Ostrogoschskoje

Ostrogoschskoje (russisch Острогожское, deutsch Uszbördszen, 1936 bis 1938 Uschbördschen, 1938 bis 1945 Karpfenwinkel, auch: Waldlinden und Rucken, litauisch Užberžiai, auch: Rukai) ist ein Ort in der russischen Oblast Kaliningrad. Er besteht aus ursprünglich drei eigenständigen Orten und gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Krasnosnamensk im Rajon Krasnosnamensk. Die Ortsstelle Waldlinden ist verlassen.

Siedlung
Ostrogoschskoje
Uszbördszen (Karpfenwinkel), Waldlinden und Rucken

Острогожское
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Krasnosnamensk
Erste Erwähnung 1625 (Rucken),
1660 (Uszbördszen)
Frühere Namen I. Uschbersuppen (1660),
Uschbörszen (nach 1728),
Uszberszen (nach 1785),
Uszbörszen (nach 1818),
Uszbördszen (bis 1936),
Uschbördschen (1936–1938),
Karpfenwinkel (1938–1946)

II.1 Ambrasgirren (1660–1928),
II.2 Löblaugken (1688–1928)
II.3 Weszkallen, Forst (bis 1928),
II.1–3 Waldlinden (1928–1946),
Rossoschanskoje (bis vor 2005)

III. Ruckwethen (1625),
Ruckuwethen (nach 1625),
Rucken (bis 1946),
Rossoschanskoje (bis vor 2005)
Bevölkerung 209 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Zeitzone UTC+2
Telefonvorwahl (+7) 40164
Postleitzahl 238730
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 218 810 003
Geographische Lage
Koordinaten 54° 56′ N, 22° 35′ OKoordinaten: 54° 55′ 52″ N, 22° 34′ 34″ O
Ostrogoschskoje (Europäisches Russland)
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Lage im Westteil Russlands
Ostrogoschskoje (Oblast Kaliningrad)
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Lage in der Oblast Kaliningrad

Geographische LageBearbeiten

Ostrogoschskoje liegt an der Regionalstraße 27A-026 (ex R511), 18 Kilometer nördlich der einstigen Kreisstadt Dobrowolsk (Pillkallen/Schloßberg) und sechs Kilometer östlich der heutigen Rajonshauptstadt Krasnosnamensk (Lasdehnen/Haselberg). Zwei der jetzigen Ortsteile waren vor 1945 als Uszbördszen (Karpfenwinkel) und Rucken Bahnstationen an der Bahnstrecke Pillkallen–Lasdehnen der Pillkaller Kleinbahn, die nicht mehr reaktiviert worden ist.

GeschichteBearbeiten

Uszbördszen (Karpfenwinkel)Bearbeiten

Das seinerzeit Uschbersuppen genannte Dorf wurde im Jahre 1660 erstmals erwähnt[2]. Vor 1945 bestand der Ort aus verstreut liegenden kleinen Höfen und Gehöften. Zwischen 1874 und 1945 gehörte Uszbördszen zum Amtsbezirk Alxnupönen[3], der von 1939 bis 1945 „Amtsbezirk Altsnappen“ hieß und zum Kreis Pillkallen (1939 bis 1945 „Landkreis Schloßberg (Ostpr.)“) im Regierungsbezirk Gumbinnen der preußischen Provinz Ostpreußen gehörte.

Im Jahre 1910 waren in Uszbördszen 137 Einwohner gemeldet[4]. Ihre Zahl stieg bis 1933 auf 154 und belief sich 1939 noch auf 148[5].

Am 30. September 1929 wurde die bislang noch gesondert bestehende Försterei Uszbördszen in die Gemeinde eingegliedert, deren Namensschreibweise sich am 17. September 1936 in „Uschbördschen“ änderte. Zur Abwehr fremdländisch klingender Ortsnamen entschied man sich aus politisch-ideologischen Gründen am 3. Juni – amtlich bestätigt am 16. Juli – des Jahres 1938 zur Umbenennung des Ortes in „Karpfenwinkel“. Im Jahre 1945 kam der Ort in Kriegsfolge mit dem übrigen nördlichen Ostpreußen zur Sowjetunion.

Waldlinden / zu RossoschanskojeBearbeiten

Der unmittelbar am Flüsschen Staraja (Hangwasser) gelegene Ortsteil[6] entstand am 30. September 1929 durch Zusammenschluss der Gemeinden Ambrasgirren, Löblaugken und eines Teilbereichs des Gutsbezirks Weszkallen, Forst. Der Name „Waldlinden“ ist eine Zusammenziehung der Ortsnamen Ambrasgirren (= Ambraswalde, Wald des Ambras) und Löblaugken (= Lindenfelde).

Ambrasgirren wurde 1660 erstmals erwähnt und zählte im Jahre 1910 27 Einwohner[4]. 1688 wurde Löblaugken gegründet, wo 1910 50 Einwohner gemeldet waren[4]. Im Gutsbezirk Weszkallen, Forst, der seinen Sitz in Löblaugken hatte, lebten 1910 118 Menschen[4]. Während Ambrasgirren und Löblaugken 1874 in den Amtsbezirk Alxnupönen[3] (1939 bis 1945: „Amtsbezirk Altsnappen“) eingegliedert waren, gehörte der Gutsbezirk Weszhallen zunächst zum Amtsbezirk Weszkallen (der Ort ist nicht mehr existent), kam dann aber 1932 zum Amtsbezirk Alxnupönen. Somit waren alle drei Orte in den Kreis Pillkallen in der Provinz Ostpreußen integriert.

Der 1929 erfolgte Zusammenschluss führte zum Erlöschen der Ortsnamen Ambrasgirren und Löblaugken, während der Ortsteil Weszkallen, Forst (1929 bis 1930: Weßkallen) am 8. März 1930 in „Waldlinden, Forst“ umbenannt wurde. Für ihn gibt es keine Einwohnerzahlen mehr, während in der Gemeinde Waldlinden 1933 89 und 1939 86 Einwohner[5] gezählt wurden. In Kriegsfolge wurde auch dieser Ort, der aus mehreren kleinen und großen Höfen bestand, im Jahre 1945 der Sowjetunion zugeführt. Im Ortsverzeichnis der Oblast Kaliningrad von 1976 wurde dieser Ort als zu Rossoschanskoje gehörend bezeichnet.

Rucken / RossoschanskojeBearbeiten

Aus einem Gut und verstreut liegenden kleinen Gehöften bestand vor 1945 der dritte heutige Ortsteil namens Rucken, der bereits 1625 erstmals erwähnt wurde[7]. Zwischen 1874 und 1945 war er Teil des Amtsbezirks Alxnupönen[3] (1939 bis 1945 „Amtsbezirk Altsnappen“) im Kreis Pillkallen (1939 bis 1945 „Landkreis Schloßberg (Ostpr.)“) im Regierungsbezirk Gumbinnen der preußischen Provinz Ostpreußen. Die Einwohnerzahl belief sich im Jahre 1910 auf 107[4].

Am 30. September 1928 wurde der Nachbargutsbezirk Lasdinehlen (heute russisch: Mitschurino) eingemeindet und die Gemeinde Rucken in „Lasdinehlen“ umbenannt. Schon am 15. Mai 1929 jedoch erhielt der Ort die Rückbenennung in „Rucken“. Die Zahl der Einwohner stieg in Folge der Eingemeindung auf 236 im Jahre 1933 an und betrug 1939 noch 230[5].

Auch dieses Dorf kam 1945 in Kriegsfolge zur Sowjetunion. Im Jahre 1947 erhielt das Dorf die russische Bezeichnung „Rossoschanskoje“ und wurde gleichzeitig in den Dorfsowjet Mitschurinski im Rajon Krasnosnamensk eingeordnet.[8]

OstrogoschskojeBearbeiten

Im Jahre 1947 erhielt Uszbördszen die russische Bezeichnung „Ostrogoschskoje“ und wurde gleichzeitig in den Dorfsowjet Mitschurinski selski Sowet im Rajon Krasnosnamensk eingeordnet.[8] Später gelangte der Ort in den Pobedinski selski Sowet. Vor 1976 wurde der Ort Rossoschanskoje an Ostrogoschskoje angeschlossen.[9] Von 2008 bis 2015 gehörte Ostrogoschskoje zur Landgemeinde Dobrowolskoje selskoje posselenije und seither zum Stadtkreis Krasnosnamensk.

KircheBearbeiten

In Uszbördszen resp. Karpfenwinkel wie auch in Waldlinden und Rucken war die Bevölkerung vor 1945 fast ausnahmslos evangelischer Konfession. Alle drei Dörfer waren in das Kirchspiel der Kirche Lasdehnen (der Ort hieß zwischen 1938 und 1946: Haselberg, heute russisch: Krasnosnamensk) eingepfarrt, die zum Kirchenkreis Pillkallen (Schloßberg) innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union gehörte. Heute liegt Ostrogoschskoje im Einzugsbereich der in den 1990er Jahren neu entstandenen evangelisch-lutherischen Gemeinde in Sabrodino (Lesgewangminnen, 1938 bis 1946 Lesgewangen) innerhalb der Propstei Kaliningrad[10] (Königsberg) der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1, Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. Dietrich Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Karpfenwinkel
  3. a b c Rolf Jehke, Amtsbezirk Alxnupönen/Altsnappen
  4. a b c d e Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis, Landkreis Pillkallen
  5. a b c Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Landkreis Pillkallen (russ. Dobrowolsk). (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  6. Dietrich Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Waldlinden
  7. Dietrich Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Rucken
  8. a b Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 ноября 1947 г. «О переименовании населённых пунктов Калининградской области» (Verordnung des Präsidiums des Obersten Rats der RSFSR "Über die Umbenennung der Orte des Gebiets Kaliningrad" vom 17. November 1947)
  9. Gemäß dem amtlichen Ortsverzeichnis der Oblast Kaliningrad von 1976
  10. Evangelisch-lutherische Propstei Kaliningrad (Memento des Originals vom 29. August 2011 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.propstei-kaliningrad.info