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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Tholey
Tholey
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Tholey hervorgehoben

Koordinaten: 49° 29′ N, 7° 2′ O

Basisdaten
Bundesland: Saarland
Landkreis: St. Wendel
Höhe: 393 m ü. NHN
Fläche: 57,57 km2
Einwohner: 12.059 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 209 Einwohner je km2
Postleitzahlen: 66630–66636
Vorwahlen: 06853, 06888
Kfz-Kennzeichen: WND
Gemeindeschlüssel: 10 0 46 118
Gemeindegliederung: 9 Gemeindeteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Im Kloster 1
66636 Tholey
Website: www.tholey.de
Bürgermeister: Hermann Josef Schmidt (CDU)
Lage der Gemeinde Tholey im Landkreis St. Wendel
NonnweilerNohfeldenFreisenTholeyOberthal (Saar)MarpingenNambornSt. WendelRheinland-PfalzLandkreis Merzig-WadernLandkreis SaarlouisLandkreis NeunkirchenKarte
Über dieses Bild

Tholey ([ˈtolaɪ], Saarländisch Tole[2]) ist eine Gemeinde im Landkreis St. Wendel des Saarlands.

Tholey, Panorama-Aufnahme vom Schaumberg

GeographieBearbeiten

LageBearbeiten

Die Fremdenverkehrsgemeinde liegt etwa 30 km nördlich der Landeshauptstadt Saarbrücken im nördlichen Saarland.

OrtsteileBearbeiten

Die Gemeinde Tholey besteht aus folgenden Ortsteilen:

 
Niederschlagsdiagramm

NachbargemeindenBearbeiten

Tholeys Nachbargemeinden sind – im Uhrzeigersinn und im Norden beginnend – Nonnweiler, Nohfelden, Oberthal und Marpingen (alle im Landkreis St. Wendel), Eppelborn (Landkreis Neunkirchen), Lebach und Schmelz (beide im Landkreis Saarlouis) sowie Wadern (Landkreis Merzig-Wadern).

KlimaBearbeiten

Der Jahresniederschlag beträgt 1001 mm. Der Niederschlag liegt im oberen Drittel der Messstellen des Deutschen Wetterdienstes. Über 85 % zeigen niedrigere Werte an. Der trockenste Monat ist der April; am meisten regnet es im Dezember. Im niederschlagsreichsten Monat fällt ca. 1,7-mal mehr Regen als im trockensten Monat. Die jahreszeitlichen Niederschlagschwankungen liegen im oberen Drittel. In 67 % aller Orte schwankt der monatliche Niederschlag weniger.

GeschichteBearbeiten

 
Abschrift des Testaments des Adalgisel Grimo aus dem 10. Jahrhundert. Die Urkunde mit der Nennung Tholeys gilt als ältestes Schriftstück des Rheinlandes (Landeshauptarchiv Koblenz, Bestand 1 a, Nummer 1)
 
Altes Wappen (bis 1974)

Erste Spuren einer Besiedlung auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Tholey gehen auf die Kelten zurück (siehe auch Iovantucarus). Vielfache Funde belegen eine ausgedehnte Besiedlung durch die Römer. So wurden etwa 2002 im Rahmen einer Notgrabung neue Erkenntnisse zum Siedlungskomplex „Schweichhaus“ gewonnen.[3] Im Mittelalter waren weite Teile des heutigen Saarlandes der Abtei Tholey tributpflichtig. Zum Schutze der Abtei wurde auf dem Schaumberg eine Burg errichtet. Grundherrschaften waren Lothringen und Kurtrier.

NamensherkunftBearbeiten

In einer Schrift des Jahres 634 (Testament des Grimo) als Taulegio erwähnt, leite sich der Ortsname von Tegolegium, „ziegelbedecktes Gebäude“, ab.[4]

EingemeindungenBearbeiten

Im Rahmen der saarländischen Gebiets- und Verwaltungsreform wurden die bis dahin eigenständigen neun Gemeinden Bergweiler, Hasborn-Dautweiler, Lindscheid, Neipel, Scheuern, Sotzweiler, Theley, Tholey und Überroth-Niederhofen zur jetzigen Gemeinde Tholey zusammengeschlossen.[5][6]

KirchengeschichteBearbeiten

Der Legende nach soll der Heilige Wendelin um 610 der Gründer und erste Abt der Benediktinerabtei St. Mauritius gewesen sein. Die Abtei gilt damit als das älteste Kloster im Bereich des heutigen Deutschland.[7] 1794 wurde das Kloster nach Zerstörung durch die Franzosen aufgehoben. Seit 1949 befindet sich im Ort wieder ein Benediktinerkloster der Beuroner Kongregation.

Jüdische GeschichteBearbeiten

In Tholey bestand eine jüdische Gemeinde vom 18. Jahrhundert bis um 1940. Eine erste jüdische Familie wurde 1729 genannt. 1843 lebten 88 jüdische Personen in Tholey (9 % der Gesamteinwohnerschaft von 952 Personen), 1895 waren es 91. Eine Synagoge wurde am 4. Dezember 1863 durch Bezirksrabbiner Kahn aus Trier eingeweiht. Seit 1876 bestand eine jüdische Konfessionsschule. 1925 gehörten noch 50, 1935 41 Personen der jüdischen Gemeinde an. Unter der zunehmenden Entrechtung in der NS-Zeit und auf Grund des wirtschaftlichen Boykotts zogen viele in andere Städte oder wanderten aus. Nach den Deportationen wurden mindestens 20 der in Tholey geborenen oder dort längere Zeit ansässigen jüdischen Einwohner ermordet. Die Synagoge wurde 1937 verkauft und später abgebrochen. Auf ihren Grundmauern an der Trierer Straße wurde ein Wohnhaus errichtet. Am 21. April 2015 wurden von Gunter Demnig 5 Stolpersteine in Tholey verlegt.[8]

PolitikBearbeiten

Kommunalwahl 2019[9]
Wahlbeteiligung: 74,9 % (2014: 68,4 %)
 %
70
60
50
40
30
20
10
0
61,7 %
24,0 %
5,8 %
8,5 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2014
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
-2,8 %p
-2,0 %p
+0,2 %p
+4,6 %p

GemeinderatBearbeiten

Der Gemeinderat mit 33 Sitzen setzt sich nach der Kommunalwahl vom 26. Mai 2019 wie folgt zusammen:

Partei Stimmenanteil +/- %p Sitze +/-
CDU 61,7 % - 2,8 21 - 1
SPD 24,0 % - 2,0 8 - 1
LINKE 5,6 % + 0,2 2 + 1
GRÜNE 8,5 % + 4,6 2 + 1

BürgermeisterBearbeiten

  • 1974–1983: Anton Schäfer, CDU
  • 1983–2003: Hans-Dieter Frisch, CDU
  • 2003–heute: Hermann-Josef Schmidt, CDU

GemeindepartnerschaftenBearbeiten

Partnergemeinden von Tholey sind Alto Feliz im brasilianischen Bundesstaat Rio Grande do Sul[10] und Saint-Benoît-sur-Loire in der französischen Region Centre-Val de Loire[11].

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

LandmarkenBearbeiten

 
Schaumbergturm nach Renovierung
  • Schaumbergturm: höchster Aussichtsturm im Saarland, Weltkrieg II-Gedenkstätte, Wettermessstation, Sendeanlagen

MuseenBearbeiten

  • Im Heimatmuseum Neipel wird die Geologie und Vor- und Frühgeschichte des Ortes und seiner Umgebung dokumentiert. Im Museum finden auch Sonderausstellungen statt.[12]
  • Das Kulturhistorische Museum Theulegium ist in fünf Themengruppen aufgeteilt: Geologie, Vor- und Frühgeschichte, Abtei St. Mauritius Tholey, Amt Schaumburg und Zeitgeschichte im Kellermuseum.[13]

SkulpturBearbeiten

Nordwestlich des Ortsteils Sotzweiler befindet sich das Wortsegel, eine etwa 13 Meter hohe Stahlskulptur des aus dem Ort stammenden Künstlers Heinrich Popp.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

VerkehrBearbeiten

Bereits in römischer Zeit führte eine Straße von Metz über Tholey nach Mainz.

Tholey war ehemals über die Bahnstrecke St. Wendel–Tholey an das Bahnnetz angeschlossen.

Die Gemeinde ist heute durch die Bundesautobahn 1 (Oldenburg in HolsteinSaarbrücken) gut an das überregionale Straßennetz angebunden.

PersönlichkeitenBearbeiten

EhrenbürgerBearbeiten

In Tholey geborenBearbeiten

Mit Tholey verbundenBearbeiten

ErwähnenswertesBearbeiten

Das Vulkangestein Tholeiit ist nach Tholey benannt. Allerdings hat sich dessen Definition gewandelt, so dass das bei Tholey befindliche Vulkangestein nach heutiger Definition kein Tholeiit ist.

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Saarland.de – Amtliche Einwohnerzahlen Stand 31.12.2018 (PDF; 20 kB) (Hilfe dazu).
  2. Geoplatt (Memento vom 13. November 2007 im Internet Archive)
  3. Edith und Eric Glansdorp: Vor- und frühgeschichtliche Spuren im mittleren Primstal – Archäologische Ausstellungen im Heimatmuseum Neipel von 1997 bis 2012. Archäologie Büro & Verlag Glansdorp, Tholey 2013, ISBN 978-3-00-039212-2.
  4. Wolfgang Haubrichs „Grenzen und Interferenzen“, 2005
  5. Neugliederungsgesetz – NGG vom 19. Dezember 1973, § 37, veröffentlicht im Amtsblatt des Saarlandes 1973, Nr. 48, S. 857 (PDF Seite 29; 499 kB)
  6. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 810.
  7. Abtei Tholey – Geschichte: Mittelalter, abgerufen am 5. September 2019
  8. Saarbrücker Zeitung, Saarbrücker Zeitung Verlag und Druckerei GmbH: Stolpersteine wider das Vergessen. Abgerufen am 27. Januar 2019.
  9. Die Landeswahlleiterin – Endgültiges Ergebnis der Gemeinderatswahlen 2019
  10. Saarbrücker Zeitung vom 7. Februar 2019
  11. Website der Abtei Tholey
  12. Heimatmuseum Neipel
  13. Museum Theulegium
  14. Heinrich Habel u. Lothar Altmann: Die Bayerische Staatskanzlei, 10. Auflage, Regensburg 2013, S. 34–39.
  15. Nadine Schön, MdB (CDU). Abgerufen am 19. August 2019 (deutsch).