Traishöchstädt

Ortsteil von Dachsbach

Traishöchstädt ist ein Ortsteil des Marktes Dachsbach im mittelfränkischen Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim.

Traishöchstädt
Markt Dachsbach
Koordinaten: 49° 38′ 38″ N, 10° 45′ 10″ O
Höhe: 305 (310–300) m ü. NHN
Einwohner: 97 (2013)
Eingemeindung: 1. Januar 1972
Postleitzahl: 91462
Vorwahl: 09163

Geographische LageBearbeiten

Das Haufendorf liegt zwischen Neustadt und Höchstadt am Aschenbach, der dreieinhalb Kilometer nordöstlich der Aisch zufließt. Südwestlich befinden sich die Aschenbachweiher und die Klingerweiher. Eine Gemeindeverbindungsstraße führt nach Arnshöchstädt (1,6 km östlich) bzw. zur Bundesstraße 470 (3 km westlich). Eine weitere Gemeindeverbindungsstraße führt nach Peppenhöchstädt (1,3 km nördlich).[1]

GeschichteBearbeiten

Wie im ganzen Aischtal bestimmten die Nürnberger Burggrafen die Geschicke der Region. Von Neustadt an der Aisch als Vicedomsitz verwalteten sie wie Peppenhöchstädt auch Traishöchstädt ab 1285.[2] Der Ort wurde am 4. April 1285 als „Trabishofestetten“ erstmals urkundlich erwähnt, als der Nürnberger Burggraf Friedrich III. den Ort dem Kölner Erzbischof Siegfried zu Lehen auftrug.[3] Eine deutlich frühere Besiedelung ist anzunehmen. Seit Jahrhunderten wird Landwirtschaft, Viehzucht, Jagd und insbesondere Fischerei betrieben. Die systematisch angelegten Teiche zur Karpfenzucht übersteigen die Ortsfläche um mehr als das Dreifache.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Traishöchstädt 16 Anwesen. Das Hochgericht und die Dorf- und Gemeindeherrschaft übte das brandenburg-bayreuthische Kasten- und Jurisdiktionsamt Dachsbach aus. Grundherren waren das Fürstentum Bayreuth (Kasten- und Jurisdiktionsamt Dachsbach: 1 Hof, 4 Güter, 1 Schmiede, 4 Gütlein, 1 Haus; Klosteramt Birkenfeld: 1 Hof), die Pfarrei Oberhöchstädt (1 Gut) und das Landesalmosenamt der Reichsstadt Nürnberg (1 Hof, 2 Halbhöfe).[4]

Im Jahre 1810 kam Traishöchstädt an das neue Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde Traishöchstädt 1811 dem Steuerdistrikt Kairlindach zugeordnet. 1813 wurde der Steuerdistrikt Birnbaum gebildet, zu dem auch Traishöchstädt gehörte. Im gleichen Jahr wurde es der Ruralgemeinde Traishöchstädt gebildet, zu der die Orte Arnshöchstädt, Gottesgab, Göttelbrunn, Peppenhöchstädt und Rohensaas gehörten. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) wurde die Ruralgemeinde Traishöchstädt aufgespalten in

  • Peppenhöchstädt mit Gottesgab und Rohensaas;
  • Traishöchstädt mit Arnshöchstädt und Göttelbrunn.[5]

Die Ruralgemeinde Traishöchstädt unterstand in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Neustadt an der Aisch und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Neustadt an der Aisch (1920 in Finanzamt Neustadt an der Aisch umbenannt).[6] Ab 1862 wurde Traishöchstädt vom Bezirksamt Neustadt an der Aisch (1938 in Landkreis Neustadt an der Aisch umbenannt) verwaltet. Die Gerichtsbarkeit blieb bis 1879 beim Landgericht Neustadt an der Aisch, ab 1880 Amtsgericht Neustadt an der Aisch. Die Gemeinde hatte eine Gebietsfläche von 7,549 km².[7]

Am 1. Januar 1972 wurde Traishöchstädt im Zuge der Gebietsreform nach Dachsbach eingemeindet.[8]

Zur Stromerzeugung Traishöchstädts tragen heute ein Dutzend auf den Dächern installierte Solaranlagen mit einer Gesamtleistung von über 125 kW bei. Die Anwohner wehren sich daher gegen die geplante Errichtung dreier 200 Meter hoher Windkraftanlagen auf den benachbarten bewaldeten Anhöhen.

Ehemalige BaudenkmälerBearbeiten

  • Haus Nr. 112: Schulhaus. Zweigeschossiger Quaderbau am Westeingang des Ortes, um 1860. 2 zu 5 Achsen, stichbogige Fenster mit profilierten Bänken und Gurtgesimsen, Giebel mit Konsolauskragungen, Dreipaßfenster.[9]
  • Haus Nr. 14: Eingeschossiges Doppelwohnstallhaus des 18. Jh., im 19. Jh. umgebaut. Östliche Hälfte Frackdachbau, westliche mit Ecklisenen, Sockel und verkröpftem Gurtband. Mehrere Hofeinfahrtpfeiler mit profiliertem Kämpfer und Pyramidenstumpfaufsatz.[9]
  • Haus Nr. 16: Eingeschossiges Wohnstallhaus mit Ecklisenen und verkröpftem Gurtband. Im Sturz der Haustür 17 IMD 56.[9]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Gemeinde Traishöchstädt

Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970
Einwohner 189 262 277 260 278 263 247 237 243 226 202 217 228 242 245 224 211 199 178 234 251 218 169 137
Häuser[10] 38 46 44 47 43 39 35 35
Quelle [11] [12] [13] [13] [14] [13] [15] [13] [13] [16] [13] [13] [17] [13] [13] [13] [18] [13] [13] [13] [19] [13] [7] [20]

Ort Traishöchstädt

Jahr 001818 001840 001861 001871 001885 001900 001925 001950 001961 001970 001987 002013
Einwohner 117 144 164 145 124 149 125 166 100 88 97 97
Häuser[10] 22 27 27 25 22 21 21 21
Quelle [11] [12] [14] [15] [16] [17] [18] [19] [7] [20] [21]

ReligionBearbeiten

Der Ort ist seit der Reformation evangelisch-lutherisch. Die Bewohner evangelisch-lutherischer Konfession sind nach St. Marien (Dachsbach) gepfarrt.

VeranstaltungenBearbeiten

An Pfingsten wird im Ort die Kärwa gefeiert und ein Umzug mit Themenwagen veranstaltet.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Traishöchstädt im BayernAtlas
  2. Max Döllner: Entwicklungsgeschichte der Stadt Neustadt an der Aisch bis 1933. Ph. C. W. Schmidt, Neustadt a.d. Aisch 1950, S. S. 28.
  3. H. Sponholz (Hrsg.), S. 127.
  4. H. H. Hofmann, S. 134.
  5. Adreß- und statistisches Handbuch für den Rezatkreis im Königreich Baiern. Kanzlei Buchdruckerei, Ansbach 1820, S. 60 (Digitalisat). H. H. Hofmann S. 220.
  6. H. H. Hofmann, S. 191.
  7. a b c Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, DNB 453660959, Abschnitt II, Sp. 808 (Digitalisat).
  8. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 536.
  9. a b c R. Strobel, S. 170f. Denkmalschutz aufgehoben, Objekt evtl. abgerissen.
  10. a b Es werden nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 wurden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser, 1871 bis 1987 als Wohngebäude.
  11. a b Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise nach seiner durch die neueste Organisation erfolgten Constituirung enthaltenen Ortschaften: mit Angabe a. der Steuer-Distrikte, b. Gerichts-Bezirke, c. Rentämter, in welchen sie liegen, dann mehrerer anderer statistischen Notizen. Ansbach 1818, S. 92 (Digitalisat). Für die Gemeinde Traishöchstädt zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Arnshöchstädt (H. H. Hofmann, S. 191) und Göttelbrunn (S. 30).
  12. a b Eduard Vetter (Hrsg.): Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Selbstverlag, Ansbach 1846, S. 203 (Digitalisat).
  13. a b c d e f g h i j k l m n Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis : Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952 (= Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 192). München 1954, DNB 451478568, S. 180, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066439-3 (Digitalisat).
  14. a b Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 1058, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  15. a b Kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. Adolf Ackermann, München 1877, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen von 1871, Viehzahlen von 1873), Sp. 1224, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  16. a b K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1888, Abschnitt III, Sp. 1158 (Digitalisat).
  17. a b K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 1230–1231 (Digitalisat).
  18. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, Abschnitt II, Sp. 1268 (Digitalisat).
  19. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, DNB 453660975, Abschnitt II, Sp. 1102 (Digitalisat).
  20. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, DNB 740801384, S. 175 (Digitalisat).
  21. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, DNB 94240937X, S. 338 (Digitalisat).