Hauptmenü öffnen

Akademie der Landwirtschaftswissenschaften der DDR

Außenansicht des Gebäudes der Akademie in Berlin (1951, mit Flaggen befreundeter Nationen)
Schulungszentrum der Akademie 1987

Die Akademie der Landwirtschaftswissenschaften der DDR (AdL) war eine außeruniversitäre agrarwissenschaftliche Forschungseinrichtung in der DDR.

Geschichte und AufgabenBearbeiten

Nachdem die Regierung der DDR am 11. Januar 1951 beschlossen hatte, eine zentrale Forschungseinrichtung für die Land- und Forstwirtschaft zu schaffen, wurde mit Wirkung vom 1. Januar 1951 die Deutsche Akademie der Landwirtschaftswissenschaften errichtet[1], die seit 1972 Akademie der Landwirtschaftswissenschaften der DDR hieß. Aus der Klasse der Landwirtschaftswissenschaften der Deutschen Akademie der Wissenschaften (DAW) entstand die Akademie der Landwirtschaftswissenschaften als eigenständige Institution, um die Aufgaben der Forschungsleitung und Forschungskoordination im Agrarbereich wahrzunehmen. Laut Statut oblag der Akademie „als höchster wissenschaftlicher Einrichtung zur Förderung aller Zweige der Land- und Forstwirtschaft die Pflege des bedeutenden Erbes und der großen Tradition deutscher Landwirtschaftswissenschaften und die Aufgabe, diese in allen Zweigen und deren Grenzgebieten weiterzuentwickeln und damit zur Mehrung der geistigen Güter des deutschen Volkes beizutragen“.

Die Akademie bestand aus der Gelehrtengesellschaft (Plenum) der ordentlichen Mitglieder, den landwirtschaftlichen Forschungsinstituten (Sektionen) und der zentralen Verwaltungs- und Leitungseinrichtung. Als Gelehrtengesellschaft vereinte die Akademie anerkannte Agrarwissenschaftler, die überwiegend als Direktoren von Instituten mit internationalem Ruf tätig waren. Der erste Präsident der Akademie, Hans Stubbe (1951–1968), leitete als Direktor des Instituts für Genetik an der Hallenser Universität zugleich das Institut für Kulturpflanzenforschung Gatersleben der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Der letzte Präsident der Akademie war Dieter Spaar (1987–1990).[2]

Im Laufe der fast 40-jährigen Geschichte reagierte die Akademie mehrfach mit Strukturänderungen darauf, dass Entwicklungen in der DDR-Volks- und Agrarwirtschaft neue Anforderungen an die Agrarforschung stellten. Neue Institute wurden gegründet und ganze Forschungsbereiche formierten sich. 1989 wurde die Forschungsarbeit in 20 Instituten und drei Forschungszentren durchgeführt. Insgesamt 20 Sektionen und vier Wissenschaftliche Räte koordinierten die Forschungsarbeit. In den Akademieeinrichtungen konzentrierte sich schließlich die Hälfte des agrarwissenschaftlichen Forschungspotentials der DDR. Es umfasste zu diesem Zeitpunkt etwa 3300 Wissenschaftler. Hinzu kamen etwa 2900 Wissenschaftler, die in Forschungseinrichtungen arbeiteten, die dem Ministerium für Land-, Forst- und Nahrungsgüterwirtschaft direkt unterstellt waren.

Nach der deutschen Wiedervereinigung im Oktober 1990 beendete die Akademie ihre Tätigkeit als organisatorische Einheit von Forschungseinrichtungen und zentraler Leitung. Sie wurde entsprechend Artikel 38 des Einigungsvertrages am 31. Dezember 1991 aufgelöst. Die weitgehend in die Leitung und Organisationsstruktur der Akademie eingebundene Gelehrtengesellschaft beendete annähernd zeitgleich ihre Arbeit und wurde ebenfalls aufgelöst.

Der Wissenschaftsrat der Bundesrepublik evaluierte die Akademieinstitute und verfolgte zugleich das Ziel, ein Konzept für die Neuordnung der ostdeutschen außeruniversitären Forschung zu erarbeiten. In seiner Stellungnahme zur Evaluierung der AdL empfahl der Wissenschaftsrat u. a. die Archivierung aller Dokumente und Forschungsmaterialien, die in den einzelnen AdL-Einrichtungen und im Akademie-Archiv lagerten. Diese Bestände sollten im Zuge der Archivierung so aufbereitet werden, dass sie allgemeiner Nutzung zugänglich sind.

Die Erreichung dieses Zieles stand unter dem Vorbehalt, dass solche Struktureinheiten wie die in der DDR bestehenden Akademien (Akademie der Wissenschaften, Akademie der Landwirtschaftswissenschaften, Bauakademie) nicht erhalten, sondern in das Wissenschaftssystem der Bundesrepublik integriert werden sollten.[3]

SektionenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Klaus Schmidt (Hrsg.): Landwirtschaft in der DDR - VEG, LPG und Kooperationen; wie sie wurden, was sie waren, was aus ihnen geworden ist, Agrimedia GmbH & Co. KG, Clenze 2009
  • Johannes Wolf, Ernst Ritter: Akademie der Landwirtschaftswissenschaften. In: Deutsche Gesellschaft für Züchtungskunde (Hrsg.): DGfZ-Schriftenreihe, Sonderband I: Tierzucht in der DDR und in den Neuen Bundesländern. 2007, ISSN 0949-8842, S. 130–167.
  • Hans Wagemann (Hrsg.): Von der Deutschen Akademie der Landwirtschaftswissenschaften zu Berlin zur Akademie der Landwirtschaftswissenschaften der DDR. Ein Beitrag zur Geschichte 1951-1991, Verlag Am Park, Berlin 2012 ISBN 978-3897931213

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Beschluß zur Errichtung der Deutschen Akademie der Landwirtschaftswissenschaften vom 11. Januar 1951 (GBl. S. 29)
  2. Dieter Spaar: Dieter Spaar. Abgerufen am 13. August 2018.
  3. Zitiert aus Agrarpolitische Berichte 2015