Trier-Ehrang/Quint

Ortsbezirk der Stadt Trier

Ehrang/Quint ist einer der 19 Ortsbezirke der Stadt Trier in Rheinland-Pfalz. Flächenmäßig ist er der größte Ortsbezirk der Stadt und umfasst unter anderem auch mehrere aufgrund ihrer geographischen Lage etwas abgegrenzte Wohnviertel (Vordere und Hintere Heide, die ehemalige Militär-Siedlung „Auf der Bausch“).

Ehrang/Quint
Stadtteil von Trier
Früheres Gemeindewappen von Ehrang
Koordinaten: 49° 48′ 28″ N, 6° 41′ 16″ O
Höhe: 131 m ü. NN
Fläche: 25,23 km²
Einwohner: 9130 (31. Dez. 2019)
Bevölkerungsdichte: 362 Einwohner/km²
Eingemeindung: 7. Juni 1969
Postleitzahl: 54293
Vorwahl: 0651
BiewerEhrang/QuintEurenFeyen/WeismarkFilschHeiligkreuzIrschKernscheidKürenzMariahofMitte/GartenfeldNordOlewigPfalzelRuwer/EitelsbachSüdTarforstWest/PallienZewenKarte
Über dieses Bild
Lage in der Stadt Trier

GeographieBearbeiten

Der Ortsbezirk gliedert sich in die Ortsteile Ehrang und Quint und liegt im Nordosten der Stadt auf dem linken Moselufer. In Ehrang mündet die Kyll in die Mosel, in Quint der Quintbach. Ehrang/Quint ist der nördlichste Stadtteil von Trier. Benachbarte Ortsbezirke sind Pfalzel, Biewer und getrennt durch die Mosel Ruwer/Eitelsbach.

Zu Trier-Ehrang/Quint gehören Wohngebiete, die abgelegen auf den ersten Erhebungen der Eifel liegen. Zwei Außenwohngebiete sind die im Meulenwald gelegenen und in den 1970er angelegten Wohngebiete Vordere Heide (227 m. ü. NHN) und Hintere Heide (243 m. ü. NHN) mit dem dazwischen gelegenen Sportanlagen inklusive des Fußballplatzes des SV Ehrang. Eine Mittlere Heide wurde in den 1970er Jahren ebenfalls geplant, aber nie umgesetzt. Eine weitere außengelegene Wohnanlage ist die ehemalige Militärsiedlung auf der Bausch (251 m. ü. NHN).

GeschichteBearbeiten

 
Haus Briel, ältestes erhaltenes Gebäude in Ehrang (links)

Der Name Ehrang stammt von einem Keltenführer namens Irus, der das Gebiet der Kyllmündung wegen seiner günstigen Lage als Siedlung wählte, die nach ihm Yranc oder Irancum genannt wurde. Eine wichtige keltische Handelsstraße führt dort über die Kyll. Die Römer bauten später an dieser Stelle eine Brücke und errichteten in ihrer Nähe Denkmäler und Weihestätten.[1]

Der Name Quint stammt aus der Römerzeit und leitet sich aus seiner Lage am fünften Meilenstein (ad quintum lapidem) entlang der Römerstraße von Trier nach Andernach ab. 1346 erhielt Ehrang unter dem späteren deutschen Kaiser Karl IV. die Stadtrechte nach Frankfurter Recht. 1683 entstand in Quint unter dem Gründervater Franz von Pidoll eine Eisenhütte mit Gießerei.

Am 1. März 1968 kam es zur Vereinigung der beiden selbständigen Gemeinden Ehrang und Pfalzel zu einer Großgemeinde. Nur ein Jahr später jedoch, am 7. Juni 1969, wurde die Gemeinde Ehrang-Pfalzel in die Stadt Trier eingegliedert; sie hatte zu diesem Zeitpunkt 12.131 Einwohner.[2] Pfalzel und Ehrang/Quint sind seitdem Ortsbezirke der Stadt Trier. Heute zählt Ehrang/Quint zu den größten und nach wie vor selbständigsten Trierer Bezirken; durch eigene Infrastruktur wie Krankenhaus, Schulzentrum und Bahnhöfe bildet es "eine kleine Stadt für sich".[3]

PolitikBearbeiten

Ortsbeirat
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Insgesamt 15 Sitze

OrtsbeiratBearbeiten

Für den Ortsteile Ehrang und Quint wurde ein gemeinsamer Ortsbezirk gebildet. Dem Ortsbeirat gehören 15 Beiratsmitglieder an, den Vorsitz im Ortsbeirat führt der direkt gewählte Ortsvorsteher.[4]

Politische Verantwortung und die 15 Sitze im Ortsbeirat teilen sich SPD (vier Sitze), CDU (fünf Sitze), Unabhängige Bürgervertretung Trier (UBT; drei Sitze) und Grüne (drei Sitze). Weitere Informationen und historische Daten siehe unter Ergebnisse der Kommunalwahlen in Trier.

OrtsvorsteherBearbeiten

Seit Juni 2018 ist der CDU-Politiker Bertrand Adams Ortsvorsteher. Bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 wurde er mit einem Stimmenanteil von 53,59 % wiedergewählt.[5]

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

SehenswürdigkeitenBearbeiten

Siehe auch Liste der Kulturdenkmäler in Trier-Ehrang/Quint und Liste der Naturdenkmale in Trier

 
Gasse in Ehrang
 
ehem. kath. Pfarrkirche Mariae Himmelfahrt
 
Evangelische Kirche
  • Aussichtspunkt Ehranger Kanzel (Felsenkuppe mit alten Eichen, Naturdenkmal)
  • Heidenstuben (Buntsandsteinfelsen, Naturdenkmal)
  • Ringmauer/Reste der alten Stadtmauer
  • Kreuzweg zur Heide-Kapelle
  • Linkenkapelle (Marienkapelle am Waldfriedhof)
  • Küferkapelle (Kapellenstraße)
  • Pfarrhaus Sankt Peter
  • Katholische Pfarrkirche Sankt Peter
  • Evangelische Pfarrkirche in der Ehranger Straße
  • Ehranger Brunnen am Marienfeld
  • Ehranger Brunnen in der Niederstraße
  • Milo-Kreuz
  • Quinter Schloss
  • Katholische Filialkirche Mariä Himmelfahrt in Quint (2009 profaniert, 2016 zu einem Wohnhaus umgebaut)[6]
  • Katholische Kirche Christi Himmelfahrt (Schulstraße; profaniert seit 1. September 2016, befindet sich im Umbau zu einem Wohngebäude)
  • Kreuz am Aussichtspunkt auf den Heidenstuben (Buntsandsteinfelsen) aus dem Jahre 2007
  • Der historische Ortskern von Ehrang ist denkmalgeschützt (Ensembleschutz).

Infrastruktur und WirtschaftBearbeiten

VerkehrBearbeiten

StraßeBearbeiten

Trier-Ehrang ist über die B 53 nach Schweich und Trier, sowie über die B 422 zur B 51 und damit nach Bitburg verbunden. Außerdem besitzt der Ortsbezirk Anschluss an die B 52, über die die Autobahnen A 64 nach Luxemburg und A 1 nach Saarbrücken und Koblenz erreichbar sind. Dabei bildet die Moselbrücke Ehrang ein wichtiges Bindeglied in der Ortsumfahrung Trier.

In Ehrang/Quint kreuzen sich die beiden Radfernwege Mosel-Radweg und Kylltal-Radweg.

ÖPNVBearbeiten

Für den gesamten öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) gilt der Tarif des Verkehrsverbunds Region Trier (VRT).

BahnBearbeiten
 
Das ehemalige Bahnbetriebswerk Ehrang 1996. 2011 wurden die letzten Reste abgerissen.

Es existieren drei Bahnhöfe:

  • Ehrang
  • Ehrang Ort
  • Quint

Der Bahnhof Ehrang ist ein Bahnknotenpunkt mit ehemaligem Rangierbahnhof (noch teilweise als Güterbahnhof genutzt) an der Moselstrecke, von der hier die Eifelstrecke in Richtung Gerolstein und Köln abzweigt. Die Bahnhöfe Ehrang Ort und Quint liegen nur an der Moselstrecke.

Im Schienenpersonennahverkehr verkehren folgende Linien jeweils überwiegend im Stundentakt:

  • Eifelbahn (RB 22) Gerolstein – Trier (bedient nur den Bahnhof Ehrang); Züge kommen von Köln Messe/Deutz und fahren in der Gegenrichtung ab Gerolstein als RE 22 weiter dorthin
  • Moseltal-Bahn (RB 81) Koblenz – Wittlich – Trier
  • Linie RB 83 Wittlich – Trier – Wasserbillig – Luxembourg (montags bis samstags).
BusBearbeiten

Die Anbindung an das Stadtzentrum Triers erfolgt montags bis freitags tagsüber durch die Linie 8 (Trier-Mariahof – Schweich; Stadtwerke Trier), zu den übrigen Zeiten durch die Linie 87 (Trier Hauptbahnhof – Schweich; Stadtwerke Trier). Die beiden abseits gelegenen Ortsteile „Auf der Bausch“ und „Heide“ werden von der Linie 17 (Stadtwerke Trier) an den Ehranger Ortskern, den Bahnhof und die Busse in die Innenstadt angebunden. Die Linie 27 (Moselbahn) verbindet Ehrang mit der Gemeinde Zemmer und deren Ortsteilen, wobei am Bahnhof Ehrang Ort Anschluss an Züge in die Trierer Innenstadt besteht und umgekehrt. Im Schülerverkehr bestehen darüber hinaus Busverbindungen zwischen einigen weiteren Orten und dem Schulzentrum Mäusheckerweg.

WirtschaftBearbeiten

Wirtschaftlich geprägt wird Ehrang/Quint von Handel, Handwerk und Industrie. Die gute logistische Anbindung über Straße, Schiene und Wasser (Hafen Trier), aber auch durch die Nähe zum benachbarten Luxemburg über Luft, bietet gute Voraussetzungen für das bestehende Gewerbe, auch für neue Investoren.

Öffentliche Einrichtungen (Auswahl)Bearbeiten

  • Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen Ehrang (früher: Marienkrankenhaus)[7]
  • Bürgerhaus
  • Katholische Familienbildungsstätte Trier-Ehrang Remise e. V.[8]
  • Naturfreundehaus Quint[9]
  • Mobile Jugendeinrichtung „Blue“
  • Jugendtreff Ehrang-Quint e. V.
  • Internationaler Frauengarten Trier[10]
  • DRK Rettungswache und Ortsverein Ehrang
  • Feuerwehr Trier Löschzug Ehrang[11]
  • Brand- und Katastrophenschutzzentrum (BKSZ) und Technisches Hilfswerk (Servaisstraße)

Schulen und KindergärtenBearbeiten

  • Friedrich-Spee-Gymnasium (achtjähriges Gymnasium; Schulzentrum Mäusheckerweg)
  • Moseltal Realschule plus Trier (Schulzentrum Mäusheckerweg)
  • Grundschule St. Peter Ehrang
  • Grundschule Quint
  • Katholischer Kindertagesstätte Christi Himmelfahrt (Ortsteil: Auf der Bausch)
  • Katholische Kindertagesstätte St. Peter[12]
  • Montessori-Kinderhaus St. Peter
  • Integrative Kindertagesstätte Haus Tobias (Ortsteil: Quint, Träger: Caritasverband)

Regelmäßige Veranstaltungen (Auswahl)Bearbeiten

  • Der Ehranger Markt[13] ist als Volksfest mit Kirmestreiben über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Der „Ehriker Moart“ wie er im moselfränkischen Dialekt genannt wird, kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Als Volksfest wurde er bereits im Jahr 1350 erwähnt. Der Ehranger Markt war ursprünglich ein Viehmarkt, auf dem die Eifel-, Hunsrück- und Moselbauern ihre Tiere und Waren tauschen konnten. Damals war der erste Dienstag im Monat September der traditionelle Markttag. Aus diesem Grund findet das Fest auch in der heutigen Zeit am Wochenende vor dem ersten Dienstag im September statt und wird mit einem großen Feuerwerk am Dienstagabend abgeschlossen. Der Ehranger Markt wird getragen durch die zahlreichen ehrenamtliche Helfer aus den verschiedenen Ortsvereinen, die sich in der Gemeinschaft Ehranger Ortsvereine (GEOV)[14] zusammengeschlossen haben.
  • Die Ehranger Fastnacht wird jedes Jahr von den örtlichen Karnevalsvereinen mitgestaltet, darunter der Theater- und Karnevalsverein „Blau-Weiß“ 09 Ehrang e. V.[15] und die Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß Ehrang[16] Ein besonderer Höhepunkt des Ehranger Straßenkarnevals ist der Rosenmontagszug, der unter reger Beteiligung phantasievoll gestalteter Fußgruppen am Fastnachtsmontag durch den Ort zieht.

SportvereineBearbeiten

  • SV Ehrang 1910 e. V.[17]
  • TV Ehrang 1897 e. V.[18]

PersönlichkeitenBearbeiten

  • Heinrich Adolf Kraemer (* 5. April 1798; † 27. Januar 1876 in Trier-Ehrang/Quint), Eisenwerkbesitzer und Großindustrieller
  • Mathias Thesen (* 29. April 1891 in Ehrang), KPD-Reichstagsabgeordneter, Widerstandskämpfer, († 11. Okt. 1944 KZ-Sachsenhausen, erschossen)
  • Peter Greif (* 1. Oktober 1902 in Konz; † 5. Januar 1933 Ehrang) Vorsitzender der KPD-Ortsgruppe Ehrang, der 1933 in Ehrang von SA erschossen wurde.
  • Anna Dany (* 11. Februar 1920 in Ehrang; † 1941 ermordet in Hadamar), Opfer des Nationalsozialismus[19]
  • Werner Schuhn (* 12. Januar 1925 in Daun; † 2. Juli 1989 in Trier-Ehrang), Rektor und Heimatforscher
  • Peter Roth-Ehrang (* 8. Juni 1925 in Ehrang; † 28. Dezember 1966 in Hamburg), Opernsänger (Bass), Mitglied der Hamburger Staatsoper, Wagner-Interpret in Bayreuth
  • Matthias Thiel (* 21. April 1929 in Ehrang; † 30. Januar 2015 in Göttingen), Historiker und Diplomatiker
  • Adelheid Steines (* 4. Januar 1929; † 1. August 2016), Schlagersängerin und Trägerin des Bundesverdienstkreuzes am Bande
  • Berthold Klein (* 16. August 1941), Politiker
  • Bertrand Adams (* 13. Oktober 1953), Politiker
  • Ingeborg Sahler-Fesel (* 15. Januar 1956), Politikerin
  • Peter Feil (* 1962 in Ehrang; † 2. Dezember 2018 in Frankfurt am Main), Jazzmusiker (Posaune, Arrangement)
  • Stephan Peitz (* 19. August 1966), Architekt und Meister der Kampfkunst
  • Dominik Kohr (* 31. Januar 1994), Fußballspieler

BilderBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Martin Kreckler, Wolfgang Kreckler: Eisenbahn in Ehrang. Nahtstelle von Saar-, Eifel- und Moselbahn. 1. Auflage. EK-Verlag, Freiburg 2008.
  • Martin Kreckler: Das Quinter Viadukt. In: Verein Ehranger Heimat e. V. (Hrsg.): Ehranger Heimat. Jahrbuch. 2010.
  • Werner Schuhn: Ehrang. Landschaft – Geschichte – Gegenwart. 2 Bände (Ortschroniken des Trierer Landes, Nr. 22) Trier, 1989.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Friedrich Meixner: Aus der Geschichte Ehrangs. in: Verein „Ehranger Heimat e. V.“: Ehranger Heimat Jahrbuch 1998, S. 54
  2. Amtliches Gemeindeverzeichnis 2006, Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz (Memento vom 31. Dezember 2016 im Internet Archive), Seite 198 (PDF; 2,6 MB)
  3. Stadt Trier: Trierer Ortsbezirke - Überblick. Abgerufen am 17. Mai 2020.
  4. Stadt Trier: Hauptsatzung. (PDF) § 2 bis 6. 29. Juni 2017, abgerufen am 20. Oktober 2019.
  5. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Direktwahlen 2019. Trier, kreisfreie Stadt, siehe vierte Ergebniszeile. Abgerufen am 20. Oktober 2019.
  6. Erklärung der Pfarrgemeinde zur Profanierung (Memento vom 10. März 2016 im Internet Archive) (PDF; 8 kB)
  7. Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen Ehrang (früher: Marienkrankenhaus)
  8. Katholische Familienbildungsstätte Trier-Ehrang Remise e. V.
  9. Naturfreundehaus Quint
  10. Internationaler Frauengarten
  11. Feuerwehr Trier Löschzug Ehrang
  12. Katholische Kindertagesstätte St. Peter
  13. Ehranger Markt
  14. Gemeinschaft Ehranger Ortsvereine e. V.
  15. Theater- und Karnevalsverein „Blau-Weiß“ 09 Ehrang e. V.
  16. Karnevalsgesellschaft „Rot-Weiß“ Ehrang e. V..
  17. SV Ehrang 1910 e. V.
  18. TV Ehrang 1897 e. V.
  19. Thomas Schnitzler: Anna Dany aus Quint – Erinnerungen aus Anlass der Stolpersteinverlegung 2011. In: Ehranger Heimat e. V. (Hrsg.): Ehranger Heimat. Jahrbuch 2013. S. 143ff.

WeblinksBearbeiten

Commons: Ehrang – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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