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Osterwohle ist eine Ortschaft und ein Ortsteil der Hansestadt Salzwedel im Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt.

Osterwohle
Stadt Salzwedel
Koordinaten: 52° 50′ 16″ N, 11° 0′ 28″ O
Höhe: 28 m ü. NHN
Fläche: 26,87 km²[1]
Einwohner: 113 (31. Dez. 2015)[2]
Bevölkerungsdichte: 4 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2010
Postleitzahl: 29413
Vorwahl: 039038
Osterwohle (Sachsen-Anhalt)
Osterwohle
Osterwohle
Lage von Osterwohle in Sachsen-Anhalt

Inhaltsverzeichnis

GeografieBearbeiten

Das altmärkische Straßendorf Osterwohle liegt etwa 10 Kilometer westlich von Salzwedel am Osterwohler Graben der nach Norden in die Alte Dumme strömt.[3]

OrtschaftsgliederungBearbeiten

Zur Ortschaft Osterwohle gehören die Ortsteile Osterwohle, Bombeck, Groß Gerstedt (mit dem Wohnplatz Wolfsmühle), Klein Gerstedt und Wistedt.

GeschichteBearbeiten

Die erste überlieferte urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 1247 als ein Kaplan des Archidiakonats de Osterwalde genannt wurde.[4] Nach dem Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 bestand Osterwohle aus vier freien Höfen.[5] Weitere Nennungen sind: 1430 im dorpe tho Osterwolde, 1478 to dem osterwolde, 1541 Ostrowolt, 1687 Osterwolde[1] und 1804 Osterwohl.[6]

Burg und GutBearbeiten

Das Dorf war der Hauptort des Gaues Osterwalde, der durch ein Kastell geschützt war. Die Gegend war waldreich, deshalb wurde die Burg „der Osterwald“ genannt.[7] Paul Grimm beschrieb im Jahre 1958 die Lage der Burg. Auf einer Karte von 1735 sind drei Burgteile im ehemals feuchten Gelände an der Süd- und Südostecke des Dorfes zu erkennen, die östlich und südlich der Kirche liegen und alle von miteinander zusammenhängenden Wassergräben umgeben sind.[8]

Ein ritterliches Geschlecht von Osterwalde wurde am Ende des 12. Jahrhunderts erstmals genannt, es siedelte aber bald nach dem Lande Stargard über.[7] 1430 erhielten die von Bodendiek die Erlaubnis das Schloss und den angelegten Wall auszubessern unter der Maßgabe, der Stadt Salzwedel nicht zum Nachteil zu gereichen.[9]

Aber schon 1478 verkauften sie Burg und Wall an die von Jeetze, die es bald wieder an die Familie Verdemann verkauften. Diese verpachtete es erst an Fritz von der Schulenburg († 1510, 9. Generation des Adelsgeschlechts), der es nach dem Tode des Domherrn Ludolf Verdemann von Hildesheim gänzlich erhielt und von dem Kurfürsten Joachim I. und dem Markgrafen Albrecht 1499 mit der Burg belehnt wurde. Er und seine Nachkommen erwarben die Höfe. Daraus ging das Gut Osterwohle mit dem 538 Hektar großen Forst Trippleben hervor.

Das Gut war bis zur Bodenreform 1945 im Besitz der Schulenburgs. Letzter Besitzer war Werner Graf von der Schulenburg-Beetzendorf (* 1908; † 1979, Forstwirt und Pfarrer, 21. Generation), ein Enkel von Werner von der Schulenburg.[10] Bis 1945 war die Landwirtschaft an einen Dr. Martin Lampe verpachtet, der im Januar 1946 von der Sowjetischen Besatzungsmacht (NKWD) verhaftet wurde und im Speziallager Nr. 1 Mühlberg verstarb. Teile des Gutshauses, einer ehemaligen Wasserburg aus dem 12. Jahrhundert, sind noch erhalten.[11]

Bei der Bodenreform wurden 1945 erfasst: eine Besitzung mit über 100 Hektar Land hat 508 Hektar, 25 Besitzungen unter 100 Hektar hatten zusammen 212 Hektar Land. Die Kirche hatte 14 Hektar. 1946 wurden aus dem Rittergutsbesitz die 508 Hektar enteignet und auf 267 Siedler aufgeteilt. Darunter war auch der Besitz von Dr. Lampe mit 189,7 Hektar, offenbar ein Teil des Ritterguts von der Schulenburg. Im Jahre 1952 entstand die erste Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft vom Typ I, die LPG „Justus Liebig“, die 1960 mit der LPG Bombeck und Wistedt zur Groß-LPG „Vereintes Land“ zusammengeschlossen wurde.[1]

Ersterwähnung 1022Bearbeiten

Die Urkunden aus dem Jahre 1022 über Stiftungen des Bischofs Bernward von Hildesheim gelten als Fälschungen.[12] In den Urkunden heißt es: in pago Osterwalde.[13]

EingemeindungenBearbeiten

Am 30. September 1928 wurde der Gutsbezirk Osterwohle mit der Landgemeinde Osterwohle vereinigt,[14] Zum Gut gehörte die Waldwärterei Rothenwohl und die Schäferei Trippleben.[1]

Am 1. Juli 1950 wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde Bombeck aus dem Landkreis Salzwedel in die Gemeinde Osterwohle eingemeindet. Am 25. Juli 1952 wurde die Gemeinde aus dem Landkreis Salzwedel in den Kreis Salzwedel umgegliedert. Am 1. Oktober 1972 wurden die Gemeinden Wistedt und Gerstedt aus dem Kreis Salzwedel nach Osterwohle eingemeindet. Die am 1. Oktober 1939 gebildete Gemeinde Gerstedt wurde damit aufgelöst und ihre Ortsteile Klein Gerstedt und Groß Gerstedt (mit dem Wohnplatz Wolfsmühle) kamen als Ortsteile zu Osterwohle. Die Gemeinde Osterwohle kam am 1. Juli 1994 zum Altmarkkreis Salzwedel.[15]

Bis Ende 2009 bildete Osterwohle mit den Ortsteilen Bombeck, Groß Gerstedt, Klein Gerstedt, Wistedt und dem Wohnplatz Wolfsmühle eine eigenständige Gemeinde und war Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Salzwedel-Land.

Durch einen Gebietsänderungsvertrag beschloss der Gemeinderat der Gemeinde Osterwohle am 30. Juli 2008, dass die Gemeinde Osterwohle in die Hansestadt Salzwedel eingemeindet wird. Dieser Vertrag wurde vom Landkreis als unterer Kommunalaufsichtsbehörde genehmigt und trat am 1. Januar 2010 in Kraft.[16][17]

Nach Eingemeindung der bisher selbstständigen Gemeinde Osterwohle wurden Bombeck, Groß Gerstedt, Klein Gerstedt, Osterwohle und Wistedt Ortsteile der Hansestadt Salzwedel. Für die eingemeindete Gemeinde wurde die Ortschaftsverfassung nach den §§ 86 ff. der Gemeindeordnung Sachsen-Anhalt eingeführt. Die eingemeindete Gemeinde Osterwohle und künftigen Ortsteile Bombeck, Groß Gerstedt, Klein Gerstedt, Osterwohle und Wistedt wurden zur Ortschaft der aufnehmenden Hansestadt Salzwedel. In der eingemeindeten Gemeinde und nunmehrigen Ortschaft Osterwohle wurde ein Ortschaftsrat mit fünf Mitgliedern einschließlich Ortsbürgermeister gebildet.

EinwohnerentwicklungBearbeiten

GemeindeBearbeiten

Jahr Einwohner
1734 39
1774 62
1789 84
Jahr Einwohner
1798 69
1801 87
1818 110
Jahr Einwohner
1840 241
1864 134
1871 142
Jahr Einwohner
1885 114
1895 111
1905 126
Jahr Einwohner
1925 196
1939 166
1946 245
Jahr Einwohner
1964 329
1971 679
1981 560
Jahr Einwohner
1990 578
1993 588
1995 561
Jahr Einwohner
2000 562
2005 502
2006 496
Jahr Einwohner
2008 484
2010 120
2014 113
Jahr Einwohner
2015 113

Gut und GutsbezirkBearbeiten

Jahr Einwohner
1798 13
1864 88
Jahr Einwohner
1871 25
1885 47
Jahr Einwohner
1895 63
1905 42

Quellen:[1][18][2][19]

ReligionBearbeiten

Die evangelische Kirchengemeinde Osterwohle gehörte zur Pfarrei Osterwohle,[20] wobei die Kirche in Henningen lange Zeit mater combinata und sogar die Mutterkirche der Pfarrei Osterwohle war. Die Evangelischen aus Osterwohle gehören heute zum Pfarrbereich Osterwohle-Dähre[21] im Kirchenkreis Salzwedel im Propstsprengel Stendal-Magdeburg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

Die ältesten überlieferten Kirchenbücher für die Pfarrei Osterwohle stammen aus dem Jahre 1666.[22]

PolitikBearbeiten

BürgermeisterBearbeiten

Letzter Bürgermeister der Gemeinde und heutiger Ortsbürgermeister der Ortschaft ist Jürgen Bangemann.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

  • Der Ortsfriedhof liegt am nördlichen Ausgang des Dorfes.

KircheBearbeiten

 
Kirche

Hauptartikel: Dorfkirche Osterwohle

Der Kern der Kirche in Osterwohle stammt vermutlich aus dem 13. Jahrhundert. Die einzigartige Dorfkirche wurde 1607–1621 in dem in Deutschland sehr seltenen manieristischen Stil von Oleke von der Schulenburg, geb. von Saldern, mit ihrem privaten Geld umgebaut und ausgestattet.[23] „Oleke ließ als Witwe die schlichte Dorfkirche in Osterwohle erbauen, die wegen ihrer künstlerischen wertvollen Ausstattung zu den bedeutendsten der Altmark gehört“[24]. Besonders beachtlich sind die von mehreren Meistern vor 1621 angefertigten Schnitzarbeiten. In der Kirche befinden sich Grabsteine und ein Epitaph von Georg von der Schulenburg und seiner Frau Anna von Veltheim, Schulenburg.

PersönlichkeitenBearbeiten

  • Gottfried Christian Rothe (1708–1776), geboren 1708 im Osterwohler Ortsteil Bombeck, lutherischer Theologe und Generalsuperintendent der Altmark und Prignitz sowie von Pommern

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark (Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil XII). Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-8305-2235-5, S. 1616–1621.
  2. a b Jens Heymann: Kernstadt und Dörfer der Einheitsgemeinde Salzwedel legen zu. In: Altmark Zeitung, Ausgabe Salzwedel. 15. Januar 2016 (az-online.de).
  3. Sachsen-Anhalt-Viewer des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation (Hinweise)
  4. Hermann Krabbo: Regesten der Markgrafen von Brandenburg aus askanischem Hause. Hrsg.: Verein für Geschichte der Mark Brandenburg. 1. Lieferung. Duncker & Humblot, Leipzig 1910, S. 159, Nr. 708 (uni-potsdam.de).
  5. Johannes Schultze (Hrsg.): Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 (= Brandenburgische Landbücher. Band 2; Veröffentlichungen der Historischen Kommission für die Provinz Brandenburg und die Reichshauptstadt Berlin. Band VIII, 2). Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, Antiqua marchia. Equitatura terre Soltowedel foris Portam Buchornighe. Osterwalde, S. 410–411 (Digitalisat in Universitätsbibliothek Potsdam).
  6. Friedrich Wilhelm August Bratring: Statistisch-topographische Beschreibung der gesammten Mark Brandenburg. Für Statistiker, Geschäftsmänner, besonders für Kameralisten. Band 1. Berlin 1804, S. 382 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10000735~SZ%3D00404~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  7. a b Wilhelm Zahn: Die Wüstungen der Altmark. In: Geschichtsquellen der Provinz Sachsen und angrenzender Gebiete. Band 43. Hendel, Halle a.S. 1909, S. 384, Nr. 400.
  8. Paul Grimm: Handbuch der vor- und frühgeschichtlichen Wall- und Wehranlagen. Die vor- und frühgeschichtlichen Burgwälle der Bezirke Halle und Magdeburg (= Schriften der Sektion für Vor- und Frühgeschichte. Band 6). 1958, ZDB-ID 1410760-0, S. 378, Nr. 1008. (zitiert nach Rohrlach)
  9. Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis: Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellschriften. Hauptteil 1. Band 5. Berlin 1845, S. 393 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10000983~SZ%3D00405~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  10. Genealogisches Handbuch des Adels, Gräfliche Häuser Band XVI, Starke Verlag 2000, S. 453.
  11. Georg Schmidt, Das Geschlecht von der Schulenburg, I. Teil: Ursprung, Wappen, Lebensweise usw., Mittler & Sohn, Berlin 1908, 373 ff.
  12. nach Peter P. Rohrlach: Hans K. Schulze: Festschrift für Walter Schlesinger. In: Mitteldeutsche Forschungen. Band 1. Köln/Wien 1973, ISBN 3-412-84973-1, S. 143.
  13. Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis: Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellschriften. Hauptteil 1. Band 15. Berlin 1858, S. 2, 4 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10000993_00010~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  14. Regierungsbezirk Magdeburg (Hrsg.): Amtsblatt der Regierung zu Magdeburg. 1928, ZDB-ID 3766-7, S. 216.
  15. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7, S. 359, 361, 363.
  16. Vereinbarung über die Eingemeindung der Gemeinde Osterwohle in die Hansestadt Salzwedel (Gebietsänderungsvereinbarung) und Genehmigung des Altmarkkreises Salzwedel vom 01.12.2008. In: Altmarkkreis Salzwedel (Hrsg.): Amtsblatt für den Altmarkkreis Salzwedel. Jahrgang 14, Nr. 12/2008. General-Anzeiger Salzwedel, Salzwedel 17. Dezember 2008, S. 195–196.
  17. StBA: Gebietsänderungen vom 1. Januar bis 31. Dezember 2010
  18. Wilhelm Zahn: Heimatkunde der Altmark. Nach Hinterlassenschaften des Verfassers bearbeitet von Martin Ehlies. 2. Auflage. Verlag Salzwedeler Wochenblatt, Graphische Anstalt, G.m.b.H., Salzwedel 1928, DNB 578458357, S. 149–150.
  19. Hansestadt Salzwedel: Integriertes Stadtentwicklungskonzept 2020. Juni 2015, S. 70 (salzwedel.de [PDF; abgerufen am 5. Mai 2019]).
  20. Pfarr-Almanach oder die evangelischen Geistlichen und Kirchen der Provinz Sachsen der Grafschaften Wernigerode, Rossla und Stolberg. 19. Jahrgang, 1903, ZDB-ID 551010-7, S. 99 (wiki-de.genealogy.net [abgerufen am 25. April 2019]).
  21. Pfarrbereich Osterwohle-Dähre. Abgerufen am 25. April 2019.
  22. Ernst Machholz: Die Kirchenbücher der evangelischen Kirchen in der Provinz Sachsen (= Mitteilungen der Zentralstelle für Deutsche Personen- und Familiengeschichte. 30. Heft). Leipzig 1925, S. 14 (wiki-de.genealogy.net [abgerufen am 25. April 2019]).
  23. Dietrich Werner Graf von der Schulenburg, Hans Wätjen: Geschichte des Geschlechts von der Schulenburg 1237–1983. Verlag Günter Hempel 1984, Stammtafel 7 auf S. 129.
  24. Dietrich Werner Graf von der Schulenburg, Hans Wätjen: Geschichte des Geschlechts von der Schulenburg 1237–1983. Verlag Günter Hempel 1984, S. 134.