Traunsee

See in Österreich

Der Traunsee ist ein See im oberösterreichischen Salzkammergut am Nordrand der nördlichen Kalkalpen auf einer Seehöhe von 423 m ü. A.. Die Traun durchfließt ihn der Länge nach von Ebensee am Traunsee im Süden nach Gmunden im Norden. Der Traunsee ist mit 24,35 km² der zweitgrößte österreichische Alpensee und mit 191 m der tiefste See Österreichs. Mit einem Einzugsgebiet von 1.417 km² hat er das größte unter allen österreichischen Seen.

Traunsee
Kleiner Sonnstein 360° Panorama (cropped).jpg
Blick vom Kleinen Sonnstein
Geographische Lage Salzkammergut, Österreich
Zuflüsse Traun, Alte Traun, Rindbach, Karbach, Lainaubach
Abfluss Traun
Orte am Ufer Gmunden, Ebensee, Altmünster, Traunkirchen
Daten
Koordinaten 47° 52′ 0″ N, 13° 48′ 0″ OKoordinaten: 47° 52′ 0″ N, 13° 48′ 0″ O
Traunsee (Oberösterreich)
Traunsee
Höhe über Meeresspiegel 423 m ü. A.
Fläche 24,4 km²
Länge 11,9dep1
Breite 2,9dep1
Volumen 2,188 km³dep1
Maximale Tiefe 191 m
Mittlere Tiefe 90 m
pH-Wert 8,26
Einzugsgebiet 1422 km²

Besonderheiten

tiefster See Österreichs

GeographieBearbeiten

Der Traunsee ist zwölf Kilometer lang, drei Kilometer breit und bedeckt eine Fläche von ca. 24,4 km². Wichtige Orte am Ufer sind Gmunden im Norden, Traunkirchen und Altmünster im Westen und Ebensee am Traunsee am Südufer. Der Traunsee liegt im Gebiet dieser vier Gemeinden. Der See ist über die Salzkammergutstraße erschlossen, die am Westufer verläuft. Die Salzkammergutbahn verläuft weitgehend parallel zur Salzkammergutstraße.

Die Landschaft des Traunseegebiets ist äußerst vielfältig: Moränenwälle und Hügel der Flyschzone, wie etwa der Gmundnerberg, umsäumen den Nordteil des Sees und erstrecken sich am Westufer bis Traunkirchen. Zwischen Traunkirchen und Ebensee ist das Ufer steiler und wird von den Kalkfelsen von Kleinem und Großen Sonnstein begrenzt. In Ebensee befindet sich das weite, flache Delta der Traun. Das Ostufer ist ab Ebensee sehr steil und wird im Süden vom Erlakogel (1575 m ü. A.) überragt. Weiter nördlich dominiert der Traunstein (1691 m ü. A.) mit seinen teilweise senkrecht in den See abfallenden Felswänden das Ostufer. Mit dem Grünberg bei Gmunden setzt sich die Flyschzone am Ostufer fort.

GeologieBearbeiten

Das Seebecken des Traunsees liegt entlang der Trauntalstörung, die aus dem Ischler Raum in nordöstliche Richtung etwa entlang der Traun zum Nordost-Ende des Traunsees verläuft. Mit der ersten Großvereisung der Günz-Kaltzeit schürfte der Traungletscher das Seebecken des Traunsees als übertieftes Zungenbecken aus, das dann in den folgenden Eiszeiten seine heutige Ausdehnung und Formung erhielt. Nachdem das Seebecken eisfrei geworden war, begann die Traun den fjordartigen Südteil des Sees, der etwa bis Langwies gereicht hat, zu verfüllen, wodurch die Deltaebene bis Ebensee entstanden ist, die auch heute noch vorgebaut wird. Die heutige Geschiebefracht der Traun würde unter gleich bleibenden klimatischen Verhältnissen und dementsprechender Schuttzufuhr bedeuten, dass dieser Vorgang den Traunsee in rund 40.000 Jahren völlig mit Sediment verfüllen und zum Verschwinden bringen würde.[1]

Der Traunsee befindet sich an der Grenze dreier großtektonischer Einheiten. Im Norden befindet sich die Flyschzone. Am Ostufer tritt im Gschliefgraben das Ultrahelvetikum zu Tage und trennt den Flysch vom Nordrand der Kalkalpen. Der Kalkalpennordrand ist am Ostufer etwa 3 km entlang der Traunstörung sinistral nach Norden versetzt und findet am Westufer seine Fortsetzung beim Kleinen Sonnstein.[2]

LimnologieBearbeiten

Der Traunsee ist oligotroph (nährstoffarm) und hat deshalb klares Wasser. So kann noch in 60 m Tiefe photosynthetische Aktivität der Kryptophycee Rhodomonas lacustris nachgewiesen werden.[3] Die unterste Wasserschicht (Hypolimnion) ist jedoch durch industrielle Einleitungen salzhaltig (Natrium- und Calciumchlorid) und dichter als die oberen Schichten. Annahmen der Traunsee könnte daher eine chemisch bedingte Meromixis ausbilden, haben sich nicht bestätigt.[4] Die Wasserqualität ist durch Nährstoffeinträge aus drei Kläranlagen (Ebensee, Wolfgangsee/Ischl und Hallstätter See) und in geringerem Maße aus der Landwirtschaft über zufließende Bäche gefährdet.[5]

Der mittlere Abfluss (MQ) beträgt 69,4 m³/s, die (theoretische) Wassererneuerungszeit 1,04 Jahre.[6]

FaunaBearbeiten

Zu den vorkommenden Fischen zählen: Barsch, Elritze, Hechte, Europäischer Aal, Seesaibling und Coregonen. Eine Unterart der Coregonen, der Riedling, kommt nur im Traunsee vor.

Es leben aber auch viele Wasservögel am Traunsee: Die bekanntesten sind wohl die Schwäne – sie sind ein Wahrzeichen von Gmunden.

Zufrieren im WinterBearbeiten

Im Winter friert der Traunsee nur selten zur Gänze zu. Überliefert ist dies aus den Jahren 1477, 1624, 1684, 1740, 1797, 1830, zwischen 1879 und 1901 sechsmal, 1928/29 und zuletzt 1963.[7][8]

NamenskundeBearbeiten

Traun leitet sich vom keltischen Wort truna (reißender Fluss) ab und scheint bereits 829 auf. Der Name Traunsee wurde urkundlich erstmals im Jahr 909 als trunseo erwähnt. Die Römer nannten den See Lacus felix (glücklicher See) oder Lacus Veneris (See der Venus). 1545 benannte Wolfgang Lazius den See als Gmundner See. In einer kartographischen Darstellung aus Archiducatus Austriae Superioris Descriptio facta Anno 1667 scheint wieder der Name Traunsee auf.[9]

GeschichteBearbeiten

Am 31. Juli 1910 ereignete sich bei der Überfahrt von Hoisen nach Traunkirchen aufgrund eines schweren Sturms ein Bootsunglück, bei dem 15 zumeist junge Menschen ertranken. Ihnen wurde im August 1911 im Ortsfriedhof von Traunkirchen ein Marmor-Gedenkstein über einem Massengrab rückwärts des Chores der Pfarrkirche gesetzt.[10]

Am 8. Mai 1945, dem letzten Tag des Krieges, stürzte eine P-47 Thunderbolt in den Traunsee. Es war das wohl letzte Flugzeug, das die US-Luftwaffe während des Zweiten Weltkriegs in Europa verlor. Die Maschine galt über 60 Jahre lang als verschollen, wurde erst 2005 wieder gefunden und 2006 aus einer Tiefe von etwa 70 m geborgen. Spiegel TV sendete darüber erstmals am 27. Januar 2006 eine Dokumentation mit dem Titel Das Geheimnis der P47 im Traunsee.[11] Die Maschine mit dem Namen Dottie Mae wurde in Idaho in den Vereinigten Staaten einer umfassenden Restaurierung unterzogen und hob am 22. Juni 2017 das erste Mal nach der Restaurierung wieder ab.[12]

Wirtschaft und FremdenverkehrBearbeiten

 
Traunkirchen und rechts der Raddampfer Gisela
 
Traunsee und Höllengebirge. Links der Traunstein, rechts das Westufer, Blick Richtung Südwest.
 
Abfluss der Traun aus dem Traunsee in Gmunden, Blick in Fließrichtung Norden (2015)

Die Gemeinden rund um den Traunsee befinden sich im Tourismusverband Traunsee-Almtal im Salzkammergut. Die Traunseeregion ist vor allem vom Sommertourismus geprägt. Der Traunsee ist ein alpiner Badesee von ausgezeichneter Wasserqualität. Die durchschnittliche Wassertemperatur im August liegt bei 19 Grad. Es können viele Wassersportarten ausgeübt werden: Segeln, Surfen, Kite-Surfen, Tauchen und Wasserski.

Bemerkenswert ist auch der jährlich durchgeführte Traunseemarathon. Hierbei gilt es, den Traunsee vollständig zu umrunden und dabei 4300 Höhenmeter und 70 Kilometer zurückzulegen.

Im Sommer verkehren Schiffe am Traunsee im Linienbetrieb; Stolz der Flotte ist der Raddampfer Gisela. Erster Schaufelraddampfer war die Sophie, die am 15. Mai 1839 in Dienst gestellt wurde.

In Gmunden bestand am Bahnhof Gmunden Seebahnhof eine direkte Umstiegsmöglichkeit von der Traunseebahn auf ein Linienschiff der Traunseeschifffahrt.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

Auf einer kleinen Insel in Gmunden liegt das Schloss Ort.

Zwischen 1996 und 2004 war die Traunseeregion Schauplatz der Fernsehserie Schlosshotel Orth (144 Folgen à 45 Minuten).

LiteraturBearbeiten

  • Amt der Oö. Landesregierung, Naturschutzabteilung (Hrsg.): Natur und Landschaft / Leitbilder für Oberösterreich. Band 31: Raumeinheit Salzkammergut Talungen. Linz September 2007 (land-oberoesterreich.gv.at [PDF; 3,6 MB; abgerufen am 9. August 2020]).
  • Hans Egger: Erläuterungen zu Blatt 66 Gmunden. Geologische Bundesanstalt, Wien 2007 PDF Online

WeblinksBearbeiten

Commons: Traunsee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Traunsee – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Egger, Hans: Erläuterungen zu Blatt 66 Gmunden. S. 10–13.
  2. Egger, Hans: Erläuterungen zu Blatt 66 Gmunden. S. 5–8.
  3. Ingo Findenegg: Die Planktonproduktion im oligotrophen und eutrophen See. In: Internationale Revue der gesamten Hydrobiologie und Hydrographie. Band 40, Nr. 1–2, 1940, S. 197–207, doi:10.1002/iroh.19400400105 (Abstract [abgerufen am 18. Januar 2012]).
  4. Amt der Oö. Landesregierung (Hrsg.): Gewässerschutz Bericht 20/1998: Die Seen Oberösterreichs - Zustandsbericht 1994 und Langzeitentwicklung seit 1980, teilweise aktualisiert bis einschließlich 1997. (PDF; 13,6 MB)
  5. Land Oberösterreich: Sicherung oder gegebenenfalls Entwicklung der Wasserqualität aller in der Raumeinheit vorhandenen Gewässer
  6. Bundesamt für Wasserwirtschaft (Hrsg.): Atlas der natürlichen Seen Österreichs mit einer Fläche ≥ 50 ha. Morphometrie – Typisierung – Trophie. Stand 2005. Schriftenreihe des Bundesamtes für Wasserwirtschaft, Band 29, Wien 2008 (PDF)
  7. krone.at vom 20. Jänner 2017: Frostige Temperaturen lassen große Seen kalt; abgerufen am 17. September 2017
  8. Franz Rosenauer: Besondere Naturereignisse im Gaugebiet. Die Eisbildung auf den Seen in Oberdonau in den Wintern 1939/40 und 1941/42. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereines. Band 90, Linz 1942, S. 311–314 (PDF (436 kB) auf ZOBODAT)
  9. Franz Mittendorfer: Die Wintergäste am Traunsee-eine quantitative Analyse. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereines. Band 125, Linz 1980, S. 256 (PDF auf ZOBODAT)
  10. Gedenkstein-Enthüllung. In: Volksfreund, 5. August 1911, S. 3 (Online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/vfr
  11. Dokumentation über die Bergung des Flugzeuges Spiegel-TV
  12. Erstflug und Dokumentation über die Restaurierung. Abgerufen am 26. Juni 2017.