Pogranitschny (Kaliningrad, Krasnosnamensk)

Pogranitschny (russisch Пограничный, deutsch Schillehnen, 1938 bis 1946 Waldheide, auch: Dirwehlen, 1938 bis 1946 Wehlen, litauisch Šilėnai, auch: Dirveliai) ist ein Ort in der russischen Oblast Kaliningrad. Er gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Krasnosnamensk im Rajon Krasnosnamensk.

Siedlung
Pogranitschny
Schillehnen (Waldheide) und Dirwehlen (Wehlen)

Пограничный
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Krasnosnamensk
Frühere Namen I. Schüllehnen (nach 1736),
Schillehnen (bis 1938),
Waldheide (Ostpr.) (1938–1946)

II. Dirwehlen (bis 1938),
Wehlen (1938–1946)
Bevölkerung 91 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Zeitzone UTC+2
Telefonvorwahl (+7) 40164
Postleitzahl 238730
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 218 819 009
Geographische Lage
Koordinaten 55° 4′ N, 22° 35′ OKoordinaten: 55° 3′ 37″ N, 22° 34′ 48″ O
Pogranitschny (Kaliningrad, Krasnosnamensk) (Europäisches Russland)
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Lage im Westteil Russlands
Pogranitschny (Kaliningrad, Krasnosnamensk) (Oblast Kaliningrad)
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Lage in der Oblast Kaliningrad

Geographische LageBearbeiten

Pogranitschny liegt im äußersten Nordosten der Oblast Kaliningrad in direkter Grenzlage zu Litauen. Innerorts treffen sich drei Nebenstraßen, die vom litauischen Jurbarkas (deutsch Georgenburg), vom Memel-Nachbarort Nemanskoje (Trappönen/Trappen) und vom Rajonzentrum Krasnosnamensk (Lasdehnen/Haselberg) hierher führen. Vor 1945 bestand eine Fährverbindung nach Schmalleningken (heute litauisch Smalininkai), von wo aus Anschluss an die heute nicht mehr existierende Kleinbahn nach Pogegen bestand.

GeschichteBearbeiten

Schillehnen (Waldheide (Ostpr.))Bearbeiten

Aufgrund seiner Lage am Südufer der Memel (russisch: Neman) und unmittelbar an der russisch-litauischen Grenze hat das einst Schillehnen[2] genannte Dorf[3] seine ehemalige besondere Bedeutung eingebüßt. Zwischen 1874 und 1945 war der Ort Amtssitz und namensgebend für einen Amtsbezirk[4], der 1939 in „Amtsbezirk Waldheide (Ostpr.)“ umbenannt wurde. Er war bis 1922 Teil des Kreises Ragnit, danach des Landkreises Tilsit-Ragnit im Regierungsbezirk Gumbinnen der preußischen Provinz Ostpreußen.

In Schillehnen waren im Jahre 1910 422 Einwohner gemeldet[5]. Am 1. Januar 1931 vergrößerte sich der Ort, als das Nachbardorf Dirwehlen (1938 bis 1946 Wehlen) eingemeindet wurde. Die Zahl der Einwohner betrug 1933 insgesamt 453 und belief sich 1939 noch auf 424[6].

Am 3. Juni – offiziell bestätigt am 16. Juli – des Jahres 1938 erhielt Schillehnen aus politisch-ideologischen gründen der Abwehr fremdländisch klingender Ortsnamen die Umbenennung in „Waldheide (Ostpreußen)“. 1945 wurde das Dorf in Kriegsfolge mit dem nördlichen Ostpreußen der Sowjetunion zugeordnet.

Amtsbezirk Schillehnen/Waldheide (1874–1945)Bearbeiten

Zum Amtsbezirk Schillehnen (1939 bis 1945: Amtsbezirk Waldheide (Ostpr.)) gehörten fünf Ortschaften[4]:

Name Änderungsname
1938 bis 1946
Russischer Name Bemerkungen
Alt Lubönen Friedenswalde Osjornoje
Dirwehlen Wehlen Pogranitschny 1931 nach Schillehnen eingemeindet
Königswald, Forst
Neu Lubönen Memelwalde Selenodolje
Schillehnen Waldheide (Ostpr.) Pogranitschny

Dirwehlen (Wehlen)Bearbeiten

Südlich von Schillehnen liegt das einst Dirwehlen[7] genannte sehr viel kleinere Dorf, durch das die Nebenstraße (27K-105) nach Krasnosnamenskoje verläuft. Es bestand vor 1945 aus ein paar kleineren Höfen. 1874 kam Dirwehlen in den Amtsbezirk Schillehnen im Kreis Ragnit im Regierungsbezirk Gumbinnen der preußischen Provinz Ostpreußen. 1910 waren hier 16 Einwohner registriert[5].

Bis zum 31. Dezember 1930 war Dirwehlen eigenständig. Danach wurde es zursammen mit der Försterei Wolfswinkel in die Gemeinde Schillehnen eingegliedert. 1938 in „Wehlen“ umbenannt, kam das Dorf 1945 wie alle Orte im nördlichen Ostpreußen zur Sowjetunion.

PogranitschnyBearbeiten

Im Jahr 1950 wurden die beiden Dörfer Schillehnen und Dirwehlen unter der russischen Bezeichnung „Pogranitschny“ zusammengefasst und gleichzeitig dem Dorfsowjet Nemanski selski Sowet im Rajon Krasnosnamensk zugeordnet.[8] Später (vor 1975) gelangte der Ort in den Chlebnikowski selski Sowet. Von 2008 bis 2015 gehörte Pogranitschny zur Landgemeinde Alexejewskoje selskoje posselenije und seither zum Stadtkreis Krasnosnamensk.

KircheBearbeiten

Sowohl in Schillehnen (Waldheide) als auch in Dirwehlen (Wehlen) war die Bevölkerung fast ohne Ausnahme evangelischer Konfession. Beide Orte und ebenso die Försterei Wolfswinkel waren in das Kirchspiel der Kirche Schmalleningken (heute litauisch: Smalininkai) eingepfarrt[9] und gehörten vor 1945 zunächst zum Kirchenkreis Ragnit, später zum Kirchenkreis Pogegen (heute litauisch: Pagėgiai) im Memelgebiet (mit eigenem Landeskonsistorium) innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.

Heute liegt Pogranitschny im Einzugsbereich der neu entstandenen evangelisch-lutherischen Gemeinde in Sabrodino (Lesgewangminnen, 1938 bis 1946 Lesgewangen), die zur Propstei Kaliningrad[10] (Königsberg) der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland gehört.

SchuleBearbeiten

Schillehnen resp. Waldheide war vor 1945 Schulort[3]. Seit etwa 1800 gab es hier eine einklassige Schule, die auch von den Kindern aus Dirwehlen (Wehlen) besucht wurde. Das Gebäude wurde 1930 noch grundlegend erneuert. Es hat den Krieg überstanden, befand sich 1996 bereits in abbruchreifem Zustand.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1, Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. Dietrich Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Waldheide (Ostpr.)
  3. a b Schillehnen, Grenzort am Memelstrom
  4. a b Rolf Jehke, Amtsbezirk Schillehnen/Waldheide (Ostpr.)
  5. a b Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis, Landkreis Ragnit
  6. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Stadt Tilsit und Landkreis Tilsit–Ragnit/Pogegen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  7. Dietrich Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Wehlen
  8. Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 5 июля 1950 г., №745/3, «О переименовании населённых пунктов Калининградской области» (Verordnung 745/3 des Präsidiums des Obersten Rats der RSFSR "Über die Umbenennung der Orte des Gebiets Kaliningrad" vom 5. Juli 1950)
  9. Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3: Dokumente, Göttingen, 1968, S. 513
  10. Evangelisch-lutherische Propstei Kaliningrad (Memento des Originals vom 29. August 2011 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.propstei-kaliningrad.info