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Nennhausen

Gemeinde im Landkreis Havelland in Brandenburg
Wappen Deutschlandkarte
Die Gemeinde Nennhausen führt kein Wappen
Nennhausen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Nennhausen hervorgehoben
Koordinaten: 52° 36′ N, 12° 30′ O
Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Havelland
Amt: Nennhausen
Höhe: 35 m ü. NHN
Fläche: 89,69 km2
Einwohner: 1844 (31. Dez. 2017)[1]
Bevölkerungsdichte: 21 Einwohner je km2
Postleitzahl: 14715
Vorwahl: 033878
Kfz-Kennzeichen: HVL, NAU, RN
Gemeindeschlüssel: 12 0 63 212
Gemeindegliederung: 6 Ortsteile und ein Wohnplatz
Adresse der Amtsverwaltung: Fouqueplatz 3
14715 Nennhausen
Bürgermeisterin: Brigitte Noël (Die Linke)
Lage der Gemeinde Nennhausen im Landkreis Havelland
BrieselangDallgow-DöberitzFalkenseeFriesackGollenberg (Havelland)GroßderschauHavelaueKetzin/HavelKleßen-GörneKotzen (Havelland)Märkisch LuchMilower LandMühlenbergeNauenNennhausenPaulinenauePessinPremnitzRathenowRetzowRhinowSchönwalde-GlienSeeblickStechow-FerchesarWiesenaueWustermarkBrandenburgKarte
Über dieses Bild

Nennhausen ist eine Gemeinde im Süden des Landkreises Havelland in Brandenburg (Deutschland). Sie ist Verwaltungssitz des gleichnamigen Amtes Nennhausen.

Inhaltsverzeichnis

GeografieBearbeiten

Nennhausen liegt etwa 14 km östlich von Rathenow und rund 25 km nördlich von Brandenburg an der Havel. Östlich grenzt an die Gemeinde das Havelländische Luch, in dem sich ein ausgedehntes Schutzgebiet für die stark gefährdeten Großtrappen (Otis tarda) befindet. Der Ortsteil Buckow beherbergt die staatliche Vogelschutzwarte des Landes Brandenburg, deren zentrale Aufgabe in der Entwicklung und Umsetzung des Artenschutzprogramms für die bis zu 18 Kilogramm schweren Trappen besteht, die nach den afrikanischen Riesentrappen (Ardeotis kori) zu den schwersten flugfähigen Vögeln weltweit zählen.

GemeindegliederungBearbeiten

Zur Gemeinde Nennhausen gehören die Ortsteile

  • Bamme
  • Buckow
  • Damme
  • Gräningen
  • Liepe
  • Mützlitz

und die Wohnplätze Ausbau, Bammer Ausbau, Försterei Krügershorst, Lieper Mühle, Luchhof, Nennhof und Spolierenberg.[2]

GeschichteBearbeiten

 
Kirche Nennhausen

Im Jahr 1161 wurde der heutige Ortsteil Buckow erstmals urkundlich erwähnt. Die erste urkundliche Erwähnung von Damme als Dambe erfolgte im Jahr 1164. Urkundlich erstmals erwähnt wurden Nennhausen 1304, Bamme 1348, Liepe 1304 und Gräningen 1375. Mützlitz fand im Domkapitel Brandenburg im Jahr 1161 erste urkundliche Erwähnung. Die Orte Mützlitz und Buckow sind slawischen Ursprungs.

Das Rittergut Nennhausen gehörte als Lehen der Bischöfe von Brandenburg von 1482 bis 1694 der Familie Lochow und kam 1694 an die Familie Briest. Sie starb 1822 aus, so erbte es die Dichterin Caroline de la Motte Fouqué, geb. von Briest, Ehefrau des Schriftstellers Friedrich de la Motte Fouqué, und danach ihre Nachfahren aus erster Ehe mit einem Rochow. Der letzte Rochow auf Nenndorf war Theodor von Rochow (1794–1854), dessen Witwe verkaufte es an den Industriellen Karl Wilhelm von Jaeckel (1816–1875). Die Tochter Anna von Jaeckel (1862–1943) heiratete Adalbert Ferdinand Wilhelm von Bredow (1859–1933), von ihm erwarb es der Graf von und zu Westerholt und Gysenberg. 1945 wurde es enteignet und ein Flüchtlingsheim. 1996 erwarb Alexander von Stechow das Gutshaus und sanierte es.[3]

Der Rittergut Liepe wurde 1353 als „Lyp“ erstmals genannt. Seit 1375 war es im Besitz derer von Lochow und ab 1427 derer von Bredow. Nach dem Tod des kinderlosen Friedrich Ludwig Wilhelm Graf von Bredow (1819–1886) brachte die Familie das Gut in eine Familienstiftung ein, deren Einkünfte unter den männlichen Mitgliedern der Familie aufgeteilt wurden. Das 1855 neu gebaute Lieper Gutshaus existiert nicht mehr. An das ehemalige Rittergut erinnert seit dem Jahr 2006 eine Slawenburg, die dort im Zuge der Landesgartenschau, die auf dem Gut stattfand, errichtet wurde.

Nennhausen gehörte 1817–1952 zum Landkreis Westhavelland in der preußischen Provinz Brandenburg (1947–1952 im Land Brandenburg), 1952–1990 zum Kreis Rathenow im DDR-Bezirk Potsdam.

Die Gemeinden Buckow und Damme wurden am 31. Dezember 2002 nach Nennhausen eingemeindet.[4] Im Zuge der brandenburgischen Gemeindegebietsreform wurden die bis dahin selbstständigen Gemeinden Bamme, Gräningen, Liepe und Mützlitz am 26. Oktober 2003 in die Gemeinde Nennhausen eingegliedert.[5]

BevölkerungsentwicklungBearbeiten

Jahr Einwohner
1875 663
1890 698
1910 743
1925 1 006
1933 845
1939 907
1946 1 178
1950 1 235
Jahr Einwohner
1964 1 024
1971 969
1981 1 026
1985 994
1989 1 032
1990 1 005
1991 1 018
1992 1 015
1993 1 018
1994 1 024
Jahr Einwohner
1995 1 014
1996 1 001
1997 975
1998 993
1999 973
2000 1 022
2001 1 001
2002 1 232
2003 2 119
2004 2 073
Jahr Einwohner
2005 2 029
2006 2 018
2007 1 989
2008 1 941
2009 1 941
2010 1 931
2011 1 927
2012 1 901
2013 1 895
2014 1 871
Jahr Einwohner
2015 1 901
2016 1 885
2017 1 844

Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl[6][7][8]: Stand 31. Dezember (ab 1991), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011

PolitikBearbeiten

GemeindevertretungBearbeiten

Die Gemeindevertretung besteht aus 12 Gemeindevertretern und der ehrenamtlichen Bürgermeisterin.

  • Wählergruppe "Gemeinsam vor Ort": 8 Sitze
  • Wählergruppe Unabhängige Bürgerinitiative "Zukunft für die Gemeinde Nennhausen": 4 Sitze

(Stand: Kommunalwahl am 25. Mai 2014)[9]

BürgermeisterinBearbeiten

  • seit 1998 Brigitte Noël (Die Linke)[10]

Noël wurde in der Bürgermeisterwahl am 25. Mai 2014 mit 62,5 % der gültigen Stimmen für eine weitere Amtszeit von fünf Jahren[11] in ihrem Amt bestätigt.[12]

 
Kirche im Ortsteil Liepe

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Fouqué-Eiche (2006 nach Sturm umgestürzt)
 
Fouqué-Eiche (2011)
 
Sandstein-Urne im Schlosspark

In der Liste der Baudenkmale in Nennhausen stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Baudenkmale.

Das Schloss Nennhausen, ein herausragendes Gutshaus, wurde 1705 erbaut und ab 1735 umgestaltet. Es war Wohnsitz der beiden romantischen Schriftsteller Caroline von Briest und ihres zweiten Ehemanns Friedrich de la Motte Fouqué. Ein weiterer umfangreicher Umbau des Herrenhauses erfolgte zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Nordflügel der vorbestehenden barocken Anlage wurde abgerissen und Schloss Nennhausen nach Plänen von Ferdinand von Arnim im Stil der Neugotik überformt. 1983 kam es zu einem Brand, der das Gutshaus schwer beschädigte. Eine Reparatur blieb zunächst aus. Erst in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre erfolgte umfangreiche Sanierungsmaßnahmen. Der Schloss- oder Gutspark wurde ab 1780 in einen englischen Landschaftsgarten umgestaltet. Die im Park befindliche Orangerie wurde nach der Restauration im Mai 2013 wieder eröffnet.

Nahe dem Ort Bamme befindet sich der Burgwall Bamme, der Überrest eines slawischen Burgwalls aus dem 7. bis 9. Jahrhundert. Von der einstigen Anlage sind noch der ehemaligen Wall und Burggraben erkennbar.

Weitere Sehenswürdigkeiten sind:

  • Dorfkirche Nennhausen, gotischen Ursprungs, Überarbeitung von 1613 mit Wanddenkmal, Relief aus Alabaster und Gruft mit Mumie. Turm von 1783 mit starken äußerlichen Eingriffen des 19. Jahrhunderts einschließlich Vorhalle im Stil der Neugotik
  • Fouqué-Ausstellung im Alten Gärtnerhaus
  • Sowjetisches Ehrenmal in Nennhausen
  • Bockwindmühle aus dem 16. Jahrhundert in Bamme
  • Bienenpark Lemme im Bamme
  • Dorfkirche Liepe
  • Dorfkirche Bamme
  • Dorfkirche Mützlitz
  • Gotische Dorfkirche Buckow aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, einst Wallfahrtskirche[13]
  • Staatliche Vogelschutzwarte mit Großtrappenschutzstation in Buckow
  • Dorfkirche Damme aus dem Jahr 1822 mit wertvollem Kelch
  • Dorfkirche Gräningen aus dem 16. Jahrhundert mit Taufbecken aus dem Jahre 1686
  • Naturschutzgebiet Gräninger See
  • Quelle Gräninger Spring
  • Havelländisches Luch
  • Slawenburg im OT Liepe

VerkehrBearbeiten

Nennhausen ist über die Landesstraße L 982 mit der vier Kilometer entfernten Bundesstraße 188 verbunden.

Der Bahnhof Nennhausen liegt an der Bahnstrecke Berlin–Lehrte. Er wird von der Regionalexpresslinie RE 4 (RathenowBerlinLudwigsfelde) der ODEG im Zwei-Stunden-Abstand bedient. Werktags zur Hauptverkehrszeit halten die Züge stündlich und verkehren zum Teil bis Jüterbog.

PersönlichkeitenBearbeiten

Söhne und Töchter der GemeindeBearbeiten

Mit Nennhausen verbundene PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Ute Kamps / Heike Mortell / Bernhard Rengert: Nennhausen; (Schlösser und Gärten der Mark); ed. Sibylle Badstübner-Gröger / Freundeskreis Schlösser und Gärten der Mark. Deutsche Gesellschaft e.V.; Berlin 2004.
  • Jahrbücher der preußischen Monarchie, Band 2, Digitalisat Nachricht von der Pockeninokulation zu Bennhausen bei Rathenow

WeblinksBearbeiten

  Commons: Nennhausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bevölkerung im Land Brandenburg nach amtsfreien Gemeinden, Ämtern und Gemeinden 31. Dezember 2017 (XLSX-Datei; 223 KB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. Dienstleistungsportal der Landesverwaltung Brandenburg. Gemeinde Nennhausen
  3. Website Schloss Nennhausen
  4. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2002
  5. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003
  6. Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Havelland. S. 18–21
  7. Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2015 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7
  8. Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember)
  9. Ergebnis der Kommunalwahl am 25. Mai 2014
  10. Ergebnisse der Kommunalwahlen 1998 (Bürgermeisterwahlen) für den Landkreis Havelland
  11. § 73 des Brandenburgischen Kommunalwahlgesetzes
  12. Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 25. Mai 2014
  13. Homepage des Fördervereins Wallfahrtskirche zu Buckow e.V., abgerufen am 2. Januar 2014