Martinsville (Indiana)

Stadt im US-Bundesstaat Indiana

Martinsville ist der County Seat des Morgan County in Indiana. Die Kleinstadt war um die Jahrhundertwende ein bekannter Kurort. Ein rassistisch motivierter Mord in den 1960er-Jahren gab der Stadt, in der nur wenige Schwarze leben, einen schlechten Ruf. 2010 hatte Martinsville 11.828 Einwohner.

Martinsville
Spitzname: City of Mineral Water

Courthouse Square in der Innenstadt von Martinsville, 2010
Lage in Indiana
Morgan County Indiana Incorporated and Unincorporated areas Martinsville Highlighted.svg
Basisdaten
Gründung: 1822
Staat: Vereinigte Staaten
Bundesstaat: Indiana
County: Morgan County
Koordinaten: 39° 25′ N, 86° 25′ WKoordinaten: 39° 25′ N, 86° 25′ W
Zeitzone: Eastern (UTC−5/−4)
Einwohner: 11.828 (Stand: 2010)
Bevölkerungsdichte: 497 Einwohner je km2
Fläche: 24,10 km2 (ca. 9 mi²)
davon 23,81 km2 (ca. 9 mi²) Land
Höhe: 184 m
FIPS: 18-47448
GNIS-ID: 2395032 438684, 2395032
Website: martinsville.in.gov

Martinsvilles Innenstadt von oben, 2007

GeographieBearbeiten

Martinville liegt im Tal des White River, etwa 50 km südwestlich von Indianapolis. Die Stadt liegt im Washington Township.

GeschichteBearbeiten

Martinsville wurde 1822 gegründet, als eine vom Bundesstaat beauftragte Kommission nach einem Ort für den Verwaltungssitz des Countys suchte.[1] Die Stadt wurde nach dem ältesten Kommissionsmitglied John Martin benannt.[2] Zu diesem Zeitpunkt gab es die Siedlung noch nicht, lediglich ein Pfad der Lenape führte durch das bewaldete Gebiet.[1] Nach der Gründung ließen sich dort immer mehr weiße Siedler nieder, um 1850 war Martinsville ein kleiner Marktort. Über den Fluss wurden dort produzierte Lebensmittel in den Süden transportiert. 1853 erreichte die Madison and Indianapolis Railroad als erste Eisenbahn den Ort.[3] 1863 gründete sich die Gemeindeverwaltung.[1]

1887 wurde bei Erdgasbohrungen in Martinsville eine Mineralquelle gefunden. Schon ein Jahr später eröffnete das Barnard Sanitarium als erste Heilanstalt im Ort. Innerhalb kurzer Zeit entwickelte sich Martinsville zu einem beliebten Kurort, der durch den Tourismus florierte. Die Gäste kamen mit der Eisenbahn, später auch mit einer elektrischen Interurban-Verbindung nach Martinsville. Zwischen 1902 und 1903 gab es mit dem Clark's Sanatorium auch ein Sanatorium für Afroamerikaner, die die anderen Bäder in den Zeiten der Rassentrennung nicht nutzen durften. 1930 gab es in der Stadt insgesamt zehn Heilbäder. Mit der Weltwirtschaftskrise, neuen Entwicklungen in der Medizin sowie veränderten Freizeit- und Verkehrsgewohnheiten begann der Niedergang der Kurbäder. Das letzte Sanatorium schloss im Jahr 1968.[4]

Der Ku-Klux-Klan war seit den 1920er-Jahren in ganz Indiana aktiv, auch in Martinsville gab es Mitglieder. 1967 hielt er eine Demonstration in der Stadt ab.[5] Ein Jahr später wurde die junge Afroamerikanerin Carol Jenkins brutal ermordet, als sie mit Enzyklopädien hausierte. Der Mord blieb lange unaufgeklärt und verfestigte den Ruf der Stadt als sogenannte Sundown Town.[6] Auch später wurden mehrere rassistische Skandale in der Stadt publik: Etwa wurden 1998 die Heimspiele der örtlichen Highschool-Basketballmannschaft ausgesetzt, nachdem Spieler einer Gastmannschaft rassistisch beleidigt worden waren.[5] In den späten 1990er-Jahren gründete sich eine zivilgesellschaftliche Initiative, die Antirassismusprojekte organisierte und unterstützte. 2017 wurde eine Gedenktafel am Rathaus eingeweiht, die an Jenkins' Ermordung erinnert.[7]

Bevölkerungsentwicklung
Census Einwohner ± in %
1830 175
1840 400 128,6 %
1850 525 31,3 %
1860 640 21,9 %
1870 1131 76,7 %
1880 1943 71,8 %
1890 2680 37,9 %
1900 4038 50,7 %
1910 4529 12,2 %
1920 4895 8,1 %
1930 4962 1,4 %
1940 5009 0,9 %
1950 5991 19,6 %
1960 7525 25,6 %
1970 9723 29,2 %
1980 11.311 16,3 %
1990 11.677 3,2 %
2000 11.698 0,2 %
2010 11.828 1,1 %
Daten 1830–1850 aus [1], danach Volkszählung

Politik und ZivilgesellschaftBearbeiten

Der Stadtrat von Martinsville besteht (Stand 2020) aus zwei allgemeinen Abgeordneten und Vertretern aus fünf Ratsbezirken.[8] Der Bürgermeister ist Kenneth Costin.[9]

Die Bevölkerung von Martinsville ist überwiegend weiß, bei der Volkszählung 2010 lebten nur 24 Schwarze in der Stadt.[5] Die Stadt gilt noch heute als rassistisch und ist Gegenstand mehrerer Großstadtlegenden, nach denen unter anderem der Ku Klux Klan in Martinsville gegründet worden sei.[7]

Nach dem Tod George Floyds im Jahr 2020 gründete sich in der Stadt eine neue Antirassismus-Initiative, die den schlechten Ruf der Stadt verbessern will. Bei einer Demonstration der Black-Lives-Matter-Bewegung im Sommer des Jahres kam es zu Gegenprotesten, die Situation blieb aber friedlich.[7]

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

Martinsville hat zahlreiche historische Gebäude, darunter das 1857–59 errichtete Morgan County Courthouse im Italianate-Stil.[3] Das Martinsville Sanitarium von 1924/25 ist eines der teilweise erhaltenen Heilbäder der Stadt. Teile des Stadtzentrums und zwei Wohngebiete (East Washington Street und Martinsville Northside) sind als Historic District ausgewiesen. Mehrere weitere Bauten sind im National Register of Historic Places aufgeführt.

Der öffentliche Jimmy Nash City Park ist eine öffentliche Grünanlage im Norden der Stadt. Auf dem etwa 45 ha großen Areal gibt es auch Sportanlagen und ein Freibad.[10]

InfrastrukturBearbeiten

Martinsville liegt an der Straße zwischen Indianapolis und Bloomington, die gleichzeitig Teil der Interstate 69 und die Indiana State Route 37 ist. Von dieser Straße zweigen in Martinsville die Staatsstraßen 39, 252 und 44 ab.

In Martinsville gibt es sieben öffentliche Grundschulen, zwei Middle Schools und eine High School.[11]

PersönlichkeitenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Martinsville, Indiana – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d Charles Blanchard (Hrsg.): History of Morgan, Monroe & Brown Counties. F.A. Battey & Company, Chicago 1884, S. 81–99 (englisch, archive.org [abgerufen am 14. August 2020]).
  2. Henry Gannet: The origin of certain place names in the United States. 2. Auflage. Washington 1905, S. 201 (archive.org [abgerufen am 14. August 2020]).
  3. a b Morgan County Courthouse : Continuation Sheet. In: National Park Service (Hrsg.): National Register Information System. 1995, S. 9–11 (amerikanisches Englisch, nps.gov [abgerufen am 14. August 2020]).
  4. Martinsville Sanitarium : Continuation Sheet. In: National Park Service (Hrsg.): National Register Information System. 2003, S. 8–9 (amerikanisches Englisch, nps.gov [abgerufen am 14. August 2020]).
  5. a b c Will Higgins: 'We need to acknowledge it': Martinsville tries to remake its racist image. In: IndyStar. 19. Dezember 2019, abgerufen am 14. August 2020 (amerikanisches Englisch).
  6. Michele Norris: Indiana Town: From Racist Past to Primary Present. In: NPR. 30. April 2008, abgerufen am 14. August 2020 (amerikanisches Englisch).
  7. a b c Lydia Gerike: KKK rumors have persisted about Martinsville for decades. But where do they come from? In: The Indianapolis Star. 31. Juli 2020, abgerufen am 14. August 2020 (amerikanisches Englisch).
  8. City Council. Abgerufen am 14. August 2020 (amerikanisches Englisch).
  9. Mayor's Office. Abgerufen am 14. August 2020 (amerikanisches Englisch).
  10. Department of Parks and City Properties. Abgerufen am 14. August 2020 (amerikanisches Englisch).
  11. History. Abgerufen am 14. August 2020 (amerikanisches Englisch).