Stormé DeLarverie

US-amerikanische Künstlerin und LGBT-Aktivistin (1920–2014)

Stormé DeLarverie [ˈstɔrm ˈdeɪlɑviːjeɪ] (* circa 24. Dezember 1920 in New Orleans; † 24. Mai 2014 in Brooklyn) war eine US-amerikanische Künstlerin und LGBT-Aktivistin. Sie wurde zunächst als Dragking in einer in den 1950er und 1960er Jahren landesweit populären Revue bekannt, dies gilt als wichtige Episode in der Geschichte der amerikanischen Drag-Szene. Im selben Zeitraum verbreitete sich der von ihr im Privatleben bevorzugte androgyne Kleidungsstil in ihrer Heimatstadt New York City, was als eines der ersten frühen Beispiele für eine wachsende Beliebtheit geschlechtsneutraler Kleidung in den Vereinigten Staaten betrachtet wird. Darüber hinaus gelten DeLarveries Festnahme in der Nacht des 28. Juni 1969 und ihre Reaktion darauf als einer der Hauptauslöser für den Aufstand in Stonewall, obgleich dies aufgrund sehr unterschiedlicher Angaben zu den Ereignissen umstritten ist. Gleich ihrer Rolle in Stonewall setzte sich DeLarverie seitdem verstärkt für LGBT-Personen ein, unter anderem durch regelmäßige Rundgänge im Greenwich Village zum Schutz der dortigen queeren Personen, vor allem der lesbischen Frauen. Aus diesem Grund wurde DeLarverie zu Lebzeiten als „Rosa Parks der US-amerikanischen LGBT-Gemeinschaft“ bezeichnet.

Frühe JahreBearbeiten

 
Ihre unkonventionelle Art führte DeLarverie bereits in jungen Jahren an Orte wie die Radio City Music Hall.

Stormé DeLarverie wurde 1920 in New Orleans geboren. Ihre afroamerikanische Mutter war als Hausangestellte für einen wohlhabenden weißen Mann tätig, den sie später heiratete. Weil Mischehen zur damaligen Zeit illegal waren, erhielt DeLarverie nie eine Geburtsurkunde und wusste deshalb ihren genauen Geburtstag nicht, den sie stattdessen stets an Heiligabend feierte.[1] In ihrer Kindheit sah sich DeLarverie massiven Anfeindungen Gleichaltriger sowohl weißer als auch afroamerikanischer Herkunft ausgesetzt. So musste sie nach einer Prügelei eine Beinschiene tragen und erlitt eines Tages eine Verletzung am anderen Bein, die eine Narbe hinterließ, als sie an einem Zaunpfahl aufgehängt wurde. Deswegen entschloss sich ihr Vater schließlich, sie zu ihrer eigenen Sicherheit für einige Jahre auf eine Privatschule außerhalb ihrer Wohngegend zu schicken.[2]

Als Jugendliche war DeLarverie Springreiterin im Ringling Brothers Circus, sie beendete diese Tätigkeit nach einem Sturz vom Pferd, bei dem sie sich mehrere Knochenbrüche zuzog. Im Alter von 18 Jahren spürte DeLarverie, dass sie lesbisch war, und zog nach Chicago, weil sie befürchtete, im Süden wegen ihrer Homosexualität ermordet zu werden. In ihren späten Teenagerjahren begann sie zudem eine Karriere als Alt-Jazz-Interpretin, wobei sie den Künstlernamen Stormy Dale annahm, dabei etablierte sich Stormy als allgemein gültige Aussprache ihres Vornamens, obwohl bei diesem das é eigentlich stumm war. Ab 1939 war DeLarverie Sängerin in verschiedenen Jazz- und Swing-Bigbands,[2] mit einigen tourte sie gelegentlich durch Europa. Neben dieser Tätigkeit verdiente DeLarverie nach eigener Aussage ihr Geld in Chicago als Personenschützerin für Mafiosi.[1] Anfang der 1940er Jahre lernte DeLarverie eine Tänzerin namens Diana kennen, mit der sie fortan in einer Beziehung lebte. Sie zogen einige Jahre später zusammen nach New York City, wo DeLarverie offen als lesbische Frau lebte. In Chicago hatte sie sich aus Angst vor homophoben Angriffen in der Öffentlichkeit als heterosexueller Mann ausgegeben, was ihr unter anderem durch ihren Kurzhaarschnitt und das Tragen von Anzügen gelang[3], daneben benutzte DeLarverie laut Freunden im Alltag verschiedene Anreden, wobei allerdings aufgrund widersprüchlicher Informationen darüber nicht klar ist, ob DeLarverie bestimmte Geschlechtspronomen bevorzugte.[4]

1946 traf DeLarverie während einer Tournee in Miami Danny Brown und Doc Brenner, mit denen sie sich anfreundete.[3] Die beiden aus New York stammenden Männer waren Produzenten und Mitglieder der Drag-Revue Danny’s Jewel Box, die seit 1938 im gesamten Land auftrat, unter anderem oft in Denver und Seattle, wobei sie das Ziel hatten, Drag, der damals einen Nischenplatz im Varieté einnahm, zu einer großen, humorvollen Bühnenshow und respektierten Kunstform zu machen.[5] Sie baten DeLarverie deswegen aufgrund ihrer Erfahrung im Showgeschäft um Hilfe bei der Organisation ihrer Aufführung. DeLarverie bot sich schließlich als Dragking für die beiden an, obwohl ihr im Bekanntenkreis davon abgeraten wurde, weil dies schlecht für ihren Ruf sei. Sie wollte zunächst nur sechs Monate lang in der Revue arbeiten,[2] allerdings entschloss sie sich, weil ihr Stil bei den Zuschauenden außerordentlich gut ankam, dort zu bleiben und auch bei den Auftritten ihrer Jazz- und Swing-Bands in Männerkleidung auf der Bühne zu stehen. Dadurch steigerte sich ihre Beliebtheit beim Publikum, was ihren Gruppen ermöglichte, an berühmten Veranstaltungsorten wie der Radio City Music Hall oder dem Copacabana aufzutreten.[6]

Jewel Box RevueBearbeiten

DeLarveries Zeit in der RevueBearbeiten

Stormé DeLarverie zusammen mit drei Dragqueens der Revue aus dem Bestand des Schomburg Center for Research in Black Culture
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Von 1955 bis 1969 tourte DeLarverie als Showmasterin, musikalische Direktorin, gelegentliche Inspizientin und einziger Dragking der bei queeren und heterosexuellen Personen gleichermaßen populären Jewel Box Revue, die sich aus der Danny’s Jewel Box entwickelt hatte, zusammen mit 25 Dragqueens durch die Vereinigten Staaten, wobei Familien mit Kindern zu den häufigsten Besuchenden zählten.[2] DeLarverie nannte sich allerdings selbst nicht Dragking, sondern bevorzugte die Bezeichnung male impersonator, also männlicher Imitator.[7]

Während der Aufführungen, bei denen DeLarverie selbst als Sängerin auftrat und Lieder wie St. Louis Blues von Bessie Smith oder A Sunday Kind of Love von Claude Thornhill darbot, wurden die Zuschauenden stets dazu aufgerufen, die einzige Künstlerin im Ensemble zu erraten, was durch DeLarveries maskulines Erscheinungsbild, beispielsweise Maßanzüge mit Fliege und falsche Schnurrbärte, fast nie gelang. Am Ende jeder Vorstellung gab sich DeLarverie schließlich unter dem Applaus des Publikums während des Lieds A Surprise with a Song als Frau zu erkennen.[8]

 
DeLarverie zählte Showgrößen wie Sammy Davis, Jr. zu ihrem Freundeskreis.

Die Jewel Box Revue war das erste US-amerikanische Drag-Kabarett, in dem weiße und Travestiekünstler anderer Herkunft gemeinsam auftraten. Meistens fanden drei bis vier Vorstellungen der Gruppe an einem Abend statt, vorzugsweise in frequentierten Nachtclubs und anderen Örtlichkeiten in New York City, aber auch in weiteren Großstädten. Ein häufiger Veranstaltungsort war das Apollo Theater in Harlem; die Revue trat zudem öfter in der Radio City Music Hall und dem Copacabana auf, in die DeLarverie bereits mit ihren Bands eingeladen wurde.[6] Bei allen Vorstellungen der Revue waren nicht-weiße Zuschauende zugelassen – eine absolute Seltenheit während der Rassentrennung in den Vereinigten Staaten.[9] Ein weiterer Grund für die große Beliebtheit der Revue vor allem bei afroamerikanischen, queeren Personen war die Ähnlichkeit von DeLarveries maskuliner Bühnenfigur zu berühmten Butches, die während der Harlem Renaissance am Theater aufgetreten waren.[10]

Eine Frau, die als Kind regelmäßig Jewel Box-Aufführungen besuchte, lieferte 2020 gegenüber National Public Radio eine weitere Erklärung für deren damalige Popularität. Die Vorstellungen seien „erstklassig und umwerfend“ gewesen, weil es keine Budget-Obergrenze gab. DeLarverie und ihre Kollegen seien in hochwertigen Kostümen sowie vor aufwendigen Bühnenbildern aufgetreten, hätten mitunter exotische Tiere wie Zebras für ihre Vorstellungen benutzt, ihre Gesangs- und Tanzkünste seien außergewöhnlich gut gewesen. Die Gruppe suche auch heutzutage ihresgleichen und lasse sich am besten mit aktuellen Drag-Künstlern wie RuPaul vergleichen. Laut Lisa Cannistraci, einer Bekannten DeLarveries, hätte diese sich durch die Drag-Auftritte zudem persönlich entfalten können, weil sie zwar schon in New Orleans als Sängerin aufgetreten war, dabei aber Kleider, Perlenketten sowie einen Bob tragen musste, was ihr nicht behagte.[3] Als prominentes Gesicht der Revue traf DeLarverie auf zahlreiche bekannte Kunstschaffende der Ära, mit denen sie Freundschaften schloss, beispielsweise Sammy Davis, Jr.[11] sowie ihre persönliche Vorbilder Dinah Washington und Billie Holiday.[2]

 
Billie Holiday war DeLarverie nicht nur eine Freundin, sondern auch ein Vorbild.

Im Herbst 1969 zog sich DeLarverie nach dem Tod ihrer langjährigen Lebensgefährtin weitestgehend aus dem Unterhaltungsgeschäft zurück und bestritt ihren Lebensunterhalt stattdessen als Personenschützerin für wohlhabende Familien. Im selben Jahr engagierte sie sich erstmals für die LGBT-Gemeinschaft, indem sie einer Organisation für die Rechte queerer Personen beitrat und für Lesbenbars wie Cubbyhole als Türsteherin und Sicherheitsbeamtin arbeitete.[3]

John Reddick, ein Historiker mit Schwerpunkt auf der Geschichte Harlems, erläuterte gegenüber National Public Radio, dass das Spiel mit Geschlechterrollen in afroamerikanischer Kunst altbekannt sei. Ein berühmtes Beispiel neben DeLarverie war Moms Mabley, eine ebenfalls lesbische, zur selben Zeit am Apollo Theater aktive Schauspielerin, die bei Auftritten oft Männerkleidung trug. Allerdings bedeute dies nicht, dass die Gesellschaft der 1950er und 1960er Jahre tolerant gegenüber offen queeren Kunstschaffenden, die Cross-Dressing betrieben, war. Im Theater sei diese Kleidungsweise zwar akzeptiert worden, ansonsten war sie in vielen Städten im Land illegal. Bei derartigen Auftritten sei die Sexualität der Betroffenen in den Hintergrund gerückt, den Zuschauenden ging es vor allem um Unterhaltung durch die Maskerade. Das Publikum habe das Geschlecht der Darstellenden genau gewusst, selbst wenn es etwas anderes vorgab.[3] Stormé DeLarverie kam Jahre nach ihrer Zeit in der Revue zu einem ähnlichen Fazit, sie hätte sie sich in Männerkleidung nicht anders verhalten oder bewegt. Das Publikum habe im Bezug auf ihre Geschlechtsidentität das gesehen und geglaubt, was es eben sehen und glauben wollte.[2]

Bedeutung der Revue in der US-amerikanischen DragszeneBearbeiten

 
Das Apollo Theater, in dem DeLarverie und ihre Drag-Revue trotz Vorbehalten von außerhalb gern gesehene Gäste waren.

Da bis zu diesem Zeitpunkt meistens nur Dragqueens im kleinen Kreis mit begrenzten finanziellen Mitteln auftraten, gelten DeLarveries Tournee-Auftritte als bekannter Dragking in der landesweit beliebten Revue mit hohen Produktionskosten im Nachhinein als wichtiger Aspekt der US-amerikanischen Drag-Geschichte.[12] Diese sei laut Michelle Parkerson, die 1987 einen Dokumentarfilm über DeLarverie drehte, von Dragqueens dominiert, über die Geschichte der frühen Dragkings gäbe es bis auf DeLarveries Auftritte kaum Informationen, Dragqueens seien generell in den Vereinigten Staaten populärer und tiefer in der modernen US-amerikanischen Kultur integriert. Der Grund hierfür liege darin, dass Dragqueens bestimmte Machtregime stärkten, während Dragkings sie durcheinander brachten. Parkersons These wurde von der Geschlechtsforscherin Raewyn Connell sowie der Soziologin Mimi Schippers bestätigt, Dragqueens stellten hegemoniale Weiblichkeit dar, während Dragkings hegemonialer Männlichkeit entgegenwirkten.[13]

Obgleich die Jewel Box Revue in den Vereinigten Staaten und im kleineren Rahmen in Kanada sowie Mexiko erfolgreich war, sah sie sich auch Kritik ausgesetzt, insbesondere durch die afroamerikanische Gemeinschaft. Viele von Afroamerikanern geleitete Spielhäuser weigerten sich in den 1950er Jahren, die Revue dort auftreten zu lassen, Ende der 1960er kam es regelmäßig zu Demonstrationen, wenn DeLarverie und die Dragqueens zu Gast im Apollo Theater waren. Sie waren nach Ansicht der Protestierenden „gesellschaftlicher Abschaum“ und „verschmutzen“ ihre Gemeinschaft. Dies tat der Popularität der Revue aber keinen Abbruch, noch Anfang der 1950er Jahre entstanden nach dem Vorbild der Jewel Box Revue die ebenfalls sehr erfolgreiche Pearl Box Revue, die bis Anfang der 1980er Jahre in den Vereinigten Staaten auf Tournee ging, sowie die Powder Box Revue.[14]

Laut der Anthropologin Esther Newton, die in den Vereinigten Staaten durch ihre Ethnographien schwul-lesbischer Gemeinschaften bekannt wurde, war die Jewel Box Revue mit DeLarverie als Showmasterin neben dem New Yorker Club 82, einem berühmten Drag-Nachtclub, das einzige geläufige Beispiel für eine Örtlichkeit, in der Dragkings tätig waren. Interessanterweise war DeLarverie nach ihrem Ausstieg aus der Jewel Box Revue für einige Zeit im Club 82 eine dieser Künstlerinnen. Daneben erwähnenswert ist David Rosens These in seinem Buch Sin, Sex & Subversion: How What Was Taboo in 1950s New York Became America’s New Normal, wonach die Jewel Box Revue das Musical La Cage aux Folles inspiriert habe, DeLarverie stellte während eines Interviews mit Michelle Parkerson dieselbe Behauptung auf.[15]

KleidungsstilBearbeiten

 
Stormé DeLarverie hatte eine Vorliebe für typische Männerkleidung wie Smokings.

Dank ihrer Erfahrung mit Maske und Kostümierung war DeLarverie auch privat in der Lage, sich als Mann und Frau sowie Weiße und Afroamerikanerin auszugeben.[11] Durch ihre Berühmtheit in der New Yorker LGBT-Szene, selbstbewusste, von vielen Frauen als attraktiv empfundene Ausstrahlung und androgynes Auftreten inspirierte sie wahrscheinlich andere Lesben der Stadt, Männerkleidung zu tragen.[1] Nach eigener Aussage trug DeLarverie bereits in ihren Anfangsjahren in New York Männerkleidung, was ihr dann andere gleichtaten.[9] Zur damaligen Zeit galt dort ein Gesetz, laut dem Personen mindestens drei Kleidungsstücke tragen mussten, die zu ihrem Geburtsgeschlecht passten. DeLarverie hielt sich zunächst an diese Regelung und trug in ihrem Privatleben Frauenkleidung. Allerdings wurde sie dennoch zwei Mal verhaftet, weil sie mit einer Dragqueen verwechselt wurde. Schließlich beschloss sie, sich nur noch maskulin anzuziehen, wofür sie gelegentlich festgenommen wurde, aber kurz darauf wieder freikam. Bei einem Vorfall kritisierte ein Polizist ihre schlecht gebundene Fliege, DeLarverie erwiderte, er solle ihr die richtige Technik zeigen, dieser Forderung kam der Beamte nach, in einem Interview 2001 erinnerte sich DeLarverie an dieses Erlebnis und zeigte sich stolz über ihre Fähigkeiten im Fliegen-Binden.[16]

 
Auch verschiedene Anzug-Arten gehörten zu DeLarveries Garderobe, unter anderem der vor allem in den 1940er Jahren populäre Zoot Suit.

DeLarverie war regelmäßig als Fotomodell für Diane Arbus tätig, die sie in maskuliner Kleidung ablichtete. Durch die Bilder dürfte ihr Stil noch mehr Frauen erreicht haben. Eine dieser Fotografien mit dem Titel Miss Stormé de Larverie, the Lady Who Appears to be a Gentleman, N.Y.C. aus dem Jahr 1961 zeigt DeLarverie im Tweed-Anzug, Stiefeletten und Zigarette in der Hand auf einer Parkbank sitzend. Das Foto wurde von Harper’s Bazaar abgelehnt, weil sich die Zeitschrift weigerte, das Porträt einer lesbischen Cross-Dresserin zu veröffentlichen. Im Jahr darauf war es schließlich zusammen mit anderen Fotografien der Künstlerin in Infinity zu sehen, einer Publikation der American Society of Media Photographers, einem amerikanischen Fotografen-Berufsverband. In einem dazugehörigen, von ihr selbst verfassten Kommentar schrieb Arbus, dass DeLarverie ihr gegenüber ironisch anmerkte, es schwerer als andere Personen zu haben, schließlich sei sie neben ihrer Identität als Mulattin auch noch nicht-heterosexuell. Nach Arbus' Ansicht sei DeLarveries vollkommene Akzeptanz von und Gefallen an ihrer eigenen Andersartigkeit das interessanteste an ihr.[17]

Miss Stormé de Larverie, the Lady Who Appears to be a Gentleman, N.Y.C. war in mehreren Arbus-Retrospektiven zu sehen, unter anderem im Metropolitan Museum of Art 2016. Amy Arbus, die Tochter der Fotokünstlerin, beschrieb die Fotografie in einem Artikel der Time im selben Jahr als freundliche, sanfte sowie schlichte Erkundung einer offenen, ehrlichen und leicht verträumten Seele. DeLarverie betrachte Arbus fasziniert, was auf Gegenseitigkeit beruhe. Auf einer undatierten Fotografie ist DeLarverie in einem Zoot Suit mit Pfeife und Fedora zu sehen, bei einer anderen posiert sie mit drei Mitgliedern der Jewel Box Revue. Diese tragen Roben, DeLarverie hingegen einen Smoking, weiterhin dokumentieren mehrere Fotos DeLarveries Vorliebe für Manschetten und dazugehörige Knöpfe. In späteren Jahren wurde DeLarveries Art, sich zu kleiden als eines der ersten bekannten Beispiele für geschlechtsneutrale Mode in den Vereinigten Staaten bezeichnet, lange bevor sich Unisex-Stile im Mainstream etablierten.[18]

Rolle in StonewallBearbeiten

 
Die Aufstände an und im Stonewall Inn (hier im Jahr 2016 zu sehen) gelten als Wendepunkt in der Geschichte sowohl der US-amerikanischen als auch weltweiten Lesben- und Schwulenbewegung.

HintergrundBearbeiten

In der Nacht des 28. Juni 1969 wurden etliche Cross-Dresser in der Schwulenbar Stonewall Inn in New York im Zuge einer Razzia festgenommen, weil sie die Angabe ihrer Personalien verweigerten.[19] Vor der Bar formierte sich eine stetig wachsende Gruppe bestehend aus herausgelassenen Gästen und Schaulustigen, die aufgrund aggressivem Verhalten der Polizei gegenüber Verhafteten allmählich wütend wurde.[20] Zur vollständigen Eskalation kam es angeblich durch eine sich ihrer Festnahme widersetzenden Frau, die als Cross-Dresserin und typische New Yorker Butch beschrieben wurde. Ein Polizist soll sie wegen einer Bemerkung über ihre eng anliegenden Handschellen mit seinem Schlagstock am Kopf verletzt haben.[21] Daraufhin schlug sie dem Beamten mit der Faust ins Gesicht und forderte die Umstehenden auf zu handeln. Nach ihrer Unterbringung im Streifenwagen kam es zu bis in den Morgen andauernden Schlägereien der wutentbrannten Menge mit der Polizei.[22]

Da nach diesem Vorfall in den Vereinigten Staaten und anderen Ländern erste LGBT-Organisationen, queere Zeitschriften sowie Gay Prides entstanden, gilt Stonewall als Meilenstein der weltweiten Lesben- und Schwulenbewegung.[23] Deshalb wurde DeLarverie, die mehrere Zeugen als diese Frau identifizierten, als „Rosa Parks der US-amerikanischen LGBT-Gemeinschaft“ bezeichnet.[24] Allerdings ist diese Behauptung aufgrund stark variierenden Zeugenaussagen und Presseberichten zum Ereignis nicht eindeutig erwiesen. Die aufgeheizte Stimmung soll laut mehreren Personen durch eine einzige Frau eskaliert sein, die sich vor der Bar ihrer Verhaftung widersetzte.[25] Nach anderen wehrten sich mehrere, teils verletzte Butches noch in der Bar gegen ihre Festnahme.[26] Der Zeuge Craig Rodwell bestätigte, dass eine Butch durch einen Faustschlag und ihre Festnahme die Anwesenden zu einer Reaktion animierte. Jedoch sei dies nur einer von vielen gleichzeitigen Vorfällen gewesen, durch den die Stimmung umschlug.[27]

 
Banner auf der Europride in Wien 2019 (Aufschrift sinngemäß Jeder weiß, dass die schwarze Lesbe Stormé die Auslöserin von Stonewall war)

Konkrete Angaben zu DeLarveries angeblicher Rolle als AuslöserinBearbeiten

Pro DeLarverieBearbeiten

DeLarveries genaue Rolle in Stonewall ist aufgrund der verschiedenen Aussagen unklar. So soll sie die Menge bei ihrer Verhaftung gefragt haben, warum sie ihr nicht helfe, worauf eine Dragqueen den Anstoß zu den Kämpfen mit der Polizei gab.[28] Andere behaupteten, dass ein Beamter sie mit seinem Schlagstock verletzte, weil sie einem am Boden liegenden Mann helfen wollte. Nachdem sie den Polizisten darauf mit der Faust schlug, lieferten sich die Anwesenden mit den Beamten bis in den Morgen hinein etliche Kämpfe.[29] Nach dem Augenzeugen Freddie Wright wurde DeLarverie in der Bar verhaftet, weil sie einen Beamten schlug, der sie homophob beleidigte. Durch ihren lautstarken Protest dagegen konfrontierten zunächst die Umstehenden und schließlich auch die außen stehenden Personen die Polizei.[30]

Kontra DeLarverieBearbeiten

Laut der Autorin Gayle E. Pitman war DeLarverie am 28. Juni gar nicht anwesend, stattdessen sei Marilyn Fowler die Stonewall Lesbian, die zu Beschreibungen passe und in einem Polizeibericht namentlich erwähnt wurde.[31] Allerdings ergaben Recherchen des Historikers Jonathan Ned Katz, dass Augenzeugen weder Fowler noch DeLarverie für die Frau hielten, dies deckte sich mit der Meinung von Jim Fourrat, der beide persönlich kannte und der gegenüber Lillian Faderman erklärte, dass keine die Auslöserin war.[32] Der Sachbuchautor David Carter teilte diese Auffassung, unter anderem passten weder DeLarveries Körpergröße noch ihr Alter auf die Stonewall Lesbian, ihre inkonsistenten Angaben zum Schlag stimmten nicht mit Polizeiberichten überein, zudem gäbe es keine Hinweise auf ihre Beteiligung an Stonewall.[33]

DeLarveries eigene BehauptungenBearbeiten

DeLarverie selbst bezeichnete sich auf Nachfragen zu Stonewall in der Öffentlichkeit vage als Überlebenskünstlerin, die anderem beim Überleben half.[34] Allerdings erwähnte sie privat ihre mutmaßliche Rolle als Stonewall Lesbian gegenüber Freunden.[1] Gegenüber dem Sachbuchautor Charles Kaiser bestritt DeLarverie zwar, die alleinige Auslöserin für die Aufstände gewesen zu sein, bestätigte aber ihren Faustschlag gegen einen Polizisten, worauf sich zumeist junge queere Personen endlich gegen seit Jahren gegen sie verübte polizeiliche Schikanen gewehrt hätten.[35] In der Lesben-Zeitschrift Curve erklärte DeLarverie 2008 erstmals in einer großen Publikation, die Stonewall Lesbian gewesen zu sein. Sie habe sich nie groß zu dieser Rolle bekannt, weil es niemanden etwas angehe.[6] Im Jahr 2010 behauptete DeLarverie in der The New York Times erst, nicht von der Polizei verletzt worden zu sein, erwähnte wenig später aber erneut den Faustschlag als Reaktion auf eine Kopfverletzung durch einen Polizisten.[36]

Weiterer AktivismusBearbeiten

DeLarverie setzte sich als Mitglied der Stonewall Veterans' Association für die LGBT-Gemeinschaft ein, der vor allem Personen angehören, die die Vorkommnisse in Stonewall persönlich miterlebten. Die Organisation, die bereits kurz nach Stonewall am 11. Juli 1969 gegründet wurde, hat die Hauptziele, bedürftige queere Personen, insbesondere Senioren, finanziell zu unterstützen sowie die Öffentlichkeit in den Vereinigten Staaten über historische und aktuelle LGBT-Thematiken aufzuklären. DeLarverie war für die Gruppierung von 1969 bis 2010 als Vorsitzende des Sicherheitsdienstes, Mitglied des Leitungsgremiums, Botschafterin und zusätzlich von 1998 bis 2000 Vizepräsidentin tätig.[37]

 
Stormé DeLarverie sorgte dafür, dass queere Personen ohne Angst vor Angriffen jeglicher Art im Greenwich Village unterwegs sein konnten.

Während der AIDS-Epidemie in den 1980er Jahren wurde DeLarverie in einem Restaurant von Patrick Merry, dem Organisator des Freiwilligendienstes im St. Luke’s Hospital in Manhattan, um eine Spende in Höhe von fünf Dollar gebeten, damit schwer kranke AIDS-Patienten, die wahrscheinlich das nächste Fest nicht mehr erleben würden, zu Weihnachten beschenkt und ihren Angehörigen Geschenke besorgt werden konnten. DeLarverie verließ daraufhin das Lokal, kam einige Stunden später mit 2.000 Dollar zurück und versprach, am nächsten Tag noch mehr Geld mitzubringen.[38]

Im selben Jahrzehnt setzte DeLarverie ihre Arbeit als Türsteherin und Sicherheitsbeamtin fort; neben der Örtlichkeit Rubyfruit[11] war sie neben anderen LGBT-Bars weiterhin für Cubbyhole tätig. Dort jobbte ab 1985[39] die Studentin Lisa Cannistraci als Barkeeperin; 1990 erwarb sie die Bar, als sie geschlossen werden sollte, und eröffnete sie ein Jahr später unter dem neuen Namen Henrietta Hudson wieder. Zudem wurde sie eine gute Freundin DeLarveries, die bis zu ihrem 85. Lebensjahr für Cannistraci arbeitete. DeLarverie pflegte auch mit zahlreichen LGBT-Personen, oft Bargästen, die teilweise mehrere Jahrzehnte jünger waren als sie und von ihr als „babies“ oder „children“ bezeichnet wurden, Freundschaften. Weiterhin trat DeLarverie trotz ihres Rückzugs aus der Unterhaltungsbranche noch als Sängerin und Showmasterin auf zum Teil von ihr selbst organisierten LGBT- und Benefiz-Veranstaltungen auf, unter anderem für Frauen und Kinder, die Opfer von häuslicher Gewalt geworden waren. Auf die Frage, warum sie in ihrem hohen Alter noch für diese Gruppe aufträte, antwortete sie, dass sich schließlich jemand kümmern müsse, sie selbst wäre als in den Südstaaten aufwachsendes Kind einer afroamerikanischen Mutter im frühen 20. Jahrhundert nicht mehr am Leben, wenn sich damals niemand um sie gekümmert hätte. DeLarverie moderierte darüber hinaus den jährlich stattfindenden The Gay Bar People’s Ball, eine populäre nächtliche Veranstaltung, bei der bedeutende Persönlichkeiten des LGBT-relevanten Nachtlebens der Stadt New York auftraten und Auszeichnungen erhielten.[6]

Des Weiteren absolvierte DeLarverie jahrelang Kontrollgänge auf den Straßen Manhattans, weswegen sie in der Gemeinschaft als „Beschützerin der Lesben“ im Greenwich Village bezeichnet wurde.[40] Während ihrer Rundgänge trug sie sowohl mehrere Schusswaffen[41] als auch ein verstecktes Rasiermesser[36] bei sich und lief vor allem durch die Seventh und Eighth Avenue in Lower Manhattan sowie das West Village. Sie bewachte die dortigen in der LGBT-Gemeinschaft beliebten Viertel und Bars, indem sie nach „ugliness“ (deutsch Hässlichkeit) Ausschau hielt, ihre Bezeichnung für gegen queere Personen gerichtete körperliche oder verbale Angriffe.[1]

Späte Jahre und TodBearbeiten

 
Das Chelsea Hotel war bis 2010 DeLarveries langjähriger Wohnort.

Stormé DeLarverie im Alter von 74 Jahren aus dem Archiv der The New York Times
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DeLarverie lebte mehrere Jahrzehnte lang im New Yorker Chelsea Hotel. Als ihr 1999 der Rauswurf drohte, weil sie die steigende Miete nicht bezahlen konnte, wurde sie von der Services & Advocacy for GLBT Elders, kurz SAGE, einer New Yorker Organisation für LGBT-Senioren, finanziell unterstützt, ein SAGE-Mitarbeiter half ihr seitdem wegen ihres hohen Alters bei Alltagstätigkeiten. Gegen Ende der 2000er Jahre litt DeLarverie zunehmend an den Begleiterscheinungen ihrer Demenz, weswegen sich Zimmernachbarn sowie Gäste und Angestellte des direkt neben dem Hotel liegenden Restaurants East of Eighth unentgeltlich um sie kümmerten, indem sie ihr unter anderem bei der Nahrungsaufnahme halfen. Zudem unterstützten sie diese Personen, als sie wegen geplanter Sanierungsarbeiten erneut ihren Wohnsitz zu verlieren drohte. Langjährigen Mietern wie DeLarverie wurde es schließlich gestattet, während der Arbeiten im Hotel zu bleiben.[38]

Stormé DeLarverie im Alter von 89 Jahren aus dem Archiv der The New York Times
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Im März 2010 wurde DeLarverie von einer Bekannten und Nachbarin nach einem Sturz in ihrem Hotelzimmer desorientiert angetroffen. Weil DeLarverie stark zitterte und dehydriert war, wurde sie in das St. Vincent’s Hospital eingeliefert. Da DeLarverie weder lebende Verwandte noch eine Lebenspartnerin hatte, wurde die Jewish Association for Services for the Aged (kurz JASA), ein städtisches Pflege- und Hilfsprogramm für Senioren, per Gerichtsbeschluss zu ihrem gesetzlichen Vertreter bestimmt. Während DeLarveries Genesung schloss das Krankenhaus infolge eines Bankrotts; DeLarverie wurde in das Pflegeheim Oxford Nursing Home in Brooklyn eingewiesen. Kurze Zeit darauf wurde sie von einer Redakteurin der AfterEllen interviewt, die sich in ihrem Bericht schockiert über das nach ihrer Beschreibung heruntergekommene Heim zeigte, das eher einer Anstalt gleiche. Während des Gesprächs glaubte DeLarverie, noch im Chelsea Hotel zu leben, konnte aber trotzdem Erinnerungen an ihre frühen Jahre, Stonewall und ihr nahestehende Personen korrekt wiedergeben.[6] Bereits einige Wochen davor sorgten sich mehrere Personen um DeLarverie, weil sie, für sie äußerst ungewöhnlicherweise, nicht beim NYC Pride March erschienen war. Aus diesem Grund wollte sich ein Reporter der The New York Times über ihren Zustand vergewissern. DeLarverie hatte sowohl das Datum der Pride Parade als auch ihr Alter vergessen und dachte, schon seit Jahren im Pflegeheim zu leben. In derselben Publikation beklagte sich Cannistraci über die LGBT-Gemeinschaft, der DeLarverie gleichgültig sei. Dies sei unter anderem dem jungen Alter der heutigen LGBT-Aktivisten geschuldet, die DeLarverie nicht kannten; es gebe kaum noch jemanden, dem sie ein Begriff sei.[36]

Nach DeLarveries Einweisung ins Pflegeheim zeigten sich ihre Freunde beunruhigt, weil ihr selbst kurze Spaziergänge im Freien und in Begleitung nicht erlaubt wurden. Leah Ferster, Mitglied im JASA-Vorstand, behauptete, dass DeLarveries Gesundheitszustand Außenaufenthalte oft nicht erlaube, jedoch wäre sie gern bereit, zusammen einen Plan zu entwerfen, um DeLarverie für ein paar Stunden täglich nach draußen gehen zu lassen; SAGE bot DeLarveries Freundeskreis ähnliche Gespräche an. Cannistraci und Michele Zalopany (eine weitere Bekannte DeLarveries) zeigten sich über die angeblich unzureichende Kommunikation der beiden Organisationen allerdings frustriert.[6]

Ein Freund DeLarveries schlug vor, sie ins Lillian Booth Actors Home in Englewood bringen zu lassen, einer betreuten Wohneinrichtung für Künstler. Er fragte deshalb die Unterstützung des aus Englewood stammenden Vertreter New Jerseys im Repräsentantenhaus Steve Rothman sowie Dennis McNerney, Vorsteher des Bergen County, an, was aber zu nichts führte.[24] Cannistraci und Zalopany wandten sich schließlich gegen Ende 2010 an eine Redakteurin der LGBT-Publikation GO, weil diese für den New Yorker Abgeordneten im Repräsentantenhaus Jerrold Nadler gearbeitet hatte. Cannistraci und Zalopany wollten DeLarverie in das modernere Pflegeheim Consumer Action Bed-Stuy Nursing Home mit mehr Angestellten und Freizeitangeboten für die Bewohner bringen lassen, in dem bereits eine langjährige Bekannte DeLarveries wohnte. Nadler vermittelte die beiden an den Anwalt Peter J. Strauss, mit dessen Beistand sie schließlich die Vormundschaft für DeLarverie erhielten und sie in das andere Heim verlegen ließen.[41][11]

 
Michelle Parkerson interviewte DeLarverie 1987 über ihre Zeit im Showgeschäft.

DeLarverie starb am 24. Mai 2014 im Schlaf in ihrem Pflegeheim in Brooklyn an einem Herzinfarkt.[1] Ihre Trauerfeier und Beerdigung fanden fünf Tage später unter großer Anteilnahme im Greenwich Village Funeral Home statt.[42]

WürdigungenBearbeiten

1987 veröffentlichte die Filmemacherin Michelle Parkerson ihren Dokumentar-Kurzfilm Storme: Lady of the Jewel Box über DeLarveries künstlerische Karriere, wobei der Fokus vor allem auf ihre Zeit in der Jewel Box Revue liegt. Der Film war im selben Jahr unter anderem bei der Berlinale in der Sektion Panorama sowie dem Frameline Filmfestival zu sehen.[43] 2001 erschien über DeLarverie im LGBT-Nachrichtenmagazin In the Life ein Beitrag mit dem Titel A Stormé Life.[44] Die Produktion Stormé des Dokumentarfilmers und Fotografen Sam Bassett wurde nach ihrer Uraufführung in New York im Jahr 2008 am 11. Juli 2010 in der Webster Hall, einem Nachtclub im East Village, gezeigt.[45]

2000 erhielt DeLarverie von SAGE den Gay Lifetime Achievement Award. Am 1. Mai 2005, anlässlich des 40. Jahrestag einer Demonstration queerer Aktivisten gegen die Entlassung homosexueller Angestellter vor der Independence Hall in Philadelphia, die einige Historiker als Geburtsstunde der modernen Lesben- und Schwulenbewegung in den Vereinigten Staaten bezeichnen, ernannte die städtische Organisation Equality Forum DeLarverie neben 39 weiteren Personen zur LGBT-Heldin.[46]

 
Stormé DeLarverie ist seit 2019 zusammen mit anderen bedeutenden queeren Persönlichkeiten auf einer Gedenkwand im Stonewall Inn verewigt.

Am 7. Juni 2012 ehrte die New Yorker LGBT-Non-Profit-Organisation Brooklyn Pride, Inc DeLarverie für ihren lebenslangen Aktivismus im Gebäude der sozialen Vereinigung Brooklyn Society for Ethical Culture; zu diesem Anlass wurde dort Storme: Lady of the Jewel Box aufgeführt. Am 24. April 2014 zeichnete das LGBT-Gemeinschaftszentrum Brooklyn Community Pride DeLarverie und Edith Windsor für ihre „Furchtlosigkeit und Tapferkeit“ aus. Im selben Jahr erhielt DeLarverie einige Wochen vor ihrem Tod von Letitia James, der New York City Public Advocate, eine offizielle Anerkennung ihrer Verdienste für die US-amerikanische LGBT-Gemeinschaft.[47]

Im Juni 2019 gehörte DeLarverie neben ihren damaligen Mitstreiterinnen Marsha P. Johnson und Sylvia Rivera sowie anderen bedeutenden LGBT-Aktivisten wie James Baldwin, Vito Russo und Bayard Rustin zu den ersten 50 Personen, die als „Pioniere, Vorreiter und Helden“ auf der National LGBTQ Wall of Honor, einer Gedenkwand im Stonewall Inn, verewigt wurden.[48] Die Wand wurde in der Bar, deren umliegendes Viertel 2016 zum National Monument erklärt wurde, anlässlich des 50. Jahrestags der Aufstände enthüllt.[49]

Am 22. Oktober 2020 feierte die Dokudrama-Serie Equal, in der es um die Anfänge der Lesben- und Schwulenbewegung in den Vereinigten Staaten geht, ihre Premiere auf HBO Max Darin wird DeLarverie von der Schauspielerin Elizabeth Ludlow dargestellt.[50]

Am 26. Februar 2021 verabschiedete der US-amerikanische Kongress eine von Barbara Lee initiierte Resolution. Durch diese wurden anlässlich des Black History Month die Leistungen und Beiträge etlicher queerer, afroamerikanischer Personen zum Wohle der Gesellschaft in den Vereinigten Staaten offiziell vom Kongress anerkannt und gewürdigt. Zu diesen Personen gehörte unter anderem neben Alvin Ailey, Glenn Burke, Patrisse Cullors und Alicia Garza auch DeLarverie.[51]

LiteraturBearbeiten

  • Carter, David: Stonewall: The Riots that Sparked the Gay Revolution. St. Martin’s Press, Manhattan 2004, ISBN 0-312-20025-0, S. 142–153.
  • Coleman, Bud: The Jewel Box Revue: America's Longest-Running, Touring Drag Show. Theatre History Studies, Tuscaloosa 1997, S. 79–92.
  • Duberman, Martin: Stonewall. Penguin Books, London 1993, ISBN 0-525-93602-5, S. 196–197.
  • Drorbaugh, Elizabeth: Crossing the Stage: Controversies on Cross-Dressing. Routledge, London 1993, ISBN 0-415-06269-1, S. 120–143.
  • Dynes, Wayne R.: Encyclopedia of Homosexuality: Volume II. Routledge, London 2016, ISBN 978-1-317-36812-0, S. 1320.
  • Goethals, George; Sorenson, Georgia; Burns, James MacGregor: Encyclopedia of Leadership. Berkshire Publishing Group, Thousand Oaks 2004, ISBN 978-0-7619-2597-2, S. 1494.
  • Harbin, Billy; Marra, Kim; Schanke, Robert: The Gay and Lesbian Theatrical Legacy: A Biographical Dictionary of Major Figures in American Stage History in the Pre-Stonewall Era. University of Michigan Press, Ann Arbor 2007, ISBN 978-0-472-06858-6, S. 134–136.
  • Kaiser, Charles: The Gay Metropolis: The Landmark History of Gay Life in America. Grove Press, New York City 2007, ISBN 978-0-8021-4317-4, S. 198–201.
  • Laney, Lewis: The Little Book of Pride: The History, the People, the Parades. Ryland Peters & Small, New York City 2020, ISBN 978-1-912983-25-4, Gay Power!
  • Prager, Sarah: Rainbow Revolutionaries: Fifty LGBTQ+ People Who Made History. HarperCollins, New York City 2020, ISBN 978-0-06-294776-5, Stormé DeLarverie.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f William Yardley: Storme DeLarverie, Early Leader in the Gay Rights Movement, Dies at 93. In: The New York Times. 29. Mai 2014, abgerufen am 9. November 2020 (englisch).
  2. a b c d e f Elyssa Goodman: Drag Herstory: A Drag King’s Journey From Cabaret Legend to Iconic Activist. In: Them. 29. März 2018, abgerufen am 9. November 2020 (englisch).
  3. a b c d e Shereen Marisol Meraji, Gene Demby: They Don’t Say Our Names Enough. In: National Public Radio. 27. Juni 2020, abgerufen am 10. Dezember 2020 (englisch).
  4. Morgan M. Page: It Doesn’t Matter Who Threw the First Brick at Stonewall. In: The Nation. 30. Juni 2019, abgerufen am 27. März 2021 (englisch).
    Eileen Myles: The Lady Who Appears to be a Gentleman. In: Harper’s Bazaar. Juni 2019, abgerufen am 27. März 2021 (englisch).
    Tracie Hunte, Alec Hamilton: Gay Rights Activist and Stonewall Rebel Dies at 93. In: New York Public Radio. 28. Mai 2014, abgerufen am 27. März 2021 (englisch).
  5. Roger Simpson: Encyclopedia of Gay Histories and Cultures. Taylor & Francis, London 2013, ISBN 978-1-135-58506-8, S. 158.
  6. a b c d e f Grace Chu: From the Archives: An interview with Lesbian Stonewall Veteran Stormé DeLarverie. In: AfterEllen. 5. Juni 2018, abgerufen am 9. November 2020 (englisch).
  7. Frank DeCaro: Drag Kings Are Ready to Rule. In: The New York Times. 4. März 2021, abgerufen am 4. März 2021 (englisch).
  8. Esther Newton: Margaret Mead Made Me Gay. Duke University Press, Durham 2000, ISBN 978-0-8223-2612-0, S. 63.
    Diane Middlebrook: Suits Me: The Double Life Of Billy Tipton. Houghton Mifflin Harcourt, Boston 1998, ISBN 978-1-86049-763-6, S. 217–218.
    St. Sukie de la Croix: Chicago Whispers: A History of LGBT Chicago before Stonewall. University of Wisconsin Press, Madison 2012, ISBN 978-0-299-28693-4, S. 150.
  9. a b Trish Bendix: Stormé DeLarverie passes away, the community loses a legend. In: AfterEllen. 27. Mai 2014, abgerufen am 10. November 2020 (englisch).
  10. Meredith Heller: Queering Drag: Redefining the Discourse of Gender-Bending. Indiana University Press, Bloomington 2020, ISBN 978-0-253-04565-2, S. 35.
  11. a b c d Krystal Grow: Long Live the Legacy of Storme DeLarverie. In: Vocativ. 27. Juni 2014, abgerufen am 10. November 2020 (englisch).
  12. Mario Graß: New York State of Mind: Spaziergänge durch Manhattan. Books on Demand, Norderstedt 2011, ISBN 978-3-8423-5190-5, S. 128–129.
  13. Katie Horowitz: Drag, Interperformance, and the Trouble with Queerness. Routledge, Oxfordshire 2019, ISBN 978-0-429-83030-3, Kinging.
  14. Bud Coleman: Encyclopedia of Gay Histories and Cultures. Taylor & Francis, London 2013, ISBN 978-1-135-58513-6, Jewel Box Revue.
  15. David Rosen: Sin, Sex & Subversion: How What Was Taboo in 1950s New York Became America’s New Normal. Simon & Schuster, New York City 2016, ISBN 978-1-63144-045-8, Club 82.
    Esther Newton: My Butch Career: A Memoir. Duke University Press, Durham 2018, ISBN 978-1-4780-0272-7, Anthropology of the Closet.
    Janet K. Cutler: Struggles for Representation: African American Documentary Film and Video. Indiana University Press, Bloomington 1999, ISBN 978-0-253-21347-1, S. 168.
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  18. Rachel Tashjian: Style A Brief History of Stormé DeLarverie, Stonewall’s Suiting Icon. In: GQ – Gentlemen’s Quarterly. 27. Juni 2019, abgerufen am 10. November 2020 (englisch).
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    Donn Teal: The Gay Militans. St. Martin’s Press, Manhattan 1971, ISBN 0-312-11279-3, S. 2.
    Charles Kaiser: The Gay Metropolis: The Landmark History of Gay Life in America. Grove Press, New York City 2007, ISBN 978-0-8021-4317-4, S. 198.
  20. David Carter: Stonewall: The Riots that Sparked the Gay Revolution. St. Martin’s Press, Manhattan 2004, ISBN 0-312-20025-0, S. 147–148.
    Kate Schatz: Rad American History A-Z: Movements and Moments That Demonstrate the Power of the People. Ten Speed Press, Berkeley 2020, ISBN 978-1-984856-84-5, S. 118.
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    Kevin Leo Yabut Nadal: Queering Law and Order: Lgbtq Communities and the Criminal Justice System. Rowman & Littlefield, Lanham, 2020, ISBN 978-1-79360-107-0, S. 18.
    Rita Santos: Beyond Gender Binaries: The History of Trans, Intersex, and Third-Gender Individuals. Rosen Publishing, New York City 2018, ISBN 978-1-5383-8126-7, S. 70.
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    Kathleen LaFrank: National Historic Landmark Nomination. National Park Service (1999), S. 20. (PDF)
  24. a b Jim Luce: Gay Community’s Rosa Parks Faces Death, Impoverished and Alone. In: Huffpost. 12. Juli 2010, abgerufen am 10. November 2020 (englisch).
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  27. Martin Duberman: Stonewall. Penguin Books, New York City 1993, ISBN 0-452-27206-8, S. 197.
    Robin Stevenson: Pride: The Celebration and the Struggle. 2. Auflage. Orca Book Publishers, Victoria 2020, ISBN 978-1-4598-2126-2, Proud Moments.
  28. Martin Aston: Breaking Down the Walls of Heartache: How Music Came Out. Hachette UK, London 2016, ISBN 978-1-4721-2245-2, The Sixties Gay Party Pop and the RocknRoll Closet.
  29. Tristan Poehlmann: The Stonewall Riots: The Fight for LGBT Rights. Abdo Publishing, Minneapolis 2017, ISBN 978-1-68078-390-2, S. 40–50.
  30. Donald McRae: A Man's World: The Double Life of Emile Griffith. Simon & Schuster UK, London 2015, ISBN 978-1-4711-3237-7, Stonewall.
  31. Gayle E. Pitman: The Stonewall Riots: Coming Out in the Streets. Abrams Books, New York City 2019, ISBN 978-1-68335-567-0, Stormé DeLarverie.
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  32. Lillian Faderman: The Gay Revolution: The Story of the Struggle. Simon & Schuster, New York City 2016, ISBN 978-1-4516-9412-3, S. 679–680.
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    Gloria J. Gibson: Feminism and Documentary: Hrsg.: Diane Waldman, Janet Walker. Band 5. University of Minnesota Press, Minneapolis 1999, ISBN 0-816-63007-0, S. 146.
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  46. Stormé DeLarverie. In: Stonewall Veterans' Association. Abgerufen am 13. März 2021 (englisch).
  47. Harley Osgood: Stormé DeLarverie (1920–2014). In: Black Past. 30. September 2018, abgerufen am 10. November 2020 (englisch).
  48. Becca Glasser-Baker: National LGBTQ Wall of Honor unveiled at Stonewall Inn. In: Metro New York. 27. Juni 2019, abgerufen am 5. März 2021 (englisch).
  49. Timothy Rawles: National LGBTQ Wall of Honor to be unveiled at historic Stonewall Inn. In: SDLGBTN. 19. Juni 2019, abgerufen am 11. November 2020 (englisch).
  50. Denise Petski: ‘Equal’: Samira Wiley, Anthony Rapp, Cheyenne Jackson Among Cast For HBO Max’s LGBTQ+ Docuseries. In: Deadline.com. 25. August 2020, abgerufen am 25. November 2020 (englisch).
  51. Mey Rude: Congress Honors Trans Politician Andrea Jenkins, Other Black Leaders. In: The Advocate. 26. Februar 2021, abgerufen am 4. März 2021 (englisch).

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