Fewralskoje (Kaliningrad, Krasnosnamensk)

Fewralskoje (russisch Февральское, deutsch Spullen, auch: Bludszen/Bludschen, 1938 bis 1945 Vierhöfen (Ostpr.), litauisch Spuliai, auch: Bludžiai) ist ein Ort in der russischen Oblast Kaliningrad. Er besteht aus zwei ursprünglich eigenständigen Ortschaften und gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Krasnosnamensk im Rajon Krasnosnamensk.

Siedlung
Fewralskoje
Spullen und Bludszen (Vierhöfen)

Февральское
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Krasnosnamensk
Erste Erwähnung 1558 (Spullen)
1590 (Bludszen)
Frühere Namen I. Spulkiem (1558)
Spulkemen (vor 1564),
Spulken (vor 1590),
Spollenn (vor 1595),
Spullen (bis 1946)

II. Bludtkem (1590),
Bludtkemen (um 1592),
Bludesen (um 1596),
Bludszen (bis 1936),
Bludschen (1936–1938),
Vierhöfen (1938–1946)
Bevölkerung 189 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Zeitzone UTC+2
Telefonvorwahl (+7) 40164
Postleitzahl 238742
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 218 802 004
Geographische Lage
Koordinaten 54° 47′ N, 22° 20′ OKoordinaten: 54° 47′ 6″ N, 22° 19′ 46″ O
Fewralskoje (Kaliningrad, Krasnosnamensk) (Europäisches Russland)
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Lage im Westteil Russlands
Fewralskoje (Kaliningrad, Krasnosnamensk) (Oblast Kaliningrad)
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Lage in der Oblast Kaliningrad

Geographische LageBearbeiten

Fewralskoje liegt an der Kommunalstraße 27K-187, die Lunino (Lengwethen/Hohensalzburg) über Uslowoje (Rautenberg) mit Wesnowo (Kussen) verbindet. Die Rajonshauptstadt Krasnosnamensk liegt 21 Kilometer nordöstlich, die einstige Kreisstadt Dobrowolsk (Pillkallen/Schloßberg) 11 Kilometer westlich. Eine Bahnanbindung besteht nicht.

GeschichteBearbeiten

SpullenBearbeiten

Der 1558 ersterwähnte und Spulkiem[2] genannte Ort liegt unmittelbar an der Hauptstraße. Vor 1945 war er ein Dorf mit großen Höfen sowie einer Ziegelei, einer Molkerei und eines Sägewerks. Zwischen 1874 und 1945 war Spullen Amtsdorf und damit namensgebend für einen Amtsbezirk[3], der zum Kreis Pillkallen (1939 bis 1945 in „Landkreis Schloßberg (Ostpr.)“ umbenannt) im Regierungsbezirk Gumbinnen der preußischen Provinz Ostpreußen gehörte.

Im Jahre 1910 waren in Spullen 309 Einwohner gemeldet[4]. Nachdem am 30. September 1928 der Gutsbezirk Meschkuppen (1938 bis 1946: Bärenhöfen, russisch: Kuprino, nicht mehr existent) eingemeindet worden war, betrug die Einwohnerzahl im Jahre 1933 388 und 1939 355[5]. In Kriegsfolge kam Spullen 1945 mit dem ganzen nördlichen Ostpreußen zur Sowjetunion.

Amtsbezirk Spullen (1874–1945)Bearbeiten

Zum Amtsbezirk Spullen gehörten bei seiner Errichtung 18 Dörfer. Aufgrund von Umstrukturierungen waren es am Ende noch 15[3]:

Name Änderungsname
1938 bis 1946
Russischer Name Bemerkungen
Bednohren Stahnsdorf (Ostpr.)
Bludszen
1936–38: Bludschen
Bierhöfen (Ostpr.) Fewralskoje
Dauden Podlesnoje
Draugupöhnen Deihornswalde
ab 1939: Dreihornswalde
Murawjowo
Eggleningken Kiefernberg Murawjowo
Eymenischken-Baltadonen,
ab 1909: Baltadonen
Weizenfelde
Heinrichsfelde
Jänischken Hansruh Saosjornoje
Kiggen Steinershöfen Murawjowo
Klein Meschkuppen Bärenbach (Ostpr.) 1922 in den Amtsbezirk Baltruschkehlen umgegliedert
Kögsten Michelfelde Nowinki
Meschkuppen Bärenhöfen Kuprino 1928 nach Spullen eingemeindet
Mingstimmehlen Mingen Kuprino
Mingstimmen Wiesenbrück Medwedkino
Pritzkehmen Mühleck Surowkino
Schackeln Mittenbach Schanino
Schwarballen Grundweiler Drosdowo
Spullen Fewralskoje

Am 1. Januar 1945 gehörten zum Amtsbezirk Spullen die Gemeinden Dauden, Dreihornswalde, Grundweiler, Hansruh, Heinrichsfelde, Kiefernberg, Michelfelde, Mingen, Mittenbach, Mühleck, Spullen, Stahnsdorf, Steinershöfen, Vierhöfen und Wiesnebrück.

Bludszen/VierhöfenBearbeiten

Zwei Kilometer westlich von Spullen liegt der andere und im Jahre 1590 als Bludtken ersterwähnte Ortsteil[6]. Er bestand im Wesentlichen aus einem großen Hof. Zwischen 1874 und 1945 war das Dorf in den Amtsbezirk Spullen[3] eingegliedert und gehörte somit zum Kreis Pillkallen (1939 bis 1945 „Landkreis Schloßberg (Ostpr.)“) im Regierungsbezirk Gumbinnen der preußischen Provinz Ostpreußen. 95 Einwohner zählte Bludszen im Jahre 1910[4]. Im Jahre 1933 waren es noch 84 und 1939 nur noch 79[5]. Am 17. September 1936 wurde die Namensschreibweise von Bludszen in „Bludschen“ verändert, und am 3. Juni – amtlich bestätigt am 16. Juli – des Jahres 1938 wurde dieser Name aus politisch-ideologischen Gründen der Vermeidung fremdländisch klingender Ortsbezeichnungen in „Vierhöfen (Ostpr.)“ geändert. 1945 kam auch dieser Ort zur Sowjetunion.

FewralskojeBearbeiten

Im Jahr 1947 wurde Spullen in Fewralskoje umbenannt und gleichzeitig dem Dorfsowjet Wesnowski selski Sowet im Rajon Krasnosnamensk zugeordnet.[7] Später wurde auch die Ortsstelle Bludszen zu Fewralskoje gezählt.[8] Von 2008 bis 2015 gehörte Fewralskoje zur Landgemeinde Wesnowskoje selskoje posselenije und seither zum Stadtkreis Krasnosnamensk.

KircheBearbeiten

Wie fast im ganzen nördlichen Ostpreußen war die Bevölkerung Spullens wie auch Bludszens resp. Vierhöfens vor 1945 fast ausnahmslos evangelischer Konfession. Beide Dörfer waren in das Kirchspiel der Kirche in Kussen eingepfarrt und somit Teil des Kirchenkreises Pillkallen (Schloßberg) innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Heute liegt Fewralskoje im Einzugsbereich der neu entstandenen evangelisch-lutherischen Gemeinde in Sabrodino (Lesgewangminnen, 1938 bis 1946 Lesgewangen) innerhalb der Propstei Kaliningrad[9] (Königsberg) der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1, Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. Dietrich Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Spullen
  3. a b c Rolf Jehke, Amtsbezirk Spullen
  4. a b Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis, Landkreis Pillkallen
  5. a b Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Landkreis Pillkallen (russ. Dobrowolsk). (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  6. Dietrich Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Vierhöfen (Ostpr.)
  7. Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 ноября 1947 г. «О переименовании населённых пунктов Калининградской области» (Verordnung des Präsidiums des Obersten Rats der RSFSR "Über die Umbenennung der Orte des Gebiets Kaliningrad" vom 17. November 1947)
  8. Gemäß dem amtlichen Ortsverzeichnis der Oblast Kaliningrad von 1976. Im Regionalatlas der Oblast Kaliningrad von 2004 wird die Ortsstelle Bludszen allerdings zu Saosjornoje gezählt.
  9. Evangelisch-lutherische Propstei Kaliningrad (Memento des Originals vom 29. August 2011 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.propstei-kaliningrad.info