Nikolskoje (Kaliningrad)

Nikolskoje (russisch Никольское, deutsch Giewerlauken, 1938 bis 1945 Hirschflur, litauisch Gyverlaukiai) ist ein Ort in der russischen Oblast Kaliningrad. Er gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Krasnosnamensk im Rajon Krasnosnamensk.

Siedlung
Nikolskoje
Giewerlauken (Hirschflur)

Никольское
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Krasnosnamensk
Frühere Namen Giberlaugken (1526),
Giewerlaucken (nach 1785),
Giewerlauken (bis 1938),
Hirschflur (1938–1946)
Bevölkerung 32 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Zeitzone UTC+2
Telefonvorwahl (+7) 40164
Postleitzahl 238732
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 218 816 012
Geographische Lage
Koordinaten 55° 0′ N, 22° 15′ OKoordinaten: 55° 0′ 28″ N, 22° 15′ 16″ O
Nikolskoje (Kaliningrad) (Europäisches Russland)
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Lage im Westteil Russlands
Nikolskoje (Kaliningrad) (Oblast Kaliningrad)
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Lage in der Oblast Kaliningrad

Geographische LageBearbeiten

Nikolskoje liegt an der Scheschuppe (1938 bis 1945: Ostfluss), 14 Kilometer östlich der einstigen Kreisstadt Neman (Ragnit) und 17 Kilometer nordwestlich der heutigen Rajonshauptstadt Krasnosnamensk (Lasdehnen/Haselberg). Durch den Ort führt die Kommunalstraße 27K-111, die durch ein einst Forst Trappönen genanntes weitflächiges Waldgebiet hindurch verläuft und Nemanskoje (Trappönen/Trappen) mit Lesnoje (Groß Lenkeningken/Großlenkenau) verbindet. Eine Bahnanbindung besteht nicht.

GeschichteBearbeiten

Das kleine früher Giewerlauken[2] genannte Dorf[3] wird von Osten nach Südwesten hin von der Scheschuppe durchzogen. Zwischen 1874 und 1909 war der Ort in den Amtsbezirk Galbrasten[4] (der Ort heißt heute russisch: Liwenskoje) eingegliedert, der zum Kreis Ragnit im Regierungsbezirk Gumbinnen der preußischen Provinz Ostpreußen gehörte. Als im Jahre 1909 der Amtsbezirk Galbrasten aufgelöst wurde, kam das Dorf zum Amtsbezirk Raudszen[5] (1936 bis 1939: Raudschen, 1939 bis 1945: Rautengrund, heute russisch: Rjadino), der 1922 dem Landkreis Tilsit-Ragnit beitrat. Eingemeindet war vor 1945 die Försterei Katzenfang des Forstamtes Trappönen (Trappen), die inzwischen zu Lagernoje gehört.

Bewohnt war Giewerlauken in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts mit 85 Hofstellen, von denen 60 landwirtschaftlich genutzt wurden. Kleinere Landwirte waren nebenbei mit Lohnfuhrwerkerei beschäftigt, andere waren als Forstarbeiter in den Förstereien Katzenfang und Fuchswinkel tätig.

Zwecks politisch-ideologisch motivierter Vermeidung fremdländisch klingender Ortsnamen wurde Giewerlauken am 3. Juni – offiziell bestätigt am 16. Juli – des Jahres 1938 in „Hirschflur“ umbenannt. Zu dieser Namensgebung mögen die vielen aus dem Forst Trappönen auf das Gemeindegebiet austretenden Hirsche beigetragen haben[3].

In Kriegsfolge kam das Dorf im Jahre 1945 mit dem übrigen nördlichen Ostpreußen zur Sowjetunion. Im Jahre 1947 erhielt es die russische Bezeichnung „Nikolskoje“ und wurde gleichzeitig in den Dorfsowjet Liwenski selski Sowet im Rajon Krasnosnamensk eingeordnet.[6] Später gelangte der Ort in den Timofejewski selski Sowet. Von 2008 bis 2015 gehörte Nikitowka zur Landgemeinde Alexejewskoje selskoje posselenije und seither zum Stadtkreis Krasnosnamensk.

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Jahr Einwohner[7]
1910 530
1933 479
1939 419
2002 32
2010 36

SommerbrückeBearbeiten

Vom eigentlichen Gemeindegebiet waren vor 1945 fünf Landwirte durch die Scheschuppe (Ostfluss) abgeschnitten. Für sie baute man eine Holzbrücke über den Fluss[3]. Dazu wurden je drei lange Pfähle vom Boot aus in das Flussbett gerammt, die man mit einer kurzen Kette zu Böcken, die als Pfeiler dienten, verband. Auf diese etwa fünf Meter auseinanderstehenden Böcke wurden die Tragbalken gelegt. Hierauf kamen lange Stangen. Als Brückenbelag dienten Bohlen.

Die so erstellte Brücke musste aufgrund der Gefahr von Hochwasser und Eisgang immer im Herbst abgebrochen und im Frühjahr neu errichtet werden. Als nach dem Zusammenbruch einer Brücke im nahegelegenen Galbrasten (1938 bis 1946: Dreiflur, russisch: Liwenskoje) das Landratsamt den weiteren Brückenbau in Giewerlauken verbot, beschloss man den Bau einer Fähre. Sie wurde in den ersten 1930er Jahren von einem Schiffszimmermann gebaut und blieb bis 1945 in Betrieb.

KircheBearbeiten

Die mehrheitlich evangelische Bevölkerung Giewerlaukens resp. Dreiflurs war vor 1897 in das Kirchspiel der Kirche Ragnit (heute russisch: Neman) eingepfarrt, danach in das Kirchspiel der Kirche Groß Lenkeningken (1938 bis 1946: Großlenkenau, russisch: Lesnoje). Damit gehörte sie zur Diözese Ragnit im Kirchenkreis Tilsit-Ragnit innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Heute liegt Nikolskoje im Einzugsgebiet der evangelisch-lutherischen Gemeinde in Sabrodino innerhalb der Propstei Kaliningrad[8] der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland.

SchuleBearbeiten

In Giewerlauken bestand eine zweiklassige Schule, die von etwa 60 Jungen und Mädchen besucht wurde. Die Gemeinde bildete mit der Gemeinde Aszen (1936 bis 1946: Aschen, russisch: Chworostjanka, heute nicht mehr existent) und der Försterei Katzenfang des Forstamtes Trappönen einen Schulverband.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1, Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. Dietrich Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Hischflur
  3. a b c Giewerlauken (Hirschflur) bei wiki-de
  4. Rolf Jehke, Amtsbezirk Galbrasten (u. a.)
  5. Rolf Jehke, Amtsbezirk Raudszen (u. a.)
  6. Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 ноября 1947 г. «О переименовании населённых пунктов Калининградской области» (Verordnung des Präsidiums des Obersten Rats der RSFSR "Über die Umbenennung der Orte des Gebiets Kaliningrad" vom 17. November 1947)
  7. Volkszählungsdaten
  8. Evangelisch-lutherische Propstei Kaliningrad (Memento des Originals vom 29. August 2011 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.propstei-kaliningrad.info