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Oberhöchstädt ist ein Ortsteil des Marktes Dachsbach im mittelfränkischen Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim.

Oberhöchstädt
Markt Dachsbach
Wappen von Oberhöchstädt
Koordinaten: 49° 38′ 53″ N, 10° 41′ 53″ O
Höhe: 283 (280–290) m ü. NHN
Fläche: 5,99 km²
Einwohner: 381 (2014)
Bevölkerungsdichte: 64 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1978
Postleitzahl: 91462
Vorwahl: 09163
Dorfbrunnen von 1699
Dorfbrunnen von 1699
Kirche St. Nikolaus und Peter

Geographische LageBearbeiten

Das Pfarrdorf liegt zwischen Neustadt und Höchstadt, einen Kilometer nördlich von Dachsbach im Aischtal. Es ist ein ungeregeltes Haufendorf und befindet sich inmitten des ausgedehnten Wasser- und Landschaftsschutzgebietes des Aischgrundes. Unmittelbar nördlich des Ortes beginnt deutlich erkennbar der allmähliche Anstieg des Geländes zum Steigerwald hin.[1]

GeschichteBearbeiten

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Oberhöchstädt unter dem Namen „oberenhohstete“ bereits im Jahre 1137. Anfang des 14. Jahrhunderts gehört der Ort zum Hochstift Würzburg. 1303/17 empfängt Heinrich Fuchs den Zehnten in „Superiori-Hoehstet“ zu Lehen. 1317/22 empfängt Ritter Arnold von Seckendorff den Zehnten von neun Äckern und Konrad von Dachsbach die Hälfte eines Novalzehnten.[2]

Im Laufe der Jahrhunderte hatte der Ort eine Vielzahl teils häufig wechselnder Besitzer. Es lag etwas abseits des wichtigen Handelsweges entlang der Aisch und blieb von den vielfachen Verwüstungen während der Markgrafenkriege (Erster Markgrafenkrieg (1449–1450) und Zweiter Markgrafenkrieg (1552–1555)) und im Dreißigjährigen Krieg nicht verschont.

Im Jahr 1536 wurde die Reformation in Oberhöchstädt eingeführt, der sich der seit 1527 amtierende Pfarrer Bernhard Pfost anschloss.[3] Im Dreißigjährigen Krieg wurde Oberhöchstädt mehrmals geplündert und in Brand gesetzt; zudem starben 60 Menschen an einer Seuche.[4]

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Oberhöchstädt 59 Haushalte. Das Hochgericht Centamt Höchstadt des Hochstifts Bamberg aus. Die einzelnen Anwesen unterstanden unterschiedlichen Grundherren: 24½ Anwesen dem Amt Höchstadt, 5½ Anwesen dem Fürstentum Bayreuth (Kasten- und Jurisdiktionsamt Dachsbach: ½, Kastenamt Neustadt an der Aisch: 4, Klosteramt Birkenfeld: 1), 10 Anwesen dem Rittergut Rauschenberg, 1 Anwesen der Schönborn’sche Herrschaft Pommersfelden, 5 Anwesen der Pfarrei Dachsbach, 8 Anwesen der Pfarrei Oberhöchstadt, 1 Anwesen der Spital Anna zu Höchstadt, 2 Anwesen dem Hl. Geist-Spitalamt der Reichsstadt Nürnberg, 2 Anwesen den Nürnberger Eigenherren von Imhoff und von Mühlholz.[5]

1810 kam Oberhöchstädt an das neue Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde Oberhöchstädt 1811 dem Steuerdistrikt Uehlfeld zugeordnet. 1813 wurde die Ruralgemeinde Oberhöchstädt gebildet, zu der die Orte Egelsbach und Tragelhöchstädt gehörten. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) wurde die Ruralgemeinde Oberhöchstädt aufgespalten in

  • Ruralgemeinde Oberhöchstädt;
  • Ruralgemeinde Tragelhöchstädt mit Egelsbach.[6]

Die Ruralgemeinde Oberhöchstädt unterstand in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Neustadt an der Aisch und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Neustadt an der Aisch (1920 in Finanzamt Neustadt an der Aisch umbenannt). 10 Anwesen unterstanden in der freiwilligen Gerichtsbarkeit bis 1848 dem Patrimonialgericht Pommersfelden und 11 Anwesen bis 1848 dem Patrimonialgericht Rauschenberg.[7] Ab 1862 wurde Oberhöchstädt vom Bezirksamt Neustadt an der Aisch (1938 in Landkreis Neustadt an der Aisch umbenannt) verwaltet. Die Gerichtsbarkeit blieb bis 1879 beim Landgericht Neustadt an der Aisch, ab 1880 Amtsgericht Neustadt an der Aisch. Die Gemeinde hatte eine Gebietsfläche von 5,991 km².[8]

Am 1. Januar 1978 wurde Oberhöchstädt im Zuge der Gebietsreform nach Dachsbach eingemeindet.[9]

Erhaltene BaudenkmälerBearbeiten

  • Ensemble im Ortskern aus dem 17. und 18. Jahrhundert
  • Kirchgasse 8: Pfarrkirche St. Nikolaus und Peter aus dem 15. Jahrhundert
  • Ortsstr. 6: Das ehemalige Gasthaus Zur Krone wird nicht mehr bewirtschaftet, das Schild von 1800 steht unter Denkmalschutz; auf dem Dach befindet sich ein Storchennest.
  • Der überdachte Brunnen in der Ortsmitte stammt aus dem Jahr 1701.[10]

Siehe auch → Liste der Baudenkmäler in Oberhöchstädt

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970 1987 2014
Einwohner 377 458 463 455 424 450 428 417 437 403 378 365 364 364 358 360 358 352 325 458 429 400 371 354 302 381
Häuser[11] 74 65 74 81 83 73 75 77 86
Quelle [12] [13] [14] [14] [15] [14] [16] [14] [14] [17] [14] [14] [18] [14] [14] [14] [19] [14] [14] [14] [20] [14] [8] [21] [22]

ReligionBearbeiten

Der Ort ist seit der Reformation evangelisch-lutherisch. Die Bewohner evangelisch-lutherischer Konfession sind nach St. Nikolaus und Peter (Oberhöchstädt) gepfarrt.

HeuteBearbeiten

Der Ort ist nach wie vor überwiegend landwirtschaftlich geprägt. Im Aischgrund wird traditionell umfangreich die Karpfenzucht betrieben. Einige Landwirte haben auf den Dächern ihrer Scheunen solarelektrische Anlagen mit einer Gesamtleistung von über 75 kW errichtet. Es gibt eine Motorradschmiede und einen ambulanten Pflegedienst im Ort sowie ein vielfältiges Vereinsleben. Außer der Direktvermarktung durch die landwirtschaftlichen Erzeuger gibt es keine Einkaufsmöglichkeiten, Ärzte oder Gastronomie.

VeranstaltungenBearbeiten

An Ostern wird der Brunnen geschmückt, am zweiten Wochenende im Oktober die Kärwa gefeiert. Weiterhin gibt es unregelmäßig wiederkehrende Veranstaltungen der Feuerwehr Oberhöchstädt und aus dem Kirchen- und Vereinsleben, über die das Mitteilungsblatt der Verwaltungsgemeinschaft Uehlfeld jeweils mittwochs informiert.

VerkehrBearbeiten

Die Kreisstraße NEA 14 verbindet den Ort mit Rauschenberg und Dachsbach. Dort schließt sie an die Bundesstraße 470 an. Eine Gemeindeverbindungsstraße führt nach Uehlfeld zur Kreisstraße NEA 1. Die Verbindung nach Dachsbach über die Kreisstraße NEA 14 ist nicht hochwassersicher ausgeführt, was zur Folge hat, dass diese bei den regelmäßig auftretenden Hochwassern der Aisch manchmal tage- bis wochenlang unpassierbar wird und beachtliche Umwege über Uehlfeld oder Rauschenberg/Bergtheim in Kauf genommen werden müssen.

Nahverkehr: Oberhöchstädt hat in der Ortsmitte eine Bedarfshaltestelle, die von zwei Buslinien bedient wird. Davon wird eine privat betrieben (243), die andere (127) vom VGN. Beide Linien haben eher Schulbuscharakter. Nachmittags und an Wochenenden besteht keine Anbindung des Ortes an den ÖPNV mehr.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Oberhöchstädt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Oberhöchstädt im BayernAtlas
  2. H. Sponholz (Hrsg.), S. 118.
  3. Max Döllner: Entwicklungsgeschichte der Stadt Neustadt an der Aisch bis 1933. Ph. C. W. Schmidt, Neustadt a. d. Aisch 1950; Neuauflage anlässlich des Jubiläums 150 Jahre Verlag Ph. C. W. Schmidt Neustadt an der Aisch 1828–1978 ebenda 1978, ISBN 3-87707-013-2, S. 191.
  4. Max Döllner (1950), S. 243.
  5. H. H. Hofmann: Höchstadt-Herzogenaurach, S. 77f.
  6. Adreß- und statistisches Handbuch für den Rezatkreis im Königreich Baiern. Kanzlei Buchdruckerei, Ansbach 1820, S. 59–60 (Digitalisat). H. H. Hofmann: Neustadt-Windsheim, S. 223.
  7. H. H. Hofmann: Neustadt-Windsheim, S. 188.
  8. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, Abschnitt II, Sp. 807 (Digitalisat).
  9. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 723.
  10. Brunnenhäuschen von 1701
  11. Es werden nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 wurden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840, 1852 als Häuser, 1871 bis 1987 als Wohngebäude.
  12. Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise nach seiner durch die neueste Organisation erfolgten Constituirung enthaltenen Ortschaften: mit Angabe a. der Steuer-Distrikte, b. Gerichts-Bezirke, c. Rentämter, in welchen sie liegen, dann mehrerer anderer statistischen Notizen. Ansbach 1818, S. 66 (Digitalisat).
  13. Eduard Vetter (Hrsg.): Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Selbstverlag, Ansbach 1846, S. 200 (Digitalisat). Laut Historischem Gemeindeverzeichnis hatte die Gemeinde 455 Einwohner.
  14. a b c d e f g h i j k l m n Historisches Gemeindeverzeichnis. Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952. In: Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 192. München 1953, S. 179, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066439-3 (Digitalisat).
  15. Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 1057, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  16. kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. München 1877, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen von 1871), Sp. 1222, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  17. Karl von Rasp: Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. Hrsg.: K. Bayer. Statistisches Bureau. München 1888, Abschnitt III, Sp. 1157 (Digitalisat).
  18. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 1229 (Digitalisat).
  19. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, Abschnitt II, Sp. 1267 (Digitalisat).
  20. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, Abschnitt II, Sp. 1100 (Digitalisat).
  21. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, S. 176 (Digitalisat).
  22. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, S. 338 (Digitalisat).