Rauschenberg (Dachsbach)

Ortsteil von Dachsbach

Rauschenberg ist ein Ortsteil des Marktes Dachsbach im mittelfränkischen Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim.

Rauschenberg
Markt Dachsbach
Wappen von Rauschenberg
Koordinaten: 49° 39′ 10″ N, 10° 40′ 0″ O
Höhe: 359 (310–379) m ü. NHN
Fläche: 2,27 km²
Einwohner: 350 (2013)
Bevölkerungsdichte: 154 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1972
Postleitzahl: 91462
Vorwahl: 09163
Neues Schloß (erbaut 1763–65)
Altes Schloss (im 17. Jahrhundert erneuert)

Geographische LageBearbeiten

Das Dorf ist der höchstgelegene Ort der Gemeinde und liegt zwischen Neustadt und Höchstadt am südlichen Abstieg des Steigerwaldes zum Aischtal hin. Der Ort ist ein ungeregeltes Straßendorf entlang der Kreisstraße NEA 14. Er befindet sich inmitten eines ausgedehnten Wasser- und Landschaftsschutzgebietes. Die Lage ist sowohl exponiert am Südwesthang, mit weiter Aussicht über das tief aber sanft eingekerbte Tal des Kümmelbaches hinaus, als auch von Norden her in sehr wettergeschützter Lage zwischen ausgedehnten Forsten eingebettet.[1]

GeschichteBearbeiten

Rauschenberg wurde als „Genshof“ um 1426 erstmals schriftlich erfasst.[2] Eine frühere Besiedelung der Gegend bereits zu karolingischer Zeit im 8. oder 9. Jahrhundert wird angenommen. Mehr als ein halbes Dutzend Bodendenkmäler, Siedlungsreste und Grabanlagen vor- und frühgeschichtlicher Zeitstellung sind für Rauschenberg ausgewiesen.

Im Laufe der Jahrhunderte werden sowohl bürgerliche als auch adelige Besitzer genannt. Während der Markgrafenkriege (siehe Erster Markgrafenkrieg (1449–1450) und Zweiter Markgrafenkrieg (1552–1555)) und im Dreißigjährigen Krieg wurden Ansiedlungen zu Wüstungen. Spätestens im 16. Jahrhundert wurden das Schloss Rauschenberg und dessen Besitzer, die Seckendorff, die Hohenlohe und die Wurster von Kreuzberg (auch „Wurster von Creutzberg“) erwähnt.

Erst um 1705 wuchs der Ort wesentlich: Zu dieser Zeit wurden 45 Tropfhäuser für fremde Ansiedler errichtet.[3] Das neue Schloss, das gleich am Ortseingang von Dachsbach her malerisch gelegen ist und einen uralten Baumbestand besitzt, wurde von dem fuldaischen Geheimrat[4] Georg Erasmus Wurster von Kreuzberg in den Jahren 1763 bis 1765 erbaut. Das alte Schloss wurde gleichzeitig größtenteils erneuert. Beide sind von einer parkähnlichen Anlage umrahmt und noch in Privatbesitz.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Rauschenberg 55 Anwesen (Schloss, Bauhof, Brauhaus, Kalkofen, Wirtshaus, Bäckerei, Schmiede, 45 Tropfhäuser, 3 Häuser). Das Hochgericht übte das brandenburg-bayreuthische Kasten- und Jurisdiktionsamt Dachsbach aus, die Dorf- und Gemeindeherrschaft und die Grundherrschaft über alle Anwesen hatte das Rittergut Rauschenberg inne.[5]

1810 kam Rauschenberg an das neue Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1811 das Steuerdistrikt Rauschenberg gebildet, zu dem Bergtheim und Rockenbach gehörten. 1813 wurde es der Ruralgemeinde Rauschenberg gebildet, die deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt war. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) bildeten Bergtheim und Rockenbach eigene Ruralgemeinden.[6] Die Ruralgemeinde Rauschenberg unterstand in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Neustadt an der Aisch und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Neustadt an der Aisch (1920 in Finanzamt Neustadt an der Aisch umbenannt). Alle Anwesen unterstanden bis 1848 in der freiwilligen Gerichtsbarkeit und der Ortspoliziei dem Patrimonialgericht Rauschenberg.[7] Ab 1862 wurde Rauschenberg vom Bezirksamt Neustadt an der Aisch (1938 in Landkreis Neustadt an der Aisch umbenannt) verwaltet. Die Gerichtsbarkeit blieb bis 1879 beim Landgericht Neustadt an der Aisch, ab 1880 Amtsgericht Neustadt an der Aisch. Die Gemeinde hatte eine Gebietsfläche von 2,269 km².[8]

Am 1. Januar 1972 wurde Rauschenberg im Zuge der Gebietsreform in Bayern nach Dachsbach eingemeindet.[9]

Der kleine Friedhof mit Kapelle unterhalb des Ortes ist neuzeitlich geprägt.

BaudenkmälerBearbeiten

  • Hauptstr. 1: Neues Schloss mit Brunnen
  • Hauptstr. 5: Altes Schloss mit Brunnenbau

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Gemeinde Rauschenberg

Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970
Einwohner 360 369 407 385 383 361 338 370 426 431 393 364 343 310 319 312 288 262 258 346 346 314 300 313
Häuser[10] 68 60 65 73 71 69 67 69
Quelle [11] [12] [13] [13] [14] [13] [15] [13] [13] [16] [13] [13] [17] [13] [13] [13] [18] [13] [13] [13] [19] [13] [8] [20]

Ort Rauschenberg

Jahr 001818 001840 001861 001871 001885 001900 001925 001950 001961 001970 001987 002013
Einwohner 360 360 371 334 416 335 278 326 293 307 313 350
Häuser[10] 68 59 71 40 69 67 61 104
Quelle [11] [12] [14] [15] [16] [17] [18] [19] [8] [20] [21]

ReligionBearbeiten

Der Ort ist seit der Reformation evangelisch-lutherisch. Die Bewohner evangelisch-lutherischer Konfession sind nach St. Nikolaus und Peter (Oberhöchstädt) gepfarrt.

HeuteBearbeiten

Die geschützte, sonnenreiche Lage des Ortes am Südhang begünstigt Landwirtschaft, Obstanbau und Obsthandel. Beispielsweise sind große Erdbeerplantagen und Streuobstwiesen anzutreffen. Seit etwa Mitte der 1970er Jahre befindet sich am östlichen Rand des Neubaugebietes eine kleine Langzeit-Rehabilitationsstätte für therapiefähige Suchtkranke. Jahrzehntelang wurde die Einrichtung unter dem Namen Hort der Hoffnung anonym betrieben. Ab 1997 übernahm das Blaue Kreuz die Trägerschaft.[22] Weiterhin gibt es einen Landgasthof und seit Anfang der 2010er Jahre ein Tonstudio. Ein im Ort ehemals vorhandenes Vollsortimenter-Einzelhandelsgeschäft und eine kleine Metzgerei haben in den 1980er Jahren keine Nachfolger gefunden.

VeranstaltungenBearbeiten

An Himmelfahrt veranstaltet der Gartenbauverein ein Frühlingsfest, am letzten Wochenende im August wird Kärwa gefeiert. Weiterhin gibt es unregelmäßig wiederkehrende Veranstaltungen der Feuerwehr Rauschenberg, des Obst- und Gartenbauvereins, der Soldatenkameradschaft Rauschenberg und der Eigentümergemeinschaft der Anlieger der Wochenendsiedlung Am Haller.

VerkehrBearbeiten

Die Kreisstraße NEA 14 führt nach Oberhöchstädt (2 km östlich) bzw. nach Bergtheim (1,7 km südwestlich). Eine Gemeindeverbindungsstraße führt nach Schornweisach zur Kreisstraße NEA 1 (1,6 km nordwestlich). Eine Anliegerstraße führt zur Ziegelhütte (0,6 km nordwestlich).[1]

Rauschenberg hat in der Ortsmitte eine Bedarfshaltestelle, die von zwei Buslinien bedient wird. Davon wird eine privat betrieben (243) und besitzt eher Schulbuscharakter, die andere (127) betreibt der VGN. Er bewirbt sie als Freizeitlinie „Aischgründer Bier-Express“ und gibt eigene Prospekte für Wanderer heraus. Ab Samstagnachmittag besteht keine Anbindung des Ortes an den ÖPNV. Dann ist die nächste Haltestelle im vier Kilometer entfernten Dachsbach.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Rauschenberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Rauschenberg im BayernAtlas
  2. Rauschenberg, Ersterwähnung, Namensherkunft
  3. H. Sponholz (Hrsg.), S. 120.
  4. Max Döllner: Entwicklungsgeschichte der Stadt Neustadt an der Aisch bis 1933. Ph. C. W. Schmidt, Neustadt a. d. Aisch 1950, OCLC 42823280; Neuauflage anlässlich des Jubiläums 150 Jahre Verlag Ph. C. W. Schmidt Neustadt an der Aisch 1828–1978. Ebenda 1978, ISBN 3-87707-013-2, S. 137.
  5. H. H. Hofmann, S. 124.
  6. Adreß- und statistisches Handbuch für den Rezatkreis im Königreich Baiern. Kanzlei Buchdruckerei, Ansbach 1820, S. 60 (Digitalisat). H. H. Hofmann S. 222.
  7. H. H. Hofmann, S. 189.
  8. a b c Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, DNB 453660959, Abschnitt II, Sp. 807 (Digitalisat).
  9. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 536.
  10. a b Es werden nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 wurden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser, 1871 bis 1987 als Wohngebäude.
  11. a b Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise nach seiner durch die neueste Organisation erfolgten Constituirung enthaltenen Ortschaften: mit Angabe a. der Steuer-Distrikte, b. Gerichts-Bezirke, c. Rentämter, in welchen sie liegen, dann mehrerer anderer statistischen Notizen. Ansbach 1818, S. 74 (Digitalisat). Dort mit 260 Einwohnern angegeben, was aber aufgrund der Zahl der Feuerstellen unwahrscheinlich ist.
  12. a b Eduard Vetter (Hrsg.): Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Selbstverlag, Ansbach 1846, S. 201 (Digitalisat).
  13. a b c d e f g h i j k l m n Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis : Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952 (= Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 192). München 1954, DNB 451478568, S. 180, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066439-3 (Digitalisat).
  14. a b Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 1057, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  15. a b Kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. Adolf Ackermann, München 1877, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen von 1871, Viehzahlen von 1873), Sp. 1223, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  16. a b K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1888, Abschnitt III, Sp. 1157 (Digitalisat).
  17. a b K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 1229–1230 (Digitalisat).
  18. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, Abschnitt II, Sp. 1267 (Digitalisat).
  19. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, DNB 453660975, Abschnitt II, Sp. 1101 (Digitalisat).
  20. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, DNB 740801384, S. 175 (Digitalisat).
  21. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, DNB 94240937X, S. 338 (Digitalisat).
  22. Hort der Hoffnung, Rauschenberg (Memento des Originals vom 21. Januar 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.blaukreuz-haus-rauschenberg.de