Trond Giske

norwegischer sozialdemokratischer Politiker
Trond Giske, August 2009

Trond Giske (* 7. November 1966 in Trondheim) ist ein norwegischer Politiker der sozialdemokratischen Arbeiderpartiet (Ap). Er war von März 2000 bis Oktober 2001 der Bildungsminister, von Oktober 2005 bis Oktober 2009 der Kulturminister und anschließend bis Oktober 2013 der Wirtschafts- und Handelsminister seines Landes.

Politischer WerdegangBearbeiten

Giske studierte Nationalökonomie, Politologie und Jura an der Universität Oslo und der NTNU (Technisch-Naturwissenschaftliche Universität Norwegens), das Studium schloss er im Jahr 1997 ab. In den Jahren 1992 bis 1996 war er der Vorsitzende der Jugendorganisation Arbeidernes Ungdomsfylking (AUF). In dieser Zeit sprach er sich gegen einen Beitritt Norwegens zur Europäischen Union aus.[1]

Parlamentsabgeordneter und MinisterBearbeiten

Bei der Parlamentswahl 1997 zog Giske erstmals für den Wahlkreis Sør-Trøndelag ins norwegische Nationalparlament Storting ein. Nach dem Regierungswechsel im März 2000 wurde er am 17. März 2000 zum Kirchen-, Bildungs- und Forschungsminister in der Regierung Jens Stoltenberg I ernannt. Er blieb bis zum Abgang der Regierung am 19. Oktober 2001 im Amt. In der Legislaturperiode zwischen 2001 und 2005 diente er schließlich als stellvertretender Vorsitzender im Parlamentsausschuss für Familie, Kultur und Verwaltung, zudem war er Teil des Ap-Fraktionsvorstands.

Bei den Wahlen in den Jahren 2005 und 2009 zog er erneut ins Storting ein, wegen seiner Zugehörigkeit zur Regierung musste er sein Mandat jedoch ruhen lassen. Giske war vom 17. Oktober 2005 bis zum 20. Oktober 2009 der Minister für Kultur und Kirche im zweiten Kabinett Stoltenberg und anschließend bis zum Regierungswechsel am 16. Oktober 2013 Wirtschafts- und Handelsminister.

MeToo-DebatteBearbeiten

Im Jahr 2015 wurde er stellvertretender Vorsitzender der Arbeiderpartiet, nachdem er bereits ab 2000 Mitglied im Vorstand war.[2] Von dieser Position musste er im Januar 2018 zurücktreten. Er wurde von mehreren Frauen im Zuge der MeToo-Debatte beschuldigt, sich ihnen gegenüber unangebracht verhalten zu haben.[3]

Im Februar 2019 teilte die Parteispitze mit, dass sie zwar weiterhin der Meinung sei, Giske hätte gegen die Richtlinien der Arbeiterpartei verstoßen, er nun aber wieder alle Posten der Partei besetzen dürfe.[4] Kurz darauf musste er jedoch seine Kandidatur für einen Führungsposten in der Arbeiterpartei Trøndelag zurückziehen: Die norwegische Zeitung Verdens Gang hatte ein Video veröffentlicht, in dem er mit einer jungen Frau tanzend zu sehen ist, was von einigen als unpassendes Verhalten gedeutet wurde.[5][6] Die öffentliche Kritik richtete sich allerdings auch gegen die Zeitung. So verteidigte die im Video zu sehende Frau Giske und gab an, die Veröffentlichung wäre ohne ihre Einwilligung geschehen.[7][8] Verdens Gang bat die Beteiligten daraufhin öffentlich um Entschuldigung.[9]

PrivatesBearbeiten

Er war im Jahr 2003 Taufpate von Ari Behns und Märtha Louise von Norwegens ältester Tochter Maud Angelica Behn.[10] Giske heiratete im Januar 2019 die Moderatorin Haddy N’jie.[11]

WeblinksBearbeiten

Commons: Trond Giske – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Olav Garvik, Knut Are Tvedt: Trond Giske. In: Store norske leksikon. 26. Februar 2020 (snl.no [abgerufen am 27. April 2020]).
  2. Håvard Therkelsen: Store endringer i Ap-ledelsen før kommunevalget. In: Dagsavisen. 10. Februar 2015, abgerufen am 7. Februar 2019 (norwegisch).
  3. Dette er Giske-saken. In: Verdens Gang. Abgerufen am 7. Februar 2019 (norwegisch).
  4. Avslutter saken mot Giske og åpner for comeback. Abgerufen am 7. Februar 2019 (norwegisch).
  5. Trond Giske gir opp kampen. In: Dagsavisen. 22. Februar 2019, abgerufen am 28. März 2019 (norwegisch).
  6. Giske får ingen verv i fylkesstyret. In: NRK. 22. Februar 2019, abgerufen am 28. März 2019 (norwegisch Bokmål).
  7. Maria Knoph Vigsnæs: Trond Giske: VG bør beklage. 22. Februar 2019, abgerufen am 28. März 2019 (nb-NO).
  8. Kristian Elster: Kvinnen på Giske-videoen med kraftig kritikk av VG – PFU vil ha saken. 20. März 2019, abgerufen am 28. März 2019 (nb-NO).
  9. VG beklager overfor Trond Giske. In: Stavanger Aftenblad. Abgerufen am 28. März 2019 (norwegisch).
  10. Wibecke Lie: Maud Angelica sov søtt da hun ble døpt. In: Dagbladet (Norwegen). 2. Juli 2003, abgerufen am 3. Dezember 2019 (norwegisch): „Rundt døpefonten sto også foreldrene prinsesse Märtha Louise og Ari Behn og fem av de øvrige seks fadderne: Kronprins Haakon, Anja Sabrina Bjørshol, Marianne Ulrichsen, Kåre Conradi og Trond Giske. (Rund um das Taufbecken befanden sich auch die Eltern Prinzessin Märtha Louise und Ari Behn sowie fünf der anderen sechs Paten: Kronprinz Haakon, Anja Sabrina Bjørshol, Marianne Ulrichsen, Kåre Conradi und Trond Giske.)“
  11. Odd Steinar Parr: Trond Giske gifter seg. In: Finansavisen. 11. Januar 2019, abgerufen am 27. April 2020 (norwegisch).