldentey (hinter Antonio Mora) + 45 Meter
3 Deutschland Bundesrepublik  Rainer Podlesch (hinter Christian Dippel) + 270 Meter

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Radsport, August/September 1977

AnmerkungenBearbeiten

  1. Radsport, 24. August 1977, S. 2
  2. Radsport, 7. September 1977, S. 2
  3. Radsport, 14. September 1977, S. 7
  4. Radsport, 31. August 1977, S. 3