Traunsee

See in Österreich

Der Traunsee ist ein See im oberösterreichischen Salzkammergut am Nordrand der nördlichen Kalkalpen auf einer Seehöhe von 423 m ü. A. Die Traun durchfließt ihn der Länge nach von Ebensee am Traunsee im Süden nach Gmunden im Norden. Der Traunsee ist mit 24,35 km² der viertgrößte österreichische See und mit 191 m der tiefste See Österreichs. Das Einzugsgebiet von 1417 km² ist das größte aller österreichischen Seen. Der Traunsee im Besitz der Österreichischen Bundesforste ist ein bedeutendes Tourismusziel in Oberösterreich.

Traunsee
Kleiner Sonnstein 360° Panorama (cropped).jpg
Blick vom Kleinen Sonnstein
Geographische Lage Salzkammergut, Österreich
Zuflüsse Traun, Alte Traun, Rindbach, Karbach, Lainaubach
Abfluss Traun
Orte am Ufer Gmunden, Ebensee, Altmünster, Traunkirchen
Daten
Koordinaten 47° 52′ 0″ N, 13° 48′ 0″ OKoordinaten: 47° 52′ 0″ N, 13° 48′ 0″ O
Traunsee (Oberösterreich)
Traunsee
Höhe über Meeresspiegel 423 m ü. A.
Fläche 24,35 km²
Länge 11,9 kmdep1
Breite 2,9 kmdep1
Volumen 2,302 km³dep1
Maximale Tiefe 191 m
Mittlere Tiefe 95 m
pH-Wert 8,26
Einzugsgebiet 1422 km²

Besonderheiten

tiefster See Österreichs

GeographieBearbeiten

Der von Nord nach Süd langgestreckte See hat eine Länge von 11,9 km und eine maximale Breite von 2,9 km. Die Oberfläche beträgt etwa 24,35 km², die durchschnittliche Tiefe 95 m. Die tiefste Stelle mit 191 m liegt etwa in der Mitte der Strecke Traunkirchen – Schönberg. Das Wasservolumen beträgt 2,302 km³.[1] Wichtige Orte am Ufer sind Gmunden im Norden, Traunkirchen und Altmünster im Westen und Ebensee am Traunsee am Südufer. Der Traunsee liegt im Gebiet dieser vier Gemeinden. Der See ist über die Salzkammergutstraße erschlossen, die am Westufer verläuft. Die Salzkammergutbahn verläuft weitgehend parallel zur Salzkammergutstraße.

Die Landschaft des Traunseegebiets ist äußerst vielfältig: Moränenwälle und Hügel der Flyschzone, wie etwa der Gmundnerberg, umsäumen den Nordteil des Sees und erstrecken sich am Westufer bis Traunkirchen. Zwischen Traunkirchen und Ebensee ist das Ufer steiler und wird von den Kalkfelsen von Kleinem und Großen Sonnstein begrenzt. In Ebensee befindet sich das weite, flache Delta der Traun. Das Ostufer ist ab Ebensee sehr steil und wird im Süden vom Erlakogel (1575 m ü. A.) überragt. Weiter nördlich dominiert der Traunstein (1691 m ü. A.) mit seinen teilweise senkrecht in den See abfallenden Felswänden das Ostufer. Mit dem Grünberg bei Gmunden setzt sich die Flyschzone am Ostufer fort.

HydrologieBearbeiten

Das hydrologische Einzugsgebiet des Traunsees hat eine Gesamtfläche von 1422 km². Die Speisung des Sees erfolgt hauptsächlich durch die Traun, die im Süden in den See mündet, wo sie einen Schwemmkegel aufschüttet. Der mittlere Zufluss der Traun beträgt bei Ebensee 65 m³/s und somit mehr als 80 % der gesamten oberirdischen Zuflüsse. Weitere größere Zuflüsse sind der Langbathbach, Alte Traun (Seitenarm der Traun), Rindbach, Karbach und Lainaubach[1] Die Traun verlässt im Norden bei Gmunden den See. Der mittlere Abfluss (MQ) der Traun beträgt 69,4 m³/s, die (theoretische) Wassererneuerungszeit 1,04 Jahre.[2]

Seit der Inbetriebnahme des Kraftwerks Gmunden im Jahr 1969 wird der Seespiegel reguliert und die starken Schwankungen werden innerhalb des Regelbereichs auf 20 cm Schwankungsbreite reduziert.

GeologieBearbeiten

 
Topografische Karte des Traunsees. Der Traungletscher schürfte das Seebecken von Süden nach Norden aus

TektonikBearbeiten

Der Traunsee befindet sich an der Grenze dreier großtektonischer Einheiten. Im Norden befindet sich die Flyschzone. Am Ostufer tritt im Gschliefgraben das Ultrahelvetikum zu Tage und trennt den Flysch vom Nordrand der Kalkalpen. Das Seebecken des Traunsees liegt entlang der Trauntalstörung, die aus dem Ischler Raum in nordöstliche Richtung etwa entlang der Traun zum Nordost-Ende des Traunsees verläuft. Der Kalkalpennordrand ist am Ostufer etwa 3 km entlang der Traunstörung sinistral nach Norden versetzt und findet am Westufer seine Fortsetzung beim Kleinen Sonnstein.[3]

Ehemalige Vergletscherung und EntstehungBearbeiten

Mit der ersten Großvereisung der Günz-Kaltzeit schürfte der Traungletscher das Seebecken des Traunsees als übertieftes Zungenbecken aus, das dann in den folgenden Eiszeiten seine heutige Ausdehnung und Formung erhielt. Nachdem das Seebecken eisfrei geworden war, begann die Traun den fjordartigen Südteil des Sees, der etwa bis Langwies gereicht hat, zu verfüllen, wodurch die Deltaebene bis Ebensee entstanden ist, die auch heute noch vorgebaut wird. Die heutige Geschiebefracht der Traun würde unter gleich bleibenden klimatischen Verhältnissen und dementsprechender Schuttzufuhr bedeuten, dass dieser Vorgang den Traunsee in rund 40.000 Jahren völlig mit Sediment verfüllen und zum Verschwinden bringen würde.[4]

KlimaBearbeiten

Die Klimadaten für Gmunden zeigen eine für die Alpenrandlage typische Temperatur- und Niederschlagsverteilung: kühle und niederschlagsreiche Sommer, mit einem Maximum von 25,4 °C bzw. 146 mm im Juni/Juli, und niederschlagsarme Winter, mit einem Temperaturminimum von −0,3 °C im Jänner. Der Jahresniederschlag betrug 1214 mm mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von 9,4 °C. Bedingt durch den oftmaligen Wolkenstau an den Felswänden der südlichen Seehälfte fällt in Ebensee deutlich mehr Niederschlag. Der Jahresniederschlag betrug dort 1739 mm.[5] Die dem Traunsee zugewandten Hänge am Ostufer sind klimatisch begünstigt. Einerseits macht sich dort der durch das Trauntal herbeigeleitete Föhn besonders bemerkbar. Andererseits wirkt die Wassermasse des Sees abschwächend auf Klimaextreme. Dieser Effekt ist nur wenige hundert Meter vom Seeufer nachweisbar, verursacht jedoch eine Reduktion der Frosttage um 19 % im Vergleich zur weiteren Umgebung.[6]

LimnologieBearbeiten

 
Mündung der Traun in den Traunsee bei Ebensee. Niedrigwasser Februar 2008
 
Auslauf der Traun in Gmunden

Die starke Durchflutung des Wasserkörpers durch die Traun bestimmen die limnologischen Verhältnisse im Traunsee. Der Einfluss reicht je nach Jahreszeit und Temperatur bis in Tiefen von 30 m. Während des Sommers werden daher Regionen erwärmt, die ohne diesen Effekt bei 5 °C stagnieren würden. Ein thermisches Epilimnion bildet sich (wenn überhaupt) im Sommer nur in der obersten Schicht aus. Oft beginnt die Sprungschicht jedoch schon an der Oberfläche. Die durchschnittliche Wassertemperatur der Oberfläche beträgt 10,6 °C. Die minimale Wassertemperatur betrug bei Messungen in den Jahren 2013 bis 2017 4,2 °C, die maximale 21,6 °C. Erst nach Abkühlung der Oberflächenschicht auf etwa 10 °C im November bildet sich eine homotherme Schicht aus, die 30 m mächtig sein kann. Die Durchmischung des Sees beginnt meist im Jänner. Im Februar wird sie durch eine inverse Schichtung unterbrochen und im März fortgesetzt bzw. vollendet. Eine vollständige Durchmischung bis auf den Grund findet bei Seen dieser Tiefe jedoch selten statt. Eine Eisbedeckung des Sees hat großen Seltenheitswert. Belegt ist dies aus den Jahren 1477, 1624, 1684, 1740, 1797, 1830, zwischen 1879 und 1901 sechsmal, 1928/29 und zuletzt 1963.[7][8]

Die Salinen Austria und die Solvay AG leiteten viele Jahrzehnte lang Abwässer mit gelösten Salzen, vor allem Natrium- und Calciumchlorid, sowie Kalkschlamm, in den See. Durch verbesserte Verfahren der Salinen AG bzw. der Schließung des Solvay-Werks 2005 wurde die Einleitung abrupt gestoppt und das elektrolytreiche Seewasser mit elektrolytärmerem Wasser aus der Traun überschichtet. Dadurch hat sich ein starker tiefenabhängiger Gradient der Salzkonzentration gebildet, der seit 2006 eine zumindest teilweise Durchmischung des Wasserkörpers bis zum Grund behinderte. Der Sauerstoffgehalt der untersten Wasserschichten nahm sehr stark ab und es wurde angenommen, der See könnte eine chemisch bedingte Meromixis ausbilden.[8] Die für eine Umwälzung des Wasserkörpers hauptverantwortlichen Kräfte Wind und Strömung waren lange Zeit nicht in der Lage, das starke Konzentrationsgefälle aufzulösen, was zu einer fortschreitenden Abnahme des Sauerstoffgehalts im Tiefenwasser geführt hat. Seit dem Winter 2017/18 hat sich das Konzentrationsgefälle weitgehend aufgelöst, der Sauerstoffgehalt steigt seither in der Tiefe an und der Chloridgehalt nimmt stark ab.[1]

Der See weist eine geringe Konzentration an Nährstoffen auf und ist somit oligotroph. Durch die geringe Phytoplanktonkonzentration und das geringe Algenwachstum beträgt die mittlere sommerliche Sichttiefe 6,8 Meter.[1] Durch den starken Durchfluss der Traun kommt es durch eingeschwemmte Schwebstoffe zu Trübungen, die vor allem im Südteil des Sees auftreten. Andererseits verursachen die zwischen Mai und Juni auftretenden Kalkausfällungen regelmäßig starke Trübungen des Wassers, welche den ganzen See betreffen und die Sichttiefe meist auf 3 m reduzieren.[8]

FaunaBearbeiten

 
Höckerschwäne und Stockenten zählen zu den häufigsten Vögeln am Traunsee

FischeBearbeiten

Der Traunsee bietet Lebensraum für eine große Artenvielfalt und zählt zu den stehenden Gewässern der Äschenregion. In den tieferen Schichten des freien Wassers leben Seeforelle (Salmo trutta), Seesaibling (Salvelinus alpinus), Aalrutte (Lota lota), Hasel (Leuciscus leuciscus) und Perlfisch (Rutilus meidingeri). In diesem Abschnitt leben auch mehrere Vertreter der Gattung Coregonus. Der Riedling (Coregonus danneri) kommt nur im Traunsee vor. Zwei weitere Vertreter sind die Starnberger Renke (Coregonus renke), lokal auch Reinanke genannt, und die Große Bodenreinanke (Coregonus nasus). Koppen (Cottus gobio), Elritzen (Phoxinus phoxinus) und Rotaugen (Rutilus rutilus) besiedeln den See ebenfalls schon lange. In der mit Pflanzen bewachsenen Uferzone leben Arten wie Schleie (Tinca tinca), Brachse (Abramis brama), Flussbarsch (Perca fluviatilis) und der Hecht (Esox lucius). Zander (Sander lucioperca) und Europäischer Aal (Anguilla anguilla) wurden künstlich eingesetzt.[9]

VögelBearbeiten

Die auffälligste Vogelart am Traunsee und an den anderen Salzkammergutseen ist der Höckerschwan (Cygnus olor), dessen erste Ansiedlung in Oberösterreich am Traunsee erfolgte. Im Jahre 1875 wurden zwei Schwanenpaare von Laxenburg nach Gmunden gebracht, die dann in einem Zwinger bei der Villa Toskana gehalten wurden. 1880 wurden die Tiere in die Freiheit entlassen und 1892 war die Population auf 50 Schwäne angewachsen.[10] Der Traunsee ist Lebensraum für viele Entenvögel. Die häufigste Art ist die Stockente (Anas platyrhynchos). Seltener sind Reiher- (Aythya fuligula), Schell- (Bucephala clangula) und Tafelente (Aythya ferina). Neben der häufigen Lachmöwe (Chroicocephalus ridibundus) kommt auch die Sturmmöwe (Larus canus) vor. Blässhuhn (Fulica atra) und Haubentaucher (Podiceps cristatus) sind ebenfalls Brutvögel am Traunsee. Wintergäste sind Zwergtaucher (Tochybaptus ruficollis) und Schwarzhalstaucher (Podiceps nigricollis).[11][12] Auch der Prachttaucher (Gavia arctica) kann regelmäßig im Winter beobachtet werden.[13]

Flora und VegetationBearbeiten

 
Entlang des Mieswegs am Ostufer gedeiht eine artenreiche, wärmeliebende Vegetation

Die potenzielle natürliche Vegetation an den Uferhängen ist ein Fichten-Tannen-Buchenwald (Aposerido-Fagetum), insbesondere auf tiefgründigen Böden. Durch die jahrhundertelange Förderung der Fichten als Brennholz für die Salinen wurden Tanne und Buche stark zurückgedrängt. Am klimatisch begünstigten Ostufer kommen wärmeliebende und alpine Pflanzenarten nebeneinander vor. Die steilen Hänge zwischen Erlakogel und Traunstein sind oft nur vom See aus zugänglich und werden nicht bewirtschaftet. Dort befinden sich Sommerlinden-(Winterlinden)-Eibenbestände mit einer artenreichen Strauchschicht, in denen wärmeliebende Arten wie Pimpernuss (Staphylea pinnata), Breitblättriges Pfaffenhütchen (Euonymus latifolius), Gewöhnliche Felsenbirne (Amelanchier ovalis) und Strauchkronwicke (Hippocrepis emerus) gedeihen. Auf den flachgründigsten Standorten am Ostufer wachsen Schneeheide-Föhrenwälder (Erico-Pinetum). Neben den Charakterarten dieser Pflanzengesellschaft gibt es dort auch alpine Arten wie Felsen-Fingerkraut (Potentilla caulescens), Silberwurz (Dryas octopetala) und Berg-Laserkraut (Laserpitium siler). Oberhalb des Ostufers, in der Kaltenbachwildnis, wächst auf Dolomitschutt das Traunsee-Labkraut (Galium truniacum).[6][14]

Die einzige noch von Moor- und Röhrichtkomplexen eingenommene Seeuferzone des Traunsees befindet sich im südlichen Abschnitt des Hollerecks bei Altmünster. Der in Oberösterreich sehr seltene Sumpfabbiss (Succisella inflexa) wächst nur dort und an einer zweiten Stelle am Hallstätter See. Der ebenfalls selten gewordene Lungen-Enzian (Gentiana pneumonanthe) wächst in den Rispsenseggen-Beständen (Carex paniculata) hinter der Röhrichtzone.[6]

Im Traunsee kommen in den flacheren Uferbereichen Spiegelndes Laichkraut (Potamogeton lucens), Gestrecktes Laichkraut (Potamogeton praelongus), Durchwachsenes Laichkraut (Potamogeton perfoliatus) und Krauses Laichkraut (Potamogeton crispus) vor. Entlang der Esplanade in Gmunden wächst der Sumpf-Teichfaden (Zannichellia palustris).[15]

NaturschutzBearbeiten

In Gmunden befindet sich ein kleiner Rest eines Verlandungsbereiches am nordwestlichen Traunseeufer und das Gebiet steht seit 2004 unter Naturschutz (Naturschutzgebiet Orter Bucht, N072). Die geschützte Fläche beträgt 1 Hektar.[16] Am Westufer befindet sich in der Gemeinde Altmünster ein letzter naturnaher Verlandungsbereich und das Gebiet steht seit 2004 unter Naturschutz (Naturschutzgebiet Hollereck, N145). Die geschützte Fläche beträgt 10 Hektar.[17] Das Naturschutzgebiet Traunstein reicht nur im Südwesten bis ans Ufer des Sees.

Am Ostufer sind Schluchtwälder an den steilen und unzugänglichen Flanken von Traunstein, Hochlindach und Erlakogel Teil des Europaschutzgebiets Schluchtwälder der Steyr- und Ennstaler Voralpen, welches gemäß der FFH-Richtlinie als Teil des Netzwerks Natura 2000 verordnet wurde.[18]

NamenskundeBearbeiten

Der Name des Traunsees zur Römerzeit ist nicht bekannt. Die Bezeichnung als Lacus felix („Glücklicher See“) geht auf den Humanisten Wolfgang Lazius (1514–1565) zurück, der den im Itinerarium Antonini erwähnten Ortsnamen Locus Felix (am Limes zwischen Lentia und Arelape gelegen) als Lacus Felix gelesen und auf den Traunsee bezogen hat.[19] Diese Bezeichnung hat sich aber nicht einmal in lateinischen Texten durchgesetzt, wie Grässes Orbis latinus (Gemunda ad Traunum, Gemundanus lacus) zeigt. Als Lacus Veneris („See der Venus“) wird der See erstmals bei Joseph August Schultes (1771–1831) bezeichnet, ohne dass deutlich würde, woher er diesen Namen genommen hat.[19] Auch die Ableitung vom römischen Legionsnamen Legio IIII Flavia Felix ist nicht schlüssig, denn diese Legion war nach heutigem Forschungsstand nie in der Gegend stationiert. Der volkssprachliche Name des Sees etablierte sich jedoch schon sehr früh und ist bereits 790 für das ganze Gebiet (in pago Drunense), 819 für den Fluss (Truna) und 909 für den See selbst belegt.[20] In der Schenkungsurkunde vom 19. Februar 909 wird das Kloster Altmünster (abbaciam iuris nostri Trunseo dictam) von König Ludwig dem Kind dem Markgrafen der Ostmark Aribo und dem Salzburger Erzbischof Pilgrim I. übertragen.[21][22] Der See- und der Flussname Traun leitet sich vom indogermanischen „dreu-/drü-“ (laufen, eilen) ab und nimmt damit Bezug auf die Fließgeschwindigkeit.[23] 1545 benannte Wolfgang Lazius den See als Gmundner See. In einer kartographischen Darstellung aus Archiducatus Austriae Superioris Descriptio facta Anno 1667 erscheint wieder der Name Traunsee.[24]

WirtschaftBearbeiten

TourismusBearbeiten

 
Strandbad in Gmunden

Die Gemeinden rund um den Traunsee befinden sich im Tourismusverband Traunsee-Almtal im Salzkammergut. Die Traunseeregion ist vor allem vom Sommertourismus geprägt. Trotz der niedrigen Oberflächentemperatur des Wassers herrscht im Sommer am Traunsee ein reger Badebetrieb und es existieren mehrere öffentliche Badeplätze. Die Bräuwiese in Traunkirchen im Besitz des Landes Oberösterreich ist mit 36000 m² der größte frei zugängliche Badeplatz. Weitere Badeplätze mit unverbautem Ufer befinden sich im Ebenseer Ortsteil Rindbach mit etwa 19000 m² und bei der Köchertwiese in Altmünster. Das 6000 m² große Strandbad Gmunden bietet auch einen beheizten Badebereich. Die Freizeitanlage Seebahnhof in Gmunden bietet Bademöglichkeiten und eine Liegewiese. Das 6000 m² große Solarbad Altmünster hat ebenfalls einen beheizten Badebereich. Schmale, frei zugängliche Uferabschnitte am Ostufer werden ebenfalls häufig zum Baden genutzt.

Es können viele Wassersportarten ausgeübt werden: Segeln, Surfen, Kite-Surfen, Tauchen und Wasserski.

Bemerkenswert ist auch der jährlich durchgeführte Traunseemarathon. Hierbei gilt es, den Traunsee vollständig zu umrunden und dabei 4300 Höhenmeter und 70 Kilometer zurückzulegen.

SchifffahrtBearbeiten

 
Traunkirchen und rechts der Raddampfer Gisela

Die Traunsee-Schifffahrt wurde im Jahr 1839 von den Engländern John Andrews und dem Schiffbaumeister Joseph John Ruston gegründet. Ruston entwarf mit der Sophie das erste Dampfschiff, das im Linienbetrieb zwischen Gmunden und Ebensee verkehrte. Ruston entwarf auch den Raddampfer Gisela, der 1872 in Dienst gestellt wurde und noch in Betrieb ist. Die heutige Linienschifffahrt wird vom Unternehmen Traunseeschifffahrt GmbH mit Sitz in Gmunden betrieben. Zwischen Mai und Oktober verkehren Schiffe zwischen den Anlegestellen Gmunden Rathausplatz, Grünbergseilbahn, Altmünster, Gasthof Ramsau, Gasthof Hoisn, Traunkirchen und Ebensee. Das Unternehmen Schifffahrt Loidl in Traunkirchen bietet Rundfahrten und Wassertaxis an.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

Auf einer kleinen Insel in Gmunden liegt das Schloss Ort.

Zwischen 1996 und 2004 war die Traunseeregion Schauplatz der Fernsehserie Schlosshotel Orth (144 Folgen à 45 Minuten).

GeschichteBearbeiten

Wie an allen Seen des inneren Salzkammerguts war auch am Ausfluss des Traunsees eine Klause zur Holztrift vorhanden, da dort mit relativ geringen Mitteln sehr große Wassermengen gespeichert werden konnten. In Gmunden befand sich schon im 14. Jahrhundert mindestens ein Mühlwehr, das in der Traun Polster genannt wird. Später wurden zwei schiefe Polster eingebaut, die gegen den See zu eine offene Spitze bildeten. 1629 wurden zur besseren Wasserstandsregelung an dieser Spitze Hebtore errichtet, die in einem auf Pfählen stehenden Gebäude an der Traunbrücke untergebracht waren. Dieses erste Klaustor wurde auch Salztor genannt. Die laufend erweiterte Anlage hatte schließlich eine beträchtliche Ausdehnung, es gab 3 Haupttore, die überdacht waren und mit Seilen bzw. Ketten geöffnet werden konnten. Größere Umbauten gab es noch bis ins 19. Jahrhundert. Nach den Beschädigungen durch die Hochwässer 1897 und 1899 wurde die Traunbrücke oberhalb der Klause als Eisenkonstruktion neu gebaut (1904–1905). Nach dem Bau einer neuen Betonbrücke 1961/62 beziehungsweise nach dem Bau des Kraftwerks Gmunden ab 1967 wurden Klausen und Polster gänzlich beseitigt und die heutigen Uferverbauungen aus Stein und Beton errichtet. Heute erinnern nur noch einige Pfahlstümpfe an die ehemalige Gmundner Seeklause. Ihre Funktion hat das weiter flussabwärts liegende Kraftwerk übernommen, das auch der Grund für den Abbruch war.[25]

 
Ein Gedenkkreuz an der Unglücksstelle erinnert an das Schiffsunglück von 1910

Am 31. Juli 1910 ereignete sich bei der Überfahrt vom Gasthof Hoisn nach Traunkirchen aufgrund eines schweren Sturms ein Bootsunglück, bei dem 15 zumeist junge Menschen ertranken. Ihnen wurde im August 1911 im Ortsfriedhof von Traunkirchen ein Marmor-Gedenkstein über einem Massengrab hinter dem Chor der Pfarrkirche gesetzt.[26]

Am 8. Mai 1945, dem letzten Tag des Krieges, stürzte eine P-47 Thunderbolt in den Traunsee. Es war das wohl letzte Flugzeug, das die US-Luftwaffe während des Zweiten Weltkriegs in Europa verlor. Die Maschine galt über 60 Jahre lang als verschollen, wurde erst 2005 wieder gefunden und 2006 aus einer Tiefe von etwa 70 m geborgen. Spiegel TV sendete darüber erstmals am 27. Januar 2006 eine Dokumentation mit dem Titel Das Geheimnis der P47 im Traunsee.[27] Die Maschine mit dem Namen Dottie Mae wurde in Idaho in den Vereinigten Staaten einer umfassenden Restaurierung unterzogen und hob am 22. Juni 2017 das erste Mal nach der Restaurierung wieder ab.[28]

LiteraturBearbeiten

  • Amt der Oö. Landesregierung, Naturschutzabteilung (Hrsg.): Natur und Landschaft / Leitbilder für Oberösterreich. Band 31: Raumeinheit Salzkammergut-Talungen. Linz September 2007 (land-oberoesterreich.gv.at [PDF; 3,6 MB; abgerufen am 9. August 2020]).
  • Amt der Oö. Landesregierung, Direktion Umwelt und Wasserwirtschaft, Abteilung Oberflächengewässerwirtschaft (Hrsg.): Seenaufsicht in Oberösterreich – Gewässerschutzbericht 43. Linz Juli 2010 (land-oberoesterreich.gv.at [PDF; 24,5 MB; abgerufen am 24. November 2020]).
  • Roman Moser: Der Traunsee - eine naturkundliche Betrachtung. In: Oberösterreich Kulturzeitschrift. Heft 1. Linz 1978 (land-oberoesterreich.gv.at [PDF; abgerufen am 29. Januar 2021]).
  • Hans Egger: Erläuterungen zu Blatt 66 Gmunden. Geologische Bundesanstalt, Wien 2007 PDF Online

WeblinksBearbeiten

Commons: Traunsee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Traunsee – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d Seeprofil Traunsee (PDF; 1,1 MB) In: Amtliches-Seen-Messnetz. Amt der Oberösterreichischen Landesregierung, Direktion Umwelt und Wasserwirtschaft, Abteilung Oberflächengewässerwirtschaft. Oktober 2013. Abgerufen am 24. November 2020.
  2. Bundesamt für Wasserwirtschaft (Hrsg.): Atlas der natürlichen Seen Österreichs mit einer Fläche ≥ 50 ha. Morphometrie – Typisierung – Trophie. Stand 2005. Schriftenreihe des Bundesamtes für Wasserwirtschaft, Band 29, Wien 2008 (PDF)
  3. Egger, Hans: Erläuterungen zu Blatt 66 Gmunden. S. 5–8.
  4. Egger, Hans: Erläuterungen zu Blatt 66 Gmunden. S. 10–13.
  5. Klimadaten von Österreich 1971–2000. ZAMG, abgerufen am 2. Februar 2013.
  6. a b c Gerhard Pils: Die Pflanzenwelt Oberösterreichs. Naturräumliche Grundlagen, menschlicher Einfluß, Exkursionsvorschläge. Ennsthaler Verlag, Steyr 1999, ISBN 3-85068-567-5. S. 194 und 219–223.
  7. Franz Rosenauer: Besondere Naturereignisse im Gaugebiet. Die Eisbildung auf den Seen in Oberdonau in den Wintern 1939/40 und 1941/42. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereines. Band 90, Linz 1942, S. 311–314 (online (PDF; 436 kB) auf ZOBODAT)
  8. a b c Amt der Oö. Landesregierung (Hrsg.): Gewässerschutz Bericht 20/1998: Die Seen Oberösterreichs - Zustandsbericht 1994 und Langzeitentwicklung seit 1980, teilweise aktualisiert bis einschließlich 1997. (PDF; 13,6 MB)
  9. Revier Traunsee. Oö. Landesfischereiverband, abgerufen am 24. November 2020.
  10. Gerald Mayer: Der Höckerschwan (Cygnus olor) in Oberösterreich. In: Monticola. Band 2. Linz 1969, S. 13–32 (online (PDF) auf ZOBODAT [abgerufen am 29. Januar 2021]).
  11. Moser, Roman: Der Traunsee - eine naturkundliche Betrachtung. S. 67.
  12. Franz Mittendorfer: Die Wintergäste am Traunsee-eine quantitative Analyse. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereines. Band 125, Linz 1980, S. 256 (online (PDF) auf ZOBODAT)
  13. Norbert Pühringer: Außergewöhnlicher Einflug von Prachttauchern (Gavia arctica) im November 2008. In: Vogelkundliche Nachrichten aus Oberösterreich, Naturschutz aktuell. 019ab. Linz 2011, S. 37–45 (online (PDF) auf ZOBODAT [abgerufen am 29. Januar 2021]).
  14. Bruno Weinmeister: Die Vegetation der Steilufer des Traunsees. Exkursionsführer für die XI. internationale pflanzengeographische Exkursion durch die Ostalpen. In: Angewandte Pflanzensoziologie. Band XVI. Wien 1956, S. 120–124 (land-oberoesterreich.gv.at [PDF; abgerufen am 29. Januar 2021]).
  15. Karl Heinz Rechinger: Die Flora von Gmunden. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereines. Band 104. Linz 1959, S. 201–266 (online (PDF) auf ZOBODAT [abgerufen am 29. Januar 2021]).
  16. Naturschutzgebiet Orter Bucht. In: Geografisches Naturschutzinformationssystem (GENISYS). Land Oberösterreich, abgerufen am 24. November 2020.
  17. Naturschutzgebiet Hollereck. In: Geografisches Naturschutzinformationssystem (GENISYS). Land Oberösterreich, abgerufen am 24. November 2020.
  18. Schluchtwälder der Steyr- und Ennstaler Voralpen (FFH-Gebiet, AT3138000). In: Geografisches Naturschutzinformationssystem (GENISYS). Land Oberösterreich, abgerufen am 24. November 2020.
  19. a b Stöllner, Herbert: Hieß der Traunsee bei den Römern wirklich Lacus Felix? In: Euro-Journal Oberösterreich 2021 / Heft 1, S. 13–14.
  20. Rudolf Simek: Union Yacht Club Traunsee - Festschrift zum 125jährigen Jubiläum 1888-2013. Wien 2013, S. 8–9 (uycas.at [PDF; abgerufen am 19. Februar 2021]).
  21. AT-OeStA/HHStA UR AUR 32: König Ludwig der IV. gibt dem Grafen Arpo und Erzbischof Pilgrim von Salzburg die früher von den Brüdern Alpker und Gundperht zu Lehen besessene Abtei Traunsee auf Lebenszeit zu Eigen. 19. Februar 909, abgerufen am 15. Juni 2020.
  22. scopeArchiv - Ansichtsbild. Abgerufen am 15. Juni 2020.
  23. Peter Wiesinger: Ortsnamen und Siedlungsgeschichte im Salzkammergut. In: Oberösterreichischer Musealverein – Gesellschaft für Landeskunde (Hrsg.): Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereines. Band 149, Heft 1, Linz 2004, S. 544–545 (online (PDF; 2,3 MB) auf ZOBODAT).
  24. Moser, Roman: Der Traunsee - eine naturkundliche Betrachtung. S. 67.
  25. Franz Federspiel: Flussverbauung und Wasserbauten an der Traun. In: Kataloge des OÖ. Landesmuseums N.F. 054b. Linz 1992, S. 197–198 (online (PDF) auf ZOBODAT [abgerufen am 23. Januar 2021]).
  26. Gedenkstein-Enthüllung. In: Volksfreund, 5. August 1911, S. 3 (Online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/vfr
  27. Dokumentation über die Bergung des Flugzeuges Spiegel-TV
  28. Erstflug und Dokumentation über die Restaurierung. Abgerufen am 26. Juni 2017.