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Paulinenaue

Gemeinde in Deutschland
Wappen Deutschlandkarte
Die Gemeinde Paulinenaue führt kein Wappen
Paulinenaue
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Paulinenaue hervorgehoben
Koordinaten: 52° 41′ N, 12° 43′ O
Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Havelland
Amt: Friesack
Höhe: 31 m ü. NHN
Fläche: 31,6 km2
Einwohner: 1298 (31. Dez. 2017)[1]
Bevölkerungsdichte: 41 Einwohner je km2
Postleitzahl: 14641
Vorwahl: 033237
Kfz-Kennzeichen: HVL, NAU, RN
Gemeindeschlüssel: 12 0 63 228
Gemeindegliederung: 2 Ortsteile
Adresse der Amtsverwaltung: Marktstraße 22
14662 Friesack
Webpräsenz: www.paulinenaue.info
Bürgermeister: Erhard Hesse (SPD)
Lage der Gemeinde Paulinenaue im Landkreis Havelland
BrieselangDallgow-DöberitzFalkenseeFriesackGollenberg (Havelland)GroßderschauHavelaueKetzin/HavelKleßen-GörneKotzen (Havelland)Märkisch LuchMilower LandMühlenbergeNauenNennhausenPaulinenauePessinPremnitzRathenowRetzowRhinowSchönwalde-GlienSeeblickStechow-FerchesarWiesenaueWustermarkBrandenburgKarte
Über dieses Bild

Paulinenaue ist eine zum Amt Friesack gehörende Gemeinde im Landkreis Havelland im Land Brandenburg.

Inhaltsverzeichnis

GemeindegliederungBearbeiten

Zu Paulinenaue gehört der Ortsteil Selbelang mit den bewohnten Gemeindeteilen Bienenfarm, Kamerun und Lindholzfarm. Hinzu kommen die Wohnplätze Eichberge und Rother Husar.[2]

GeschichteBearbeiten

 
Bahnhofsgebäude

Das Dorf Paulinenaue liegt auf einer Talsandinsel im Havelländischen Luch. Archäologischen Ausgrabungen zufolge war die Region bereits zur Zeit des Römischen Reiches besiedelt.[3] Die erste urkundliche Erwähnung der Gemarkung erfolgte im Jahr 1390. Hassow von Bredow verkaufte zu dieser Zeit ein Gebiet zwischen Lindholz und Lütsche an das Domkapitel Brandenburg. Im 16. Jahrhundert werden Viehhöfe der Gebrüder von Bardeleben im Lindholz erwähnt. Aus der ursprünglich zu Selbelang gehörenden „Bardelebenschen Meierei“ entwickelte sich nach Verkauf im 19. Jahrhundert unter dem Patronat des Pessiner Landadligen Friedrich Wilhelm von Knoblauch (1798–1852) der Ort Paulinenaue. Namensgeberin war 1833 von Knoblauchs Braut Pauline von Bardeleben (1811–1884). Nach der Einrichtung eines Haltepunktes an der Berlin-Hamburger Eisenbahn 1847 wurde die Geschichte Paulinenaues in erster Linie durch die Eisenbahn bestimmt: Die Meiereien konnten nun ihre Produkte mit der Bahn nach Hamburg oder Berlin liefern. Damals standen hier nur etwa zehn Häuser. Von 1880 bis 1970 war der Bahnhof zudem Endstation der Paulinenaue-Neuruppiner Eisenbahn sowie von 1900 bis 1924 Haltepunkt an der Kreisbahn Rathenow-Senzke-Nauen. Gute Absatzmöglichkeiten und (besonders für den Erdbeeranbau) günstige Standortfaktoren beförderten nach einer Luchmelioration zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Ansiedlung einiger Gartenbaubetriebe. 1912 war Paulinenaue zum eigenen Gutsbezirk und 1924 zur selbstständigen Gemeinde geworden.

Schon vor dem Zweiten Weltkrieg war Paulinenaue Forschungsstandort. Hans Goldschmidt, der Erfinder des Thermitverbundschweißverfahrens, betrieb als Gutsbesitzer von 1918 bis zu seinem Tod hier eine Forschungswerkstatt mit Schweißerei und Tischlerei. Nachhaltig prägte das 1949 von Eilhard Alfred Mitscherlich gegründete Institut zur Steigerung der Pflanzenerträge der Deutschen Akademie der Wissenschaften die Entwicklung des Ortes.[4] 1957 wurde das Institut von der Deutschen Akademie der Landwirtschaftswissenschaften übernommen und in Institut für Grünland- und Moorforschung umbenannt. 1972 erhielt es den Namen Institut für Futterproduktion der Akademie der Landwirtschaftswissenschaften der DDR. In den Jahren nach der Wiedervereinigung zerfiel das Institut in mehrere Einzeleinrichtungen. Das Schloss wurde nach dem Krieg zum Gästehaus des Akademieinstituts umgebaut. Seit 2010 dient es als Altenheim.[5]

Mit Wirkung vom 26. Oktober 2003 wurde das Nachbardorf Selbelang im Zuge der Gemeindegebietsreform ein Ortsteil von Paulinenaue.[6]

BevölkerungsentwicklungBearbeiten

Jahr Einwohner
1875 150
1890 155
1910 300
1925 565
1933 701
1939 713
1946 1 053
1950 1 144
Jahr Einwohner
1964 994
1971 1 092
1981 1 173
1985 1 209
1989 1 218
1990 1 196
1991 1 168
1992 1 161
1993 1 174
1994 1 171
Jahr Einwohner
1995 1 181
1996 1 148
1997 1 110
1998 1 126
1999 1 081
2000 1 058
2001 1 031
2002 1 021
2003 1 337
2004 1 331
Jahr Einwohner
2005 1 328
2006 1 310
2007 1 287
2008 1 271
2009 1 242
2010 1 209
2011 1 214
2012 1 209
2013 1 198
2014 1 233
Jahr Einwohner
2015 1 238
2016 1 255
2017 1 298

Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl[7][8][9]: Stand 31. Dezember (ab 1991), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011

PolitikBearbeiten

GemeindevertretungBearbeiten

Die Gemeindevertretung von Paulinenaue besteht aus 10 Gemeindevertretern und dem ehrenamtlichen Bürgermeister.

  • SPD: 4 Sitze
  • Freiwillige Feuerwehr e.V: 2 Sitze
  • Die Linke: 2 Sitze
  • Für Selbelang: 1 Sitz
  • Einzelbewerber Tino Müller: 1 Sitz

(Stand: Kommunalwahl am 25. Mai 2014)[10]

BürgermeisterBearbeiten

  • seit 2003 Erhard Hesse (SPD)[11]

Hesse wurde in der Bürgermeisterwahl am 25. Mai 2014 ohne Gegenkandidat mit 83,2 % der gültigen Stimmen für eine weitere Amtszeit von fünf Jahren[12] in seinem Amt bestätigt.[13]

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Schloss in Selbelang
 
Nikolaikirche in Selbelang
 
Viertelmeilenstein von Selbelang
  • Der Paulinenauer Gutshof wurde in seiner heutigen Ausdehnung unter Einbeziehung älterer Meiereigebäude in den 1830er Jahren angelegt und in der Zeit des Ersten Weltkriegs modernisiert. Sehenswert sind hier das Herrenhaus (1833, aufgestockt 1914/1917, saniert 2009/2010), Allee und Park, die Stallgebäude und der Speicher (1925).
  • Besonders ortsbildprägend ist das klassizistische Empfangsgebäude in der ehemaligen Eisenbahnkolonie (1847, erweitert 1883). Diese Objekte sind wie die Dorfkirche Paulinenaue (1931/1932) und ein Wandbild im Speisesaal des ehemaligen Mehrzweckgebäudes aus den 1970er Jahren denkmalgeschützt.[14]
  • In Selbelang stehen die Kirche St. Nikolai, die Parkanlagen und ein Viertelmeilenstein unter Denkmalschutz.
  • Im Naturschutzgebiet Lindholz ist das einzige Vorkommen des Großen Zweiblatts sowie der grünliche Waldhyazinthe in Brandenburg.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

WirtschaftBearbeiten

In Paulinenaue sind mehrere Handwerksbetriebe, ein Wohnungsbauunternehmen, eine private Haus- und Krankenpflege, eine Imkerei sowie mehrere Kleingewerbetreibende tätig. In Kamerun sind eine Pferdepension und ein Geflügelhof ansässig. Im Ortsteil Selbelang befindet sich eine staatlich anerkannte Altenpflegeschule.

In der Bahnhofstraße 9 hat die Kita Paulinchen und in der Hausnummer 5A die Karibu-Grundschule ihren Sitz.

VerkehrBearbeiten

Paulinenaue liegt etwa 4 Kilometer nordöstlich der Bundesstraße 5 zwischen Friesack und Nauen.

Der Haltepunkt Paulinenaue liegt an der Bahnstrecke Berlin–Hamburg, die vom Regionalexpress RE 2 Wismar–Berlin–Cottbus bedient wird.

Mit der Linie 669 besteht eine Busverbindung von Paulinenaue nach Friesack und nach Nauen. Die Linien 661 und 680 bieten von Selbelang eine Verbindung nach Nauen bzw. Rathenow.

Der „Havelland-Radweg“ durchquert den Ort und trifft am Bahnhofsgebäude auf den hier beginnenden Radweg „Stille Pauline“ nach Fehrbellin, dieser ist auf der im Mai 1970 eingestellten Paulinenaue-Neuruppiner Eisenbahn trassiert.

Der Flugplatz Bienenfarm bietet neben dem regulären Flugbetrieb Ausbildungsmöglichkeiten, Stellplätze oder Fallschirmsprünge an. Der Quax–Verein zur Förderung von historischem Fluggerät hat hier mehrere Oldtimer-Flugzeuge fest stationiert.

Mit Paulinenaue verbundene PersönlichkeitenBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bevölkerung im Land Brandenburg nach amtsfreien Gemeinden, Ämtern und Gemeinden 31. Dezember 2017 (XLSX-Datei; 223 KB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. Dienstleistungsportal der Landesverwaltung Brandenburg. Gemeinde Paulinenaue
  3. Albert Kiekebusch: Eine germanische Ansiedlung aus der späten römischen Kaiserzeit bei Paulinenaue, Kr. Westhavelland. Nebst einigen Bemerkungen über den Zusammenhang der Grundrisse vom Bucher Typus mit dem altgriechischen Megaron. In: Praehistorische Zeitschrift. Band 1/2, 1912, S. 152–165.
  4. Günther Wacker: Paulinenaue. Eine Ortschronik aus dem Havelland. Paulinenaue 1984, S. 21
  5. Informationstafel: Sehenswertes am Bahnhof, Oktober 2016.
  6. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003
  7. Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Havelland. S. 18–21
  8. Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2015 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7
  9. Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember)
  10. Ergebnis der Kommunalwahl am 25. Mai 2014
  11. Kommunalwahlen 26.10.2003. Bürgermeisterwahlen, S. 25
  12. Brandenburgisches Kommunalwahlgesetz, § 73 (1)
  13. Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 25. Mai 2014
  14. Landesdenkmalliste (PDF; 234 kB), Stand: 31. Dezember 2010

WeblinksBearbeiten

  Commons: Paulinenaue – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien