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Aasiaat [ˈaːsiˌaːtˢʰ] (nach alter Rechtschreibung: Ausiait; dänisch Egedesminde [eːəðəsˈmenə]) ist eine grönländische Stadt im Distrikt Aasiaat in der Kommune Qeqertalik.

Aasiaat (Spinnen)
Egedesminde Ausiait
Luftbild von Aasiaat (2010)
Luftbild von Aasiaat (2010)
Kommune Kommune Qeqertalik
Distrikt Aasiaat
Geographische Lage 68° 42′ 30″ N, 52° 51′ 50″ WKoordinaten: 68° 42′ 30″ N, 52° 51′ 50″ W
Aasiaat (Grönland)
Aasiaat
Einwohner 3.212
(1. Januar 2019)
Gründung 1759
Zeitzone UTC-3

LageBearbeiten

Aasiaat liegt auf der gleichnamigen Insel (dänisch Transitøen) an der Südküste der Diskobucht. Im Norden liegt die kleine Insel Iperarsuaq (dänisch Tørveøen), direkt westlich schließt Tupilak an. Südlich der Insel liegt die Meereskanal Ikerasassuaq (dänisch Langesund). Die große Insel Maniitsoq trennt Aasiaat von der Diskobucht.[1]

GeschichteBearbeiten

 
Historische Ansicht von Aasiaat (um 1900)
 
Aasiaat auf einem Gemälde von Andreas Nicolaus Kornerup von 1879

Egedesminde wurde 1763 von Niels Egede, dem zweiten Sohn Hans Egedes, gegründet, an einem historischen Platz, der schon 2500 v. Chr. von Inuit besiedelt war. Zu Ehren seines Vaters nannte er den Ort Egedesminde. Der grönländische Name Aasiaat bedeutet „Spinnen“, leitet sich aber vermutlich vom Wort Aasiat (Versammlungsplatz) ab.[2] Das Wappen der ehemaligen Gemeinde zeigt dennoch ein Spinnennetz.

Während der Walfangperiode im 18. Jahrhundert fand reger Handel mit den Walfängern aus Deutschland, Dänemark, den Niederlanden und anderen Nationen statt.[2] Der Ort war das Walfangzentrum Europas.[3] Eine Tranfabrik versorgte Europa mit Lampenöl. Durch die Walfänger eingeschleppte Krankheiten führten immer wieder zu Epidemien. Nur 21 Menschen überlebten vier Pockenepidemien in den Jahren 1776, 1800, 1825 und 1852.

Der Lebensunterhalt wurde, wie in Grönland früher üblich, vor allem durch Fischfang, Robbenjagd und Walfang mit dem Kajak bestritten. Im späten Frühjahr zog man an die Südostküste, um die in großer Zahl an der Küste ziehenden Lodden (grönländisch: ammassaat) zu fangen. Sie waren so zahlreich, dass man sie mit Wäschekörben fangen konnte.

Im Zweiten Weltkrieg spielte Aasiaat eine wichtige Rolle bei der Versorgung der alliierten Truppen in Grönland. 1942 wurden von den US-Amerikanern eine Wetterstation mit zwei Baracken als kleinem Stützpunkt errichtet. Dieser war bis zu seiner Schließung ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, danach war Aasiaat vom Fischfang abhängig. Die wirtschaftliche Situation stagnierte bis zur Modernisierung der Fisch- und Garnelenverarbeitung in den 1980er-Jahren.[2]

Aasiaat war bis 2009 Hauptort der Gemeinde Aasiaat. Von 2009 bis 2018 lag Aasiaat in der Qaasuitsup Kommunia und ist seit 2018 Hauptort der Kommune Qeqertalik.[4]

WirtschaftBearbeiten

Noch heute lebt Aasiaat zu großen Teilen vom Fischfang mit Schleppnetzen und der Garnelenfischerei. Es gibt eine Shrimpfabrik. Der Tourismus spielt auch eine übergeordnete Rolle in einer für grönländische Verhältnisse derart großen Stadt. So werden Walbesichtigungstouren, Kajak- und Hundeschlittenfahrten. Wichtigste Wirtschaftssektoren sind aber administrative Verwaltung und Dienstleistung, gefolgt von Einzelhandel und Transport.[3]

Infrastruktur und VersorgungBearbeiten

Der Hafen wird von der Diskoline und der Arctic Umiaq Line bedient und bietet damit gute Anbindungsmöglichkeiten in andere Städte. Zudem liegt im Osten der Stadt der Flughafen Aasiaat, der 1998 eröffnet wurde und über Air Greenland nationale Verbindungen zu den Flughäfen Ilulissat und Kangerlussuaq anbietet, sowie über einen Heliport verfügt. Aasiaat ist wie für Städte üblich vollständig asphaltiert und damit autobefahren.

TELE Greenland versorgt die Stadt über eine eigene Filiale mit Telekommunikation und den Postverkehr. Nukissiorfiit versorgt Aasiaat mit Strom, Wasser und Wärme. Das Wasser wird aus Süßwasserseen in der Umgebung, Strom über Dieselgeneratoren, Wärme aber größtenteils privat über Ölöfen oder andere Heizungssysteme gewonnen. Das Strom- und Heizkraftwerk wurde 1991 am Hafen errichtet. Müll wird entweder in einer Müllverbrennungsanlage verbrannt oder auf der Müllhalde deponiert. Weiterhin verfügt die Stadt über ein Abwasser- und Klärsystem, an das 82 % der Häuser angeschlossen sind. Die restlichen Häuser entsorgen das Abwasser direkt ins Meer.[3]

BebauungBearbeiten

Aasiaat verfügt über Einkaufsmöglichkeiten in den von Pisiffik geführten Filialen Spar, Torrak Fashion, JYSK und Pisattat. Weiterhin gibt es ein Hotel, ein Restaurant, eine Kirche, einen Kindergarten, eine Tagespflegestation, ein Krankenhaus, ein Altersheim, eine große Bibliothek, einen Jugendtreff und eine Sporthalle. Auf dem Fußballplatz trägt Tupilakken 41 seine Heimspiele aus. Im Winter kann man im Westen der Stadt zudem Ski fahren, das ausgewiesene Resort verfügt auch über einen Skilift. Die Dorfhalle Aasiaats wurde mit Gemälden des dänischen Malers Per Kirkeby beschmückt.

Aasiaat ist ein wichtiger Bildungsort. In der Stadt gibt es mehrere Schulen: Die Volksschule Gammeqarfik, das Gymnasium für den Norden Grönlands GU-Aasiaat (GUX), dazu die Förderschule Ado Lyngep Atuarfia und das Berufszentrum Piareersarfik.

Aasiaat verfügt über eine Vielzahl von geschützten Gebäuden, darunter das Aasiaat-Museum, das früher den Kolonialverwalter beherbergte.[3]

Söhne und Töchter der StadtBearbeiten

PartnerstädteBearbeiten

BevölkerungsentwicklungBearbeiten

Die Bevölkerungszahl von Aasiaat hat sich seit 1977 etwa auf einem Niveau bewegt. Die Stadt ist die viertgrößte Grönlands.[6]

 

WeblinksBearbeiten

  Commons: Aasiaat – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Karte mit allen offiziellen Ortsnamen bestätigt vom Oqaasileriffik, bereitgestellt von Asiaq
  2. a b c Aasiaat bei groenlandkreuzfahrt.de
  3. a b c d Aasiaat bei qaasuitsup-kp.cowi.webhouse.dk
  4. Aasiaat in Den Store Danske
  5. Venskabsbyer bei qeqertalik.gl
  6. Einwohnerzahl Aasiaat 1977–2019 bei bank.stat.gl