Hauptmenü öffnen

Qasigiannguit [qaˌsiɣiˈaŋːuitˢʰ] (nach alter Rechtschreibung K'asigiánguit; dänisch Christianshåb) ist eine grönländische Stadt im Distrikt Qasigiannguit in der Kommune Qeqertalik.

Qasigiannguit (kleine gefleckte Seehunde)
Christianshåb (Christianshoffnung)
K'asigiánguit
Qasigiannguit aus der Luft (2011)
Qasigiannguit aus der Luft (2011)
Kommune Kommune Qeqertalik
Distrikt Qasigiannguit
Geographische Lage 68° 49′ 9″ N, 51° 11′ 35″ WKoordinaten: 68° 49′ 9″ N, 51° 11′ 35″ W
Qasigiannguit (Grönland)
Qasigiannguit
Einwohner 1.105
(1. Januar 2018)
Gründung 1734
Zeitzone UTC-3

LageBearbeiten

Qasigiannguit liegt an der Westküste der großen Halbinsel Kangilinaaq an der Diskobucht. Die Gegend ist sehr reich an Seen. Der nächstgelegene Ort ist das 19 km nördlichere Ilimanaq.[1]

GeschichteBearbeiten

Die Gegend um Qasigiannguit ist bereits seit etwa 4500 Jahren besiedelt, wie Ausgrabungen aus der Saqqaq-Kultur auf der Insel Qeqertasussuk an der Südküste der Diskobucht zeigen. Der dänische Kaufmann Jacob Severin gründete Qasigiannguit 1734 auf der anderen Seite der Bucht Umiarsualivik, an der der Ort heute liegt. Damit ist die Stadt der zweitälteste Ort Grönlands. Die ursprüngliche Stelle liegt in der kleinen Seitenbucht Illukut (Bryghusbugt), wo heute noch Ruinen der alten Siedlung zu finden sind. Jacob Severin benannte den Ort damals nach König Christian VI., der zu dem Zeitpunkt über Dänemark und Norwegen herrschte. 1763 wurde Qasigiannguit wegen der besseren Windverhältnisse einige Hundert Meter nach Norden an die heutige Stelle verlegt.[2]

Bis zur Verwaltungsreform 2009 war Qasigiannguit der Hauptort der Gemeinde Qasigiannguit, zu der lediglich noch Ikamiut gehörte. Anschließend wurden beide Orte in die Qaasuitsup Kommunia eingegliedert und seit 2018 ist Qasigiannguit Teil der Kommune Qeqertalik.[3]

WirtschaftBearbeiten

Im Jahr 1959 wurde in Qasigiannguit eine Garnelenfabrik gegründet, die zu einem Aufschwung führte, der die Einwohnerzahl des Orts von 300 auf 1400 Personen ansteigen ließ. Während der Jahrtausendwende übernahm Royal Greenland die Fabrik und stellte die Produktion dahingehend um, dass heute vor allem Heilbutt verarbeitet wird. Auch die Jagd nach Robben, Moschusochsen und Walen spielt eine größere Rolle. Ein weiteres wirtschaftliches Standbein spielt der Tourismus in Qasigiannguit. Die Umgebung bietet sich gut für Wanderungen an und es werden Walbeobachtungen, Hundeschlittenfahrten und Eisfischen angeboten. Das „Projekt Levende Boplads“ (deutsch Projekt lebender Wohnplatz) vermittelt Touristen die traditionelle Lebensweise der Kalaallit vor der Kolonialisierung.[2]

Infrastruktur und VersorgungBearbeiten

Qasigiannguit hat ein ausgebautes Straßennetz. Der Verkehr mit der näheren Umgebung erfolgt im Winter mit Hundeschlitten, Schneemobilen und Skiern. Es gibt zwei Hafenanlagen in Qasigiannguit, eine auf der mit dem Festland verbundenen Insel Quilik (Spækholmen), die über zwei Kais à 40 und 55 m bei einer Wassertiefe von acht Metern verfügt, und eine am Ende der Bucht mit einem 75 m langen Kai bei einer Wassertiefe von knapp vier Metern. Dazu kommen drei private Pontonstege. Die Disko Line verbindet die Stadt im Sommer regelmäßig mit Aasiaat und Ilulissat, während das Meer von Januar bis Mai zugefroren ist. Über den Heliport Qasigiannguit wird die Stadt mit Hubschraubern an Aasiaat, Ilulissat und Qeqertarsuaq angebunden.

Die Strom-, Wasser- und Wärmeversorgung wird von Nukissiorfiit übernommen. Während der Strom durch ein Dieselkraftwerk entsteht, erfolgt die Wärmeversorgung über Ölöfen. Trinkwasser wird aus dem See Tasersuaq entnommen und in einem Wasserwerk aufbereitet. Knapp die Hälfte der Gebäude in Qasigiannguit ist an ein Abwassernetz angeschlossen, während die restlichen ihr Abwasser ins Meer entsorgen. Nordwestlich der Stadt befindet sich die Müllhalde, auf der der Müll deponiert wird. Die Telekommunikation wird von TELE Greenland gesichert.[2]

BebauungBearbeiten

Die Volksschule in Qasigiannguit ist die Juunarsip Atuarfia, die etwa 160 Schüler von der 1. bis zur 10. Klasse unterrichtet. In der Stadt gibt es eine Niederlassung der Berufsschule Piareersarfik. Qasigiannguit beherbergt zudem eine der beiden Efterskoler in Grönland, die Efterskole Villads Villadsen, die auch die größere der beiden ist. Es gibt mehrere Kinderkrippen und -gärten und ein Altenheim. Das Krankenhaus in Qasigiannguit beherbergt auch eine Zahnarztpraxis. In der Stadt liegen zudem eine Polizeistation, eine Bibliothek, das Disko Bay Hotel inklusive Restaurant und ein Verwaltungsgebäude. Außerdem gibt es eine Postfiliale und eine Niederlassung von Pilersuisoq, die die Bewohner mit Waren versorgt.

Zahlreiche Gebäude in Qasigiannguit sind aufgrund ihres Alters als erhaltenswürdig eingestuft, darunter die Kirche von 1889. Das einzige baudenkmalgeschützte Gebäude der Stadt ist zugleich das älteste. Das 1734 errichtete Gebäude ist das älteste Holzhaus Grönlands und beherbergt heute das Qasigiannguit-Museum, das Zeugnisse aus der Jagd- und Fischereikultur der Kalaallit präsentiert, darunter die Objekte von Qeqertasussuk.[2]

Söhne und TöchterBearbeiten

BevölkerungsentwicklungBearbeiten

Qasigiannguit ist eine schrumpfende Stadt. Hinter Paamiut ist hier der stärkste relative Bevölkerungsrückgang aller Städte in Grönland feststellbar. Seit dem Maximum zu Beginn der 1980er Jahre hat Qasigiannguit 39 % seiner Einwohner verloren.[4]

 

WeblinksBearbeiten

  Commons: Qasigiannguit – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Karte mit allen offiziellen Ortsnamen bestätigt vom Oqaasileriffik, bereitgestellt von Asiaq
  2. a b c d Qasigiannguit bei qaasuitsup-kw.cowi.webhouse.dk
  3. Qasigiannguit in Den Store Danske
  4. Einwohnerzahl Qasigiannguit 1977–2018 bei bank.stat.gl