Paamiut

Stadt in Grönland

Paamiut [ˈpaːmiut] (nach alter Rechtschreibung Pâmiut, dänisch Frederikshåb) ist eine grönländische Stadt im Distrikt Paamiut in der Kommuneqarfik Sermersooq.

Paamiut (Bewohner der Mündung)
Frederikshåb (Frederiks Hoffnung)
Pâmiut
Paamiut (2011)
Paamiut (2011)
Kommune Kommuneqarfik Sermersooq
Distrikt Paamiut
Geographische Lage 61° 59′ 44″ N, 49° 39′ 49″ WKoordinaten: 61° 59′ 44″ N, 49° 39′ 49″ W
Paamiut (Grönland)
Paamiut
Einwohner 1.334
(1. Januar 2019)
Gründung 1742
Zeitzone UTC-3

Die Kirche von Paamiut
Paamiut auf einem Aquarell Andreas Kornerups von 1878

LageBearbeiten

Paamiut liegt an der Spitze einer Halbinsel im Südwesten Grönlands. Vor der Küste von Paamiut liegt ein Schärengarten mit über Hundert Inseln. Der Fjordarm Qinngunnguaq, an dem Paamiut liegt, ist ein Ausläufer der Mündung des Kuannersooq (Kvanefjord), einem der größten Fjorde der Gegend. Die Halbinsel, auf der Paamiut liegt, wird im Norden vom Nerutusoq begrenzt und von weiteren Fjorden und Buchten eingeschnitten, nämlich von der Bucht Tasiusannguaq und den Fjorden Kangerluarsuk und Nigerleq im Norden und von der Bucht Taartoq und den Fjorden Eqaluit und Sammisoq im Süden. Die nächsten bewohnten Orte ist das 112 km südlich gelegene Arsuk und das 132 km nördlich gelegene Qeqertarsuatsiaat.[1]

GeschichteBearbeiten

Jacob Severin gründete Paamiut im Jahr 1742, wobei er dem Ort den Namen Frederikshåb zu Ehren von König Friedrich V. von Dänemark und Norwegen gab. Anfangs war die Versorgungslage schlecht, weil man den Ort wegen des zugefrorenen Meeres nicht erreichen konnte, und die Siedlung drohte aufgegeben werden zu müssen. Später blühte die Gegend jedoch durch florierenden Hai- und Dorschfang auf. Die Dorscherträge waren so groß, dass man plante Paamiut zum zweitgrößten Ort Grönlands auszubauen, der 10.000 Einwohner beherbergen sollte. In den 1980er Jahren verschwanden die Dorschvorkommen jedoch, was die Gegend in eine wirtschaftliche Krise stürzte.[2] Paamiut hat die größten Bestände an Finnwalen, Buckelwalen und Seeadlern in Grönland.[3]

Bis 2009 war Paamiut Hauptort der Gemeinde Paamiut, zu der zuletzt nur noch Arsuk gehörte.

Liste der Kolonialangestellten bis 1921Bearbeiten

KolonialverwalterBearbeiten

Bis 1921 waren folgende Kolonialverwalter für die Kolonie Frederikshaab zuständig.[4]

  • 1742–1743: Jacob van der Wida Geelmuyden
  • 1743–1748: Lars Dalager
  • 1748–1750: Jochum Grønbech (interim)
  • 1750–1752: Lars Dalager
  • 1752–1754: Carl Christopher Dalager
  • 1754–1761: David Emanuel Christian Wulf
  • 1761–1774: Peter Rasmus Petersen
  • 1774–1779: Carl Bruun
  • 1779–1786: Abraham Martinus Sandholt
  • 1786–1790: Hans Henrik Raun
  • 1790–1794: Johan Christian Mørch
  • 1795–1801: Gert Falck
  • 1801–1805: Nikolaj Daniel Muus
  • 1805–1811: Ananias Christian Astrup
  • 1811–1815: Jørgen Monrad
  • 1815–1816: Jonas Jansen Berglund (interim)
  • 1816–1822: Jørgen Monrad
  • 1822: Andreas Christian Hviid (interim)
  • 1822–1827: Rasmus Jensen
  • 1827–1828: Jens Mathias Mathiesen
  • 1828–1829: Johan Anton Lund
  • 1829–1830: Jens Mathias Mathiesen
  • 1830–1832: Johan Peder Engholm
  • 1832–1833: Jens Mathias Mathiesen
  • 1833–1834: Johan Peder Engholm
  • 1834–1835: Jacob Andreas Augustinus Arøe
  • 1835–1838: Jørgen Nielsen Møller
  • 1838–1839: Jacob Andreas Augustinus Arøe
  • 1839–1840: Henning Ager
  • 1840–1845: Edvard Emil Meyer
  • 1845–1846: Peter Hanning Motzfeldt (interim)
  • 1846–1852: Edvard Emil Meyer
  • 1852–1857: Lars Jensen
  • 1857–1861: Bendix Andreas Heide Tvede
  • 1861–1863: Halldór Ásgrímsson
  • 1863–1864: Jonathan Mathiesen
  • 1864–1865: Albert Emil Blichfeldt Høyer
  • 1865–1869: Halldór Ásgrímsson
  • 1869–1873: Carl Emil Olfert Lytzen
  • 1873–1875: Jonathan Mathiesen
  • 1875–1880: Lorentz Frederik Mathiesen
  • 1880–1883: Henrik Martinus Rosenstand
  • 1883–1887: Rasmus Müller
  • 1887–1892: Peter Jürgen Petersen
  • 1892: Valdemar Møller (interim)
  • 1892–1895: Andreas Peter Rye Jørgensen
  • 1895–1899: Oscar Peter Cornelius Kock
  • 1899–1904: John Christian Gustav Baumann
  • 1904–1905: Otto Rudolph Binzer
  • 1905–1906: Konrad Olsen Bugge
  • 1906–1910: Otto Rudolph Binzer
  • 1910–1911: Oluf Nicolaj Willemann Thron
  • 1911–1912: Poul Hermann Ibsen
  • 1912–1915: Carl Peter Lauritz Mathiesen
  • 1915–1916: Poul Hermann Ibsen
  • 1916–1917: Christian Simony (interim)
  • ab 1917: Poul Hermann Ibsen

Missionare und PastorenBearbeiten

Folgende Missionare und Pastore waren in bis 1921 in der Kolonie tätig. Mehrere Male wurde die Kolonie anderen Kirchengemeinden unterstellt. Von 1792 bis 1794, 1796 bis 1797, 1815 bis 1820, 1825 bis 1841, 1863 bis 1864 und 1868 bis 1869 war der Missionar der Kolonie Godthaab zuständig, von 1820 bis 1825, 1850 bis 1851, 1879 bis 1884 und 1887 bis 1892 der Missionar der Kolonie Julianehaab. Von 1795 bis 1796, 1812 bis 1815 und 1914 bis 1915 gab es keinen Missionar bzw. Pastor in der Kolonie Frederikshaab.[4]

  • 1742–1746: Arnoldus von Westen Sylow
  • 1746–1754: Ambrosius Petersen Buch
  • 1754–1759: Nicolai Nielsen Rasch
  • 1759–1761: Jochum Grønbech (Katechet)
  • 1761–1768: Jørgen Meyer Myhlenphort
  • 1768–1773: Otto Fabricius
  • 1773–1775: Jørgen Meyer Myhlenphort
  • 1775–1784: Christian Transe
  • 1784–1792: William Alexander Meyer
  • 1794–1795: Niels Giævertsen Titchen
  • 1797–1806: Andreas Rosenvold
  • 1806–1812: Johan Jessen
  • 1841–1842: Johan Georg Rasmus Nielsen
  • 1851–1855: Ludvig Andreas Mossin
  • 1855–1863: Frederik Theodor Barfoed
  • 1864–1868: Johannes Emil Wiberg
  • 1869–1874: Lauritz Theodor Ostenfeldt
  • 1874–1879: Peter Christian Jensen
  • 1884–1887: Edvard Ægidius Lützen
  • 1892–1897: Mads Rasmussen
  • 1897–1904: Jens Christian Jensen Langer
  • 1904–1914: Knud Otto Georg Wassmann
  • ab 1915: Karl Johan Pavia Chemnitz

WirtschaftBearbeiten

Trotz des Rückgangs an Dorschen in den 1980er Jahren, liegt in Paamiut eine von Grönlands größten Fischfabriken, in der heute vor allem Garnelen und Krabben verarbeitet werden. Der größte Teil der Bevölkerung arbeitet jedoch in der Verwaltung.[5]

Infrastruktur und VersorgungBearbeiten

Paamiut hat einen von Royal Greenland betriebenen Schiffshafen sowie einen kleineren Freizeithafen. Heutzutage ist das Meer ganzjährig eisfrei und befahrbar. Über den 2007 eröffneten Flughafen Paamiut, der zwei Kilometer nördlich der Stadt liegt, ist sie per Luft an die Flughäfen Nuuk und Narsarsuaq angebunden. Paamiut hat ein ausgebautes Straßennetz.

Nukissiorfiit gewährleistet in Paamiut die Strom-, Wasser- und Wärmeversorgung. Müll wird auf der Müllhalde im Süden der Stadt deponiert, während Abwässer ins Meer geleitet werden. Die Einwohner von Paamiut werden durch eine Brugseni- und eine Pilersuisoq-Filiale mit Gütern versorgt.[5]

BebauungBearbeiten

Die Schule in Paamiut ist die Atuarfik Tuiisaq, die 1926 errichtet und zuletzt 1969 ausgebaut wurde. Paamiut ist zudem Sitz der grönländischen Seefahrtsschule Imarsiornermik Ilinniarfik. In der Stadt gibt es zudem eine Kinderkrippe, zwei Kindergärten und ein Altenheim, sowie ein Versammlungsgebäude, ein Dorfbüro, eine Polizeistation, ein Krankenhaus, eine Sporthalle, das Paamiut-Museum, ein Hotel und die Kirche von 1909, die an den norwegischen Baustil der Stabkirchen angelehnt ist.[5]

Söhne und TöchterBearbeiten

BevölkerungsentwicklungBearbeiten

Paamiuts Einwohnerzahl sinkt seit Mitte der 1980er Jahre mit dem Rückgang der Dorschvorkommen stetig. In absoluten Zahlen hat kein Ort in Grönland seither so viele Einwohner verloren wie Paamiut: Insgesamt über 1000 Personen haben Paamiut seither verlassen, mehr als doppelt so viele wie die am zweitstärksten betroffenen Städte Qasigiannguit, Narsaq und Maniitsoq.[6]

WeblinksBearbeiten

Commons: Paamiut – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Karte mit allen offiziellen Ortsnamen bestätigt vom Oqaasileriffik, bereitgestellt von Asiaq
  2. Paamiut in Den Store Danske
  3. Paamiut bei groenlandkreuzfahrt.de
  4. a b A. Bertelsen, O. B. Bøggild, H. Bryder, R. Hammer, J. Krogh, H. Ostermann, Morten P. Porsild, K. Rasmussen, K. Stephensen: Grønland i tohundredeaaret for Hans Egedes landig. In: G. C. Amdrup, Louis Bobé, Ad. S. Jensen, H. P. Steensby (Hrsg.): Meddelelser om Grønland. Band 61. C. A. Reitzel Boghandel, Kopenhagen 1921, S. 372 f. ([1]).
  5. a b c Paamiut bei sermersooq2028.gl (.pdf)
  6. Einwohnerzahl Paamiut 1977–2019 bei bank.stat.gl