Thiersee

Gemeinde in Österreich
Thiersee
Wappen Österreichkarte
Wappen von Thiersee
Thiersee (Österreich)
Thiersee
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Tirol
Politischer Bezirk: Kufstein
Kfz-Kennzeichen: KU
Hauptort: Vorderthiersee
Fläche: 108,56 km²
Koordinaten: 47° 34′ N, 12° 5′ OKoordinaten: 47° 34′ 0″ N, 12° 5′ 0″ O
Höhe: 678 m ü. A.
Einwohner: 3.012 (1. Jän. 2019)
Postleitzahl: 6335
Vorwahl: 05376
Gemeindekennziffer: 7 05 27
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Vorderthiersee 44
6335 Thiersee
Website: www.thiersee.tirol.gv.at
Politik
Bürgermeister: Hannes Juffinger (ÖVP)
Gemeinderat: (2016)
(15 Mitglieder)

3 Bürgermeister-Liste Thiersee – BLT,
4 Liste Landl – LL,
2 Gemeinsame Hinterthierseer Liste – GHL,
3 Liste-Thiersee-Mitterland – LTM,
2 Projekt Impuls Thiersee – PIT, Freiheitliche Thierseer Liste-FPÖ – FPÖ

Lage von Thiersee im Bezirk Kufstein
AlpbachAngathAngerbergBad HäringBrandenbergBreitenbach am InnBrixleggEbbsEllmauErlKirchbichlKramsachKufsteinKundlLangkampfenMariasteinMünsterNiederndorfNiederndorferbergRadfeldRattenbergReith im AlpbachtalRettenschössScheffau am Wilden KaiserSchwoichSöllThierseeWalchseeWildschönauWörglTirol (Bundesland)Lage der Gemeinde Thiersee im Bezirk Kufstein (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
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Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

BW

Vorderthiersee
Kirche und Schulhaus in Hinterthiersee

Thiersee ist eine Gemeinde mit 3012 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2019) im Bundesland Tirol, Bezirk Kufstein, Österreich. Die Gemeinde liegt im Gerichtsbezirk Kufstein.

GeografieBearbeiten

Das Gemeindegebiet südöstlich des Ursprungpasses am gleichnamigen Thiersee erstreckt sich im Thierseetal und grenzt unmittelbar an den Freistaat Bayern.

Flächenmäßig ist Thiersee die zweitgrößte Gemeinde im Bezirk Kufstein und damit sogar größer als das Stadtgebiet von Innsbruck. Der höchste Punkt im Gemeindegebiet ist der Gipfel des Hinteren Sonnwendjochs mit 1986 m ü. A., der niedrigste Punkt liegt 616 m ü. A. hoch. 10,36 km² der Gemeindefläche werden landwirtschaftlich genutzt, 15,42 km² sind Almen und 76,16 km² Wälder.

GemeindegliederungBearbeiten

Die Gemeinde besteht aus der einzigen Katastralgemeinde Thiersee und gliedert sich in sechs Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand 1. Jänner 2019[1]):

  • Almen (2)
  • Hinterthiersee (507)
  • Landl (485)
  • Mitterland (552)
  • Schmiedtal (205)
  • Vorderthiersee (1261)

NachbargemeindenBearbeiten

GeschichteBearbeiten

Thiersee wurde erstmals im Jahr 1224 schriftlich erwähnt und gehörte bis 1504 zu Bayern.

Im Spanischen Erbfolgekrieg wurde der Ort zwischen 1702 und 1704 mehrmals durch Plünderung und Brandschatzung schwer in Mitleidenschaft gezogen.

Am Anfang des 20. Jahrhunderts war Thiersee eine bäuerliche und verkehrstechnisch nicht erschlossene Gemeinde. Eine Fahrstraße von Kufstein nach Thiersee wurde erst während des Ersten Weltkrieges gebaut. In den folgenden Jahrzehnten setzte dann auch in Thiersee eine erhebliche Bautätigkeit mit der Tendenz zur Zersiedelung ein.

PassionsspieleBearbeiten

1799 gelobten die Thierseer, um von ihrem Tal die Kriegsnot abzuhalten, dreimal jährlich in der Fastenzeit das Leiden und Sterben des Heilands vor der Margarethen-Kirche aufzuführen. Noch im selben Jahr wurde das erste Spielhaus errichtet. Immer wieder verboten Behörden das Spiel, dennoch hielten die Thierseer treu am Gelübde fest.

1926 wurde ein neues Spielhaus errichtet, das 1000 Besuchern Platz bietet. Heute finden die Passionsspiele im 6-Jahres-Rhythmus statt. Die Thierseer fassen ihr Spiel nicht als Brauchtumspflege auf, sondern als lebendiges Bekenntnis zum christlichen Glauben.

1999 konnte das 200-Jahr-Jubiläum der Passionsspiele gefeiert werden. Dazu wurden beim Passionsspielhaus zwei Nebengebäude dazugebaut und der Vorplatz neu gestaltet.

Thierseer FilmgeschichteBearbeiten

Thiersee war von 1946 bis 1952 das Zentrum der österreichischen Filmproduktion. Insgesamt 18  Spielfilme wurden im genannten Zeitraum im Filmatelier produziert. Die zweite österreichische Nachkriegsproduktion „Wintermelodie“ von Produzent und Regisseur Eduard Wieser feierte am 14. August 1947 Premiere in Wien. Zu den in Thiersee gedrehten Filme gehören auch „Das doppelte Lottchen“, „Eroica“, „Blaubart“, „Der Weibsteufel“ und „Maria Chapdelaine“. Französische, englische, deutsche, österreichische und schweizerische Produktionsfirmen waren an den verschiedenen Filmen beteiligt. Stars wie Oskar Werner, Curd Jürgens, Attila Hörbiger, Paula Wessely, Hilde Krahl, Brigitte Horney oder Hans Albers standen in Thiersee vor der Kamera. Mitte 1952 wurde das Filmatelier in Thiersee von der ÖFA (Wienfilm) zugunsten ihrer Wiener Studios aufgegeben. Das Thierseer Atelier ist bis heute das einzige standortgebundene Filmatelier Tirols.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Pfarrkirche Hinterthiersee
 
Passionsspielhaus

VeranstaltungenBearbeiten

In Thiersee finden insbesondere im Sommer regelmäßig Feste und Veranstaltungen der Ortsvereine statt. Die nächsten Thierseer Passionsspiele finden im Jahre 2022 statt.

Im September 2012 fand die Veranstaltungsreihe „SiXPACK & Friends goes Musical 2012“ im Festspielhaus Thiersee statt. Das Besondere an der erfolgreichen Produktion war unter anderem auch die Tatsache, dass alle Mitwirkenden, 22 Darsteller, 18 Musiker und 20 Techniker aus dem Ort Thiersee stammen.

VereineBearbeiten

  • Bergwacht Thiersee
  • Jakob-Sieberer-Schützenkompanie Landl, seit 1959
  • Bundesmusikkapelle Landl
  • Jungbauernschaft/Landjugend Thiersee
  • Musikkapelle Hinterthiersee
  • Norikerpferdezuchtverein Thiersee
  • Obst- und Gartenbauverein
  • Passionsspielverein Thiersee
  • Trachten- und Brauchtumsverein
  • Volksbühne Alpenland Thiersee
  • Volkstanzgruppe Thiersee

SportvereineBearbeiten

  • SV Thiersee (Ski- und Fußballverein)
  • SC Hinterthiersee
  • SK Landl
  • EV Thiersee
  • Tennisclub Thiersee
  • Wuzzl Tenne (größter Tischfußballverein Tirols)[2]
  • Tri & Run Thiersee

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

Thiersee ist vor allem durch die Land- und Forstwirtschaft, sowie den Tourismus geprägt. Touristisch stehen dabei der Badesee und das umliegende Naherholungs- und Ausflugsgebiet sowie die Passionsspiele im Vordergrund. Viele Thierseer pendeln nach Kufstein und generell ins Inntal aus. Einer der ältesten Betriebe in Thiersee ist die Aduis GmbH[3], die 1962 als Tischlerei gegründet wurde und heute als Versandunternehmen im Bereich Bastelbedarf tätig ist.

Die Gemeinde ist Mitglied des Tourismusverbandes Kufsteinerland.

FeuerwehrenBearbeiten

  • Vorderthiersee
  • Mitterland
  • Landl
  • Hinterthiersee

PolitikBearbeiten

Bürgermeister ist Hannes Juffinger, Vizebürgermeisterin Silvia Schellhorn

Bürgermeister seit 1900Bearbeiten

  • 1900–1913 Georg Marksteiner, Bauer zu Hansen
  • 1913–1914 Andreas Mairhofer, Bauer zu Gschwendt
  • 1914–1919 Georg Marksteiner, Bauer zu Hansen
  • 1919–1936 Johann Mairhofer, Bauer zu Ried
  • 1936–1938 Johann Juffinger, Bauer zu Birchmoos
  • 1938–1945 Michael Ellinger, Bauer und Bäcker
  • 1945–1947 Anton Mairhofer, Wagner
  • 1947–1965 Georg Marksteiner, Bauer zu Hansen
  • 1965–1974 Johann Hornbacher, Bauer am Langhof
  • 1974–1998 Johann Paukner, Betonfacharbeiter
  • 1998–2004 Johann Pirchmoser, Sägewerker
  • seit 2004 Hannes Juffinger, Angestellter[4]

WappenBearbeiten

Auf dem 1973 der Gemeinde verliehenen Wappen weisen zwei Lanzen auf das Passionsspiel hin.

PersönlichkeitenBearbeiten

EhrenbürgerBearbeiten

  • Otto von Habsburg (1912–2011), Kaisersohn
  • Michael Wieser (1931–2009), Pfarrer von Thiersee (Ehrenbürgerschaft 2012 aberkannt)[5]
  • 1999: Helmut Wlasak (1930–2012), Kammerschauspieler
  • 1999: Johann Paukner, Bürgermeister (1974–1998)

Weitere PersönlichkeitenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Thiersee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistik Austria: Bevölkerung am 1.1.2019 nach Ortschaften (Gebietsstand 1.1.2019), (CSV)
  2. Wuzzl Tenne Tischfußballverein aus Thiersee im Unter-Inntal in Tirol
  3. Aduis
  4. Bürgermeister ab 1900, Gemeinde Thiersee, abgerufen am 23. Februar 2020.
  5. Kleine Zeitung (Kärnten) (22. 6. 2012), S. 12.
  6. Jakob Sieberer, Themenportal 1809, abgerufen am 23. Februar 2020. Jakob-Sieberer-Schützenkompanie Landl, Bund der Tiroler Schützenkompanien, abgerufen am 23. Februar 2020.